Dritter Akt

[503] Die beiden Seiferts. Die beiden Ulbrichs. Ermischer. Neubert. Weigel. Frau Schönherr. Neumerkel.

Die Erdgeschoßstube in der Hütte des Gemeindedieners. Kleiner ärmlicher Raum mit getünchten Wänden. In der Mitte der rechten Seitenwand befindet sich die Türe, durch welche man beim Öffnen einen schützenden Holzvorbau erblickt. Zu seiten der Türe je ein niedriges Fenster ohne Vorhänge. In der Mitte des Hintergrundes (kahle Giebelwand) erhebt sich ein rissiger, baufälliger Lehmofen. Vorn an der linken Seitenwand führt eine Leiter zu einer Luke oben in der Wand, aus welcher Stroh herausliegt und durch die man auf den Boden des Anbaues gelangt. Hinter der Leiter, in der linken Seitenwand, ebenfalls ein schmuckloses Fenster; längs der Hinterwand, neben dem Ofen, das zweischläfrige Bett mit zwei Kopfkissen und bunten Kattunüberzügen. An der Hinterwand, neben dem Ofen, ferner[503] noch ein altertümlicher Schrank, darauf allerlei Gerümpel, ein großes Topfgestell mit Gerät. Vor dem Ofen eine Bank; direkt neben der Türe stehend einige Feldgerätschaften. An die Wand gehängt eine Anzahl Kleidungsstücke, darunter Seitengewehr, Dienstjoppe und Mütze des Gemeindedieners. Vor

dem ersten Fenster rechts eine braungestrichene, mächtige Lade. An der Wand, rings um das Fenster gehängt, eine Anzahl Vogelbauer. Ein paar bunte Bilder hängen noch an den Wänden. In der Mitte der Stube steht der plumpe viereckige Tisch, darauf eine Stehlampe und in der Stube, unordentlich umher, ein paar grobe Holzstühle.

Spätnachmittag. Sonntag. Im Ofen brennt Feuer. Auf dem Tische liegt Ermischers Hut. Frau Seifert, ärmliche Kleidung, schwarzes Haar, pfiffige, verschlagene Züge, geht mit verdrießlichen Blicken in der Stube umher, schaut ungeduldig die Bodenleiter hinauf. Ermischer kommt rückwärts die Leiter herabgeklettert, nach ihm Seifert, dicke Filzschuhe an den Füßen, Diensthose, baumwollene gestrickte Unterjacke, darunter man ein Barchenthemde sieht. Wie Ermischer sich unten umwendet, sieht man sein mit Pflastern streifenweise verklebtes Gesicht.


FRAU SEIFERT. Is fei' alles recht, Herr Fierstand?

ERMISCHER. 's is recht, 's is recht.

FRAU SEIFERT. Die wird in unsrer Pflege dick un' fett ... Un' was ich noch sprechen wollte ... sein denn nu die Kratze bald heile, Herr Fierstand?

ERMISCHER patzig. Se werden schon heile werden.

FRAU SEIFERT. Nu, nehmen Se's bloß nich' ungüttig, ich frag' bloß eso ... Un' was 'ch noch sprechen wollte ... uff den Tag setzt's doch eenen Neigroschen Verpflegegeld un' eenen Fümfer für die Arbeit?

ERMISCHER steht am Fenster rechts. Jo, jo, jo.

FRAU SEIFERT. Denn is 's itze schon 'n Daler un' fufzeh' Neigroschen, was mir zu kriegen ha'm.

ERMISCHER Faust geballt zum Fenster hinaus. Die Pakasch, die verfluchte!

SEIFERT der bescheiden beiseite getreten, kommt herbei. Was wärd denn sein, Herr Fierstand?

ERMISCHER. Da ha'm se mich nu hie 'neingeh'n seh'n un' nu steht 'ne ganze Herde Kinder an der Straße. Komm ich 'naus, da geht's los: »Katzen-Ermischer! Katzen-Ermischer!« Bande!![504]

SEIFERT. Des hat der Neimerkel 'rumgebracht.

ERMISCHER blitzwütend. Den buckligen Dingerich bring' ich noch an den Galgen!

FRAU SEIFERT bittend. Un' was ich noch sagen wollte ... mir Seiferts sein doch ganz arme Leute ... Herr Fierstand, möchten Sie nich' eso gut sinn un' geben uns schon den Daler fufzehn Neigroschen ...

ERMISCHER. Ich? Sie ha'm wohl 'nen Affen?!

FRAU SEIFERT. Nu aber ...

SEIFERT. Mußt nich' eso habgierig sein, Lenl. Die Gemeende zahlt ja alles.

ERMISCHER. Die Gemeende? Pfeifen wird sie euch was.

DIE SEIFERTS. Nu aber, Herr Fierstand, nu da ...

ERMISCHER. Des is ieberhaupt noch nich' 'raus, wer die Kosten zahlt. Uff der Amtshauptmannschaft sagen se: »'s is 'ne Poll'zeiangelegenheet der Gemeende, also muß die Gemeende bezahlen.« Un' d'r Gemeenderat spricht: »'s geht uns nischt an, 's is 'ne amtshauptmannschaftliche Anordnung, also bezahlen mir keenen Pfeng' für die Kosten.« Geh' ich wieder uff die Amtshauptmannschaft, da lachen die Referendare schon, wenn ich zur Türe 'nein komm'.

FRAU SEIFERT fast weinend. Ihr Leute, ihr Leute, da kriegen wir in unserer Armut am Ende noch nich' emal die paar Pfeng' vergüt'!

SEIFERT. Nu, wann mir nu ... un' mir brächten den Herrn Fierstand die Katze ...

ERMISCHER. Untersteh' dich bloß ...! Nach einer Weile. Aber wann ihr sie behalten möchtet, so hättet 'r uff eene bill'ge Weise een nützliches Haustier erworben.

FRAU SEIFERT. Ei jo, ei jo, da können wir unsere Pfennige besser brauchen.

ERMISCHER setzt seinen Hut tief in die Stirn, schlägt den Rockkragen hoch, daß man nur noch seine Nasenspitze sieht. 's is egal, ihr müßt se ä'm im Ufftrag der Gemeende verpflegen bis eene Entscheidung getroffen is.

FRAU SEIFERT. Un' nach'r gucken mir in den Mond.

ERMISCHER. M'r wird schon sehn. Guckt durchs Fenster. 's scheint, se sein fort. Tag ooch. Läuft rasch hinaus.

DIE SEIFERTS. Tag ooch, Herr Fierstand. Sie laufen zum Fenster und sehen ihm nach.

FRAU SEIFERT. Pst! Se ha'm sich hinter den Bäumen versteckt.[505]

SEIFERT. Da kommen se schon 'raus.


Man hört entfernt vielstimmiges, sich verlierendes Kindergeschrei: »Katzen-Ermischer! Katzen-Ermischer!« Die Seiferts halten sich lachend die Bäuche. Dann kommen sie wieder vor.


FRAU SEIFERT. Was 'r für Kratzen im Gesichte hat. Hihihi!

SEIFERT. Nu, 's war ooch zu dumm. Er wollte se eso fuchtig packen, die aber nich' faul, springt uff ... hupp, hupp! Zeigt, wie die Katze Ermischer zerkratzte.

FRAU SEIFERT sitzt ausgelassen lachend auf der Lade.

SEIFERT. Un' am Ende ha'm mir se nu uff'm Halse.

FRAU SEIFERT. Nu sag nur, kann des bloß möglich sein, deß se uns uns're Kosten und Arbeit nich' vergüten? Faustschlag auf den Tisch. Verfluchtig nei', wann des der Ermischer macht, verklag' ich 'n beim Gerichte!

SEIFERT. Pscht, pscht. Wärst du gleich ... Wenn 'r des heert, schickt 'r mich fort, un' denn liegen mir uff der Straße.

FRAU SEIFERT. A was hie. Du sollst ihm emal deine Meinung sagen.

SEIFERT. Nu sei bloß still, Lenl. Mir werden schon unser Geld kriegen.

FRAU SEIFERT. Un' wenn mir's nu nich' kriegen?

SEIFERT. Da ..., da möcht' m'r sich des Vieh beizeiten vom Halse schaffen.

FRAU SEIFERT. Nich' wahr? Wann des gewiß is, da nehmen mir 'nen Prügel un' jagen se uff un' davon!

SEIFERT. Pscht. Nee, über so was ...! 's kann mich meinen Dienst kosten.

FRAU SEIFERT. Des is schon e Dienst. Zwölf Neigroschen uff den Tag an Lohn, 'n Häusel, wo eenen der Wind danächst 's Dach in die Stube schmeißt, un' e elendes bill' Kartuffelacker, des is schon e Dienst.

SEIFERT zündet eine lange Pfeife an. Eso is 's nu: da hat m'r emal 'nen tanzfreien Sonntag, wo m'r daheeme bleiben kann, und gleich is der Krach fertig.

FRAU SEIFERT hat eine Weile, einem Einfall nachgrübelnd, auf der Lade gesessen und ihren Mann mit listigen Blicken verfolgt. Denk emal, Mon, 's is schon een Daler un' fufzehn Netgroschen Unkosten. 's können leicht zwee Daler werden. Wann se's nich' bezahl'n, kannst du dich eene ganze lange Woche für nischt schinden.[506]

SEIFERT. 's wär' doch ...! 's is ja gar nich' denkbar, deß der Gemeenderat sich eso verhielte.

FRAU SEIFERT. I ja, i ja. Lehr' du mich den Gemeenderat kennen. Wer sein denn die meisten drinne, hä? Die Bauern. Un' eener is immer filz'ger wie der andere. 's darf bloß nischt kosten. Wenn die dich sitzen lassen ...!

SEIFERT legt die Pfeife hin, geht unruhig in der Stube umher. Hast recht, hast fei' recht!

FRAU SEIFERT. Also ...? Sitzt lauernd auf der Lade.

SEIFERT bleibt umhergehend an der Leiter stehen. Ich möcht' se in den Gutsteich schmeißen un' sagen: se wäre uff un' davon.

FRAU SEIFERT. Hm, – Reibt sich die Hände. – da wüßt' ich e'was Rätlicheres, hähähä ... Da wüßt' ich fei' e'was Rätlicheres. Da könnten mir ooch emal 'nen fetten Sonntag machen wie die reichen Bauern, die imanand Fleesch uff'm Tische ha'm.

SEIFERT guckt sie sprachlos an, schlägt entrüstet auf den Tisch. Ei, du gottverfluchtes Ding, du! Also da willste 'naus! Nee die Fraa'nsmenscher! Die größte Schlechtigkeet, uff die unsereens in seiner Dummheet gar nich' kommt, die ha'm se gleich ausgetiftelt!

FRAU SEIFERT. Was hie. Is des Schlechtigkeit, wenn m'r sorgt, daß m'r wieder zu dem Seinigen kommt?

SEIFERT. Nu ja ...

FRAU SEIFERT. Un' machen's dahie im Erzgebirg die Leute nich' alle so, hä? Wenn die Strumpwirker, die Schnitzlersleute ja emal 'n Stück'l Fleesch uff'm Tische ha'm, so is 's Pferdewurscht oder e Hund'l oder 'ne Katze. Wo ha'm die's denn her, hä?

SEIFERT geht unschlüssig und brummig umher, greift nach einer Weile hinter dem Ofen ein Küchenbeil heraus und prüft seine Schneide; wirft es wütend wieder hin. Un' ich mach's ä'm nich'!

FRAU SEIFERT. I, dann laß es gut sinn un' verbrenn dir deine Finger nich'. Sie macht sich am Ofen zu schaffen.


Während des Folgenden beginnt es langsam zu dunkeln. Der Abend bricht herein.


SEIFERT hat seine Pfeife wieder angezündet. 's scheint, 's wärd Abendessenszeit, 'nen rechten Hunger hätt' ich.

FRAU SEIFERT. Ich ooch.[507]

SEIFERT. Was wärd's denn geben?

FRAU SEIFERT die mit einer Kaffeemühle hantiert, lacht ihm ins Gesicht.

SEIFERT. Nu, du wirst doch noch een Stück'l Ziegenkäs' im Hause ha'm? 'nen rechten Appetit hätt' ich d'ruff.

FRAU SEIFERT. Nich' eso viel wie mei' Fingernagel is da. Mir könnten ja unser Fleeschernes ha'm ... Ich sag' nischt mehr.

SEIFERT steht überlegend an der Leiter. Nach einer Weile freundlich. Soll ich dir e bill' zur Hand gehen, Lenl?

FRAU SEIFERT. I ja, des bring' ich alleene.

SEIFERT. Gib nur her. Nimmt ihr die Handmühle ab und mahlt Kaffee; nach einer Weile. Lenl.

FRAU SEIFERT. Hä?

SEIFERT. Horch emal d'ruff. 's wär' schon recht, wenn mir in unsrer Armut ooch emal e Stück'l Fleesch essen könnten ... Aber ... wenn's uffkommt ...

FRAU SEIFERT. Un' wenn's uffkommt. Nach'r helf' ich dir 'raus.

SEIFERT. Nu denn ... du bist fei' pfiff'ger wie ich ... Bal' mecht' ich's riskieren. Holt seinen blanken Hirschfänger.

FRAU SEIFERT. Was stehste un' besinnst dich?

SEIFERT. Nu also ... wenn du denkst, 's käm' nich' uff ...

FRAU SEIFERT. Geh' nur endlich!

SEIFERT klettert die Leiter hinauf; plötzlich stehen bleibend. Das heeßt, Lenl ... ich weeß noch nich', ob ich's mache ... ich geh' nur emal 'nuff ...

FRAU SEIFERT. Nu mach' nur un' geh'! Herrjess's, is des e Mon!

SEIFERT. Ich geh' ja schon, ich geh' ja schon. Er verschwindet in der Wandluke.

FRAU SEIFERT unruhig horchend und nach dem Fenster spähend. 's is mir doch g'rade, als knirscht's im Schnie ... Ei, des fehlte noch!


Sie eilt auf die Türe zu, im gleichen Augenblick tritt Frau Schönherr ein. Frau Seifert macht sich nun in der Stube zu schaffen, behält dabei die Bodenleiter unruhig im Auge.


FRAU SCHÖNHERR durchfroren von der Kälte. 'n Abend, Fra' Seifert'n.

FRAU SEIFERT. 'n Abend, Schönherr'n.

FRAU SCHÖNHERR. Ober'n Schnie liegt auf eurem Steig. Bis an die Knöchel bin ich durchgewat'.

FRAU SEIFERT. Des macht, wann m'r in der Wirtschaft mehr zu tun hat als Schniewegschaufeln.[508]

FRAU SCHÖNHERR. Nu, wie soll ich da erscht tun, ich mit meinen Mon, 'nen Gesellen, vier großen Kindern. Un' nu noch des Kleene.

FRAU SEIFERT höhnisch. Denn sag' mir bloß, wenn de gar eso viel Arbeit hast, wie de da am Sonntagabend 'ne halbe Stunde vor'n Ort loofen kannst, zu Seiferts 'naus.

FRAU SCHÖNHERR. Nu sieh ooch, ich komm' emal wegen der Katze. Ihr hat se nu schon ieber de dritte Woche un' m'r heert nischt un' heert nischt ... Was wird denn nu eegentlich?

FRAU SEIFERT. Da mußte den Fierstand fragen.

FRAU SCHÖNHERR suchend. Wo habt 'r se denn?

FRAU SEIFERT. Oben uff'm Dachboden.

FRAU SCHÖNHERR. Emal seh'n möcht' ich se.

FRAU SEIFERT springt vor die Bodenleiter. Des gibt's nich'. Die is bei uns in beheerdlichem Gewahrsam un' da mußt du eenen Erlaubnisschein vom Fierstand beibringen, wann du se seh'n willst.

FRAU SCHÖNHERR. Enee, des is doch ... wo is denn dein Mon?

FRAU SEIFERT. Der is ooch oben ... der ... hält Wache bei'r.

FRAU SCHÖNHERR verdutztes Gesicht, dann schallende Lache. Ihr Leute, ihr Leute! Ich kann mich nimmer halten! Uff'm Dachboden habt 'r se eingesperrt un' dein Mon hält Wache bei'r. Erneutes Gelächter. Des is ja, als wär' se een gefährlicher Verbrecher! Habt 'r se ooch an der Kette? hahaha!

FRAU SEIFERT. Stichel du nur imanand mit deiner gift'gen Zunge. Mir müss'n fei' tun, was uns geheeßen wird.

FRAU SCHÖNHERR. Hä? Is des denn nich' 'ne Schande! Wenn's ooch bloß 'ne Katze is, 's is doch unser'n Gesell'n sei' Eegentum un' er will's zurück ha'm. Wo bleibt denn hie Recht un' Gerechtigkeet?

FRAU SEIFERT heftig. Also Schönherr'n, mein Mon is der Poll'zeier un' des kann ich nich' dulden, deß du eso verächtlich von Recht un' Gerechtigkeit sprichst.

FRAU SCHÖNHERR. A was hie. Ich sag' nischt gegen deinen Mon. Deß dein Mon e dummes Luder is, des is bekannt, aber du bist eene durchtriebene Christine ...

FRAU SEIFERT. Un' des sprichst du zu mir?

FRAU SCHÖNHERR mit hervorbrechender Wut herausschreiend. Du stellst den Vögeln Fallen, du nimmst Vogelnester aus, du legst dem Wild Schlingen, du maust dem Rittergut die Forellen dutzendweise aus dem Bache, du schaffst 's Holz zur[509] Nachtzeit meterweise aus dem Walde, du paschst 's Mehl zentnerweise ieber die Grenze ...!!

FRAU SEIFERT. Un' wenn du nich' machst, deß de 'naus kommst, so wärscht du seh'n ...! Reißt die Türe auf.

FRAU SCHÖNHERR. Mir werden uns schon sprechen!

FRAU SEIFERT. 'naus packst du dich!

FRAU SCHÖNHERR. Du wärscht von mir hören. Läuft hinaus.

FRAU SEIFERT. Un' du von mir! Wirft die Türe ins Schloß.

SEIFERT ist zitternd die Bodenleiter herabgekommen und wirft den Hirschfänger hin. Was is denn, was is denn bloß?

FRAU SEIFERT. Die Schönherr'n war da.

SEIFERT sinkt auf einen Stuhl. Ei nu da, nu ha'm m'r verspielt, nu kommt 's 'raus.

FRAU SEIFERT. Wenn du dich nich' egal für dumm verschleißen läßt, kommt nischt 'raus. Betrachtet seinen Hirschfänger. Wisch's emal ab, rasch.

SEIFERT reinigt den Hirschfänger.

FRAU SEIFERT holt einen eisernen Tiegel und ein Messer. Un' nu werd' ich dir was sagen, nu schließt du die Laden, sorgst, deß Licht wärd un' verhältst dich fei' stille. Springt behend die Bodenleiter empor.

SEIFERT schließt, noch immer zitternd, dabei abgebrochene Sätze hervorstoßend, an den beiden Fenstern rechts die Laden. Ne, laß du mich zefrieden. Mach' du die Sache alleene. Hätt' ich mich bloß nich' 'neingemengt. Des kost' mich meinen scheenen Posten. Un' 's is fei' een scheener Posten! Zweelf Neigroschen den Tag un' ooch noch freie Wohnung. E bill' feuchte is 's ja un' ooch e bill' baufällig. Aber ich brauch' doch keenen Pfeng' Miete bezahlen ... Zum offenen Fenster hinaus. Wer is da! Hä? Antwort! Schließt den Laden. 's scheint, 's war der Wind ... eenen neuen Anzug krieg' ich ooch alle Jahre uff Gemeendekosten ... Gottverdammich, wenn's 'rauskommt, wenn ich meinen scheenen Posten verlier' ...!

FRAU SEIFERT kommt, die gefüllte Pfanne vorsichtig tragend, du Leiter herab. Ei nu, du hast doch noch kee' Licht? ... Wärscht du denn so gut sinn, hä?

SEIFERT zündet die Lampe an. Nu wart' nur e bill', 's wärd schon lichte werden.

FRAU SEIFERT hat die Pfanne in die Röhre gestellt und schürt das Feuer. Des is e Mon. Da läuft 'r 'nun un' teepst, deß ich's[510] uff'm Dachboden hören kann. Überlaut. Wann's 'rauskommt, so is 's deine Dummheit!

SEIFERT. Pscht. Horch emal ... kommt nich' eener ...?


Sie horchen gespannt.


FRAU SEIFERT. 's kann sein ... 's is e Männerschritt.


Im Vorbau hört man jemanden den Schnee abstampfen. Neubert tritt ein.


NEUBERT. Guten Abend.

DIE SEIFERTS übertrieben freundlich. Guten Abend, Herr Neibert, guten Abend, des is eene Ehre.

FRAU SEIFERT. Hie is 'n Stuhl für'n Herrn Neibert.

NEUBERT. Danke, ihr Leute, danke schön ... Ich such' Sie schon überall, Gemeindediener.

FRAU SEIFERT. Des macht: er hat seinen freien Sonntag.

NEUBERT. Ach so, da kann man freilich suchen ... Ich wollte Ihnen nämlich sagen ... ja ... da is mir hinterbracht worden, daß der Dingsda, der Geselle vom Meister Schönherr, an allen Wirtshaustischen unverschämte Reden wider mich führen soll. Haben Sie schon 'mal was gehört?

SEIFERT abwehrend. Nee, Herr Neibert, also ich hab' da ieberhaupt nischt gehört.

NEUBERT. Das heißt, Sie wollen nichts gehört haben. Zu was haben wir denn da eine Polizeiperson im Ort. Rennt ärgerlich hin und her, bleibt dann vor den Seiferts stehen. Sehen Sie, ich will mich jetzt bei der Gemeinderatswahl als Vertreter der Ansässigen aufstellen lassen. Aber ich habe zwei Feinde: der Ermischer, der die Bauern, der Schönherr, der die Schnitzlermeister gegen mich aufhetzt. Wenn nun noch so'n nichtsnutziger Bursche herumläuft und bei den Leuten freche Reden wider mich führt ... sehen Sie, das kann ich mir nich' gefallen lassen.

FRAU SEIFERT. Also geht's wider die Schönherrsch? Nu, der Schönherr'n möcht' ich's schon wünschen, deß se emal kernig 'neinfiele.

NEUBERT. Das will ich ja gerade, Frau Seifert.

FRAU SEIFERT. Da mußt du emal Obacht ha'm, Mon.

NEUBERT. 's soll ja Ihr Schade nich' sein. Sehen Sie, wenn ich in den Gemeinderat gewählt werde ... Was ha'm Sie denn jetzt, Seifert?

SEIFERT. Zweelf Neigroschen den Tag, Herr Neibert.

NEUBERT. Schön, wenn ich gewählt werde, sorg' ich, daß Sie[511] achtzehn ... nein, fünfzehn Groschen den Tag kriegen, Seifert.

DIE SEIFERTS. Nu, wenn des wäre ...! des wär' doch ...!

NEUBERT. Sie können sich darauf verlassen. Bringen Sie mir so 'ne Äußerung und Sie sollen seh'n ...

SEIFERT. Nu, wos der Neimerkel is, der hat schon emal 'ne schwere Beleidigung ieber Sie gesagt, möcht' ich sprechen.

NEUBERT Notizbuch. So, was hat er denn gesagt? 'raus damit.

SEIFERT. Des war im »Deutschen Haus«. Da barmten die Schnitzlersleute, deß sie durch Ihre Fabrik bankerott würden. Un' eener spricht: Des is, weil die Kleenmeester nich' zusammenhalten, sonsten könnt' leichte der große Neibert bankerott werden. Un' da schreit der Neimerkel: »I ja, wenn der Neibert ooch dreiste bankerott wird, der weeß schon, wo Barthel den Most holt!«

NEUBERT. So ... das hat 'r gesagt ... das is ja ... »Wo Barthel den Most holt.« ... Glotzt ihn dumm an, bricht plötzlich in Lachen aus und rennt umher. Da hat 'r eigentlich ganz recht. Ich denke, ich hab's bewiesen, daß ich weiß, »wo Barthel den Most holt«. Nee also, das is nichts, lieber Seifert.

SEIFERT. Ich werd' emal d'ruff spannen.

FRAU SEIFERT. Sie ha'm ganz recht, Herr Neibert. Was mir von den Schönherrsch auszusteh'n ha'm sitt'r der Katzengeschicht' ...!

NEUBERT lacht. Ja, sagen Sie ... die Katzengeschichte. Was wird denn nu eigentlich, hä?

SEIFERT geht unruhig umher.

FRAU SEIFERT jammernd. Mir wissen's nich', Herr Neibert. Oben uff'm Dachboden sitzt se sitt'r drei Wochen. Mir müssen se füttern un' pflegen un' keener gibt uns 'nen Pfeng' zurücke ...

NEUBERT an der Leiter. So, so, da oben sitzt se. Ich glaub' schon, daß Ihnen die Geschichte viel Ärger und Verdruß macht. Schnuppert. Übrigens, das riecht ja hier wie in 'ner Hotelküche.

FRAU SEIFERT. E bill' Braten ha'm mir.

NEUBERT. Hä ... Braten? Da heißt's nu immer: im Erzgebirge hätten die Leute sonntags 'nen Hering an der Decke ... da huppten se nach ... hähä. Dabei hat der Gemeindediener 'nen leckeren Braten.

FRAU SEIFERT. Nu, e bill' Fleesch tut uns ooch emal gut.[512]

NEUBERT im Gehen. Das will ich meinen. Ich freu' mich ja auch d'rüber, denn da sieht man doch wieder 'mal, wie durch die Ausbreitung der Industrie der Volkswohlstand von Tag zu Tag gehoben wird ... Also denken Sie 'mal an die Sache, Gemeindediener. Adieu. Geht hinaus.

DIE SEIFERTS. Jawohl, Herr Neibert, jawohl ... Tag ooch, Tag ooch.

SEIFERT. Gott sei Dank, deß 'r 'naus is! Esu eene Angst!

FRAU SEIFERT. I ja. Der hat nischt gemerkt. Hähä!

SEIFERT. Fufzehn Neigroschen soll ich kriegen! Da möcht' m'r wünschen, er käm' 'nein in den Gemeenderat.

FRAU SEIFERT. Nu freilich. Un' die Scheenherrsch ha'm m'r nu ooch in der Tasche.

SEIFERT. Host racht. Host fei' racht.

FRAU SEIFERT hantiert am Ofen.

SEIFERT steht in der Stube.

FRAU SEIFERT. Nu brauchste ooch keene Angst mehr ze ha'm. Recht mit Behagen kannste dei' Brat'l essen, als ob de der Ermischer selber wärscht.

SEIFERT steht an der Türe. M'r schnuppert's bis hieher.

FRAU SEIFERT läuft zu ihm. E Gerüch'l, als ob m'r bei den reichen Bauern wär'.

SEIFERT. Un' wem dank' ich's? Der Fra'! Geh' emal her, Aale ...! Er faßt sie übermütig um die Hüften.

FRAU SEIFERT. Nu aber, Seifert, wärscht du gescheit bleiben ...!


Seifert schwenkt sein Weib trällernd durch die Stube. Sie kreischt und will sich losmachen. Da erscheint Weigel auf der Schwelle. Sie fahren erschreckt auseinander.


WEIGEL. Nanu ...?

DIE SEIFERTS. D'r Herr Schandarme ... ach Gott, d'r Herr Schandarme!

WEIGEL. Freilich bin ich's. Das geht ja hier zu ... Was is denn los?

FRAU SEIFERT. Ach Gott, Herr Schandarme, mir ha'm uns bloß emal 'nen Spaß gemacht ... Möchten Se sich nich' setzen.

WEIGEL. Danke. Sagen Sie, Gemeindediener, ich bin beauftragt, im Bezirk auf Pascher zu vigilieren. Der Unfug geht jetzt ins Große. Hier im Ort sollen auch welche sitzen. Wissen Sie vielleicht 'was.[513]

SEIFERT. Nee, also ich weeß da nischt, Herr Schandarme.

WEIGEL. Nu aber, Sie sind doch lange genug hier. Ha'm Sie nich' wenigstens 'nen Verdacht?

FRAU SEIFERT. Nu seh'n Se, Herr Schandarme, des is ä'm eso. Die armen Leute un' weil dehie alles teuer is, die gehen uff'n Abend ins Böhmische 'nein, holen sich Mehl un' Ware un' handeln vielleichte ooch damitte ...

WEIGEL. Da holen se sich, da handeln se damit ... zum Donnerwedder, das is doch Schmuggel! Gemeindediener, da werden Sie 'mal aufpassen. Die Kerle müssen wir 'rauskriegen.

SEIFERT. Ja, freilich ... des heeßt ... die Pascher sein böse Kunden. Die lauern eenen in d'r Dunkelheet uff un' hau'n eenen die Hucke voll.

WEIGEL. Nu, das wäre ja noch schöner. Da können sie mit meiner Waffe Bekanntschaft machen!

SEIFERT. Ich wer' emal uffpassen, Herr Schandarme.

WEIGEL schnuppert. Übrigens ... hier is ja 'n ganz delikater Bratengeruch.

SEIFERT fassungslos.

FRAU SEIFERT. E bill' Braten ha'm m'r im Toppe.

WEIGEL. Was gibt's denn Gutes?

SEIFERT. Nischt, Herr Schandarme ... ich gloob' ... e bill' Wild.

WEIGEL plötzlich aufmerksam und beide scharf fixierend. Wild? ... Wie kommen Sie denn zu Wild?

FRAU SEIFERT sehr verlegen. E bill' Hase, Herr Schandarme, m'r ha'm 'nen uff'm Felde gefunden ... ja.

WEIGEL. Gefunden wollen Sie 'n haben ... und ha'm ihn nich' abgeliefert?

SEIFERT. Ich wer' dir emal Holz holen. Klettert eilig die Leiter empor auf den Boden. Während des Folgenden hantiert er auf dem Boden mit Holz und steckt mehrmals ängstlich den Kopf aus der Luke.

WEIGEL. Das is doch mindestens seltsam. Also nu sein Sie 'mal offen und ehrlich, Frau Seifert.

FRAU SEIFERT. Was is da ehrlich ze sinn. Nee, Herr Schandarme, wenn Sie eso schlecht von uns denken ... Schürze vorm Gesicht.

WEIGEL. Die Tränen können Sie unterwegs lassen. Geben Sie mir lieber Bescheid.

FRAU SEIFERT. Mir ha'm 'nen gewiß un' wahrhaftig uff unser'n[514] Kartuffelacker gefunden, Herr Schandarme. 's war doch bis itze eso eene strenge Kälte un' meterhoch Schnie, da is er ä'm umgekommen. 's hätt' 'n doch keener beansprucht, un' da dacht' 'ch, machste e bill' Hasenpfeffer.

WEIGEL. So, na ... ich werd's Ihnen 'mal glauben. Gott verzeih' mir die Sünde. Ich bin ja kein Unmensch ... Aber alles was recht is ... fein zugerichtet ha'm Sie 'n. 'n Gerüchel ...!

FRAU SEIFERT. M'r tut, was m'r kann.

WEIGEL Blick auf seine Uhr; Pfiff. Potz Blitz! 's is bald nachtschlaf'ne Zeit. Ich bin bloß wegen den Paschern hier 'rausgelaufen und muß nu den ganzen verfluchten Tanz wieder zurück. Stellt sein Gewehr bei der Lade hin. Ich wer' mich 'nen Augenblick verpusten.

FRAU SEIFERT. Des tun Sie nur, Herr Schandarme.

WEIGEL. Wo bleibt denn der Seifert.

FRAU SEIFERT. Er sucht im Holze. Ruft an der Leiter. Mon, fix, fix!

WEIGEL Seitengewehr abgeschnallt, nebst Käppi auf die Lade gelegt; setzt sich. Das muß Ihnen der Neid lassen: das Kochen ha'm Sie 'raus. So'n Düftchen! Überhaupt der Hase ... 's geht nu' 'mal nischt d'rüber. Hase und Gans ... ja. Wenn ich 'ne Erstgeburt zu vergeben hätte ...

FRAU SEIFERT betrachtet den Gendarmen mit listigen Blicken, kommt langsam vor. Herr Schandarme, wenn ich wüßte, deß Sie's nich' ungütig nehmen ...

WEIGEL ihr wohlwollend auf die Schulter klopfend. Bei Ihnen nehm' ich überhaupt nichts »ungütig«, liebe Frau Seifert'n ... also 'raus damit.

FRAU SEIFERT. So mecht' ich Sie recht bitten, hie ze warten bis d'r Hasenpfeffer fertig is, ich geb' Sie e ganz kleenes Finkl ze kosten.

WEIGEL. Nee, das is nu ... also das kann ich wirklich nich' annehmen, liebe Frau Seifert'n. Beim Gemeindediener essen ... nee.

FRAU SEIFERT. Nu, wenn Sie ä'm denken, 's geht nich' ...

WEIGEL. Aber damit Sie nich' am Ende denken, ich veracht' Sie ... Nee, das is nich' meine Art, gewiß nich', liebe Frau Seifert'n. Also da wer' ich Ihr Gast sein.

FRAU SEIFERT versteckter Hohn. Des is scheen von Sie; nee, also des is wirklich e scheener Zug von Sie, Herr Schandarme.[515]

SEIFERT kommt mit einem Armvoll langen Rundholzes die Leiter herab.

WEIGEL. Na, Seifert, heut' abend wer' ich Ihnen Gesellschaft leisten. Ihre liebe Frau hat mich zum Essen eingeladen.

SEIFERT läßt erschreckt das Holz zur Erde fallen; rutscht aus und bammelt an der Leiter; dann wütend. Nee, des is doch ... eso eene Frechheet is mir noch nich' vor'kommen!

WEIGEL. Aber ich fass' 's doch gar nich' als Frechheit auf. Mensch, jetzt woll'n wir 'mal außerdienstlich gemütlich sein.

FRAU SEIFERT. Nu ä'm. Komm, Mon, mach' dir deine Pfeffe an un' red' e bill' mit'n Herrn Schandarme.

WEIGEL. 'ne Sorte Stühle ha'm Sie ... man sitzt sich ja 'ne Hornhaut. Beguckt den Stuhl. Den hat wohl der Noah vergessen mitzunehmen, wie er in die Arche ging?

FRAU SEIFERT. Nu, wenn Sie gerne weech sitzen, da ricken m'r den Tisch 'rieber un' der Herr Schandarme setzt sich uff's Bette. Greif emol zu, Mon. Sie nimmt die Lampe, während Seifert den Tisch vor das Bette schleppt.

WEIGEL. Ja aber ... darf man denn das? so auf den Altar der ehelichen Liebe und Treue ...?

FRAU SEIFERT quiekt. I, machen Se nur keene Geschichten. Wenn Sie nur weech sitzen.

WEIGEL. Na, dann wer'n wir so frech sein. Fleezt sich auf das Bette. Ah ... hier sitz' ich wie Gott in Frankreich. Wär' nu noch einer da, so könnten wir 'nen Skat kloppen.

SEIFERT mit der Pfeife. Des Luder is wieder emal verstuppt.

WEIGEL. Kommen Sie her, Seifert. Hier ha'm Sie 'ne Zigarre. Paffen Sie das 'mal.

SEIFERT. Ei, ich dank' schie. Hie is ooch Feier, Herr Schandarme.


Sie zünden sich Zigarren an.


WEIGEL. Ah ...! 'ne Zigarre is halbe Fütterung ... Übrigens ha'm Sie hier 'ne ganz gemütliche Bude.

FRAU SEIFERT bringt Brot, Teller, Messer, Gabel auf den Tisch. Jja, Herr Schandarme, des is schlimmer wie eene Hundehütte, wo eenen hie die Gemeende 'neingesetzt hat!

SEIFERT. Lenl, wärscht du nich' ...!

FRAU SEIFERT. Nu, des wärd m'r doch sagen dürfen, des sieht doch e jedes. Imanand ho'n ich Angst, der Wintersturm schmeißt uns emal nächstens 's Dach in die Stube. Seh'n Se[516] bloß emal, wie's vor Feuchtigkeet 's Wasser die Giebelwand 'nunter treibt.

WEIGEL. So baufällig is also die Bude.

FRAU SEIFERT. Sie sehn's doch. Un' was des bill' Kartuffelacker is, was eenen die Gemeende gibt, da langen die Kartuffeln noch ni' emal fürs halbe Jahr, da müssen mir uns schinden un' krumm legen ...

SEIFERT. Meine Fra' macht's gar eso schlimm. E bill' besser könnt's ja sinn, aber ich sprech': Wenn eener, un' 'r hat gar nischt ... des is noch schlechter.

WEIGEL Gelächter.

FRAU SEIFERT. Eso e Mensch is des nu.

WEIGEL. Nee, Seifert, Ihre Frau hat ganz recht. Was kriegen Sie denn an Lohn?

SEIFERT. Zwölf Neigroschen den Tag.

WEIGEL. Verdammt dürftig. Da sollten Sie sich doch 'mal nach 'nem andern Posten umtun. In Zschopau ha'm se jetzt 'nen Schutzmann angestellt mit fünfundsiebzig Mark Monatsgehalt und dreißig Mark jährlich Wohnungsgeld. Das haut anders!

SEIFERT. Was Sie sagen! Hast's gehört, Lenl? Fünfundzwanzig Daler uff'n Monat un' zehn Daler uff's Jahr Wohnungsgeld ooch noch. Soll m'rsch für möglich halten, deß eene Polizeiperson eso viel Geld verdient!

WEIGEL. Ich wer' 'mal das Gemeindeblatt durchsehen, und wenn ich 'was finde, mach' ich Ihnen 'mal so'n »Gehorsamstes Gesuch«. Dadrinn hab' ich 'was los.

DIE SEIFERTS. Des wär' zu scheene von Sie, Herr Schandarme ... da wär'n mir Sie ja eso dankbar.

WEIGEL. Schon gut, schon gut.

FRAU SEIFERT. Un' nu is 's ooch gleich mit'n Hasenpfeffer eso weit. Da soll'n Sie emal schmunzeln.

SEIFERT. Hasenpfeffer?

FRAU SEIFERT schreit ihn wütend an. Nu freilich, Hasenpfeffer! Haste e'was dawider?

SEIFERT in höchster Angst. Aber, Lenl, nu bedenk dir doch ...

WEIGEL. Ich versteh' nich' ...

FRAU SEIFERT. Nu guckt bloß ... nu denkt 'r schon, 's dät' Sie bei mir nich' schmecken.

WEIGEL. Aber freilich ...

SEIFERT. Lenl ...![517]

FRAU SEIFERT Rippenstoß, wütend. Gehste denn nu Holz spalten!

SEIFERT. Ich geh' schon, ich geh' schon.

WEIGEL Gelächter. Das is ja gerade, als ob er mir's nich' gönnte!

FRAU SEIFERT. Eso is 's ooch balde ... Un' wenn ich ooch, – Bedeutsam. – ich gönn' Sie's von ganzen Herzen.

WEIGEL. Ihnen glaub' ich's, liebe Frau Seifert. Sie sind eben eine harmlose, gastfreundliche Frau.


Man hört in der Ferne den langgedehnten Ruf einer Männerstimme: »Seifert! Hallo! Sei-fert!«


SEIFERT. Horch emal, Lenl.

WEIGEL. Da hat wahrhaftig jemand gerufen.

FRAU SEIFERT. Was könnt' des sinn?


Wiederholte Rufe. Frau Seifert hat das Fenster geöffnet und den Laden aufgestoßen.


FRAU SEIFERT. Wer is da! Was kann sinn?


Es wird ihr aus der Ferne unvernehmlich geantwortet.


FRAU SEIFERT. Wer? der Ulbrich? is recht, gleich itze kommt 'r. Schließt das Fenster. Fix, Mon, mach emal Licht. Der Ulbrich steht an d'r Straße un' kann in d'r Dunkelheet den Steig nich' finden.

WEIGEL verdrießlich aufgestanden. Der Ulbrich ... der Briefträger?

FRAU SEIFERT. I ja, blei'm Se nur sitzen, Herr Schandarme.

SEIFERT. Was d'r Ulbrich is, des is e gemietlicher Kunde, der verdirbt nischt.

WEIGEL. Wenn Sie denken, daß er mich nich' 'rumklatscht bei den Leuten ...

SEIFERT. I ja, eso eener is d'r Ulbrich nich'.

WEIGEL. Dann wer' ich 'mal sitzen bleiben.


Erneutes Rufen.


FRAU SEIFERT. Mach' fix, Mon, mach' fix. Am Fenster. Er kommt itze, er kommt!

WEIGEL. Zum Donnerwedder, da wird doch nich' etwa 'n Unglück passiert sein. Das wär' mir 'ne nette Geschichte.

SEIFERT. Was soll denn ooch passieren? Der Ulbrich nimmt 's mit 'n Stücker Zehne uff. Wo der hinhaut, da wächst kee' Grashalm wieder ... Ich muß gleich emal gucken. Er hat währenddem eine Laterne angezündet, setzt seine Dienstmütze auf und geht hinaus.

WEIGEL. Der Ulbrich hat wohl hier im Gebirge 'nen ganz schlauen Posten, hä?[518]

FRAU SEIFERT. Des lassen Se gut sinn, Herr Schandarme. Den drückt keene Not. Die Ulbrichs ha'm ihr schönes Häusel un' Acker, er hat seinen schönen Lohn un' uff's Neijahr Trinkgelder, deß 'n die Tasche platzt. Un' wenn 'r emal eso weit is, da kriegt 'r seine schöne Pension.

WEIGEL. Und braucht sich nicht zu schinden und zu ärgern wie unsereins.

FRAU SEIFERT. Der hält sich mit allen Leuten gut. Un' habgierig is 'r! Da möcht' m'r 's Gebratene wegstecken, sonsten langt er's aus d'r Pfanne 'raus.

SEIFERT kommt herein, setzt sich auf die Lade und hält sich lachend den Bauch. Nee, m'r läßt sich e'was gefallen, aber eso 'was von Besoffenheet ...!

WEIGEL. Was, besoffen is 'r.

SEIFERT. Wie eene Tümpelkreete.

FRAU SEIFERT. Des is ja noch schöner, da können mir uns nu mit eenen Besoffnen 'rumstreiten.

WEIGEL. Wir wer'n ihn gar nich' beachten; einfach schneiden wer'n wir den lästigen Kerl!


Die Ulbrichs erscheinen unter der Türe; er voran in seiner Zivilkleidung, dicker verschossener Winterüberzieher, Hose in den Stiefelschäften, nur die Dienstmütze auf, Knotenstock, Seiferts Laterne in der Hand. Frau Ulbrich: Mantel, Pelzmuff, Kopf in Wolltuch verpackt. Sie sind beide betrunken. Ulbrich torkelt. Frau Ulbrich lacht fortwährend vor sich hin.


ULBRICH bleibt unter der Türe stehen, erblickt den Gendarmen, schauende Lache. Ja is 'n des ... – Erneute Lache. – d'r Herr Schandarme! Der weeß also ooch schon, wo de stillen Ecken sein, wo m'r schweppern kann, ohne des 's eener sitt!

WEIGEL. Also, Ulbrich, das will ich mir von Ihnen ausgebeten haben ...

ULBRICH. I ja, da gibt's nischt auszubitten. Mir sein ooch bei de Militärsoldaten gewesen ...

FRAU ULBRICH immerfort lachend. Nee, Herr Schandarme, was mein Mon is, der hat eenen sitzen ...! Quiekt.

ULBRICH. Nu, un' du etwa'n nich'? Meine Fra' schweppert den Nordhäuser, als wär'sch Zichorienkoffee.


Die Ulbrichs: Gelächter.


ULBRICH. Nu sag mir bloß, Seifert, was is 'n des für een Gerüch'l dehie?

FRAU SEIFERT triumphierend. Hasenpfeffer ha'm m'r![519]

ULBRICH. Hasenpfeffer? Ei nu da. Du bist wohl Jagdpächter 'worden, hä?

WEIGEL. Das is doch wohl lediglich Seiferts Sache, Ulbrich.

SEIFERT. Meine Fra' hat'n doch uff'm Acker tot gefunden.

ULBRICH. Ah so ... aha ... Was deine Fra' is, des is e braver Christenmensch. Wenn die emal Hase essen möcht', da liegt ooch schon eener tot uff'm Felde. Oder se spricht: »Ich möcht' e Ei ha'm«, un' denn kommen ooch schon den Paster seine Hennen un' leg'n ihr 'ne Mandel uff'n Tisch.

FRAU SEIFERT. Möcht's du etwa sprechen: 's wär' nich' redlich erworben?

DIE ULBRICHS. I, wie wär' mir das sagen. – Ich mach' bloß meinen Spaß.

FRAU SEIFERT. Ihr ärgert euch doch bloß, deß d'r Hase nich' in euren Toppe schmort.

ULBRICH. Nu, ich ess' ihn ooch aus deinen Toppe.

FRAU SEIFERT höhnische Lache. Aha, des wollt' ich bloß hören. Aber da gibt's nischt. Auf Weigel zeigend. Hie sitzt unser Gast.

ULBRICH. Nu ... nu, da wart' nur emal uff e Wort. Schau emal her. Setzt eine Schnapsflasche auf den Tisch. Hie is d'r wahre Jakob!

FRAU SEIFERT. Ei, des wär' schon recht, des könnten wir schon gebrauchen.

WEIGEL Flasche betrachtend. Donnerwedder, das is ja »Eibenstöcker«. Das hab' ich 'mal beim Ermischer getrunken, das is nich' zu verachten.

ULBRICH. Un' nu gebt emal Glas'ln her.


Seifert bringt bereits ein paar Gläschen. Während des Folgenden wird ununterbrochen getrunken, namentlich Weigel spricht dem Schnaps begierig zu.

Frau Ulbrich sitzt, immer vor sich hin lachend, auf der Ofenbank.


WEIGEL. Wissen Sie, Ulbrich, Sie sind doch ein kreuzbraver Kerl.

ULBRICH. Des will ich meenen.

WEIGEL. So der richtige, biedere Beamtenschlag. Wenn Sie 'mal in die Grube fahren, wird der Paster 'ne Rede halten müssen, die sich gewaschen hat ... Prost!

FRAU SEIFERT. Nu, ans Sterben denken die Ulbrichs noch nich'. Die wollen erscht noch 'n paar Grosch'ln uff die Seite schaffen; was, Lies'l?

WEIGEL. Is ja richtig, die gute Frau Ulbrich'n ha'm wir ganz[520] vergessen. Einschenkend. Aber nu 'mal 'ran, Frau Ulbrich'n, hier gibt's Zuckerwasser.

FRAU ULBRICH auf der Ofenbank, immer vor steh hin lachend. Nee, nee, mich laßt zufrieden. Hihihi!

WEIGEL. Na denn ... weg muß'r. Prost! 'ne verdammt gemütliche Kiste is das hier.

FRAU SEIFERT. Nu, des wird schon sinn. Un' nu schau'n Se emal her, Herr Schandarme. Setzt eine Schüssel dampfenden Bratens vor ihn hin. Hie wird recht sinn.

WEIGEL. Ah! Ah! Aber nu ... präsentiert das Gewehr! Greift nach Messer und Gabel und macht sich heißhungrig über das Essen her.

ULBRICH hat seine Mütze zu den Sachen des Gendarmen auf die Truhe geworfen, Rock aufgeknöpft, sich an den Tisch gesetzt. Un' wo bleibt mei' Deel?

FRAU SEIFERT. Dein Deel? Mon, gib emal e Stück'l Kreide, er mag's sich uff'n Disch malen.

ULBRICH. Bis du fei' stille. In 'ner Wochen 'ner dreie fängt d'r Reih'schank an un' der erschte in der Reih' der Ansäss'gen is der Ulbrich. Der macht e »Schankfest«.

FRAU SEIFERT. Ei gar. Da gibt's also Wellfleesch un' hausschlacht'ne Wurscht?

WEIGEL. Also bloß damit die Pulle leer wird ... Prost!

ULBRICH. Leer is se? Denn ha'm mir noch eene. Setzt die zweite Flasche auf den Tisch.

WEIGEL. Nu, das läßt sich einer gefallen. Wissen Sie noch, wie's beim Kommiß war, Ulbrich? Schenkt ein. Faßt das Gewehr an! Fertig! Feuer!

ULBRICH UND WEIGEL. Hurra! Sie trinken. Gelächter.

FRAU SEIFERT bringt Ulbrich einen Teller Speise. Also, wenn's fei' 'ne Schüssel Wellfleesch un' frische Wurscht setzt ...?

ULBRICH macht sich über das Essen her. Esoviel wie de willst, Lenl.

SEIFERT ist währenddessen mit Gebärden der Angst in der Stube umhergegangen, nimmt sich jetzt ein Herz und setzt sich zu Weigel. Sie wer'n entschuldigen, Herr Schandarme ... mir liegt 'n Steen uff dem Gewissen ...

WEIGEL essend. Spülen Se'n 'runter, Seifertleben; hier is Befeuchtigung.

FRAU SEIFERT. Was hat bloß der Mon?

SEIFERT wütend. Ich halt' emal nich' länger die Gusche![521]

FRAU SEIFERT. Des is doch ... wann der ja emal e Gläs'l kriegt, so is 'r gleich wie nich' gescheit.

WEIGEL. Ja, wenn Sie's wirklich nich' vertragen können, Seifert, da is 's ja freilich besser, wenn Sie aufhören. Prost! Trinkt Seiferts Glas leer.

SEIFERT. Herr Schandarme, schmeckt Sie denn des wirklich?

FRAU SEIFERT wütend. Nu guckt bloß ... su e Mensch, nu vertreibt er meine Gäste mit seiner Besoffenheet!

WEIGEL. Lassen Sie's gut sein, Frau Seifert. Un's schmeckt viel zu delikat ... Gerade wenn's Wild is ... Hier oben im Gebirge, wo's Fleisch teuer und schlecht is, da sollten die armen Leute doch mehr Wild essen. Was, Ulbrich? Da weiß man doch wenigstens, was man ißt!

SEIFERT faßt Ulbrich bei den Schultern. Ulbrich, du bist mei' Freund ...

ULBRICH aufgebracht. Gehste weg oder ich hau' dir eene in die Lafette!

SEIFERT seinerseits aufgebracht. Nu, des is doch ... Wenn du eso bist un' kommst mir gleich mit Gewalttätigkeeten, da sag' ich nischt mehr, da is's mir schnuppe! Er setzt sich wütend zu Frau Ulbrich auf die Ofenbank.

FRAU SEIFERT drohende Handbewegungen.

ULBRICH. Da hat 'r sich nu an meine Fra' gemacht. Faßt Frau Seifert um die Hüften. Wie stehen denn mir zwee, Lenl, ha?

FRAU SEIFERT macht sich kreischend los.

ULBRICH singt unbeholfen. »Wenn wir Soldaten durch die Stadt marschieren, – öffnen die Mädchen die Fenster und die Türen ...«

ULBRICH UND WEIGEL grölend einfallend und den Takt mit der Faust schlagend. »Warum? – Darum! – Warum? – Darum! – We'n dem Tschingderassa – tschingderassa – tschingderassassa! – We'n dem Tschingderassa – tschingderassa –tschingderassassa! –« Gelächter der beiden.

NEUMERKEL tritt ein, die Mütze auf dem Kopfe, in seinem gewöhnlichen, dürftigen Werkeltagsanzug.

DIE ANWESENDEN stutzen.

FRAU SEIFERT. Ei verflucht, der Buckel!

ULBRICH. Der muß ooch gerade itze kommen.

WEIGEL. Is das nich' dem Schönherr sein Gesell ... der aufdringliche Mensch?[522]

NEUMERKEL. Sie möchten entschuld'gen, ich mußt' emal herkomm'n.

FRAU SEIFERT. Un' g'rad' uff'n Sonntagabend.

NEUMERKEL. Des is bei uns armen Leuten egal, ob's Sonntag oder Werkeltag is, mir müssen imanand schuften. Euch merkt m'r freilich keene Not an.

FRAU SEIFERT zu Weigel. Eso neidisch is nu des hungrige Volk!

WEIGEL. Was ha'm Sie uns denn zu beneiden? Wenn man uns keine Not anmerkt, so is das auch ganz in der Ordnung, versteh'n Sie mich!

FRAU SEIFERT. Nu ä'm. Nur den Dummen geht's schlecht. Was die Gescheiten sein, die finden imanand 'nen Ausweg, hähä!

WEIGEL den Teller hochhaltend und recht mit Hohn essend. Freilich, und deshalb essen wir Hasenbraten und Sie, Sie dürfen zugucken.


Gelächter.


NEUMERKEL aufgebracht. Ich hab's ieberhaupt bloß mit'n Gemeendepoll'zeier ze tun. Zu Seifert. Die Fra' Schönherr'n schickt mich her, itze will ich mein Eegentum 'raus ha'm!

FRAU SEIFERT. De Scheenherr'n schickt dich? Ei, guckt emal an.

SEIFERT in großer Angst. Mein guter Neimerkel, des geht nich' eso leichte ...

NEUMERKEL. Was hie. Mir sein bei eenen rechtsverständ'gen Mon gewesen un' der spricht: ich soll beantragen, deß die Sach' wieder in den vorigen Stand zurückversetzt wärd un' denn richterliche Entscheidung verlangen.

SEIFERT Blick auf den Tisch. Mein guter Neimerkel, ich gloob', die Sach' läßt sich ieberhaupt nich' mehr in den »vorigen Stand zurückversetzen«.

ULBRICH. Was meent 'r mit seinem »Eegentum«?

FRAU SEIFERT. Er meent seine Katze. Schreiend. Mir müssen se verpflegen, mir müssen se füttern uff uns're Kosten un' der Dingerich wird noch frech!

WEIGEL. Da muß ich mich wohl 'mal 'reinmengen. Kommt schwankenden Schrittes vor. Was wollen Sie ... Ihr Eigentum? Hier is Gendarm Weigel, hier is Gemeindediener Seifert. Wir stehen hier und wachen über Ihr Eigentum. Und hier, Herr Ulbrich is Zeuge, daß wir wachen.[523]

ULBRICH Faustschlag auf den Tisch. Jawoll, des bin ich.

FRAU SEIFERT. Un' wenn deine saub're Meester'n etwa'n meent, deß mir uns vor deiner frechen Gusche fürchten, denn kannst du ooch 'nausgepfeffert wer'n!

WEIGEL. Wir können auch andre Saiten aufzieh'n!

FRAU SEIFERT. Un' itze machste, deß de 'naus kommst!

NEUMERKEL ängstlich auf die Türe retirierend; schreit. Un' ich wer 's melden, wie 's zugeht beim Gemeendediener uff'n Sonntagabend!

ALLE. 'naus! 'naus!

NEUMERKEL ist hinausgerannt.

ULBRICH. So een Dingerich! Een' dehie ze stören.

FRAU SEIFERT. Des is die Scheenherr'n, die hat 'n hergeschickt.

WEIGEL. Und ich mach' Schicht. Ich hab' genug. Geh'n Sie mit, Ulbrich?

ULBRICH. Zeit wär'sch, 's is bal' um elfe. Komm Aale.


Weigel versucht vergebens seinen Rock zuzuknöpfen, schnallt dann das Koppel über den offenen Rock, den Säbel auf dem Rücken, nimmt das Gewehr, vergreift sich schließlich und setzt Ulbrichs Postbotenmütze auf, wogegen Ulbrich des Gendarmen Käppi aufs Ohr setzt.


SEIFERT gibt Frau Ulbrich die brennende Laterne. Ich wer' dir emal die Laterne leihen, Christin', deß euch kee' Unglücke passiert in d'r Dunkelheet.

FRAU ULBRICH nimmt kichernd die Laterne. Hihihi! Nee, mich laßt zefrieden ... hihi ... mich laßt zefrieden.

WEIGEL. Dem Kerl ha'm wir's 'mal bewiesen. Der war bald draußen.

ULBRICH. Immer forsch, des is die Hauptsache. Schlaf wohl, Seifert. Schlaf wohl, Lenl. Biste mir noch gut? Er versucht sie um die Hüften zu fassen.

FRAU SEIFERT macht sich kreischend los.

ULBRICH singt. »Wohl gerne Kuchen und Braten – Geben die Mädchen den Soldaten ...« Schwankt mit seiner Frau hinaus.

WEIGEL grölend hinterher. »Warum? – Darum! – Warum? – Darum! – We'n dem Tschingderassa, tschingderassa, tschingderassassa!« –

DIE SEIFERTS stehen lachend inmitten der Stube.


Der Vorhang fällt.


Quelle:
Dramen des deutschen Naturalismus. Herausgegeben von Roy C. Cowen, München 1981, S. 503-524.
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