Der beschluß

[65] In dem der arm von mir verschwint,

hinrauschet wie ein scharpfer wint,

ich aber forcht mich inniglich

und macht wol hundert kreuz für mich

und dacht an den Diogenem,

der eines mals lachet ob dem,[65]

das man ein kleinen dieb wolt henken,

und sprach: er muß am galgen schwenken;

die großen dieb gar niemant scheucht,

die hüt man wol, vor in abzeucht.

als ich das gsicht nach dreien tagen

in der stat Osenbruck tet sagen

von anfang, mittel, ent und trum,

wurdn mir etlich reich feint darumb

und wünschten, das das wütent her

die grechtigkeit fünt nimmermer.

ich aber samt der armen rot

wünsch von herzen, und wolt auch got,

das grechtigkeit mit irem schwert

vil böser stück strafet auf ert,

so nem ein ent vil ungemachs.

got wends zum besten, wünscht Hans Sachs.


Anno salutis 1539. am 29. tag Januarij.

Quelle:
Hans Sachs: Dichtungen. Zweiter Theil: Spruchgedichte, Leipzig 1885, S. 65-66.
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