Rede am Geburtsfeste des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, regierenden Königs von Preußen

[51] (Gehalten von einer Schauspielerin auf dem Königlichen Nationaltheater, den 3. Aug. 1787.)


Sey gegrüßt an dem Tage, der dich der Preußischen Welt gab,

Erster Königssohn! auf welchen die zärtlichen Augen

Eines Volkes gerichtet sind, das mit dem redlichsten Eifer

Seinen Beherrschern dient, und gleich den alten Teutonen

Nicht im Staube kriecht, wie die trägen Sklaven, die unter

Heißerer Sonne glühen. – Heil dir, o Prinz! der du jetzt noch

In der glücklichen Zeit lebst, wo du von eigenen Sorgen[52]

Frei, die Sorgen der Könige kennen lernst, die Gefahren

Kennen lernst, die fern und nah die Thronen umgeben;

Wo du, geführt von der Klugheit und Redlichkeit, und von der eignen

Wissensbegierde getrieben, von allen Schriften der Weisen,

Gleich der Biene, die feinsten Blumen geniessest, und alle

Höhere Künste lernst, die den künftigen Staatsmann und Feldherrn

Bilden, aber auch nicht der vaterländischen Muse

Unterricht verschmähst, die die feinsten Lehren oft lachend

Den mitlachenden gibt, auch voll richtenden Ernstes

Durch die Thaten der Vorwelt lehrt, heroische Tugend

Zur Nacheifrung aufstellt. – Deinem Herzen noch theurer

Hast du das neue nicht fabelhafte Vorbild, den großen

Friedrich, wie vormals Octavian den erhabenen Cäsar,

Den er Degen und Feder gleich glücklich führen sah, dem er

Selbst so nahe verwandt war, wie du dem vergötterten Friedrich,

Dessen Degen und Feder den nordischen Himmel jetzt ausschmückt. –

Und noch hast du das lebende Muster des Preussischen Titus,[53]

Deines allgeliebten Vaters. Wer unter den Fürsten

Diesen Namen trägt, ist der Gottheit wahrestes Abbild.


Einst und lange sey du es der Nachwelt! die Tugenden alle

Leiten deine Schritte, du Liebling des Volks! und von allen

Die Verehrerin Gottes Eusebia, deine Vertraute!

Gehe denn deine Laufbahn fort, o Borussiens Hoffnung!

Alle, die dich lieben, – und o! wer wird dich nicht lieben?

Stimmen an mit mir: Es lebe Borussiens Hoffnung!


Chor


Lebe, Borussiens Hoffnung!

Deines Vaters Freude,

Deiner Mutter Stolz!

Lebe, Borussiens Hoffnung,

Wonne der künftigen Welt!


Deine Schritte begleite

Aller Tugenden Chor!

Alle freundlichen Künste

Folgen jauchzend dir nach!
[54]

Feiert den seligen Tag,

Der ihn dem Lande gegeben,

Glückliche Söhne der Enkel,

Feiert den seligen Tag!


Lebe, Borussiens Hoffnung!

Deines Vaters Freude,

Deiner Mutter Stolz!

Lebe, Borussiens Hoffnung!

Wonne der künftigen Welt.

Quelle:
Karl Wilhelm Ramler: Anthologie aus den Gedichten, Hildburghausen / New York 1830, S. 51-55.
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