68. Radschlagen

[201] »As Anno twölf ick ok müßt mit«,

Vetellte Leutnant Herr von Schlemm, –

Un't rookte gruuglich achte em, –

»Dunn hahr ick en Bediente, Namens Schmidt.

Dei Kierl wier niederträchtig stark;

Söß Schäpel Arwten groote Maat,

Dat wier vör em en bloten Quark!

In't ganze Batalljohn wier kein Soldat,

Dei em von sienen Platz hahr rögt

Un em den stiewen Arm hahr bögt. –

Un das is wahr! Mich soll der Teufel hohlen! –

Wie wieren doamals grar in Polen,

Un ick müßt up dei schlichtsten Weeg'

Von Stadt tau Stadt herümme führen

Un müßt mit gaure Wühr un Schläg'[201]

'Ne Partie Ossen requiriren.

Bi dei Gelegenheit, dunn kehmen wi denn mal

In einen Weg, wat einen Mordweg was:

Dei Wagen güng bald up, bald dal

Dörch deipen Dreck. Knacks! brök dei As.

Doa seeten wi! Wo süll dit waren?

Dat neegste Dörp wier noch 'ne Miel wiet af.

Doch ihre wi uns besannen hahren,

Dunn wier mien Schmidt all von den Wagen 'raf

Un kreeg den Stümmel von dei As tau faaten

Un wull mi nich utstiegen laaten. –

›Herr Leutnant‹, sähr 'e, ›sitten S‹ ruhig wiß,

Ick faat dei As en En'n lang an,

Denn, denk ick, waren wi, wenn't jichtens mäglich is,

Doch endlich kamen an en Dörp heran.‹

Dei Kierl, dei kreeg nu mittewiel

Dei As tau faaten un hei drög sei furt

Bet an den neegsten, lütten Urt;

›Ne ganze Meile trug sie der Carnaille.

Die Sach' ist wahr auf gage und auf taille!« –

»Is dat ok wat? Dat kann en Jere«,

Sähr ick, »ick hahr mal Einen, dei heit Schröre«, –

Un nu füngt ok bi mi tau rocken an, –

»Dat was en Kierl, grar as en Hampelmann,

So'n Kierl is nahrens nich tau finnen,

Grar as 'ne Währ künn hei sich winnen,

Un up den Kopp, doa stellt hei sich,

Un radschlahn künn hei meisterlich. –

Wi reis'ten ok einmal von Stadt tau Stadt,

Un unnewegs brök uns denn ok dat Rad.

Na, ick steeg af, bekeek mi nu dei As,

Un as ick seeg, dat dei nich braken was,

So röp ick: ›Schroere! Kumm mal hea

Un stell Di dichting hia mal vöa;

Hier vör dei As! – Nu dreih Di 'rümme –

Nu maak Di noch en Bäten krümme –[202]

Nu krup herute ut dei Hos'!

So! – Nu noch 'n lüttes Bäten siere.

So! nu is't gaut! Nu, Kutsche, nu führ wiere!‹

Un dunn gung ok dat Führen los.

Ick seet nu ruhig in den Wagen

Un leet den Kutsche düchtig jagen,

Un Schroere, dei schloog Rad vedull,

All, wat dat Tüg man hollen wull.

As ick nah't neegste Dörp nu kamen was,

Dunn treckt ick em herunne von dei As.

›Na‹, sähr ick, ›Schröre? na, wo geiht't?‹

Un kloppte up dei Schulle em un grient.

›Ih, Herr, ick dank! Dat hett en Bäten schrient;

Ditmal wier't mi benah tau heit.

Wenn sei nochmal so jagen dehren,

Künn mi tauletzt dat doch woll schaaren;

Nah dissen möten S' mi en Bäten schmeeren;

Ich künn doch mal in Brand gerahren.‹«[203]

Quelle:
Fritz Reuter: Gesammelte Werke und Briefe, Band 2, Rostock 1967, S. 201-204.
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