Scena Septima.

[75] Abed. Simeon. Susanna. Daniel. Joachim. Nahor. Abdi.


ABED.

Weisen herrn / wir haben eur geschefft volendet

Und die ubeltheter zu dem tod versendet

Auch bestatt zur erden / wie sich das gebüret

Hoff wir haben diese sach recht außgefüret /

SIMEON.

Gott sey lob / das er die unschuld hat gerochen

Und den argen richtern yhren gwalt gebrochen

Die uns hatten schir gefürt in grosse sünde

Wo uns Gott nicht hett erret durch dises kinde

Und sich selbs der frawen Unschuld angenuhmen

Und das unrecht blutvergiessen underkumen /

Fraw Susanna / das wir eur auch nicht vergessen

Bitt wir euch / wolt uns in argem nicht zumessen

Das wir habn zuvor ein urteil lassen gehen

Welchem nach / euch grosser gwalt von uns wer gschehen

Dann wir achten / das es Gott so hat gewendet

Das der Richter boßheit wurd an euch geendet

Und eur tugnt / man dester klerer künt ersehen

Wie dann auch zu beydem teil nu ist geschehen /

Dann die Richter habn nu yhren lohn endpfangen

Yhrer boßheit / die sie habn biß her begangen

Aber eure tugnt wirdt weiter außgetragen

Denn man hett zuvor gewüst davon zu sagen

Alle menschen / die von diser gschicht werdn hören

Werden euren nahmen halten stets in ehren

Auch so werd yhr manchem bider weib hie geben

Ein exempel eines reynen keüschen leben[75]

Uber das / die yhr ein kleine weil mit schanden

Neulich seyt alhie vor unsern augn gestanden

Solt von uns dafür sybnfeltig ehr nu haben

Welchs yhr Gott zu dancken habt / und disem knaben

Welchen Gott aus gnaden ytzt zu uns her sandte

Das eur unschuld jederman nu würd bekandte

SUSANNA.

Lieben herrn / das urteil das yhr heut thet sprechen

Wil ich euch forthin in argem nicht zurechen

Sonder wils für Gottes willen auch erkennen

Und sein wunderthat zu grossem danck annehmen

Welch er hat an seiner armen meid erzeyget

Und so veterlich sich her zu mir geneyget

Dich auch liebes kind wil ich in ehren haben

Weil dich mein Gott hat begabt mit solchen gaben

Und durch dich mich hat errett von diser gwalde

Weil ich leb / wil ich gegn dir mich danckbar halten

Und für Gott meins herrn gesandten dich erkennen

Auch nach Gott / dich meines lebens heyland nennen /

DANIEL.

Fraw Susanna keiner ehrn ich nicht begehre

Dann ich meinenthalben nicht bin kumen here

Sonder Gott der hat eur unschuld angeschawet

Und eur hertz / welchs yhm mit starcken glaubn vertrawet

Welches halbn / er eur gebet hat angenuhmen

Und verschafft / das ich den todt müst underkumen

Drumb so gebet Gott allein hierumb die ehre

Dann so habt yhr auch schon than / was ich begehre

JOACHIM.

Lieber sohn / und yhr mein liebe herrn / und alten

Billich soll von Gottes lob uns nichts auffhalten

Wolln der halbn wir all zu gleich mit höchstem vleise

Uns gegn unserm lieben Gott mit danck beweysen

Und der wolthat forthin nimmer mehr vergessen /

Weyter aber alle / die yhr hie gesessen

Thue ich auff das freuntlichst bitten / und begehren

Das yhr euch / mir nach zu volgn / wollt nicht beschweren[76]

Und den tag mir helffen wollnt mit freudn volenden

Dran mir Gott mein leid in freud hat wollen wenden

Dann wir wollen lob / und danck dem herren singen

Wolln uns frölich auch erzeygn mit tantzn / und springen

Alles unserm lieben Gott zu lob / und ehren

Alle unkost sol mich gar mit nicht beschweren

Dann die weil mein weib heut stund in todes gfare

Meins bedunckens ich gereyt ein widwer ware

Weil sie aber Gott erhalten hat beym leben

Und mirs gleichsam wider zu der ehe gegeben

Wil ich auch gleich als ein newe wirtschafft halten

Drumb ich nochmals bitt / mein liebe herrn / und alten

Wollet euch / dabey zu sein / nicht lassen bschweren

Gott zu lob / und mir zu lieb / meinr frawn zu ehren

NAHOR.

Wollet yhm ein antwort gebn von unsernt wegen

Wie yhrs macht / so sols uns auch nicht sein endgegen

SIMEON.

Lieber Joachim eur bitt wir habn verstanden

Wollen euch auch all zugleich nachvolgn zu hande

Dann eur frumen frawn / und euch zu lieb / und ehren

Soll uns diß / und anders mehr zu thun nichts bschweren

JOACHIM.

Des bedanck ich mich gegn euch mit höchstem vleise

Wil mich wider dienstlich gegen euch beweisen /

ABDI ad spectatores.

Alle die yhr habt meim herren helffen klagen

Und ob fraw Susannen hertzlich mitleidn tragen

Wollet euch auch frölich widerumb beweisen

Und mit yhm den herrn für seine wolthat preisen.


Cui uni sit gloria, in secula Amen.


Quelle:
Paul Rebhun: Ein Geistlich Spiel von der Gotfürchtigen und keuschen Frauen Susannen. Stuttgart 1967, S. 75-77.
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