Siebentes Kapitel.

[146] Ach, daß die Hülfe aus Zion über Israel

käme, und der Herr sein gefangen Volk

erlöste! So würde Jakob fröhlich seyn,

und Israel sich freuen!

Psalm Davids.


Schlösser und Riegel klangen. Eine helle Stube that sich auf. Die Augen der Gefangenen die hineingelassen wurden, zogen sich zusammen, ob der ungewohnten Klarheit. –

»Was sollen wir hier?« fragte Ben David den Schließer, der beiden wenigstens die Schellen an den Händen abnahm. – »Wem haben wir zu verdanken die Wolthat, wieder beisammen zu seyn?« setzte Jochai hinzu, und rieb sich den Arm, wo die engen Ketten gesessen hatten. – »Werdet's schon sehen!« brummte der Wärter entgegen: »Ihr werdet heute mancherlei Besuch haben, den man nicht in euer Verließ führen kann.« – Eine lange Stille folgte, während welcher der Wächter sich auf einen Schemmel setzte, und die Juden sich forschend beobachteten. »Dürfen wir denn miteinander reden?« erkundigte sich Jochai demüthig. – »In Gottesnamen;« erwiederte der Wächter: »der ehrbare Herr Oberstrichter meint, es könne nichts verschlagen. Denn ob Ihr bekennt oder nicht; auf jeden Fall brennt man Euch zu Asche.« – Eine Bewegung zaghafter Angst konnten die Gefangenen bei dieser rohen Rede nicht unterdrücken. Ben David faßte sich jedoch zuerst, und gieng auf den bleichen Vater zu: »Wie geht Dir es[147] Vater?« fragte er in dem Dialect, der, aus hebräischen und deutschen Worten zusammengesetzt, für den Zuhörer von Amtswegen, beinahe unverständlich war. – »Frage die im Moor verdorrende Weide;« antwortete Jochai schmerzhaft: »Die Lampe brennt aus allmählich, und bald werde ich liegen in dem angstvollen Zustande, wo die Seele unstät umherläuft durch alle Glieder und zittert vor der Nähe des Todesengels. O Sohn! Sohn! Dein Eigensinn und Starrmuth wird mich von der Welt bringen, dessen Liebe Dich zur Welt brachte.« – Ben David rieb sich bekümmert die Stirne. »Es ist beinahe verflossen eine Woche ....« sprach er wie verloren vor sich hin: »keine Kunde doch von Esther und ihrem Auftrag. – Weißt du nichts von dem Kinde?« – »Der Wärter hat mir zweimal Wein gebracht;« antwortete Jochai: »Gewiß hab' ich nur Esther's Liebe verdankt diese Stärkung.«

Ben David wendete sich an den Kerkerknecht: »Guter Mann,« sagte er: »wißt Ihr uns nichts zu sagen von Esther, unserm Kind? Kömmt sie noch wohl wie früher täglich an die Pforte, und fragt nach ihrem Vater und dem Greise Jochai?« – »Was weiß ich?« polterte der Wärter: »Ich hätte viel zu thun, wollte ich auf all die Leute merken, die mir Jahr aus Jahr ein die Ohren voll jammern und heulen. Ihr Gesindel bekümmert euch wenig um die, die im Pfeffer sitzen. Eine Dirne ausgenommen, die ein Paarmal Wein für den Alten brachte, hat Niemand nach Euch gefragt.« – »Diese Dirne ist Esther![148] Gott segne sie dafür im Reiche des Messias!« stammelte Jochai unter Freudenthränen.

»Hm!« grunste der Knecht: »Eine Jüdin ist das Mädel nicht, denn es trägt ein Kreuz am Halse; aber häßlich ist sie dafür, daß es alle Tage in eure Sippschaft gezählt werden könnte.« – »Also Esther ist's nicht!« seufzte Ben David, und sah kummervoll zu Boden.

»Wie kommt die Barmherzigkeit in die Seele der Tochter aus Edom?« murmelte kopfschüttelnd der Greis. – »Wo mag wohl hingekommen seyn mein Kind?« fuhr Ben David fort, und lehnte sich trostlos an das mit Gittern von innen und aussen verwahrte Fenster.

Einer Glocke Schall rief den Wächter hinaus. Ben David und sein Vater sahen mit gespannter Erwartung nach der Thüre, ob nicht der angekündigte Besuch hereintreten würde. Endlich erklangen Stimmen und Tritte, und der Wärter trat wieder ein, – hinter ihm Zodick. Die Blicke der Juden wendeten sich voll Abscheu von dem Abtrünnigen, dessen Züge einen sonderbaren Ausdruck von Wildheit, Ängstlichkeit und verstellter Teilnahme angenommen hatten. Auf einen Wink von ihm trat der Wächter ab. »Ben David und Jochai,« sprach der Convertit ernst und bedächtig: »Ich habe ein Wort mit Euch zu reden, gewichtig für Hunderte.« – »O, daß Dich doch Deine Mutter geboren hätte stumm!« eiferte Jochai in kaum verhaltenem Groll; Ben David schwieg aber finster und erwartungsvoll. »Der hochgelobte Gott weiß,« fuhr Zodick leiser fort, »wie[149] schwer mir's ist geworden, aufzutreten als Werkzeug seiner Vergeltung. Ich habe doch mit ihm gerungen, wie einst der Erzvater in dem Lande jenseits des Meeres. Aber des barmherzigen und zornigen Herrn Wille geschieht in Ewigeit.« – »Lästre nicht den Herrn,« ermahnte Ben David: »Du bekleidest ihn mit Schande durch Deine schändliche blutgierige Lüge, die uns bringt in des Henkers Hand.« – »Scheltet mich immer einen Lügner,« erwiederte Zodick: »beweißt aber, daß ich es bin.« – Ben David zeigte ruhig gen Himmel. – »Auf Erden will man Schwarz auf Weiß, oder einen besiebneten Eid;« versetzte spöttisch Zodick: »und mein Schwur würde allenfalls höher gelten, als der Eurige.« – Er zeigte auf das Kreuz an seinem Wamms, und Jochai, durch diese Geberde ausser sich gebracht, hätte einen Schlag dagegengeführt, wenn ihn nicht sein Sohn zurückgehalten. »Was thust Du, Raaf?« schrie er dem zornentflammten Greise zu, während Zodick ihn höhnisch angrinste. »Laß ihn doch,« sprach dieser: »laß ihn, Ben David. Es gäbe noch eine Klage mehr von Gotteslästerung und Kreuzentweihung. Die Sünde häuft sich ohnehin auf Eurem Kopf, ohne daß ich etwas thue dazu. Der Halsschmuck, den man gefunden in Eurem Keller .... er hat gedibbert wie eine Elster, und euch genannt Hehler und Stehler von der Blutzapferrotte. Verrathen ist es durch aufrichtigen Bericht der Judenschaft zu Worms, die immer offen handelt und ehrlich gegen die von Gott eingesetzte christliche Obrigkeit, daß Du, Ben David, daselbst den Buben gekauft, den Ihr so schmählich ermordet[150] habt. Der Rittersmann, dem Du das Knäblein abgeschachert, ist gar wohl bekannt, und wird Euch Verstockte bringen zum Geständniß. Ihr seyd verloren, und mir blutet das Herz als Mensch und als Christ, denn der Gott, den ich jetzt habe erkannt, will nicht, daß der Sünder sterbe, wie ihn sterben läßt das Gesetz.« – Ben David und Jochai, obgleich von Zodick's unheildrohender Rede erschüttert, warfen ihm einen Blick der Verachtung zu, und schwiegen. – »Rechnet es daher meiner Erbarmniß zu Gute, fuhr der Heimtückische fort, daß ich jetzt komme zu euch, ein Bote der ewigen Milde, des Fürsten der Barmherzigkeit. Zwei Wege thun sich vor euch auf, zum Leben. Schon mancher Jude hat sich gekauft los vom Scheiterhaufen und dem Strang. Versucht auch ihr das Mittel. Vertraut mir, wo Ihr vergraben Euer Geld, denn des Silbers wenig hat man gefunden bei Euch. Hab' ich Euch gebracht in Babylon durch des hochgelobten Gottes Fürsicht und Wille, kann ich Euch auch bringen wieder heraus durch die Kraft der Masumme, der die Gojim selten widerstehen.« – »Deine Mitbrüder willst du sagen, abscheulicher Mancher!« schalt Jochai, dessen Gesicht sich bei der bloßen Erinnerung an Zodick's Übertritt krampfhaft verzog. Der Gescholtne maß den Zürnenden mit den frechen Augen, und wendete sich alsdann wieder mit fragendem Blicke zu Ben David. Dieser, nachdem er den Vater durch eine bittende Geberde veranlaßt, Ruhe zu halten, sprach nicht ohne Bewegung. »Jetzt erst gibt sich bloß der Heißhunger des Gerichts und der Deine nach meinem[151] Golde und meiner andren geringen Habe. Aber eben so wenig, als mich werden vermögen die gräulichsten Martern zu bekennen eine Sünde, die ich nicht begangen, eben so wenig soll mich überreden Deine Zunge, dir des Sammaels, zu bezeichnen den Ort, wo ich vergraben und verborgen, was mein ist. Was Werth hat an Silber und Gold und Edelstein, ist uns theuer, denn davon leben wir armes, verachtetes Volk. Edom würde uns ja mißgönnen die Luft, so wir athmen, hätten wir nicht Stein und Metall, seinen Lüsten zu fröhnen. Darum vertheidigen wir mit dem Leben unsern kleinen Schatz, eben weil er ist unser Leben. Aber einen Schlüssel dazu will ich Dir geben, so fern Du mir gibst Kunde von dem größten Schatze den ich besitze: von meiner Tochter Esther. Ist auch sie gerathen in die Hände von Amalek durch Deinen treulosen Mund? Sind auch ihre zarten Glieder bedroht von Folter und Schmach? Das arme Geschöpf, .. es weiß ja von Nichts: unschuldig ist es gekommen zur Welt; unschuldig wird es gehn von dannen. Oder hat sich des Mägdleins etwa bemächtigt Deine gierige Lust? Gib mir Gewißheit, und ich will nicht herabfluchen den Zorn des starken und eifrigen Gottes auf Dein Haupt. Gewißheit über Esther's Schicksal – sey's die traurigste – gib dem trauernden Vater!« – »Mir thuts leid,« erwiederte Zodick, der bei all diesen Reden beständig Zeichen einer ungewissen, von Ängstlichkeit beengten Haltung an den Tag gelegt hatte: »Das Mädel geht wie Ihr entgegen dem Stöcker und seiner Flamme.« – »Halte mich, Herr in Israel!«[152] stöhnte Jochai, während Ben David erschrocken nach Zodick's Hand griff. – »Ich will verkrummen, ist's nicht wahr;« betheuerte dieser Letztere keck: »Esther ist in Buhlschaft verfallen mit einem rechtgläubigen Jüngling. Der unbesonnene Altbürger, der jüngst Euch und eure Dirne allen Gesetzen zum Trotz vertheidigte, hat sie aus der Stadt gebracht, und hält sie irgendwo versteckt zu eigner Kurzweil.« – »O ihr ewigen Schaaren der Elohims!« seufzte der gebeugte Greis Jochai: »Also hat die krumme Schlange eine von Zions Töchtern mit Schmach bedeckt. Sohn, Sohn, Vater Deiner Esther! Wie wirst Du bestehen, vor dem Fürsten des Gerichts und dem Throne des Messias, da Du durch Deinen Eisenkopf all das Unheil, das wir erleiden und befürchten, erzeugt hast!« – Ben David machte eine heftige Bewegung und unterbrach den Vater lebhaft: »leide ich nicht wie Du, Raaf, und befürchte ich weniger? Hab' ich Dich nichs geehrt und geliebt, wie ein gerechter Bechor? Mußt Du nicht darum auch willigen zu theilen meine Noth? Wir haben zusammen gewonnen Geld, Gut, und haben getheilt manche Freude.« Laß uns thun ein Gleiches mit dem Leide. Nicht meine Schuld, .. die Lüge hat uns hieher gebracht, und der hochgelobte Gott, dessen Herrlichkeit unser Haupt berührt, und Deine Fingerspitzen, so Du mich segnest, wird uns nicht umkommen lassen durch die Ungläubigen. Schrecklich wär es, wenn Esther in den Stricken läge der Wollust, der Buhlerei mit einem fremden Manne ... aber, es heißt in den Büchern der Väter: »So Dich einer einmal belogen, und falsch Zeugniß gegeben von Dir,[153] so glaube ihm nicht ein andermal, und nicht ein drittesmal, und nicht zum hundertenmale, denn die Zunge desselben ist ein schlecht Stück Fleisch, das verdorren wird im Thale der Auferstehung.« –

Zodick wies höhnisch die Zähne. »Wahrlich, sage ich Euch:« sprach er, – »Esther und der junge Altbürger Frosch sind verfallen dem Scheiterhaufen, so die Gerechtigkeit der Obern sie ereilt. Noch ist ihr Aufenthalt nicht entdeckt, aber ganz gewiß wird er nicht entgehen meiner Wachsamkeit, da mich der Herr bestellt hat zum Mittler in Euerm traurigen Schicksal. Ihr aber nehmt zu an Verblendung und Lüge, wie das wachsende Kind an Kraft und Mark, da ihr Euch weigert, die in Gesellschaft der Blutzapfen geraubten Schätze herauszugeben, um Euer Blut zu retten. Der Tag, der Eure Rechnung völlig schließt, ist jedoch noch nicht angebrochen, und der Prophet Elias, der immer um Euch ist, sieht betrübt, wie sich vermehrt die Last Eurer Sünden. Es ist schier außer Zweifel, daß Du es gewesen, Ben David, der an dem alten Rathsschöffen Frosch das Mordstücklein gewagt, das ihn beinahe in den Talles gelegt.« – »Sohn! Sohn! Sohn der Gebote und meines Gebets!« stammelte Jochai: »Unseliger Mann! wohin bist Du versunken? Bringt doch jeder Augenblick eine neue Klage auf Haut und Haar, jeder Augenblick einen neuen Herzstoß für den greisen Vater! O weh mir! weh mir! warum hab' ich gelebt der Jahre zweimal fünfzig und darüber? Warum verläßt mich der Gott David's und Samuel's also in meiner Noth, daß ich schauen muß,[154] wie mein Geschlecht langsam versinkt in Blut, Schande und den Flammen des unehrlichen rothen Mannes! David! David! So wahr du trägst den Namen des Erlösers, den wir hoffen, so wahr will ich Deinem Schweigen ein Ende machen; bekenne Deine Unschuld wider Deinen Willen. Zodick! rufe herbei den Richter! Ich will reden; der alte Jochai will reden, und Wahrheit sagen. Geh! geh! und Dir vergebe der hochgelobte Gott Deine Sünde an uns, die Dir nicht abgenommen werden kann weder durch den Tag der Versöhnung und das Kapporah des Bocks Hazazel, noch durch die Fasten, Esther und Gedalja und die Feier der Tempelzerstörung.« – Der Greis schwieg erschöpft; Ben David verharrte in mißbilligendem Schweigen. – »Nicht um Dein Geschrei zu hören, habe ich geredet;« sprach Zodick mit schadenfrohem Vorwurf zu dem Alten: »um Euch ein Mittel anzugeben vielmehr, das Euch, wenn nicht zur Freiheit und zum Leben, dennoch zu einem sanftern Tode verhelfen würde, so Ihr es annehmen wolltet. Denn dem Tode seyd Ihr gewiß, wenn Ihr Euere Habe verhehlt, und der Tod in Flammen ist schrecklich Bekennst Du hingegen, Ben David, daß Du den Altbürger Frosch ermorden wolltest, auf Anstiften und Anregen seiner Ehefrau, so will der Altbürger selbst ein Fürwort einlegen, daß Eure Strafe in die leichteste verwandelt werde, weil er seinem Mörder Gutes zu thun wünscht. Beeilst Du Dich, die Gnade des Herrn zu verdienen, so könnte wohl gar noch werden bewiesen, daß Jochai im Wahnsinne gehandelt, da er den Knaben gekreuzigt im Keller, und[155] könnte ihm, ob seines Alters Elend, noch werden geschenkt das Leben.« – Jochai befühlte sich bei diesen seltsamen Eröffnungen den Kopf, gleich als ob er aus einem bösen, bösen Traume aufzuwachen im Begriff stände. Ben David hingegen gewann eine Ruhe und Heiterkeit, die gleich sehr gegen den dumpfen Jammer des Vaters, wie gegen die befangene Frechheit Zodicks abstach. »Ich sehe jetzo;« sprach er recht laut und vernehmlich: »daß ganz Frankfurt toll geworden. Das Ungeheure könnte mich schier bringen zum Lachen. Wenn jetzo plötzlich aufstiege ein Nebel des Gewässers, und unsichtbar machte die Brückenthürme oder Sachsenhaufen .... was gilts ... der arme David müßte sie gestohlen und seinem Vater gesteckt haben in den Schnappsack. Geh, geh, Du lächerlicher Bote! Du hast gewißlich am heiligen Sabbat zu weite Schritte gemacht im Kundschafterdienst, denn diese schwächen Gesicht und Verstand. Du bist, ob ein Lügner, ob ein Irrsinniger, gleichviel. Kannst Du mir jedoch bringen wahrhaftige Kunde von Esther, und ein Zeichen von ihr, – ein glaubhaftes, daß sie lebt und frei ist, wenn gleich versunken in dem Laster, dessen Du gedacht, – so soll's Dein Schade nicht seyn; ich schwör's auf die Torah; und dieses heilige Gesetz wird mir geben die Kraft durch mein Gebet des Mädchens Seele abzulenken vom Bösen, und sein irrdisch Theil zu retten von schimpflicher Strafe.« – Zodick warf spöttisch den Mund auf, und ging hinweg, ohne ein Wort zu erwiedern. – Ben David näherte sich dem Vater, der wie eine Bildsäule vor sich hinstarrte. »Du[156] willst bekennen, Raaf;« fragte er ihn sanft und sehr leise: »was willst Du denn bekennen, da Du nichts weißt, als daß der Knabe nicht gestorben, sondern seinen Freunden wiedergegeben? Sage tausendmal, daß ich unschuldig sey, und Du nicht schuldig, und tausendmal werden sie Dir nicht glauben, .. selbst dann nicht, wenn ich's wollte und könnte beweisen. Wisse aber, daß ich eher auf der Folter die Zunge verschlucke, ehe ich rede; weil ich gethan ein Gelübde, das ich halten werde fester als eins, das ich in der Schule geleistet.« – Jochai sah ihn fragend und kopfschüttelttd an. »Weh mir!« sagte er: »Ein Eid, und wann hast Du ihn gethan?« – »Er ist noch nicht so alt, als Zodick's Besuch;« erwiederte Ben David: ich hab' ihn geschworen bei der Lade des Bundes im Allerheiligsten meiner Gedanken. »Raaf!« setzte er leise flüsternd hinzu: »Raaf! ich habe böse gethan, fühle ich jetzt, denn ich habe gehandelt mit Menschenblut. Das Schändliche solchen Beginnens ist mir geworden klar, da mir einfiel, wie Esther jetzo hülflos einem gleichen Handel Preis gegeben ist, der vielleicht das Kleid ihrer Ehren in Koth tritt, vielleicht ihr junges Leben erstickt. Darum will ich büßen, und, sollt' ich ersterben in Graus und Schmerz, nicht durch mein Zuthun den Versuch machen, zu lindern mein Schicksal.« –

Jochai wollte in ein Geschrei des Jammers ausbrechen; Ben David bedeutete ihn jedoch heftig, zu schweigen, und raunte ihm in's Ohr: »Spare Deine Worte, die unser Elend nur beschleunigen, denn hinter jener Wand lauschen verborgne Zeugen, die Zodick's[157] Unterredung mit uns behorchten. Mir hat's verrathen sein ängstlich Lauschen, und ich warne Dich.« Man kömmt schon: »hörst Du? Ermanne Dich. Dein Leben werd' ich gewißlich retten. Meine Vertheidigung muß der hochgelobte Gott unternehmen. Eine Menschen-Zunge allein rettet einen Juden nicht.«

Der Oberstrichter kam herein mit gewohnter Würde; in seinem Gefolge ein Schreiber, das Verhörprotokoll unter'm Arme, das Schreibzeug am Gürtel. Der Gefangenwärter schob den Tisch zurecht, und ging. – »Jude Jochai und Du, sein Sohn David!« begann der Richter: »Man hat uns gemeldet, daß die Aufrichtigkeit in eurer Seele die Oberhand gewonnen, ehe wir noch der Folter bedurft, um sie zu wecken. Ihr thut klug daran, zu bekennen, denn eure Missethaten brechen von Tag zu Tage mehr hervor aus dem Schleier, mit welchem Eure Ränke sie umhüllt hatten. Gerhard von Hülshofen – erbleicht ihr nicht noch deutlicher unter eurer Blässe? – wird nicht säumen, vor unsern Schranken Zeugniß gegen euch abzulegen, um also die Schuld wieder gut zu machen, so er als rechtgläubiger Christ zu böser Stunde auf sich geladen. Des armen Friedbergers Schmuck, von seiner Witwe erkannt, bezeichnet Euch als Glieder der verruchten Mordbande, die ihre Verbrechen sogar in unsern Mauern ausübt. Nichtswürdige Gesellen, die schon seit lange in unsern Verließen schmachten, und ehemals mit jener Rotte Korah in Verbindung gewesen, entsinnen sich auch recht gut, einen der Hauptmörder mit dem Namen:[158] ›der Jude‹ bezeichnen gehört zu haben, und würden gewiß den David von Angesicht zu Angesicht erkennen, wäre er ihnen damals nicht immer in einer unkenntlichen Vermummung erschienen. Kurz: die Zeit bricht ein Stück nach dem andern von dem Bollwerke ab, das eure Heuchelei um die Wahrheit gezogen hat. Gerade jetzt ists noch Zeit zu bekennen, um die schwere Hand der gesetzlichen Rache in ihrem Falle etwas aufzuhalten, und ein milderes Loos zu gewinnen, wenn es seyn kann. Wir haben daher auch nicht gesäumt, der an uns gegangenen Aufforderung diesenfalls zu entsprechen, und begehren von Dir, Jochai, daß du sonder Ausschweife an den Tag gebest, was Du zu bekennen hast.« – »Zu bekennen, Herr!« sagte der durch Hingebung seines Sohns muthiger gewordne Greis: »Gott soll mir helfen, wenn ich weiß, was ich bekennen soll, wenn es nicht ist unsre Unschuld.« – Ben David schwieg befriedigt, aber des Oberstrichters schlaufreundliche Miene wandelte sich in eine frostige um, da er die Weigerung des Alten hörte. – »Wie?« fragte er: »Hast Du Deinen Vornamen sobald geändert? Man sagte mir doch ...« – »Edler Herr!« versezte Jochai mit scheinbarer Offenherzigkeit: »So uns der hochgelobte Herr der Welt Stärke verleiht, so werden wir selbst unter Folterpein nicht aussagen, was uns, sind wir gleich fleckenlos wie das Lamm, den Stab bricht; um wie viel mehr müßten wir die Zunge schelten, die an uns zur Lügnerin werden wollte, freiwillig, ohne Noth.« – »Aber,« polterte der Richter aufwallend, »Du sagtest doch selbst, alter[159] Sünder ....« – Jochai schüttelte schweigend den Kopf, wie Einer, der seiner Sache sehr gewiß ist, und, mit einem Lächeln, nur den Unglauben eines Andern straft. Diese Geberde machte indessen den Richter hitziger. »Läugne nicht, Jude,« sprach er drohend: »Friedrich hat die Lügen verabscheuen gelernt im Schoose des wahren Glaubens. Du warst geneigt zu bekennen .... so bekenne denn. Deine Aufrichtigkeit kann nur wohltätigen Einfluß auf Dein, selbst auf deines Sohns Geschick haben. Bekenne die erschreckliche Kreuzigung des Knaben, die hauptsächlich dir zur Last gelegt wird, hast Du einmal diese erste und größte Missethat von Allen gestanden, dann, wird das Bekenntniß der Übrigen leichter.« – Jochai warf einen verstohlenen Blick auf den unerschütterlichen Ben David, und sagte dann entschlossen: »Gestrenger Herr ....« mir sollen alle Glieder erstarren zu Eis, wenn ich anders sagen kann, als: »Wir sind unschuldig.« Der abtrünnige Knecht Zodick hat auch heute gelogen wie in seiner Klage. Gras wachse vor seiner Thür, und Er soll seyn der Lezte nach allen Menschen auf der Erde. »Ich werde nicht bekennen, was ich nicht weiß.« –

»Ja, verdammter Jude!« brach der Oberstrichter los: »Du hast Bekenntniß und Lüge in einer Tasche. Die wenigen Augenblicke, die du mit diesem Elenden hier allein geblieben, alter Thor, waren hinreichend, dich umzustimmen, und nun soll Friedrich gelogen haben, obgleich ....«

Hier verstummte der edle Herr, weil ihn beinahe der Zorn veranlaßt hatte, zu gestehen, daß er alles hinter[160] jener Wand verborgen, mit angehört. Jochai entgegnete jedoch mit treffendem Blick und bitterm Lächeln: »Und wenn ihr selbst, gestrenger Herr, mit Euern eigenen Ohren gehört haben wolltet, was Euch Zodick sagte, so müßte ich erklären, daß Ihr Euch irrt.« – »Genug;« fuhr der Oberstrichter fort: »Ich sehe, daß Ihr unverbesserliches Gesindel seyd. Was jener blut- und raubdürstende Mensch, dein Sohn, an Kraft und Geschick, das Böse zu thun, vor Dir voraus hat, das ersetzest du durch deine hundertjährige Schlauheit und Tücke. Aber – was es nun auch sey – boshafte Lüge, beginnender Wahnsinn des Alters, oder jene Vergeßlichkeit, die den ergrauten Bösewicht zuweilen befällt, und seinem Gedächtnisse schwere Frevel entrückt, als ob sie nie vollführt worden wären, ... ich will Dich schon zum Geständniß bringen. Die Verworfenheit, die rund um unser Weichbild, und innerhalb desselben, das Haupt zu Raub, Todschlag und Brand erhebt, zittert vor meinem Namen, meinem Ansehen und Eifer. Diese Schrecken der Zügellosigkeit sollen auch nicht an zwei erbärmlichen Juden erlahmen. –«

»Gebraucht Eure Macht, ehrbarer und strenger Herr;« sprach Jochai mit leidender Demuth: »der Mensch ist ein schwach Gefäß in den Händen seines zornigen Feindes, sagt der Rabbi Jose, auf welchem der Friede sey, und das Paradies seinem Andenken. Der große Tag, jenseits des Meeres, hat aber ein Andrer gesagt, wird ausgleichen Alles, was geschehen ist zwischen Auf- und Niedergang. Ich sage nicht, was nicht ist, wenn ich unsre Unschuld bekräftige.[161] Der Wahnsinn, dieser Aussatz, mit welchem die Schedim den innern Menschen schlagen, wie Job geschlagen ist worden von dem Fürsten der Wildniß, von dem haarigen Bocke, redet auch nicht aus mir. Aber auch nicht Vergeßlichkeit, erzeugt vom Übermaaße der Verbrechen, hat entrissen meinem Gedächtnisse, was einst, wichtig wie allenfalls seyn kann ein Mord, sich ihm einprägte. Ich weiß noch herzuzählen an den Fingern die zweihundert und acht und vierzig Gebote, wie die dreihundert fünf und sechzig Verbote, denen ich mich mußte unterwerfen, da ich wurde im dreizehnten Jahre meines Lebens ein Ban Mitzra, das ist: ein Sohn des Gesetzes. Ich habe mich gewöhnt, aufzuzeichnen und zu behalten im Kopfe alle glückliche und unglückliche Tage meiner Jahre. Der glücklichen hatte ich wenig aufzuzeichnen: der unglücklichen jedoch zu behalten viele, denn ich bin ein schlechter Jude.« –

»Was soll das Gewäsche?« fragte der Oberstrichter barsch: »Spare die erheuchelnden Thränen für die Folterbank und den letzten Gang, elender grauer Dieb. Was hast Du noch vorzubringen? Kurz; sage ich Dir.«

»Ich werde seyn schnell zu Ende;« antwortete Jochai, mit schmerzlichen Lächeln in die Hände hauchend und über seine nassen Augen fahrend. »Ich will nur reden von der Zeit gestrenger Herr, da Ihr noch wart ungeboren, Euer Vater ein Knabe noch beinahe, und Euers Vaters Vater noch ein rüstiger Mann. Herr, ich habe erlebt, was sich jetzt noch die Enkel des damaligen Geschlechts erzählen mit behaglichem[162] Grausen. Herr, ich war schon gewesen ein Mann von vierzig Jahren, da des hochseligen Kaisers Carl IV. Majestät genau drei Jahre am Regiment gewesen, und da wir zählten das fünftausend einhundert und neunte Jahr der Welt, in welchem man allenthalben begann, die Juden zu schlachten, weil sie vergiftet haben sollten die Brunnen, verzaubert das Vieh und herbeigeflucht die große Pest. Mir gedenkt's wie der Tag von gestern, da das Gemetzel losbrach, hier zu Frankfurt, als die Geißler eingezogen waren mit Fahnen und Kerzen, und den vielen Bildern des gekreuzigten Mannes.« – »Der Heiland!« verbesserte der Oberstrichter finster; unterbrach jedoch, mit einer Art von Theilnahme sich vorlehnend, den Greis nicht, so sehr auch der Schreiber, den die anhebende Erzählung langweilte, mit ungeduldiger Geberde zum Unterbrechen mahnte. –

»Die Geißler haben gesungen durch die Straßen: Ach, so hebet eure Hände, daß sich doch das Sterben wende!« fuhr Jochai fort: »Mittlerweile aber sie sich die Rücken zerfleischten, und den Staub der Gassen düngten mit ihrem Blute, ist ein Feuer ausgebrochen, und weh! weh! in der ganzen Stadt gerufen worden. Unfern von unsrer Gasse war durch Nachläßigkeit oder vorsetzlichen Frevel der Brand aufgegangen. Ich stand gerade fertig, um über Land zu gehen, und zu holen mein Weib, daß heimgesucht hatte seine Eltern über dem Rheine. In meiner Mutter Stube stand ich, da die Glocken anfingen zu wimmern, und das Getöse überhand nahm in den Straßen. Die arme alte Frau von siebzig Jahren,[163] erblindet durch die Mühen des Gerwerbes, erschrack zum Tode, und schickte mich fort, zu sehen, was es gabe. Ich lief, ich schrie, ich entsetzte mich.« »Die Juden haben den Brand gemacht!« schrieen die rasenden Geißler auf den Gassen: »Wir haben's gesehen! Sie haben geschossen mit feurigen Pfeilen aus dem Hause zum Storch nach dem Rathhause! Und das Volk schrie nach, und dürstete Rache, und brach ein in die Häuser, die Geißler beständig voran, die raubten und sengten und metzelten. Herr! da kam ich heim, vor Angst und Ermattung halbtodt, um zu retten die blinde arme Mutter.« Die war in ihrer Herzensnoth herausgegangen zur Stube, und hatte sich zur Treppe gefühlt, war aber gestiegen hinauf, statt hinunter, und also gerathen auf den Speicher, wo nebenan des Nachbars Haus brannte lichterloh. Und ich stand vor'm Hause, und konnte nicht hinein, weil alles voll Plünderer wogte, und sah die liebe Frau, die mich geboren, am Giebelfenster stehen, wie sie die Hände rang und hinausrief in die Flammen, die sie nicht sah: »Sohn! Sohn! Jochai! Sohn Davids! wo bist Du? verlaß mich nicht!« Ich sah endlich, wie die Räuber zu ihr hinaufdrangen, und konnte, selbst geschlagen und mißhandelt, nicht herzu. »Heule nicht! Judenvettel!« donnerte der Verzweifelnden ein Mann zu, erhitzt von Wuth und angethan mit Grausamkeit: »Dort ist Sein Sohn! fahr gesund zum Teufel!« Und in die Flammen des Nachbarhauses flog die Blinde. »Auf ihrer Asche sey der Friede!« –[164]

Eine tiefe Stille folgte dieser Erzählung Jochai's. Der Oberstrichter starrte ungewissen Auges zu dem Gitter des Fensters empor; sprach aber keine Sylbe. Da schloß Jochai also: »Die Blinde, Herr, ist gewesen meine Mutter, und, der sie in das Feuer warf, Euer Großvater, Herr. Ich kenne demnach, was ein Jude zu gewärtigen hat von Euerm Geschlecht, und Ihr habt ein Pfand, daß ich nicht bin so vergeßlich, als Ihr glaubt. Was der Großvater übrig gelassen, mag nun verderben der Enkel.«

Der Oberstrichter schwieg noch immer mit äußerst nachdenklichem Gesichte. Er rieb sich heftig die Stirne, zog die Augenbraunen zusammen, und hing an einer unangenehmen Erinnerung. »Du bist also ...?« fragte er mit einemmale, wie bewußtlos, unterbrach sich aber schnell, und wendete sich zu dem Schreiber. »Ich bedarf Euers Diensts nicht;« sagte er: »Geht, und nehmt diesen Alten mit Euch. Der Thurmwächter soll ihm ein luftigeres und reinlicheres Gefängniß geben, und ihm förder die Ketten nicht mehr anlegen.«

Der Schreiber winkte dem staunenden Jochai, auf den Ben David schnell zuging, um ihn zu umarmen, und ihm die Hand zu küssen. »Ein Strahl der Milde bricht in die Hütten Jakobs!« sagte er heftig bewegt: »Raaf! zage nicht, und vertraue dem Herrn!« – Jochai schwankte hinaus mit dem Begleiter. Der Oberstrichter hatte seinen ganzen fürchterlichen Ernst wieder gesammelt, und redete zu Ben David. »Du siehst, wie barmherzig ich seyn kann. Ich habe Wille und Vollmacht, für Dich ein Gleiches[165] zu thun, wenn Du weniger halsstarrig seyn wolltest. Friedrich's Klage ist klar wie die Sonne, aber ein schwerer Verdacht, der sich in des Volkes Stimme gegen Dich erhebt, bedarf Deines bestätigenden Geständnisses. Bekenne, daß Du Diether's Mörder seyn wolltest, angereizt und besoldet von seinem treulosen Weibe. Gestehe ohne Scheu. Eine gnädige Behandlung, ein leichter Tod sey Dein Lohn dafür.« – »Heer!« erwiederte Ben David ohne Bedenken: »Wär' ich allein in das Gewebe verflochten, das mich Unschuldigen droht zu erwürgen, so sagte ich ohne Wahl und Furcht ein lautes: ›Ja!‹ Zu glücklich, um damit zu erkaufen Linderung der Kerkerqual, und einen schnellen, beschleunigten Tod unter den Fittigen des Boten der Barmherzigkeit, Gabriel, welcher die Seelen der unschuldig Sterbenden hinüberführt gen Canaan. Aber es ist wider das Gebot, eine fremde, schuldlose Seele mit zu tödten durch falsches Zeugniß. Ich kenne die Ehewirthin des Altbürgers nicht.« – »Du lügst;« entgegnete der Oberstrichter gereizt: »Du warst oft in ihrem Hause; ich habe Zeugen.« – »Gehandelt hab' ich mit der ehrsamen Frau;« gab David zu: »Doch soll mir Gott helfen, kenn' ich sie weiter.« – »Du lügst!« zürnte der Oberstrichter heftig: »Man hat Dich zur dunkeln Nachtzeit aus dem Hause schleichen sehen, in welches Du hineingekommen warst, unbemerkt, von Niemand geachtet. Du warst in fremder Tracht, beladen mit Geld, wie es schien, und doch wurde von einem Diebstahl nichts gehört. Also hast Du damals den Lohn des blutigen Werks im Voraus[166] empfangen, und den Handel geschlossen.« – »Gestrenger Herr!« entgegnete Ben David, seine Betroffenheit künstlich verbergend: »Da Meister Diether Frosch angefallen wurde, war ich zu Costnitz, und geträumt hat dem, der mich vermummt gesehen haben will.«

»Du ermüdest meine Langmuth!« schalt der Oberstrichter: »In der Folterkammer wirst Du geschmeidiger werden, sage ich Dir indessen voraus. Denk an mich!«

»Ich will es erwarten, Herr;« antwortete Ben David ruhig, und ließ sich geduldig die Ketten wieder anlegen, und in sein trauriges Verließ zurückbringen.

Quelle:
Carl Spindler: Der Jude. 3 Bände, Band 2, Stuttgart 1827, S. 146-167.
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Die Nonne. Sittenroman aus dem 18. Jahrhundert

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Im Jahre 1758 kämpft die Nonne Marguerite Delamarre in einem aufsehenerregenden Prozeß um die Aufhebung ihres Gelübdes. Diderot und sein Freund Friedrich Melchior Grimm sind von dem Vorgang fasziniert und fingieren einen Brief der vermeintlich geflohenen Nonne an ihren gemeinsamen Freund, den Marquis de Croismare, in dem sie ihn um Hilfe bittet. Aus dem makaberen Scherz entsteht 1760 Diderots Roman "La religieuse", den er zu Lebzeiten allerdings nicht veröffentlicht. Erst nach einer 1792 anonym erschienenen Übersetzung ins Deutsche erscheint 1796 der Text im französischen Original, zwölf Jahre nach Diderots Tod. Die zeitgenössische Rezeption war erwartungsgemäß turbulent. Noch in Meyers Konversations-Lexikon von 1906 wird der "Naturalismus" des Romans als "empörend" empfunden. Die Aufführung der weitgehend werkgetreuen Verfilmung von 1966 wurde zunächst verboten.

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