Der Lob-Gesang des Priesters Zacharias, als jhm in seinem hohen Alter von seiner auch betagten Haußfrawen Elisabeth sein Sohn Johannes ward geboren, Luc. 1.

[182] 1.

Ich wil den Herren ewig loben,

Ich wil jhn preisen Tag und Nacht,

Denn seine Güt' ist hoch erhoben.

Der Herr hat selbst an uns gedacht;

Er hat vom Himmel angesehen

Die Völcker in der Irre gehen.

O hoch geprießner Gottes Rath,

Der uns vom Fluch' erlöset hat!


2.

Er hat ein kräfftig Reich gegründet,

Ein Horn des Heyls, das seine Stärck'

Allein' in dem Gesalbten findet.

O Wunder-grosses Gnaden-Werck!

Aus Davids Hauß' ist dieser kommen,

Wie das versprochen war den Frommen

Und der Propheten trewer Mund

Uns für der Zeit gemachet kundt.


3.

Nun hat der HERR' uns siegen lassen,

Er hat gedämpfft der Feinde List

Und aller derer, die uns hassen,

Er macht uns frey zu dieser Frist.

Er findet wieder das verlohren,

Wie er den Vätern hat geschworen,

Dazu an seinen Bund gedacht,

Den er mit Abraham gemacht.


4.

Dieweil uns aber ist erschienen

Die langgewündschte Gnaden-Zeit,

So lasset uns dem Herren dienen

In Demuth und Gerechtigkeit.

Da sol nu keiner sich beflecken,

Ja keine Furcht sol uns erschrecken.

Ein jeder thu in dieser Welt

Sein Lebenlang, was Gott gefält.


5.

Und du, O Kindlein, wirst genennet

Des Höchsten Seher und Prophet',

Ein Kind, das den Gesalbten kennet

Ein Kind, das für dem Herren geht,

Ein Kind, das jhm den Weg bereitet

Und seines Namens Ehr außbreitet,

Ein Kind, das nach des Höchsten Rath

Wird straffen Sünd' und Missethat.


6.

Dein süsser Mund, der wird uns lehren,

Wie man durch wahre Buß' und Rew'

Allein zu Gott sich müsse kehren

Und wo alsdenn Vergebung sey,

Ja wo die Gnad' und Rettung stehe:

Nur bey dem Auffgang' auß der Höhe,

Der ist uns kommen in der Zeit

Mit hertzlicher Barmhertzigkeit.


7.

Das Volck, so gar im Finstern lebte,

Das seinen Schöpffer kandte nicht,

Das Volck, das nur im Schatten schwebte,

Ersiehet nun ein grosses Liecht.

Ein schöner Glantz ist auffgegangen,

Der Väter Hoffnung und Verlangen.

Nun wird man unsre Füsse sehn

Den sichern Weg des Friedes gehn.

Quelle:
A. Fischer / W. Tümpel: Das deutsche evangelische Kirchenlied des 17. Jahrhunderts, Band 2, Hildesheim 1964, S. 182-183.
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