Elfter Auftritt

[596] Voriger. Liese. Dann Valentin, Rosa, Kinder. Nachbarsleute. Bauern.


LIESE ist die erste auf der Szene. Vater! Vater, nur herauf! Da ist der gnädige Herr, ganz gesund und wohlbehalten noch.

FLOTTWELL. Wer sucht mich hier?


Schließt das Kästchen.


VALENTIN kommt. Wir alle, gnädiger Herr. Das ganze Dorf ist in der Höh.

FLOTTWELL. Was willst du, guter Valentin?

VALENTIN. Was ich will? Mein Wort will ich Euer Gnaden halten und um Verzeihung bitten für mein ungeschliffnes Weib. Gehst her, Verbrecherin, und kniest dich nieder da.

ROSA herzlich. Lieber gnädiger Herr! Ich hab mich sehr vergessen heut. Doch mach ich meinen Fehler wieder gut. Sie dürfen nimmermehr aus unseren Haus. Ich werd Sie gwiß wie eine Tochter pflegen.

DIE KINDER. Verzeihen S' ihr, gnädiger Herr!

PEPI kniet nieder.

Lieber Herr, sei wieder gut,

Die Mutter weiß nicht, was sie tut.

VALENTIN weint. Das hab ich gedichtet, Euer Gnaden.

FLOTTWELL. Steht auf, ihr guten Leute! Ich habe schon verziehen. Und freue mich, daß ich eure Treue nun vergelten kann. Ich bin kein Bettler mehr. Unter diesen Mauern hab ich einen kleinen Schatz gefunden, den mein Vater hier für mich bewahrte.[596]

VALENTIN. Ah, das ist ein Malheur, und ich hab mich schon gefreut, daß Euer Gnaden nichts haben, damit ich Euer Gnaden unterstützen kann.

FLOTTWELL. So ist es besser, lieber Valentin. Du kannst dein Leben nun in Ruh genießen. Ich nehme dich und deine Frau nun in mein Haus und will für die Erziehung deiner Kinder sorgen!

ROSA UND LIESE erfreut. Wir danken herzlich, gnädger Herr!

HANSEL zu den Kindern. Buben, jetzt werden wir lauter gnädige Herrn!

VALENTIN. Ich werd der Haustischler bei Euer Gnaden. Ich wix und politier das ganze Haus. Aber eins muß ich noch sagen. Eine Menge meiner alten Nachbarn haben sich auch hier angetragen, Euer Gnaden zu unterstützen. Und freuen sich, ihren vorigen Gutsherrn wieder zu sehen. Euer Gnaden haben ja allen Guts getan, und einen guten Herrn vergißt man nicht so leicht.

ALLE. Vivat, der gnädige Herr soll leben!


Schlußgesang.


VALENTIN.

Wie sind wir doch glücklich, wir stehn auf dem Berg,

Jetzt zeigt sich der Kummer so klein wie ein Zwerg.

Und kommt er uns wirklich auch nochmal ins Haus,

Der Valentin jagt ihn zum Tempel hinaus.


Der Chor wiederholt die zwei letzten Verse.


CHOR.

Und kommt er uns wirklich auch nochmal ins Haus,

Der Valentin jagt ihn zum Tempel hinaus.


Auf den Bergen sieht man in der Ferne die Senner und Sennerinnen die Kühe von den Alpen treiben, und sie singen wie Echo.


SENNER UND SENNERINNEN.

Dudeldide dudeldide! Die Küh treibts von der Alm.

VALENTIN.

Die Küh treiben die Sennrinnen just von der Alm.

Genügsamkeit bleibt doch die köstlichste Salm,[597]

Der Reiche liegt schlaflos im goldenen Saal,

Doch kummerlos schlummert die Kuh in dem Stall.

CHOR.

Der Reiche liegt schlaflos im goldenen Saal,

Doch kummerlos schlummert die Kuh in dem Stall.

SENNER UND SENNERINNEN in der Ferne.

Dudeldide dudeldide! Wie freut die Kuh der Stall.

VALENTIN.

Jetzt gehn wir zur Tafel, die macht erst den Schluß.

Für heut ist beendet ein jeder Verdruß.

Doch heb ich bei Tische den Ehrenplatz auf,

Vielleicht setzt sich Ihre Zufriedenheit drauf.

CHOR.

Doch hebn wir bei Tische den Ehrenplatz auf,

Vielleicht setzt sich Ihre Zufriedenheit drauf.

SENNER UND SENNERINNEN in der Ferne.

Dudeldide dudeldide! Zufrieden muß man sein.


Der Vorhang fällt.[598]


Quelle:
Ferdinand Raimund: Sämtliche Werke. München 1960, S. 596-599.
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