Fünfzehnter Auftritt


[81] Geheimes Kabinett des Zephises. Die Hinterwand, an der sich keine Möbel befinden, ist mit magischen Zeichen und Figuren bemalt. An der Seite wird ein Zaubertisch herausgeschoben, worauf ein kleiner Zauberer steht, neben ihm eine Glocke, auf welche er mit einem Hammer schlägt. Auf der entgegengesetzten Seite eine Tür.

Florian Waschblau kommt mit einer Butten auf dem Rücken, worin sich verschiedene Kleidungsstücke befinden, stellt sie beim Eintritt nieder.


FLORIAN.


Arie


Ich bin der liebe Florian,

So heißen mich die Leut,

Und wenn mich jemand brauchen kann,

Bin ich gleich bei der Schneid.

Im Kopf hab ich auf Ehr nicht viel,

Noch weniger im Sack,

Nur daß ich nichts als essen will,

Das ist mein größte Plag.


Ich ghör nur der Mariandel zu,

Auf d' Nacht so wie beim Tag,

Und wissen S', warum ich das tu?

Weil mich sonst keine mag.

Und foppt mich einer, was er kann,

So fühl ich keinen Neid,

Denn fangen d' Leut zum Lachen an,

Das ist mein größte Freud!


Ja, ja, mein lieber Florian, jetzt wirst du halt bald fort müssen aus dem Haus, wo dir die Tage in einem ewigen Rausch hingeschwunden sind. Mein armer junger Herr, wie wirds dem gehen? Keinen Kreuzer hat uns der Alte hinterlassen als das einschichtige Haus. Wann er nur wo[81] was zu leihen kriegte, aber nicht einmal einen Satz übers Haus kann er machen. Es ist ja ganz verrufen, wer wird denn ein Haus kaufen, wo die Hexen, wie die Schwalben, aus und ein gflogen sein? Ich weiß nicht, was er anfangen wird. Um mich ist mir nicht bang, ich werd mich schon wo anlehnen lassen an eine Planke, oder wo. Wenn ich nur ihn unterzubringen wußt, auf einem Comptoir bei einem Sauerkräutler, oder wo – Er ist in der größten Verzweiflung! Gestern hat er geweint, hat mir das letzte Dreiguldenzettel gegeben und hat gsagt, ich möcht davon vier Gulden unter die Armen austeilen, und mit dem, was überbleibt, soll ich hingehen, wo ich will. Ich kann ihn aber nicht verlassen, es ist unmöglich! Ich hab erst unlängst eine schöne Gschicht glesen, von einem römischen Löwen, der sein Herrn, dem Anton Trokles, so anhänglich war, und wenn ein solches Tier so handeln kann, so werd ichs doch auch noch zwegen bringen. Ich hab schon angfangt: ich hab alle meine Kleider zusammgepackt, hab auch der Mariandel, unserer Köchin, ihren ganzen Kasten ausgräumt, hab von dem Milichweib da diese Butten zu leihen gnommen, damits nicht ausgeplauscht wird, hab die Kleider recht hineingstampft, und weil in das Kabinett, was unserm alten Herrn sein Zauberlabratorium war, selten wer kommt, so hab ich den Juden herbestellt, dem verkauf ich s', und das Geld steck ich heimlich in mein Herrn sein Brieftaschel. Sieht auf den kleinen Zauberer. Jetzt hat der kleine Spitzbub alles ghört. Wirst denn du wem was sagen davon? Der kleine Zauberer deutet Nein mit dem Kopfe. Der sagt einem alles. Wird mein Herrn ein Unglück zustoßen? Zauberer deutet: Nein. Etwan mir? Zauberer deutet: Ja. Florian drohend. Du! Wie viel dumme Streich werd denn ich noch machen? Der Zauberer schlägt auf die Glocke eins, zwei, drei, dann recht schnell und oft hintereinander. Hörst auf, du verdammter Kerl! Hält ihm die Hand. So lang leb ich gar nicht.


Quelle:
Ferdinand Raimund: Sämtliche Werke. München 1960, S. 81-82.
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