Vierter Auftritt.

[21] Vorige, Madame Krone.


MADAME PFEIL mit einem verächtlichen Blick auf Madame Krone. Kommt die Prinzeßinn auch?

EILER ängstlich. Wir wollen gehen. Auf Wiedersehen, Herr Frank. Heimlich zu Frank. Oefnen Sie nur Ihr Theater bald, damit ich[21] ja nicht mehr die Liebhaber Rolle spielen darf.

Eiler und Madame Pfeil Ab.


FRANK. Beste Madame Krone, was führt Sie zu mir?

MADAME KRONE. Der Ruf, daß Sie eine neue Gesellschaft errichten wollen. Ich hoffe, Sie werden mir doch Engagement geben? Sie wissen, daß ich in der hohen Tragödie meines Gleichen suche.

PUF heimlich zu Frank. Die ist nichts für uns.

MADAME KRONE. Zayre, Alzire, Kleopatra, Rodogüne und dergleichen sind Eigenthums-Rollen von mir.

FRANK. O beste Madame Krone, damit ist's vorbey. Korneille, Racine, Voltäre, diese Väter der ächten Tragödie sind hinter den Ofen geworfen, und ihre Stücke, die wahren Probiersteine tragischer Schauspieler, für unbrauchbar erklärt. Der Shakesparismus hat uns ergriffen, und Helden – und Staatsaktionen sind die Produkte, womit wir jetzt paradiren. Ein Trauerspiel ohne Lustigmacher, ohne Tollhausnarren, Donnerwetter und Gespenster wird für fades Gewäsche erklärt, die Zuschauer gähnen, und die Kasse bleibt leer.

PUF. Ja, ja, das haben wir alles erfahren. Ich als lustiger Bedienter, habe eine Schellenkappe aufsetzen, mich als Pickelhäring kleiden, und die Tragödie aufrecht halten müssen. Heimlich[22] zu Frank. Schicken Sie die tragische Prinzeßinn fort.

MADAME KRONE. Das weiß ich leider alles! Aber, Sie hoffte ich nicht so sprechen zu hören, Herr Frank. Ich glaube es kommt immer auf den Direkteur an, sein Publikum zu haben wie er will. Gewöhnt er es an gute Sachen, wird es nichts schlechtes verlangen. Nur muß er ihm nichts auftragen, woran es sich den Geschmack verderben kann; Lieber eine Zeitlang laviren –

PUF. Und nichts geben was ihm Geld bringt? so muß er desto geschwinder aufhören.

MADAME KRONE. Wie die Sache liegt, haben Sie dem Schein nach Recht; aber wer ist Schuld daran? eben Sie und ihre Kollegen. Denn, wären die lustigen Bedienten aus dem Trauerspiel geblieben, so wäre es noch in seinem alten Werth. Doch ich will mich mit Ihnen in keinen Wortwechsel einlassen. Herr Frank, ich habe einen der besten tragischen Schauspieler bey mir, es ist Herr Herz. Wir wollen Ihnen eine Scene aus Bianka Tapello spielen. Urtheilen Sie dann, ob es nicht möglich wäre die reine Empfindung auf dem Theater wieder geltend zu machen.

Sie geht an die Scene und führt Herren Herz heraus.
[23]


Quelle:
Wolfgang Amadeus Mozart: Der Schauspieldirektor. Wien 1786, S. 21-24.
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