Neun und zwanzigster Auftritt.

[99] Das Theater verwandelt sich wieder in vorigen Garten.


PAPAGENO ruft mit seinem Pfeifchen.

Papagena! Papagena! Papagena!

Weibchen! Täubchen! meine Schöne!

Vergebens! Ach sie ist verloren!

Ich bin zum Unglück schon geboren.[99]

Ich plauderte, – und das war schlecht,

Darum geschieht es mir schon recht.

Seit ich gekostet diesen Wein –

Seit ich das schöne Weibchen sah –

So brennts im Herzenskämmerlein,

So zwickt es hier, so zwickt es da.

Papagena! Herzenstäubchen!

Papagena! liebes Weibchen!

'S ist umsonst! Es ist vergebens!

Müde bin ich meines Lebens!

Sterben macht der Lieb' ein End

Wenns im Herzen noch so brennt.


Nimmt einen Strick von seiner Mitte.


Diesen Baum da will ich zieren,

Mir an ihm den Hals zuschnüren,

Weil das Leben mir mißfällt.

Gute Nacht, du schwarze Welt!

Weil du böse an mir handelst,

Mir kein schönes Kind zubandelst,

So ists aus, so sterbe ich:

Schöne Mädchen, denkt an mich.

Will sich eine um mich Armen,

Eh' ich hänge, noch erbarmen,

Wohl, so laß ichs diesmal seyn!

Rufet nur – ja, oder nein! –[100]

Keine hört mich; alles stille!


Sieht sich um.


Also ist es euer Wille?

Papageno, frisch hinauf!

Ende deinen Lebenslauf.


Sieht sich um.


Nun ich warte noch; es sey!

Bis man zählt: Eins, zwey, drey!


Pfeift.


Eins!


Steht sich um.


Pfeift.


Zwey!


Sieht sich um.


Zwey ist schon vorbey!


Pfeift.


Drey!


Sieht sich um.


Nun wohlan, es bleibt dabey,

Weil mich nichts zurücke hält!

Gute Nacht, du falsche Welt!


Will sich hängen.


DREY KNABEN fahren herunter.

Halt ein, o Papageno! und sey klug.

Man lebt nur einmal, dies sey dir genug.

PAPAGENO.

Ihr habt gut reden, habt gut scherzen;

Doch brennt' es euch, wie mich im Herzen,

Ihr würdet auch nach Mädchen geh'n.[101]

DREY KNABEN.

So lasse deine Glöckchen klingen;

Dies wird dein Weibchen zu dir bringen.

PAPAGENO.

Ich Narr vergaß der Zauberdinge.

Erklinge Glockenspiel, erklinge!

Ich muß mein liebes Mädchen sehn.

Klinget, Glöckchen, klinget!

Schafft mein Mädchen her!

Klinget, Glöckchen, klinget!

Bringt mein Weibchen her!


Unter diesem Schlagen laufen die drey Knaben zu ihrem Flugwerk, und bringen das Weih heraus.


DREY KNABEN.

Komm her, du holdes, liebes Weibchen!

Dem Mann sollst du dein Herzchen weihn!

Er wird dich lieben, süßes Weibchen,

Dein Vater, Freund, und Bruder seyn!

Sey dieses Mannes Eigenthum!


Im Auffahren.


Nun, Papageno, sieh dich um!


Papageno sieht sich um; beyde haben unter dem Ritornell komisches Spiel.[102]


PAPAGENO.


Duetto.


Pa – Pa – Pa – Pa – Pa – Pa – Papagena!

WEIB.

Pa – Pa – Pa – Pa – Pa – Pa – Papageno.

BEYDE.

Pa – Pa – Pa – Pa – Pa – Pa – Papagena! / Papageno!

PAPAGENO.

Bist du mir nun ganz gegeben?

WEIB.

Nun bin ich die ganz gegeben.

PAPAGENO.

Nun so sey mein liebes Weibchen!

WEIB.

Nun so sey mein Herzenstäubchen!

BEYDE.

Welche Freude wird das seyn,

Wenn die Götter uns bedenken,

Unsrer Liebe Kinder schenken,

So liebe kleine Kinderlein.

PAPAGENO.

Erst einen kleinen Papageno.[103]

WEIB.

Dann eine kleine Papagena.

PAPAGENO.

Dann wieder einen Papageno.

WEIB.

Dann wieder eine Papagena.

BEYDE.

Es ist das höchste der Gefühle,

Wenn viele, viele, viele, viele,

Pa, pa, pa, pa, pa, pa, geno

Pa, pa, pa, pa, pa, pa, gena

Der Segen froher Ältern seyn;

Wenn dann die kleinen um sie spielen,

Die Ältern gleiche Freude fühlen,

Sich ihres Ebenbildes freun.

O welch ein Glück kann grösser seyn?


Beyde ab.[104]


Quelle:
Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte, von Emanuel Schikaneder, Wien 1791, S. 99-105.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Prévost d'Exiles, Antoine-François

Manon Lescaut

Manon Lescaut

Der junge Chevalier des Grieux schlägt die vom Vater eingefädelte Karriere als Malteserritter aus und flüchtet mit Manon Lescaut, deren Eltern sie in ein Kloster verbannt hatten, kurzerhand nach Paris. Das junge Paar lebt von Luft und Liebe bis Manon Gefallen an einem anderen findet. Grieux kehrt reumütig in die Obhut seiner Eltern zurück und nimmt das Studium der Theologie auf. Bis er Manon wiedertrifft, ihr verzeiht, und erneut mit ihr durchbrennt. Geldsorgen und Manons Lebenswandel lassen Grieux zum Falschspieler werden, er wird verhaftet, Manon wieder untreu. Schließlich landen beide in Amerika und bauen sich ein neues Leben auf. Bis Manon... »Liebe! Liebe! wirst du es denn nie lernen, mit der Vernunft zusammenzugehen?« schüttelt der Polizist den Kopf, als er Grieux festnimmt und beschreibt damit das zentrale Motiv des berühmten Romans von Antoine François Prévost d'Exiles.

142 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.

468 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon