Enge Künstlerschaft

[322] Sie wissen alle was, was sie nicht sagen,

Was sie nach ihrer Meinung vorwärtstrug.

Sie nützen ihren engen Weg und wagen

Nicht, wissen nichts vom freien Flug.


Als wär nicht Raum genug in Welt und Leben,

Wo alle echten Menschen Künstler sind.

Und wäre doch mit dem konträren Wind

Jedem ganz unerschöpflich viel gegeben.


Ihr Lachen schwitzt, ihr Stürmen ist ein Schleichen.

Untereinander hocken sie vertraut

Und tuscheln gegen Außenseiter laut,

Derweil sie selber giftig sich vergleichen.


Kristallisiert zum legitimen Grüppchen,

Wird ihr Charakter plötzlich fest bestimmt.

Von den Idealen bleibt ein Süppchen,

Darin ein Titel oder Goldnes schwimmt.
[322]

Sie pochen all auf was, was gar nicht klingt,

Obwohl es hohl ist. Dennoch nehmen

Sie andre auf, doch wieder nur bedingt,

Die Kleinen oder Großen, doch Bequemen.


Und könnte doch für sie und jedermann

Alles so anders und so herrlich sein.

Man kann – (Um Gottes willen: Nein!)

Es gibt gar kein »Man kann«.


Es gibt ein »Manko«, gibt ein »Mannequin«,

Ein »Monkey« – – aber das ist kein Dessin.

Es furzt ein Ulk. Der Teufel lupft den Steert.

Und mehr ist jene Gruppe gar nicht wert.

Quelle:
Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk in sieben Bänden. Band 1: Gedichte, Zürich 1994, S. 322-323.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Allerdings
Allerdings
Allerdings: Gedichte