Dritter Auftritt


[303] Vorige. Rossi.


ROSSI. Ah mein alter Gluthahn! Was bringt Ihn zu mir?

GLUTHAHN küßt ihm die Hand. Ich küß die Hand, Euer Gnaden, viel tausendmal.

ROSSI. Wie gehts zu Haus, was macht die Frau?

GLUTHAHN. I mein, allweil kränklich ist sie halt.

ROSSI. Nun, da muß Er Geduld mit ihr haben.

GLUTHAHN. I du lieber Himmel, mein Herz! Euer Gnaden wissens ja, wir leben wie die Kinder. Ich gib ja acht auf sie wie auf mein Augapfel, was braucht, das hat s', ich opfer mich ganz auf für sie.

ROSSI. Brav, das macht Seinem Herzen Ehre. Wer ist denn diese Alte da?

GLUTHAHN. Das ist ein eignes Weib, Euer Gnaden, kein solches hat noch gar nicht gelebt. Zu Alzinde. Geh, setz dich nieder, liebe Alte! Führt sie zu einem Stuhl. Dann heimlich zu Rossi. Die möcht ich gern Euer Gnaden verkaufen.

ROSSI. Das alte Weib? das wär ein schöner Kauf.

GLUTHAHN. Die ist gscheidter als eine Junge. Wenn eine Junge weint, so braucht sie ja was, und wenn die Alte weint, so bringt s' noch was. Das alte Weib weint Diamanten.

ROSSI. Diamanten – bist du ein Narr?

GLUTHAHN. Versteht sich, in mein Sack. Euer Gnaden werdens gleich sehen. Ich laß jetzt Prob weinen, an der Stell. Euer Gnaden rechnen aus, was die ganze Weinerei unter[303] Brüdern wert sein kann, geben mir alle Jahr ein Teil davon, kein Mensch braucht was zu wissen, und der Handel ist geschlossen.

ALZINDE die gehorcht. Entsetzlich!

ROSSI beiseite. Der Kerl ist ein Betrüger. Laut. Wie kommst du zu dem Weibe?

GLUTHAHN. Gfunden hab ich s' drauß im Wald.

ALZINDE springt auf. Du lügst. Der Bösewicht hat mich geraubt.

ROSSI. Welch jugendliche Stimme! welche Haltung!

GLUTHAHN heftig. Bist still du – Faßt sich plötzlich. Setz dich nieder, liebe Alte! Zu Rossi. Mein, sie ist verrückt, sie weiß gar nicht, was sie redt. Das macht Euer Gnaden nichts, wenn s' auch dumm redt, wenn s' nur gscheidt weint.

ROSSI beiseite. Ich muß klar sehen in der Sache. Lauf. Gut, überzeuge mich von deinen Worten, wir wollen sehen, was zu machen ist.

GLUTHAHN. Euer Gnaden kaufen s' also? Holla jetzt gehts recht. Jetzt nimm dich zusammen, Alte, wein, was Zeug hält.

ROSSI. Weint sie denn, so oft sie will?

GLUTHAHN. Nu das will ich hoffen, das ist ihr schönste Unterhaltung. Nicht wahr, mein liebe Alte, gelt, du weinst uns schon ein Stückl? Kriegst hernach einen Zucker, nicht wahr, Euer Gnaden? ein Zucker kriegt s'. Heimlich zu Rossi. Auf den Zucker geht s' wie ein Kanari.

ALZINDE steht auf. Gemeiner Sklav, auf den die Sonne mit Verachtung schaut und dessen Anblick mein Gefühl empört! Wie hoffest du ein Aug zu finden in der Welt, das sich mit Tränen für dich füllt? für dich darf keine Träne fließen, selbst an deinem Sarge nicht, denn die Götter sind gerecht.

ROSSI. Welch eine edle Sprache führt dies Weib!

GLUTHAHN. Sie ist närrisch, Euer Gnaden, sie weint uns doch noch.

ALZINDE. Ich habe dich gelabt, und du hast unbarmherzig mich gebunden und hieher geschleppt.[304]

GLUTHAHN: Ist alles nicht wahr, Euer Gnaden, mein Herz ließ' dies nicht zu.

ROSSI beiseite. Sonderbarer Vorfall.

GLUTHAHN. Jetzt frag ich dich zum letztenmal, ob du weinst? Beiseite. Wenn ich sie nur recht kränken könnt! Laut. Da schauen s' Euer Gnaden nur an wie s' da steht, so eine miserabliche Figur. Die rote Nase und die hunderttausend Falten, als wenn s' für jede Sund ein Strichel hätt im Gsicht. Und Augen hat s' als wie ein Katz, pfui Teuxel! hahaha! ich tat mich schämen. Leise zu Rossi. Helfen Euer Gnaden ein wenig mit, machen wir sie marb, damit sie uns weint.

ROSSI empört, beiseite. Das ist ein niederträchtiger Bube, kaum halt ich mich zurück.

ALZINDE ergreift Gluthahns Hand, mit Würde. Komm her, es lohnt die Müh, dich näher zu betrachten. Sag mir, bist du denn wirklich ein Geschöpf, gebaut in deinem Innern wie der edle Mensch? O Sonne! sende deinen Blitz und spalte diese Felsenbrust, damit mein Blick zu seinem Herzen kann gelangen, ob es die Form hat eines menschlichen? Götter, stärket meinen Geist, damit ich mich an Eurem Werke nicht versündige und diese Menschen hier für redende Hyänen halte.

ROSSI. Wenn so der Wahnsinn spricht, so tausch ich meinen Verstand dafür ein.

GLUTHAHN. Das ist ein schreckliches Weib, ich komm halt nicht zum Zweck. Wenn du jetzt nicht weinst, so nimm ich dich mit fort und sperr dich ein, so lang du lebst. Siehst du meinen Zorn? schau her, er brennt, Wasser brauch ich, lösch, lösch, mit zwei Tropfen kannst dich retten. Nicht? – So komm mit mir, in tiefsten Keller wirf ich dich hinunter, kein Sonn soll auf dich scheinen mehr. Er will sie fortziehen.

ROSSI springt zwischen beide, packt ihn an der Brust und schleudert ihn von ihr. Laß sie los, du Schurke! Springt an den Glockenzug und reißt heftig an, man hört stark läuten. Zwei Bediente springen augenblicklich herein. Rossi sagt einem heftig etwas ins Ohr, worauf[305] der Bediente schnell abläuft. Stark. Augenblicklich, hörst du, schnell!

ALZINDE wie rasend, sinkt auf die Knie. Sonne, wenn in diesem Augenblick du deinen Donner schmettern willst auf dies verräterische Haupt, so rufe ihn zurück und lasse meine Stimme dafür gelten, damit du sie auf deinem Throne hörst. Straf nicht durch Tod, vielleicht ist er noch zu bekehren. Durch Reichtum strafe.


Quelle:
Ferdinand Raimund: Sämtliche Werke. München 1960, S. 303-306.
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