Sechsundsiebenzigstes Kapitel.

[116] Ich sagte bereits dem christlichen Leser – dem christlichen, sage ich, denn ich hoffe, das ist er, – wäre er's nicht, so sollt' es mir leid thun, und ich möchte ihn dann nur bitten, die Sache bei sich zu überlegen und diesem Buche nicht alle Schuld beizumessen –

Ich sagte ihm bereits – denn wahrlich, wenn Jemand auf so wunderliche Art wie ich eine Geschichte erzählt, so ist er gezwungen, unaufhörlich rückwärts und vorwärts zu gehen, damit in des Lesers Phantasie Alles hübsch beisammen bleibt; wollte ich darauf jetzt nicht mehr sehen als früher, jetzt, wo so viele unabgewickelte und zweideutige Dinge häufig unterbrochen und mit Pausen aufs Tapet gekommen sind, und wo die Sterne, die ich an den dunkelsten Stellen aufgehängt habe, obgleich ich weiß, daß die Leute oft selbst um Mittagszeit bei hellstem Sonnenschein den Weg nicht finden können, nur so wenig helfen, so – ja sehen Sie, da hab' ich ihn nun selber verloren.

Aber daran ist mein Vater schuld; sollte mein Gehirn einmal secirt werden, so können Sie es ohne Brille sehen, daß er da einen unebenen Faden hat stehen lassen, wie man ihn oft in einem ausgeschossenen Stück Cambrik findet, der so störend durch das ganze Gewebe läuft, daß man nicht ein * * (hier hänge ich wieder ein paar Lichter aus), oder eine Binde, oder einen Däumling daraus schneiden kann, ohne ihn zu sehen oder zu fühlen.

»Quanto id diligentius in liberis procreandis cavendum«, sagt Cardan; welches alles wohl in Betracht gezogen, und da es, wie Sie wohl einsehen, ganz unmöglich für mich wäre, Ende und Anfang jetzt noch zusammenzubringen, –

also fange ich das Kapitel lieber noch einmal von vorne an.

Quelle:
Sterne [, Lawrence]: Tristram Shandy. Band 2, Leipzig, Wien [o. J.], S. 116-117.
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