XLVI

[275] Wer lebt und urteilt, lernt beizeiten,

Wie tief verächtlich Menschen sind;

Wer fühlt, dem muß es Schmerz bereiten,

Wie schnell des Lebens Wahn zerrinnt.[275]

Er kann nun all den Zauber missen,

Verzehrt sich in Gewissensbissen

Und spürt der Reue dumpfe Pein ...

Dergleichen spendet insgeheim

Der Unterhaltung reiche Würze.

Erst quälte mich Onegins Ton;

Doch ich gewöhnte bald mich schon

An seine blendend scharfe Kürze,

Den spöttisch überlegnen Stil,

Das fein geschliffne Redespiel.

Quelle:
Puschkin, Alexander Sergejewitsch: Eugen Onegin. In: Gedichte, Poeme, Eugen Onegin, Berlin 1947, S. 275-276.
Lizenz:
Kategorien: