Elfter Auftritt

[556] Verwandlung.

Herrlich mit Gold und Blumen geschmückter Gartensaal. Die Hinterwand geschmackvoll traperiert.

Alle Gäste versammelt. Nobel gekleidete Herren und Damen.

Dumont. Walter.

Während des Chores treten der Präsident, Flitterstein, Flottwell und Amalie ein und setzen sich. Wolf.

Chor.


Froh entzückte Gäste wallen

Durch die reich geschmückten Hallen.

Will sich Lust mit Glanz vermählen,

Muß sie Flottwells Schloß sich wählen.

Nur in seinen Sälen prangt,

Was das trunkne Herz verlangt.


Tänzer und Tänzerinnen im spanischen Kostüm führen einen reizenden Tanz aus, und am Ende bildet sich eine imposante Gruppe, bei welcher Kinder in demselben Kostüm die Vase, mit Blumen geschmückt, auf ein rundes Postament in die Mitte des Theaters stellen.


FLOTTWELL für sich. Was hat doch Wolf gemacht, jetzt sollte sie sie nicht erhalten.

KLUGHEIM. Sehen Sie doch, Baron, hier die berühmte Vase, welche ein Franzose dem Minister um zwanzigtausend Frank anbot.

FLITTERSTEIN. Wahrhaftig, ja, sie ist es.

MEHRERE GÄSTE betrachten sie. Wirklich schön!

WALTER. Sehn Sie doch hier, Chevalier, die Vase aus Paris.

DUMONT in einem Stuhl hingeworfen, ohne hinzusehen. O charmant! Sie sein ganz außerordentlick.

WALTER. Sie haben sie ja gar nicht angesehen.

DUMONT. Ick brauchen sie gar nick zu sehen, ick brauchen nur zu hören de Paris, kann gar nick anders sein als magnific.

FLITTERSTEIN. Fürwahr, Sie sind um dieses Kunstwerk zu beneiden, Herr von Flottwell.

FLOTTWELL für sich. Nun kann ich nicht zurück. Laut. Es[556] ist nicht mehr mein Eigentum. Ein unbedeutendes Geschenk, das ich der Königin des Festes weihe.

AMALIE erfreut. Ach Vater! wie erfreut mich das.

KLUGHEIM strenge. Nicht doch, mein Kind! Verzeihen Sie, Herr von Flottwell, das geb ich nicht zu. Das Geschenk hier ist durchaus zu kostbar, um es anzunehmen.

FLITTERSTEIN. Ja, ja, es ist zu kostbar.

FLOTTWELL. Das ist es nicht, mein Herr Baron. Die Welt erfreut sich keines Edelsteines, der zu kostbar wäre, ihn diesem Fräulein zum Geschenk zu bieten.

KLUGHEIM. Auch weiß ich nicht, wie wir zu solcher Ehre kommen.

FLITTERSTEIN halblaut. Die mehr beleidigend als –

FLOTTWELL fängt es auf. Beleidigend?

FLITTERSTEIN. Ich nehm es nicht zurück!

FLOTTWELL verbissen. Wie kömmt es denn, mein Herr Baron, daß Sie das Wort so eifrig für des Fräuleins Ehre führen?

KLUGHEIM. Er spricht im Namen seiner künftgen Braut.

EINIGE GÄSTE. Da gratulieren wir!

FLOTTWELL vernichtet. Dann hab ich nichts mehr zu erwidern!

KLUGHEIM. Nehmen Sie diese Vase hier zurück, so beschenkt ein Fürst, kein Edelmann.

FLOTTWELL stolz. Ich beschenke so! ich bin der König meines Eigentums. Dieses Kunstwerk hatte seinen höchsten Wert von dem Gedanken nur geborgt, daß diese schöne Hand es einst als ein erfreuend Eigentum berühren werde, es soll nicht sein! Ich acht es nicht. Wolf! Wolf tritt vor. nimm sie hin! Ich schenke diese Vase meinem Kammerdiener.


Wolf macht eine halbe verlegene Verbeugung. Die Vase wird weggebracht.


FLITTERSTEIN. Welch ein Tollsinn!

KLUGHEIM. Unbegreiflich!

DUMONT. Der Mann sein gans verrückt.

AMALIE. Wie kann er sich nur so vergessen!

DIE GÄSTE klatschen. Bravo! so rächt sich ein Millionär!

FLOTTWELL. Dies soll unsere Freude nicht verderben. Da Frankreichs Kunst so schlechten Sieg errungen, will ich[557] vor Ihrem Auge nun ein deutsches Bild entrollen, dessen Schönheit Sie gewiß nicht streitig machen werden. Sie sollen sehen, was ich für eine vortreffliche Aussicht habe.


Klatscht in die Hand.

Musik.

Der Vorhang schwindet, und über die ganze Breite des Theaters zeigt sich eine große breite Öffnung, durch deren Rahmen man eine herrliche Gegend perspektivisch gemalt erblickt. Ein liebliches Tal, hie und da mit Dörfern besäet, von einem Fluß durchströmt und in der Ferne von blauen Bergen begrenzt, erstrahlt im Abendrot. Die Basis des Rahmens bildet eine niedre Balustrade. Im Vordergrunde links von dem Zuschauer sitzt wie eine geheimnisvolle Erscheinung unter dunklem Gesträuch, von der untergehenden Sonne beleuchtet, der Bettler mit unbedecktem Haupte und gegen Himmel gewandtem Blick in malerischer Stellung. So daß das Ganze ein ergreifendes Bild bietet.


FLOTTWELL ohne genau hinzusehen. Gibt es eine schönere Aussicht? Er erschrickt, als er den Bettler sieht. Ha! welch ein Bild. Ein sonderbarer Zufall!


Diese Worte spricht Flottwell schon unter der leise beginnenden Musik. Zugleich.


CHOR VON GÄSTEN für welche sämtlich der Bettler nicht sichtbar ist.

Oh, seht doch dieses schöne Tal,

Wo prangt die Erd durch höhern Reiz?

Dem Kenner bleibt hier keine Wahl,

Der Anblick übertrifft die Schweiz.

BETTLER.

Nicht Sternenglanz, nicht Sonnenschein

Kann eines Bettlers Aug erfreun.

Der Reichtum ist ein treulos Gut,

Das Glück flieht vor dem Übermut.

FLOTTWELL welcher immer nach dem Bilde hingestarrt hat, zu Wolf. Jagt doch den Bettler fort, warum laßt ihr ihn hier so nah beim Schloß verweilen?


Der Bettler steht auf und geht an der Seite, wo er sitzt, über den Hügel durch das niedere Gesträuche in die Szene.


WOLF. Welch einen Bettler? Wir bemerken keinen.

FLOTTWELL. Da geht er hin!


Starrt ihm nach.


WOLF. Er spricht verwirrt.


[558] Amalie wird unwohl.


KLUGHEIM. Gott im Himmel! meine Tochter.

FLOTTWELL. Amalie? Was ist ihr?


Alle Gäste in Bewegung.


KLUGHEIM. Sie erbleicht!

FLOTTWELL stürzt zu ihren Füßen. Amalie, teures Mädchen! höre deines Julius Stimme.

FLITTERSTEIN schleudert ihn entrüstet von ihr. Zurück, Verführer! nun entlarvst du dich!

FLOTTWELL ergreift ergrimmt seine Hand. Genugtuung, mein Herr! Das geht zu weit.

FLITTERSTEIN. Ists gefällig?


Zeigt nach dem Garten.


FLOTTWELL. Folgen Sie!


Beide links ab.


MEHRERE GÄSTE. Haltet!


Eilen nach.


KLUGHEIM. Holt den Arzt!


Bediente fort.


WOLF. Ins Kabinett!

MEHRERE. So endet dieses Fest.


Die andere Hälfte gehen mit Klugheim und Wolf, welche Amalie nach dem Kabinett rechts führen, ab. Nur


DUMONT welcher sich während der Verwirrung an das Fenster begeben hat und durch das Gewühl der Gäste verdeckt war, bleibt zurück, er hat sich in der Mitte des Fensters in einen Stuhl geworfen, springt, wenn alles weg ist, auf, lehnt sich auf die Fensterbrüstung, sieht durch die Lorgnette und ruft begeistert. Göttliche Natur!


Quelle:
Ferdinand Raimund: Sämtliche Werke. München 1960, S. 556-559.
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