Fünfter Auftritt


[333] Questenberg. Octavio Piccolomini.


QUESTENBERG.

O weh uns! Steht es so?


Dringend und ungeduldig.


Freund, und wir lassen ihn in diesem Wahn

Dahingehn, rufen ihn nicht gleich

Zurück, daß wir die Augen auf der Stelle

Ihm öffnen?

OCTAVIO aus einem tiefen Nachdenken zu sich kommend.

Mir hat er sie jetzt geöffnet,

Und mehr erblick ich, als mich freut.

QUESTENBERG.

Was ist es, Freund?

OCTAVIO.

Fluch über diese Reise!

QUESTENBERG.

Wie so? Was ist es?

OCTAVIO.

Kommen Sie! Ich muß

Sogleich die unglückselige Spur verfolgen,

Mit meinen Augen sehen – Kommen Sie –


Will ihn fortführen.


QUESTENBERG.

Was denn? Wohin?

OCTAVIO pressiert.

Zu ihr!

QUESTENBERG.

Zu –

OCTAVIO korrigiert sich.

Zum Herzog! Gehn wir. O! ich fürchte alles.

Ich seh das Netz geworfen über ihn,

Er kommt mir nicht zurück, wie er gegangen.

QUESTENBERG.

Erklären Sie mir nur –

OCTAVIO.

Und konnt ichs nicht[333]

Vorhersehn? Nicht die Reise hintertreiben?

Warum verschwieg ichs ihm? – Sie hatten recht,

Ich mußt ihn warnen – Jetzo ists zu spät.

QUESTENBERG.

Was ist zu spät? Besinnen Sie sich, Freund,

Daß Sie in lauter Rätseln zu mir reden.

OCTAVIO gefaßter.

Wir gehn zum Herzog. Kommen Sie. Die Stunde

Rückt auch heran, die er zur Audienz

Bestimmt hat. Kommen Sie! –

Verwünscht! dreimal verwünscht sei diese Reise!


Er führt ihn weg. Der Vorhang fällt.


Quelle:
Friedrich Schiller: Sämtliche Werke, Band 2, München 31962, S. 333-334.
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