Dat föfte Kapittel

[69] Wo Fridrich den Möller den preußschen Spruch »suum cuique« äwersetten deiht un achter den Schassür up de wille Gaus'jagd geiht, un wo den Möller klor ward, dat hei sick in en Immenswarm dalset't hett.


»Möller«, seggt Fridrich, as sei ut dat Gehöft sünd un in den deipen Weg kamen, »hewwen Sei all mal 'ne olle Fru seihn, wenn s' en Pott intwei smeten hett un paßt denn de Stücken an enanner un seggt: So het't seten?« – »Worüm meinst du?« fröggt oll Voß. – »Oh, ick mein man«, seggt Fridrich un swept so verluren mit de Pitsch äwer de Mähren, as wir't in de Fleigentid. De Möller sitt in Gedanken. – Nah 'ne Wil fröggt Fridrich wedder: »Möller, hewwen S' mal en Jungen seihn, den de Sparling ut de Hand flagen is un de denn in de leddig Hand herinkickt un seggt: Oh?« – »Worüm meinst du?« fröggt de Möller, un Fridrich seggt: »Oh, ick mein man.« – De Möller sitt wedder still dor, lett sick allerlei dörch den Kopp gahn un set't grad en schönes Regeldetri-Exempel in den Kopp tausam: wat woll üm Ostern ut de Schepel Roggen kosten würd, wenn hei morgen den Juden dat Geld nich gew, un kamm dorbi sihr in de Brüch. – Sei führen un führen; endlich dreiht sick Fridrich so halw up den Sack rüm un fröggt: »Möller, kennen Sei dat Sprückwurt woll: Geit kein smutzig Water ut, ihr du rein wedder hest?« – Den Möller fung dat nu an tau argern, un as hei sick so'n Tidlang bedacht hadd, wat Fridrichen sin Fragen woll eigentlich bedüden süllen, smet hei de Unnerlipp tau Höcht un säd: »Wo, dit sälen jo woll Spitzen sin?« – »Spitzen?« frog Fridrich wedder. »Bewohr uns! – Ick mein man. – Äwer ick weit noch en anner Sprückwurt, dat heit: Wat einer hett, dat hett 'e; un wi Preußen hewwen en Adler in't Wapen, un dor steiht en latinschen Vers unner, de hürt sick binah an, as wenn ein en Farken in den Start knippt, un wat uns' Feldwebel bi de Kumpani was, was en weglopen Student un verstunn den Vers un äwerset't en: Holl wiß, wat du hest, un nimm, wat du krigen kannst. De Spruch is up Fläg' tau bruken, vör allen in Krigstiden. –[70] Prrr öh!« säd hei un dreiht sick wedder rüm up den Sack. »Möller Voß, verflucht sall de Schilling sin, den ick in minen Lewen minen Mitkollegen stahlen un namen heww, un verflucht sall dat Kurn Hawern oder Roggen sin, wat ick minen Brodherrn veruntrut heww; äwer in'n Krig is dat anners: de Türk un de Franzos' is de Riksfind, un en Riksfind is üm kein Hor beter as de Erzfind, un uns' Herr Gott lacht äwer't ganze Gesicht, wenn einer den Düwel orndlich eins up de Likdürn pedd't. Wo säd de oll Hauptmann von Restörp? ›Dem Feinde muß in jeder Weise Abbruch geschehn.‹ – Möller Voß« – un hei wis't up den Mantelsack – »dit wir denn nu woll so'n Abbruch.« – »Lat dat!« seggt de Möller kortweg, »de Sak is afmakt, ick will nicks mit de Geschicht tau dauhn hewwen, ick bring dat Geld tau Amt, un ick wull, ick künn den Franzosen mit henbringen; Fiken meint ok, dat künn en slimm Stück warden.« – »Mi nich tauwedder«, seggt Fridrich. »Jüh!« – un klappt de Mähren an – »Weck hüren up Mannslüd' un weck up Frugenslüd'; ick bün nich sihr för de Frugenslüd' ehren Rat.« – »Ick süs ok nich«, seggt de Möller.

Sei führen nu sachten wider, un Fridrich fröggt nah 'ne Wil: »Möller, wat was dat för en schiren Kirl, de hüt morgen in de Mähl rin gung?« – »Dat was Jochen Vossen sin Sähn, mit den ick den Prinzeß heww. Geföllt hei di?« – »Ick heww en blot von achter seihn. Ih, ja; 't giwwt en Granedier.« – »Hei seggt jo, hei will sick mit mi vergliken.« – »Denn geföllt hei mi all en ganz Deil beter. En magern Verglik is beter as en fetten Prozeß.« – »Hei will up mi täuwen, bet ick wedder kam.« – »So?« fröggt Fridrich un dreiht sick wedder so halw üm un seggt: »Möller, weiten S' wat, hei süll sick leiwer mit uns' Fiken vergliken; dat wir dat Best.« – »Wo meinst du dat?« fröggt de Möller. – »Ick mein man«, seggt Fridrich, un as hei sick wedder ümdreiht hett, bögt hei sick vöräwer un kickt scharp den Weg langs, giwwt den Möller de Lin in de Hand, springt von den Wagen, binnt dat Schassürpird hinnen von dat Krett los, un ihr de Möller noch recht weit, wat los warden sall, is hei mit de Mähr in den groten Kölpiner[71] Scheidelgraben rinne, bögt üm 'ne Eck un binnt dat Kretur an'n Dornbusch in den Graben an, dat de Möller nicks von em seihn kann. »Wat hest du?« fröggt de Möller, as hei wedder kümmt. – »Wat ick heww? – Ick heww nicks Gaud's seihn. Dor hinnen up den Stemhäger Stadtfelln kamen twei an tau riden, un as de Sünn so'n beten hervör kek, blitzt dat so; dat sünd Franzosen, un wenn de hir en Schassürpird mit Sadel un Tom drapen hadden, de würden nich slicht mit uns redt hewwen.« – »Wohr ist's«, seggt de Möller.

So kamen sei nah't Stemhäger Babenholt ran, un Fridrich wis't mit de Pitsch nah de Bäuk, wo noch dat Stroh liggt, un seggt: »Dor heww ick en henleggt.« – »Wenn hei doch noch dor leg!« seggt Möller Voß. – »Nich tau verlangen, Möller! Denn dat hett dese Nacht Bindfaden regent, un in dese Johrstid höllt so'ne Bäuk nich recht dicht.« – »Wohr is't«, seggt de Möller, un as sei dor noch dräwer judizieren, kamen twei Franzosen an tau riden un fragen in ehre Wis' nah de Gielowsch Mähl, denn hir was en Krüzweg, un ihr de Möller noch antworten kann, wis't ehr Fridrich rechts af nah'n Kummerowschen Holt rin, un as sei fragen: wo wid noch?, seggt hei: »'ne lütt liöh«; un de Franzosen riden af.

»Wo? Plagt hei di, oder ritt hei di?« fröggt de Möller un schüddelt mit den Kopp: »Wenn de so wider riden, denn känen sei ehr Lewlang de Gielowsch Mähl mit den Start ankiken. – Äwer wotau dat?« – »Möller«, seggt Fridrich, »de Ort dröggt einen nicks in't Hus, un ick heww kein Lust, alle Morgen taum irsten Frühstück korten, upgewarmten Kohl tau eten.« – »Wo meinst du dat?« fröggt de Möller. – »Oh, ick mein man. – Seihn S', Möller, wer weit, ob de beiden, wenn sei nah de Mähl kamen wiren, sick nich in uns' Stin verleiwt hadden. Un't künn jo ok mäglich sin, dat sei ehr nah den Kauhstall nahgahn wiren un dat ehr dat in den Stall en beten beengt vörkamen wir un hadden uns' beiden letzten Melkkäuh rute ledd't; un wenn sei s' denn buten hatt hadden, hadden sei s' villicht in Gedanken vör sick hen drewen, un denn wir't mit de Melksupp des Morgens vörbi west, un de gräun Kohl wir[72] an de Reih kamen, un ick mag den Kohl nich.« – »Mäglich wir dat«, säd de Möller. – »Mäglich is't ok, dat dat nich de Käuh gellt«, seggt Fridrich. »Dit sünd en por von ehr Armeeschandoren, de säuken woll wat anners, un ick glöw, dat is en Glück von Gott, dat wi rut ut de Mähl sünd, denn – Möller, Möller, passen S' up! – sei säuken den Franzosen oder ok Sei sülwst. Wer weit, wat in Stemhagen passiert is! Dor kann wat ruchbor wor den sin, un wer weit, ob Fiken nich recht hatt hett. Nu wull ick sülwst, wi hadden den Franzosen.« – »Dat segg ik!« röppt de Möller, »dat segg ick!« – »Hm«, seggt Fridrich, »legen hett hei hir, un upstahn is hei, un hir is hei hendalen gahn; dit sünd sin Spor in den deipen Leihm, un kiken S', hei hett dat Stroh noch en En'n lang mit slept, un nah Gülzow is hei hentaugahn. Nu will ick Sei dat Pird halen, un Sei führen tau Amt un liwern Pird un Mantelsack af, un ick gah achter den Franzosen her un grip em.«

Geseggt, gedahn. Dat Pird ward anbun'n, un Fridrich geiht dörch dat Babenholt nah Gülzow tau un seggt tau sick: »Dümurrjöh! Ick heww den ollen Möller schön wat anrührt, un uns' Fiken is doch 'ne lütte hellsche Dirn, un wenn de Franzos' noch twischen hir un Gripswold tau finnen is, her sall hei!«

De Möller satt up den Wagen un führt nah Stemhagen tau, un hei kratzt sick den Kopp un wunnerwarkt, un allerlei gung em mit Grundis. »Herr du meines Lewens«, säd hei, »wenn min lütt Fiken nich west wir, ick set jo woll all in Block un in Isen, un rut bün ick noch lang' nich, denn der Deuwel geiht nu irst los, un regen deiht't nu ok all, un dat nich slicht.«

So kümmt hei mang de Stemhäger Schüns, un de irst, de em upstött, is Bäcker Witt; de höllt mit en Strohwagen vör sin Schün un seggt: »Gun Morgen, Gevatter. Wo Dunner? Wo kümmst du tau 'n Franzosenpird?« – »Je, dat segg man mal!« seggt Möller Voß un vertellt em de Sak ganz in'n korten. »Dat's en slimm Stück«, seggt Bäcker Witt, »denn de ganze Stadt liggt vull Franzosen, un dat Pird kannst du nich dörchbringen,[73] ahn dat sei't künnig warden; ick rad di, stell't hir in min leddig Schünfack.«

Na, dat geschüht, un oll Bäcker Witt treckt sinen krummen missingschen Horkamm von vör nah achter dörch dat grise Hor, schüddelt den Kopp un seggt: »Vadder, du hest di dor in 'ne Sak inlaten, wo du vel Ungelegenheiten von hewwen kannst; un up den Sloß schint mi dat all gor nich richtig tau sin, denn de Herr Amtshauptmann hett sick hüt morgen sin Herrenbrod tau'n Koffe all Klock acht halen laten staats süs Klock elben; un Fritz Sahlmann seggt, Mamsell Westphalen wir feldflüchtig worden, kein Minsch wüßt, wo sei staben un flagen wir; un dat de Uhrkenmaker in't Börgergehursam smeten is, heww ick sülwst seihn, un de Lüd' reden jo von Standrecht un von Dodscheiten.« – »Gott sall mi bewohren!« röppt de oll Möller, »in wat för'n Immenswarm heww ick mi dalset't! Äwer dat helpt nich, den Mantelsack möt ick den ollen Herrn up't Sloß bringen. Un, Vadder, ick ward üm de Stadt rüm führen bet nah de gräun Purt von den Sloßgorn, un dor ward ich min Mähren anbin'n, gah mi nah un bring dat Fuhrwark in Säkerheit, un sülln sei mi in den Presong bringen, denn führ rut nah de Mähl un bring min Fru un Fiken dat mit Gelimplichkeit bi, un segg den jungen Minschen, den du dor drapen wardst, hei süll't sinen Vedder tau Gefallen dauhn un süll up Mähl un Wirtschaft passen un de Frugenslüd' nich verlaten.« – Bäcker Witt verspreckt em dat, un hei führt üm den Sloßgorn rüm, binnt dat Fuhrwark an un will den Mantelsack up't Sloß dragen, dunn jagt oll Pächter Roggenbomen sin Kutscher, Jehann Brümmer, dörch de Purt un klappt achter de vir Hellbrunen, dat sei hinnen utslahn un em den Dreck in de Ogen smiten, un röppt: »Beter mi wat in't Gesicht as jug Strimen up't Fell!« – Achter drin kümmt oll Zanner ut Gülzow mit sin beiden Gelen un seggt: »Na, dat fehlt noch! Schinnerban'n!« un jöggt in'n G'lopp äwer'n Amtsbrink. »Ja«, seggt oll Ackersmann Adler ut Stemhagen, hett sick en Sack äwer de Schullern namen – denn dat wiren de dunnmaligen Regenröck – un stangelt sin oll[74] swart Sadelmähr in de Ribben rüm, »Kanonenführen? Nich wohr, Ollsch, dat wir en Geschäft för uns? – Ne, ick bring jug in't Stemhäger Stadtholt un binn jug in de Sandkuhl an. 't is ganz egal: tau freten hewwt ji tau Hus ok nicks; äwer regen deiht't verfluchten.« – Un as de Möller in den Goren kümmt, dunn tockt un hurrickt dat allens dor mit de Gespannen rümme achter de Büsche un achter den Wall, un jeder will sin Mähren in Säkerheit bringen. – »Möller Voß«, seggt Schult Besserdichen sin Sähn ut Gülzow, »bring Hei sin Mähren bi Sid! Wat jichtens en beten klauk is, makt sick den schönen Regen tau Nutz, denn de Franzosen sünd unner Dack un Fack krapen.« De oll Möller geiht äwer stramm wider un dröggt sinen Mantelsack up't Sloß.

Quelle:
Fritz Reuter: Gesammelte Werke und Briefe, Band 4, Rostock 1967, S. 69-75.
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