7. De Giez

[28] »Jung'«, säd de Oll, »dat kann nich ewig wohren,

Du büst nu ok all in de Johren,

In unsre Schaul kannst ok nich wat mihr lihren,

De Preister sall di kunfirmieren,[28]

Un wenn du di denn schickst in allen Gäuden,

Denn sallst du nahsten Ossen häuden.«

Na, wenn de Oll wat säd, denn hülp kein Reden;

Ick müßt nu also hen tau'n Beden.

Uns' Paster was en klauken Mann;

Hei sach't mi glik an mine Ogen an,

Dat ick man 'n beten düsig wir

Un dat ick öfter up de Pier

As up de Bänken in de Schaul hadd reden.

Indessen gung de Sak vel beter, as ick dacht:

Ick namm mi hellischen in acht

Un lihrt den Katekismus un de Bibel

Un lihrt de grote Waterfrag'.

De Preister säd: »Mein Sohn, nicht übel!

Wenn du so bei bleibst, kommst du nach.«

Binah was ick all Primus, as sei't nenn'n,

Un äwer mi, dor stunnen man noch drei.

Doch jedes Ding, dat hett en En'n;

'ne Wust hett sogar twei.

De Preister kamm mal nah de Stuw' herinner

Un säd tau uns: »Min leiwen Kinner,

Was ist das für ein Mensch, der immer

Sich weidet an des Goldes Schimmer

Und an den eitlen Mammonsgaben,

Der gierig ist, noch mehr zu haben,

Der immerfort sein Hab und Gut vermehrt

Und Schätze sammelt, die der Rost verzehrt?

Wie nennt man einen solchen Mann?«

Hir stunn hei up un wendt sick an

Stin Durtig Hannemanns ut Golchen.

»Mein liebes Kind, wie nennt man einen solchen?

'n Gei ... 'n Gei ...?« Doch Durtig, de blew stumm.

Herr Je! wat is de Dirn doch dumm!

So dacht ick, un ick plinkt ganz schlau

Den Preister mit de Ogen tau.

Hei würd't gewohr un redt mi an:[29]

»Na, du, mein Sohn, was ist das für ein Mann,

Der fröhnet so verruchtem Laster?

'n Gei ... 'n Gei ...?« – »'n Geistlichen, Herr Paster.«

Quelle:
Fritz Reuter: Gesammelte Werke und Briefe, Band 2, Rostock 1967, S. 28-30.
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