Zweyter Auftritt.

[8] Vorige, Eiler.


EILER. Ihr Diener lieber Frank. Sie wundern sich mich hier zu sehen? Ja das glaub' ich gern. Werden sich aber noch mehr wundern, wenn Sie hören werden warum ich hier bin, und Sie aufgesucht habe?

FRANK. Ich muß gestehn Ihre Gegenwart macht mir so viel Neugierde als Freude.

EILER. Sollen befriedigt werden. Sie wissen doch von meinem Engagement mit Madame[8] Pfeil? – Ich weis was Sie sagen wollen, weis auch, daß ich ein Narr bin; aber Herr, wie ich klug werden soll, weis ich nicht. Die Liebe kann man nicht so abwerfen wie ein Paar übertragene Schuh; – und eine Theaterliebe hat vollends viel ähnliches mit dem ungrischen Fieber, was nichts als Zeit und Klima kuriren kann. Kurz, Madame hat mit ihrem eigensinnigen Köpfchen den guten Leyermann ruinirt, daß er seine Gesellschaft mußte auseinander gehen lassen. Ich hätte sie freylich gern ohne Engagement unterhalten, aber Sie will nun durchaus spielen; – sie merkt wohl, daß ihre Macht über die Herzen nur vom Theater herabwirkt, mithin krieg ich seit der Zeit keine gute Miene, und um ihr nur die Hand küssen zu dürfen muß ich zuvor erst eine Theaterscene mit ihr spielen. Ich habe mich schon halb dumm gelernt, kann schon aus jedem Ihrer Stücke die Hauptscenen mit ihr spielen; und wenn sie nicht bald Engagement bekommt, kann ich das ganze Repertoir auswendig. Alle Direkteurs, an die ich geschrieben, haben mir abschlägige Antwort gegeben. Ich weiß mir also nicht mehr zu rathen. Zum Glück erfuhr ich, daß Sie wieder eine Gesellschaft errichten wollen, ich bitte[9] Sie also, nehmen Sie sie an, ich will Sie mit Geld unterstützen so viel Sie brauchen.

PUF heimlich zu Frank. Eine trefliche Gelegenheit! greifen Sie zu.

FRANK. Lieber Herr Eiler, ich errichte nur eine kleine Gesellschaft und dabei würde mir Madam Pfeil zu theuer seyn.

EILER. Ich will ihnen die Gage für sie zahlen, und oben drein tausend Dukaten auf 3 - 4 Jahre ohne Intressen leihen, nehmen Sie sie nur an, damit ich nicht mehr auswendig lernen darf, und andre statt mir die Theaterscenen mit ihr spielen.

PUF wie oben. Itzt besinnen Sie sich keinen Augenblick.

FRANK. Aber lieber Puf; es bleibt mir ja keine Actrice neben ihr.

PUF. Unsre 2 Thaler Aktricen werden schon neben ihr bleiben.

EILER. Nun Herr Frank, Sie stehn noch an? Geschwind entschlüssen Sie sich, ich höre sie schon kommen.


Quelle:
Wolfgang Amadeus Mozart: Der Schauspieldirektor. Wien 1786, S. 8-10.
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