[Ein glaub allein, Ein Gott allein]

[369] 1 Vhr.

Ein glaub allein, Ein Gott allein,

Dem leben wir vnd sterben:

Wer in dem Einen glaub wird sein,

Soll Einen Gott erwerben.


2 Vhr.

Zwo Tafflen, vnd zwey Testament

Muß man nicht vberschreiten,

Will drin studieren biß zum end,

Zum Himmel sie mich leiten.


3 Vhr.

Es seind in Gott personen drey,

Mans anders nit muß halten:

Die einigkeit glaub ich darbey,

Bleibt dennoch vnzerspalten.


4 Vhr.

Wans viere schlägt, dünckt mich es klingt,

Die warheit muß ich sagen,

Als werens die vier letzte ding,

Mein sünd mich starck verklagen.


5 Vhr.

Fünff Christi Wunden rosen roth,

Wer wolt sie nicht verehren?

O Gott, in aller meiner noth,

Will mich zu ihnen kehren.


6 Vhr.

Zu Cana seind zur hochzeit gut,

Sechs wasser-krüg gestanden,

Der Herr bald wein drauß machen thut.

Ach! kem er vns zu handen!


[433] 7 Vhr.

Ich denck der siben Sacrament,

Der siben wort imgleichen,

Die Jesus sprach an seinem end,

Da er von hin solt weichen.


8 Vhr.

Acht Seeligkeiten zehlet mann,

Darnach wir müssen streben:

Wol dem, der sie all haben kann,

In frewden wird er leben.


9 Vhr.

Der Englen Chör seind eben neun,

Die singen alle droben:

Ach! möcht ich doch bey ihnen sein!

Wolt Gott so frewdig loben.


10 Vhr.

Der zehn gebott vergiß ich nit,

Die führen vns zum leben:

Wolt Gott sie niemand vberschritt!

Mein blut wölt ich drumb geben.


11 Vhr.

Von eilffen find ich sonders nicht,

Nur das man geht zum essen:

Last nehmen dan was zugericht,

Vnd Gottes nicht vergessen!


12 Vhr.

Zwölff Botten sendet vnser Herr

Die Völcker zu bekehren:

Gereiset seind sie weit, vnd fehr,

Den glauben zu vermehren.

Nun bitt ich sie von hertzen grund,

Sie bringen mir zu wegen,

Als offt ich hör deß tages stund,

Mir komm der Gottes Segen.

Amen.


Quelle:
Friedrich Spee: Sämtliche Schriften, Band 2, München 1968, S. 369-370,433-434.
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