Ferngruß von Bett zu Bett

[317] Wie ich bei dir gelegen

Habe im Bett, weißt du es noch?

Weißt du noch, wie verwegen

Die Lust uns stand? Und wie es roch?


Und all die seidenen Kissen

Gehörten deinem Mann.

[318] Doch uns schlug kein Gewissen.

Gott weiß, wie redlich untreu

Man sein kann.


Weißt du noch, wie wir's trieben,

Was nie geschildert werden darf?

Heiß, frei, besoffen, fromm und scharf.

Weißt du, daß wir uns liebten?

Und noch lieben?


Man liebt nicht oft in solcher Weise.

Wie fühlvoll hat dein spitzer Hund bewacht.

Ja unser Glück war ganz und rasch und leise.

Nun bist du fern.

Gute Nacht.

Quelle:
Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk in sieben Bänden. Band 1: Gedichte, Zürich 1994, S. 317-318.
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