Dritter Auftritt.

[61] Agnes. Irmengard. Heinrich.


HEINRICH

Geliebte, komm! denn Alles ist bereit

Zur Flucht; ich habe ein Asyl für Dich!

AGNES.

Für mich allein? – und Du?

HEINRICH.

Mich ruft die Ehre!

Zum Kampf![61]

IRMENGARD.

Du willst, mein Sohn –?

AGNES.

Du könntest, Heinrich –?

HEINRICH.

Ich will und kann, was Ehre mir gebeut

Terzett.


AGNES.

Noch glänzt der erste Morgen unsers Bundes

Und schon verlassen willst Du mich?

HEINRICH.

Der Kampf

Soll zeigen, daß ich Deiner würdig bin.

AGNES.

Du kannst Dich nicht dem Arm der Lieb' entreißen,

Um in den Arm des Todes Dich zu stürzen.

HEINRICH.

Soll ich auf ewig mich entehren?

AGNES.

Soll in Verzweiflung ich vergeh'n?

Denn wenn Du fällst, – o hab' Erbarmen! –

Bin ich des blut'gen Siegers Preis.

HEINRICH.

Laß nicht die Furcht Dein Auge trüben,

Ich kehre siegreich Dir zurück.[62]

IRMENGARD

Ihr Beide müßt entflieh'n; denn schon beginnt

Das Schreckensfest, das mit dem Kampfe endet.

Der Bischof hat Befehl gleich nach dem Kampfe

Dich Agnes, dem Gesandten anzutrauen.

AGNES UND HEINRICH.

O herbe Qual!

IRMENGARD.

Ist Heinrich Sieger, soll

Schon morgen Philipp Dich nach Frankreich führen.

AGNES.

Wir sind verloren!

HEINRICH.

Fasse Dich!

IRMENGARD.

Noch kennt

Der Kaiser nicht den Frevel in der Kirche,

Denn der Gesandte schweigt, weil sein die Schuld;

Drum zögert nicht, es harret eine Barke

Mit treuen Dienern Eurer in der Bucht.

HEINRICH.

Mich ruft die Ehre!

AGNES UND IRMENGARD.

Ach![63]

IRMENGARD.

Soll in Verzweiflung sie vergeh'n? –

Denn wo Du fällst, – o hab' Erbarmen! –

Ist sie des blut'gen Siegers Preis!

AGNES.

Du kannst Dich nicht dem Arm der Lieb' entreißen,

Um in den Arm des Todes Dich zu stürzen!

HEINRICH.

Lass' nicht die Furcht Dein Auge trüben,

Ich kehre siegreich Dir zurück!

Ja, meines Vaters Heldenschaaren

Vertrau' fortan ich Dein Geschick!

Ihr tapf'rer Arm wird Dich bewahren,

Dann kehr' zum Kampfe ich zurück!

AGNES UND IRMENGARD.

Zu Deines Vaters Heldenschaaren

Geleit uns / Euch gnädig das Geschick,

Ihr tapfrer Arm wird uns / Euch bewahren,

Doch kehre nicht zum Kampf zurück!

IRMENGARD.

Euch folgt der treuen Mutter Segen,

Die hier verweilt in Angst und Schmerz!

AGNES UND HEINRICH.

Der Rettung eilen wir entgegen,

Aus Deinem Arm an's Vaterherz![64]

STIMMEN DER FRANZÖSISCHEN RITTER von außen.

Herbei zum Kampf, Du feiger Welfe!

IRMENGARD.

Hörst Du der Franken wildes Schmäh'n?

Sie rufen Dich zum blut'gen Feste!

HEINRICH.

Bald werden sie bereit mich seh'n,

Die blut'ge Schuld mit Blut zu rächen.

IRMENGARD.

O, wolle nicht den Kampf besteh'n!

AGNES.

Erhöre Deiner Gattin Fleh'n!

HEINRICH.

Der stolze Feind muß untergeh'n.


Zu Irmengard.


Lebt wohl! – bald ist's um ihn gescheh'n!

Verwandlung.

Festlich geschmückter freier Platz außerhalb den Thoren von Mainz. Ganz vorn zur Rechten, der für den Kaiser errichtete Thron. Daneben hohe mit Bannern und Fahnen verzierte Tribunen für die Fürsten und Ritter von mächtigen Bäumen beschattet. Zur Linken ein für die Pfalzgräfin erhöhter Sitz und Tribunen für die Edelfrauen wie jene von der rechten Seite für die Fürsten. Im Hintergrunde die Schranken, welche die bereits versammelte Volksmenge von dem Kampfplatze trennt. Noch tiefer die Beste auf einem Berge, von der ein praktikabler Weg herabführt.
[65]


Quelle:
Gaspare Spontini: Agnes von Hohenstaufen. Berlin 1837, S. 61-66.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Naubert, Benedikte

Die Amtmannin von Hohenweiler

Die Amtmannin von Hohenweiler

Diese Blätter, welche ich unter den geheimen Papieren meiner Frau, Jukunde Haller, gefunden habe, lege ich der Welt vor Augen; nichts davon als die Ueberschriften der Kapitel ist mein Werk, das übrige alles ist aus der Feder meiner Schwiegermutter, der Himmel tröste sie, geflossen. – Wozu doch den Weibern die Kunst zu schreiben nutzen mag? Ihre Thorheiten und die Fehler ihrer Männer zu verewigen? – Ich bedaure meinen seligen Schwiegervater, er mag in guten Händen gewesen seyn! – Mir möchte meine Jukunde mit solchen Dingen kommen. Ein jeder nehme sich das Beste aus diesem Geschreibsel, so wie auch ich gethan habe.

270 Seiten, 13.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.

468 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon