Vierzehnter Auftritt


[117] Aladin. Vier Mann Wache mit Pfeilen. Vorige.


ALADIN. Fremdling! Der Herrscher wird in diesem Augenblicke hier erscheinen, um öffentliches Gericht zu halten, und bei dieser Gelegenheit will er dich bewillkommen und deine Bitten hören.

EDUARD. Nimm meinen Dank für deine Botschaft.

ALADIN. Doch haben wir Befehl erhalten, deinen Diener in das Irrenhaus zu bringen und ihn mit Ketten zu belasten, wie es für einen Rasenden geziemt.

FLORIAN. Was? Mich wollen s' in den Narrenturm sperren, und ich bin gscheider als sie alle –

ALADIN. Ergreift ihn.

FLORIAN. Ich sags ja, wo ich hinkomm, halten mich die Leute für einen Narren. So nehmen S' Ihnen doch an um mich, es wird sich doch einer um den andern annehmen.

EDUARD. Halt! Er ist mein Diener, und niemand hat ein Recht auf ihn als ich. Ich stehe für seinen Verstand und für sein künftiges Betragen gut.

FLORIAN. Ja, wir setzen was ein.

ALADIN. Wohl! Doch bei dem kleinsten Anfall werden wir unsere Befehle vollziehen.

EDUARD. Also hüte dich!

FLORIAN. Jetzt muß ich mir noch eine Ehr draus machen, wanns mich reißt.

ALADIN. Fremdling! Folge mir, bis ich dich dem Beherrscher vorstellen darf. Geht mit Eduard ab.

EDUARD im Abgehen. Florian, nimm dich in acht. Ab.

FLORIAN. Reden Sie nichts auf mich, Sie haben auch schon ausgedient bei mir. Allein. Ich unglückseliger Mensch, was fang ich an? Wenn ich auch durchging', es nutzt nichts, denn wenn er in England eine bei der Hand nimmt, so fangts mich in Holland zum reißen an. Es ist kein Mittel, als sukzessive hin zu werden, immer matter, bis es aus ist.


[118] Quodlibet


Werd ich denn hier sterben müssen?

Soll ich nicht die schöne Gegend

Drauß bei Währing wiedersehen?

Nimmermehr am heitern Ufer,

Beim Kanal spazieren gehn?

Nein, du armer Michel,

Der Tod kommt mit der Sichel! –

Wie traurig ist doch mein Geschick!

Mir blüht auf dieser Welt kein Glück,

Kein Mädchen, das stets Wahrheit spricht,

O jegerl, gfallt mir nicht die Gschicht. –


Welche Lust gewährt das Reißen,

Wenn eine recht stark lügt.

Glaubn Sies mir!


Ach, ist es denn gar so schwer,

Ein Mädchen z' finden,

Die ein treues Herz besitzt,

Das man kann ergründen?

O närrische Leute, o komische Welt!


Sonst war es ganz anders!

Da gab es noch Mädchen,

Die saßen am Rocken

Und spannen am Rädchen.

Jetzt putzen und zieren sie sich wie die Affen

Und lassen sich hinten und vorne begaffen.

Hab ich nicht recht?

Nu, wenn S' erlaubn!


Und meine Mariandel, die wird zu Hause fragen:

Was macht denn der Florel, sag, ist er recht gsund?

Er liegt im Spital drauß, ist ganz auf den Hund.

Ist das wahr?

Der arme Narr!

Lieber Herr Franzel,

Nur jetzt kein Tanzel![119]

Denn erster Liebe Kraft

Bleibt ewig Leidenschaft!

Und ihr Florel, meint sie,

Gilt ihr alls, meint sie,

Von Amstetten, meint sie,

Bis Herrnals, meint sie,

Gibts kein Mann, meint sie,

So wie er, meint sie,

Ich war schön, meint sie, au contraire!


Drum will ich lustig sein

Und mich des Lebens freun!

Nur in dem Landel,

Wo mein Mariandel

Sehnsuchtsvoll wartet,

Möcht ich schon sein.


Denn mir liegt nichts an Stammersdorf und an Paris,

Nur in Wien ists am besten, das weiß man schon gwiß.

Man weiß, daß in hundert Jahrn auch noch so is!

Aber, ob wir nicht gstorbn sein, das weiß man nicht gwiß.

Drum, wenn ich hier sterben sollt und Sie nimmer sich,

So bitt ich halt gar schön, so denken S' an mich!


Quelle:
Ferdinand Raimund: Sämtliche Werke. München 1960, S. 117-120.
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