Arm Kräutchen

[15] Ein Sauerampfer auf dem Damm

Stand zwischen Bahngeleisen,

Machte vor jedem D-Zug stramm,

Sah viele Menschen reisen


Und stand verstaubt und schluckte Qualm,

Schwindsüchtig und verloren,

Ein armes Kraut, ein schwacher Halm,

Mit Augen, Herz und Ohren.


Sah Züge schwinden, Züge nahn.

Der arme Sauerampfer

Sah Eisenbahn um Eisenbahn,

Sah niemals einen Dampfer.

Quelle:
Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk in sieben Bänden. Band 2: Gedichte, Zürich 1994, S. 14-15.
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