Scena Quarta.

[51] Abed. Resatha. Joachim. Ichaboth. Helchias. Simeon. Gamaliel. Zacharias. Nahor. Giezi.


ABED.

Weyse herrn / da bring wir euch verstricket

Fraw Susann / nach welcher yhr geschicket

RESATHA.

Fürts herzu / und deckt yhr auff das gsichte

Schafft auch / das sie sich gerad auffrichte

Das ein jederman sie wol beschawe

Wer sie sey / die früm / und keusche frawe

JOACHIM.

Weysen herrn / was hat verschult mein weibe

Die kein untugnt hat in yhrem leibe

Das yhr yhr ein sölche schand auffleget?

Hat euch dann yhr unschuld nichts beweget?

Drinn sie hat bißher yhr lebn gefüret

Wie dann niemand anders hat gespüret /

Oder hab ich das umb euch verschuldet?

Das ich hab bißher von euch geduldet[51]

Oft in meinem haus gericht zu halten

Das yhr also fart mit sölchen gwalten

Gegn den meinn / von den euch nie geschehen

Irgnt ein leid / wie sol ich das verstehen?

ICHABOTH.

Lieber Jochem / danck wir euch des wissen

Sind auch zu verschulden das gevlissen

Itzund aber kan es nicht geschehen

Dann uns Gots gepot im weg thut stehen

Welchs uns hart gepeut nicht anzuschawen

Waser stands eins sey / man oder frawe

Gwaltig / reich / schön / oder ungestalte

Noch wie sich zuvor hat eins gehalten

Sondern wo / wie / wenn eins ubel handelt

Und dem Gottes gsetz endgegen wandelt

Sol das selb sein straff darumb bald leiden

Wolln wir anders Gottes zorn vermeiden

Aber wie eur fraw nicht sey on sünde

Werdet yhr in diser sach wol finden

Welche wir ytzt wollen offenbaren

Wie wirs selbs gesehen / und erfaren

Resatha ich wil euch das bevelen

Wolt die sach hie öffentlich verzelen

RESATHA.

Kumpt / und last uns yhr die hand aufflegen

Weil wir zeügnus uber sie soln geben /

Lieben herrn / das sey euch allen kunde

Da wir gestern umb die zwelffte stunde

On gefehr spaczirten in dem garten

Unser rhue ein weil zu pflegn / und warten

Unversehens kam die fraw Susannen

Mit zwey meiden in den garten gangen

Underm schein / als wolt sie badn ein weile

Drumb sie sandt die meid von yhr in eile

Ließ die thür am garten fest verwahren

Das yhr boßheit niemand solt erfaren

Da die meyd nu wardn hinaus gewichen

Bald ein junger gsel herfür kam gschlichen[52]

Eylt zu yhr / und thet sie bald umbfangen

Dran zu spürn / das sie sölchs mehr begangen

Dann sie sich nichts weret uber alle

Sonder ließ yhr sölches wolgefallen

Senckt sich nider bald mit yhm zur erden

Da wir warten / was daraus wolt werden

Bald sie sich ergab zu seinem willen

Thet mit yhm der liebe lust zu spilen

Da wir sölche schand von yhn ersahen

Lüff wir zu / und woltens beyde fahen

Aber wir dieweil wir schwach und alte

Kundten nicht den jungen gseln erhalten

Dann er riß sich schwind aus unsern henden

Lüff zur thür / und sprang hinaus behende

Aber sie ergriff wir im auffstehen

Und gepoten yhr sie solt verjehen

Wer der junge gsell gewesen were

Dem sie hett so fein gezilet here

Aber sie wolt yhn mit nichte nennen

Sölches thue wir öffentlich bekennen

Das wirs selbs mit unsern augn habn gsehen

Draus dann nu auch gut ist zu verstehen

Das yhr züchtig lebn bißher alleine

Sey gewest ein eüsserlicher scheine

Drunder sie yhr boßheit hat verhület

Also das es niemand hat gefület

Biß das stündlein ytzt ist ausgeloffen

Das man yhre list hat angetroffen

Drumb alhie ein jeder mensch nu schawe

Wer da sey die hochgelobte frawe

JOACHIM.

Weise herrn die sach macht mich bestürtzet

Auch so ist mir dise zeit verkürtzet

Das ich kund erfaren wie yhm were

Und mein weib erretten möcht yhr ehre

Denn ich aller erst gewandert kumen

Drumb ich noch die sach nicht hab vernuhmen

Hoffe aber und bin des vertrawen

Das ich hab ein frum und keüsche frawen[53]

ICHABOTH.

Joachim / yhr dörfft nicht lang erfaren

Dann wir euch der warheit nicht thun sparen

Wie yhr ytzt von yhm habt hören verjehen

Also / und nicht anders / ist es gschehen

Dann wir seind euch nicht so feind furwahre

Das wir euch mit willen umb ein hare

Schaden wolten / gschweig in diser sachen

Wo wirs nach dem gsetz nicht müsten machen.

HELCHIAS.

Liebe hern / erlaubt mir auch zu sagen

Und meinr tochter Unschuld furzutragen

Dann sie mich viel anders hat berichtet

ICHABOTH.

Ist kein wunder / das die lügn ertichtet

Die ein sölche missethat darff wagen

Wie man ytzt von uns hat hören sagen

Drumb die weil wir sie auff wahrer thate

Gfunden haben / geben wir kein state

Yhrer lügn die sie aus list ertichtet

Sonder nach dem gsetz sols werdn gerichtet

Waser straff yhr zuerkandt wirdt werden

Sol sie leiden hie auff diser erden /

Drumb yhr herrn / wir beyde euch ytzt fragen

Yeder wöll von rechtswegn uns das sagen

Was in diser sach yhr thut erkennen

Auch den todt / den sie verschült / uns nennen

SIMEON.

Weil sichs mit Susannen helt der massen

Wie ich mir von euch hab sagen lassen

Sprich ich / das man uber sie laß gehen

Was vom ehebruch im gesetz thut stehen

GAMALIEL.

Weyl yhr uns der frawen schuld genennet

Und das öffentlich auff sie bekennet

Wil ich eurem zeügnus nach aussagen[54]

Das von rechtswegn sie den todt sol tragen

Der im gsetz dem ehebruch ist gestellet

Das sie werd mit steinn zu todt gefellet

ZACHARIAS.

Meine meinung wil ich bald dar geben

Weil sie das gethan / soll sie nicht leben

Sonder wie uns heist des herrn gepote

Soll sie gworffen werdn mit steinn zu tode

NAHOR.

Eurm bericht kan ich nicht widerfechten

Drumb ich das erkenn nach unserm rechten

Das man sie mit steynn zu tode werffe

Wie das gsetz gepeut mit seiner scherffe.

ICHABOTH.

Weil yhr habt / wie recht / die sach erkennet

Auch den todt aus Mose gsetz ernennet

Wolln wir auch das urteyl drüber schliessen

Ungeachtet wen es thue verdriessen

Und den stab / wie gwöhnlich ist / zübrechen

Das wir nach dem gsetz den ehebruch rechen /

Nu yhr knecht / yhr wist euch wol zu halten

Nehmet hin das weib in eur gewalte

Steynigt sie / wie euch das urteil lehret

Was man widerklafft / euch dran nicht keret

GIEZI.

Lieben herrn was yhr uns heist außrichten

Dörffen wir versagen euch mit nichten

Weil yhr dann die fraw uns gebt zu straffen

Wolln wir eur gepot mit vleis verschaffen /


Chorus Quartus.

O Gott du richter aller welt

Der du hast selbs bestelt

All oberkeit / und gwalte[55]

Du wolst dein ordnung nicht verlahn

Drauff selber achtung han

Wie man darinn sich halte

Dann dir ja wol bekant

Wo du dein hand

Abzeuchst / wies pflegt zu stehen

Kein frevel ist zu groß

Den man nicht laß

Der grechtigkeit für gehen

Wie wir ytzund wol sehen


Die unschuld / so beschützt sol werdn

Erbärmcklich zu der erdn

Mit füssen wird getreten

Des Pharao verstockter mut

Yhr viel besitzen thut

Vor den kan niemand retten

Denn du o herr und Gott

Der alle not

Der deinen selbs erferest

Und widers teüffels rat

Mit wunderthat

Yhn alls zum besten kerest

Dein kunst an yhn bewehrest


Denn das dein art / und gwohnheit ist

Wie in der schrifft man list

Wol dem der sölchs kan mercken

Das wider aller werlet weys

Mit rhat und gutem vleis

Dich stelst in allen wercken

Wen du wilt hebn endbor

Den läst zu vor

Ein zeit im elend stehen

Biß das man denckt / sey aus

Werd nichts mehr draus

So läst dein hülff erst sehen

O hülff das wirs verstehen.

Quelle:
Paul Rebhun: Ein Geistlich Spiel von der Gotfürchtigen und keuschen Frauen Susannen. Stuttgart 1967, S. 51-56.
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