Biographie

Paul Scheerbarth (Fotografie von Wilhelm Fechner, 1897)
Paul Scheerbarth (Fotografie von Wilhelm Fechner, 1897)

1863

8. Januar: Paul Carl Wilhelm Scheerbart wird als elftes Kind eines Zimmermanns in Danzig geboren.

Neun seiner zehn Geschwister sterben im Kindesalter.

Scheerbart weigert sich zeitlebens, Auskünfte über sich selbst zu geben. Er begründet dies mit dem Glauben an eine autonome Existenz der Seele, der Teil seiner kosmischen Weltanschauung ist.

1867

Tod der Mutter.

1868

Zweite Eheschließung des Vaters mit Emilia Möller.

1873

Tod des Vaters.

1876

Mit 13 Jahren beschließt er, Missionar zu werden und will deshalb Theologie studieren.

1879

Oktober: Scheerbart erhält Privatunterricht im Griechischen.

1880

Er tritt in die Untertertia des Gymnasiums ein.

1882

Januar: Scheerbart geht vom Gymnasium aus der Obertertia ab.

Oktober: Er reist mit Ernst Schultz nach Berlin, um sich auf das Abiturientenexamen für das Realgymnasium vorzubereiten.

1883

Einjähriger auf der besonderen Anstalt in Berlin.

Oktober: Er besucht die Oberprima auf dem Realgymnasium in St. Petri in Danzig (bis April 1884).

1884

Juli: Übersiedlung nach Leipzig. Vorbereitung auf das Examen in Sachsen.

1885

Scheerbart schreibt Kunstkritiken für verschiedene Zeitungen.

Er hört in Leipzig, Halle, München und Wien philosophische und kunstgeschichtliche Vorlesungen.

1886

Scheerbart hält sich jeweils für längere Zeit in München, Wien und Königsberg auf.

1887

Aufenthalt in Danzig, anschließend Übersiedlung nach Berlin, wo er sich mit Religionsgeschichte befaßt.

Scheerbart wird freischaffender Schriftsteller.

1889

In seinem ersten Buch »Das Paradies, die Heimat der Kunst« stellt Scheerbart den herrschenden Kunstrichtungen des Naturalismus, Impressionismus und Symbolismus die Forderung nach einer phantastischen Kunst entgegen.

Seine Mutter schenkt ihm 1000 Mark, damit er sein Buch drucken lassen kann.

Gemeinsam mit Georg Posener ruft Scheerbart zur Gründung der »Einfachen Bühne« auf.

1890

Scheerbart arbeitet als Kunstkritiker beim »Berliner Tageblatt«.

1892

Scheerbart gründet gemeinsam mit Otto Erich Hartleben und Erich Mühsam den »Verlag deutscher Phantasten«.

April: Aufenthalt in Danzig, Redakteur beim »Danziger Kurier«.

Oktober: Scheerbart läßt sich wieder in Berlin nieder.

In den folgenden Jahren publiziert er in »Die Freie Bühne«, »Pan«, »Die Gesellschaft«, »Ver Sacrum«, »Die Jugend« und anderen Literatur- und Kunstzeitschriften, teilweise unter dem Pseudonym Kuno Küfer.

1893

Im eigenen »Verlag deutscher Phantasten« erscheinen »Ja ... was ... möchten wir nicht alles! Ein Wunderfabelbuch« (Fabeln) und »Das Paradies. Die Heimat der Kunst« (2. Auflage).

Er nimmt am Freitagstreff des Berliner Schriftsteller-Klubs teil, dem u.a. Heinrich und Julius Hart, John Henry Mackay, Hanns von Gumppenberg, Bruno Wille, Otto Erich Hartleben und Christian Morgenstern angehören.

1897

»Tarub, Bagdads berühmte Köchin« (Roman).

»Ich liebe dich. Ein Eisenbahnroman mit 66 Intermezzos«.

»Der Tod der Barmekiden« (Roman).

1900

»Rakkox, der Billionär und die wilde Jagd« (Roman).

13. September: Scheerbart heiratet die Postbeamtenwitwe Anna Sommer und übersiedelt mit ihr nach Breege auf Rügen.

Beginn des graphischen Werks. In den folgenden Jahren erscheinen seine Bücher mit eigenen Illustrationen.

1901

Februar-Juni: Scheerbart schreibt »Die große Revolution. Ein Mondroman«.

1902

Rückkehr von Breege, zeitweiliger Aufenthalt in Minden, anschließend Übersiedlung nach Berlin.

»Immer mutig! Phantastischer Nilpferdroman mit 83 merkwürdigen Geschichten«.

»Liwûna und Kaidôh« (Roman).

1903

Scheerbart will zusammen mit Erich Mühsam die Tageszeitung »Das Vaterland« gründen. Der Plan wird jedoch aus konzeptionellen und technischen Gründen nicht realisiert.

Bedrückende finanzielle Lage.

1904

»Revolutionäre Theaterbibliothek« (6 Bände).

»Der Kaiser von Utopia« (Roman).

1905

Erste Aufführung eines seiner Stücke: »Kammerdiener Kneetschke« (unter der Leitung von Herwarth Walden).

1906

Philipp Spandow und Alfred Walter Heymel gründen einen Scheerbart-Fonds, aus dem er monatlich 20 Mark für die Miete erhält.

»Münchhausen und Clarissa« (Roman).

1907

Aufführung von fünf Stücken Scheerbarts im »Figaro«, einem Kabarett-Theater; dabei Debüt von Claire Waldoff in Berlin. Eine weitere Aufführung durch Claire Waldoff im Kabarett »Roland von Berlin« wird von der Zensurbehörde wegen der antimilitaristischen Tendenz der Stücke verboten.

1909

Der Band »Katerpoesie« (Gedichte) erscheint. Mit ihm begründet Ernst Rowohlt seinen ersten Verlag.

Mit der Flugschrift »Die Entwicklung des Luftmilitarismus und die Auflösung der europäischen Land-Heere, Festungen und Seeflotten« tritt der erklärte Pazifist Scheerbart dem Militarismus des deutschen Kaiserreichs entgegen.

1910

Scheerbart wird Mitarbeiter an Herwarth Waldens Zeitschrift »Der Sturm«.

»Das perpetum mobile, Geschichte einer Erfindung« (Abhandlung).

1911

In den Berliner Kammerspielen findet eine Matinée mit Scheerbarts Stücken »Isis« und »Der Direktor« statt.

1913

»Lesabéndio, ein Asteroidenroman«.

1914

»Glasarchitektur« (Abhandlung). Angeregt von diesem Buch gründet der Architekt Bruno Taut die Gruppierung »Die gläserne Kette« und widmet Scheerbart sein Glashaus (Pavillon der Glasindustrie) auf der Kölner Werkbundausstellung.

Freunde gründen erneut einen Fonds zur finanziellen Unterstützung von Scheerbart.

Nach dem Ausbruch des Weltkriegs nimmt Scheerbart kaum noch Nahrung zu sich.

1915

15. Oktober: Paul Scheerbart stirbt in Berlin an Gehirnschlag.

Buchempfehlung

Holz, Arno

Papa Hamlet

Papa Hamlet

1889 erscheint unter dem Pseudonym Bjarne F. Holmsen diese erste gemeinsame Arbeit der beiden Freunde Arno Holz und Johannes Schlaf, die 1888 gemeinsame Wohnung bezogen hatten. Der Titelerzählung sind die kürzeren Texte »Der erste Schultag«, der den Schrecken eines Schulanfängers vor seinem gewalttätigen Lehrer beschreibt, und »Ein Tod«, der die letze Nacht eines Duellanten schildert, vorangestellt. »Papa Hamlet«, die mit Abstand wirkungsmächtigste Erzählung, beschreibt das Schiksal eines tobsüchtigen Schmierenschauspielers, der sein Kind tötet während er volltrunken in Hamletzitaten seine Jämmerlichkeit beklagt. Die Erzählung gilt als bahnbrechendes Paradebeispiel naturalistischer Dichtung.

90 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon