Dritter Absatz

[341] Beschreibet die Berathung und Anschläg Polyphili /wie er sicher zu Macarien gelange / dazu ihm ein frembder Ritter / Namens Agapistus / bedienlich: Lehret / wie alles / durch klugen Rath / und Bemühung könne gewonnen werden.


Nun müssen wir wieder zum Polyphilo kommen /dem wir eine traurige Post bringen würden / so wir den Befehl hätten / was wir wissen / zu eröffnen. Dieser lebte / wegen der Zusag Melopharmis / in höchst-freudigem Verlangen; und wünschete nicht mehr / als die Zeit seiner Erfreuung zu sehen. Deßwegen waren ihm alle Lust-Spiel mehr verdrüßlich / als angenehm /biß die erwünschte Stund kam / da ihm Melopharmis Erlaubnus gab / seinen Abzug zu nehmen. Hie solten wir melden / was Polyphilus die Weil bey Hof gethan / und womit er die Zeit verbracht: aber seine eilige Fahrt auf Soletten heisset uns mit eilen / und dieses mit Stillschweigen vorbey gehen. Doch wollen wir das anhängen / daß er die meiste Zeit mit Dichten und Beschreibung seiner unglückseligen Liebe verderbet /darinnen er eine Linderung der Schmertzen suchte /aber eine schmertzhaffte Vermehrung fand. Wie aus diesen nachgesetzten Versen zu sehen / die er kurtz vor der Verkündigung Melopharmis / im[341] höchsten Kummer und betrübten Verlangen aufgesetzt / dieses Lauts:


Ich lieb und liebe nicht: ich hasse / was ich lieben /

und liebe wieder das / was ich solt hassen mehr:

ich rühme meine Schand / und schände meine Ehr:

betrübe meine Freud: erfreue mein Betrüben:

ich übe / was ich kan / und kan doch nichts verüben:

mein Hertze geb ich hin / und halt es doch bey mir:

ich leb und lebe nicht / so lang ich bleibe hier /

da ich doch jetzt nicht bin: es haben mich vertrieben

die mich gehalten hier: ich bleibe gleichwol nicht /

so lang ich bleibe noch: ich spreche / wenn man spricht /

daß ich nicht sprechen soll: und klage / ohne Klagen /

da nichts zu klagen ist: mein Hertz in mir ist todt /

und doch gestorben nie: ich bin in grosser Noht /

doch ohne Noht dabey: dahin ich bin geschlagen /

fühlt keiner keinen Schlag / auch keiner keine Plagen /

da sie am grösten sind: ich fühl nicht / was ich fühl /

und thu nicht / was ich thu: ich hör und sehe viel /

und weiß doch niemals nichts: was soll ich noch viel sagen?

es ist ein elend Ding / wann man da ist verliebt /

wo bald das Leid erfreut / die Freude bald betrübt.


Nun ists an dem / daß Polyphilus / seinen Schmertzen zu verbinden / den Anblick der schönen Macarien suchet / und sich allbereit mit tausendfältiger Ergötzung / die ihm seine hoffende Sinnen vormahleten /erfrischet. Alles Dencken war einig dahin gerichtet /wie er sicher auf Soletten komme. Deßwegen er Melopharmis / von allem Bericht einzuholen / ersuchte /diese wiederbrachte ihm / daß er näher bey der Insul sey / dann er vermeyne / so gar / daß ihn ein schnelles Pferd / in wenig Stunden / dahin führen könne / und er noch heuterlangen / was er so lang zu erlangen verlanget.

Wer war erfreuter / als Polyphilus: Die Fülle seines Hertzens ergoß sich / auf wunder-viele Weiß /[342] durch den jauchzenden Mund / mit den frohen Gedancken: jetzt wirst du bey Macarien seyn! Es war auch die verneuerte Lust so vollkommen / daß er aller Furcht und Betrübnus auf einmal vergaß / und sein gantzes Hertz in frölicher Empfindung weidete. Aber Melopharmis /welche in diesem Fall vorsichtiger wandelte / hielt ihn von seiner Begierde / durch die Erinnerung dessen /was er bey den Inwohnern der Solettischen Insul zu beförchten / zu ruck / daß Polyphilus sich eines bessern besinnen / und sich nach der Erlösung nicht wiederum in freywillige Gefängnus stürtzen wolle / weiln allerdings zu beförchten / so er sich deren gewaltigen Hand wieder untergeben würde / es möchte auch noch anjetzo / die Rach-Begierde / ein blutiges Schwerdt zu sehen erwählen. Auch / fuhr sie ferner fort / ists vonnöthen / daß ihr vorher wisset / wie Macarie gesinnet? ob ihr nicht / durch eure Gegenwart / mehr Zorn als Gunst / erwerbet / und besser sey / sie nicht wieder sehen / als durch ihren Anblick eure Schmertzen mehren / und etwan / durch ihre Widerwertigkeit /mit Spott zu ruck getrieben werden?

Das sagte Melopharmis bloß / Polyphilum zu schröcken / damit er der Freudigkeit seines Gemüths nicht zu viel traue / und einen Fehl begehe / da die Vorsichtigkeit höchstnöthig. Aber Polyphilus / den die höchste Noth gar leicht einen geschwinden Rath ertheilen kunte / war fertig / dem Ubel vorzukommen / und sich seiner Freyheit / durch einen Gruß-Brief an Talypsidamum / zu versichern / als der ihm von allem gewisse Nachricht übersenden / und seine Reise mit einem sichern Geleit schützen würde. Der Anschlag gefiel der Melopharmis[343] nicht übel / die ihn ermahnte / solchen eylfertig ins Werck zu richten /und sich an seinem Glück nicht ferner zu hindern: sonderlich / weil er auf solche Art beydes Talypsidamum / zusamt der leid-förchtenden Macarien höchlich uns hertzlich erfreuen würde. Aber es brauchte bey Polyphilo keiner Ermahnung / so eilig nahm er die Feder zur Hand / und verfertigte folgenden Gruß an Talypsidamum:


Treu-verbundener Talypsidame!


Ich bin gewiß / daß euch / durch diese Zeilen / der Name Polyphili / in viel widrige Gedancken setzen wird / so gar / daß Furcht / Zweifel und Hoffnung /mit der zufälligen Freud / in eurem Hertzen / einander kräfftig bestreiten werden. Die Furcht wird erwecken die Einbildung einer mördlichen Rach / so ich / an denen Solettischen Inwohnern zu verüben / durch die Unschuld meiner erlittenen Noht / und ihre unbilliche Gewalt / Fug und Recht hätte; auch über das von dem geneigten Glück in so hoch beseeliget bin / daß ich /an statt des Verderbens / die Erhaltung grosser Ehr und Macht / beneben einem herrlichen Sieg / in Königlicher Hoheit / erworben / dessen ich mich nicht weniger / gegen der Solettischen an mir verübten Boßheit zu gebrauchen / Gelegenheit zur Hand nehmen könte. Doch wird diese Furcht / von dem[344] Zweifel / so ihr an mein Leben setzet / gewaltig erdrücket werden / weil die blosse Unmüglichkeit / beneben denen ersäuffenden Wellen / euren Augen viel ehr die Gewißheit meines Todes / als einige Hoffnung des Lebens vorstellen wird; bevorab / da das Herz viel lieber und sicherern Glauben gibt dem / was die Augen gesehen / als dem jenigen / was es / durch anderer Erzehlung / vernommen. Da ihr aber / Liebster und bester meiner Freunde! den theuren Schatz unserer Gewogenheit / und das geliebte Hertz eures Polyphili besinnen werdet / wie die mächtige Würckung eures Verlangens / eine bevestete Hoffnung; die Hoffnung aber eine selige Freud erwecken dadurch ihr / mit der verlangten Macarien / deren Tugend und Vollkommenheit / ich noch immer fort / ja je länger je mehr in meinem Hertzen ehre / meiner Zaghafftigkeit / durch ein sicheres Geleit / ein Hertz machen / und meinen Füssen / die ihren Lauf / mit brünstiger Begierde / auf euch zu richten / die freye Bahn eröffnen / daß ich ohne Verhinderung hin und wieder ziehen dörffe. Meine Macarie aber / ach! die edle und unschätzbare Macarie! die ich billich die meine nenne / weil ich ihre Tugend zu er wählen / und ihrem Verstand nachzuahmen / keine[345] Gefährlichkeit entschuldige / keine Betrübnus ausschlage / dafern ich nur / um Tugend zu werben / und Kunst zu erlernen /die Herrlichkeit ihrer vollkommenen Würde / hinwider zu sehen / und gegenwärtig zu grüssen / beseeliget werde; Diese meine Macarie wird mir / Krafft ihrer angebohrnen Gütigkeit / den Zutritt und die Bedienung ihrer Hoheit / in der Tieffe meiner Demut nicht versagen / sondern mildiglich gestatten / daß der Tugendverliebte Polyphilus anjetzo geniesse / dessen ihn das feindselige Glück / vor dem / nicht theilhafftig machen wollen. Sie wird an das Versprechen ihrer Gewogenheit gedencken / und durch die damalige Erlaubnus / daß Polyphilus / als ein Tugend-Werber /sie ferner zu besuchen / bemächtiget wäre / meinem Zutritt den Weg nicht verschliessen / sonderlich / da sie versichert leben wird / daß ich ihre Tugend ewig ehren / und ihren Verstand mit einem immergrünenden Lob bekrönen will: in welcher angenehmen Bemühung ich dieselbe auch jetzo mit einem schönen und lieben Gruß / durch euren Mund verehre / und mein Verlangen / sie mit nechsten zu sehen / ankünden lasse. Werde ich nun diese Freyheit erhalten /wird nicht allein alle Rach / so zwar mein Hertz beschlossen hatte / durch die Sicherheit[346] meiner Befreyung erleschen / sondern ihr könnet auch ohne Furcht /die Hoffnung mich zu sehen / und meine wunderthätige Errettung / von mir selber mündlich / zuerfahren /durch die unerschöpffte Freude / in eurem Hertzen verstärcken / daß euer Polyphilus lebe / und euren Bericht mit nechsten erwarte / auch diß mit eigener Hand an euch geschrieben / damit zu erweisen / daß er / biß er sterbe / bleiben werde

Euer Eyd-Verbundener und

getreuer

Polyphilus.


Die Schrifft war verfertiget: wo aber ist der Uberträger? Die Heimlichkeit ist nicht jederman zu vertrauen / und wünschete sonderlich Polyphilus / daß weder Talypsidamus / noch Macarie / von dem allen ein mehrers verständiget würde / biß er selber gegenwärtig / den gantzen Handel vollkommen erklären könte. Der Ursachen er mit Melopharmis Rath pflegte / wem diese Schrifft zu überbringen unschädlich vertrauet würde.

Es begab sich aber / daß eben damals ein fremder Ritter / Namens Agapistus / dieselbe Strassen reisete /und auf Soletten seinen Fortzug nahm. Dieser hatte vorlängst viel wunderbahre Erzehlung / von dem Schloß / das Polyphilus erlöset / vernommen / deßwegen er verursachet / dasselbe durch gewissere Nachricht zu erforschen / und seine Einkehr in[347] solches zu nehmen; weil ohne dem / das Liecht der Sonnen / welches seine Stralen allgemach / den Himmel / mit einer Purpurnen Abendröthe / bemahlen ließ / ihn erinnerte / daß er die Insul Soletten nicht mehr sehen werde /wofern er sich der gefährlichen Verführung / in nächtlicher Finsternus / nicht getrauen wolte. Er folgte der Warnung / und kam vor das Thor / willens / die Racht allda zu verharren: wie auch allerdings geschahe. Denn / nachdem er bey Atychintida angemeldet / und sich des Ritterlichen Ordens bekennet / wurde er alsobald / in Begleitung etzlicher Soldaten / durch die Thor zum Schloß ein / und für die Königin gebracht: wie solches der Ritter-Gebrauch mit sich bringet. Agapistus nahm alsobald Gelegenheit in gehorsamer Demut / die Hand zu küssen: Atychintida versicherte ihn hingegen ihrer Gnade / legte auch ingleichen den Danck ab / daß er / unter ihrem Schutz / das Nacht-Lager suchen wollen: dagegen Agapistus versetzte /daß er die grosse Künheit / deren er sich dißfalls gebrauchet / allergehorsamst zu entschuldigen hätte /auch um gnädige Vergebung seiner begangenen Grobheit zu bitten: und was dergleichen Höflichkeiten mehr waren.

Als nun / nach abgelegtem schuldigen Gruß und Danck / die Königin den fremden Ritter / mit einem Sitz verehrete / und ferner zu fragen anfieng / woher er käme / und wohin er gedächte / auch dagegen vernahm / wie er gen Soletten eilete / ward sie hoch erfreuet wegen Polyphili / der zum wenigsten Gelegenheit überkommen würde / die Macarien mit einem Gruß zu erfreuen / und den Danck zu übersenden / vor die mithelffende Hand / welche / samt Polyphilo[348] / die Erlösung erworben. Deßwegen sie / vergessend ihrer Königlichen Würden / vor grosser Freud / eilig aufstund / Agapistum denen Anwesenden / nach gebührender Ehre zu bedienen / Befehl gab / und mit flüchtigem Lauf zum Polyphilo kam.

Dieser rathschlagte noch immer fort mit Melopharmis / konte aber nichts errathen. Und da sie die Königin / mit solcher Geschwindigkeit / auf sie zu eilen vernahmen / wurden sie dermassen erschräcket / daß Melopharmis derselben entgegen und zu Fussen fiel /mit der furchtsamen Stimme: Glück sey mit euch und uns / allerdurchleuchtigste Königin! und treffe kein Unfall unsre Freude! deßgleichen Polyphilus / der durch die ungewohnte Eilfertigkeit nicht weniger böses beförchtete / beugete sich / in aller Demut /gegen der Königin / bittende um die Eröffnung ihres Schreckens. Darauf die Königin anfieng: keines Schreckens / sondern einer grossen Freude / die euch /Polyphile! mit uns betrifft. Es ist ein fremder Ritter bey uns ankommen / der morgen auf Soletten gedencket / durch welchen wir bey Macarien / eurer Mithelfferin / den schuldigen Dank ablegen können.

Wie freudiglich Polyphilus erschrocken / kan jederman leicht schliessen; die Begierde mit dem Ritter zu reden / zog ihn der wiederkehrenden Königin / auf dem Fusse nach / deßgleichen auch Melopharmis /und da sie in das Zimmer kamen / bewegte der erste Anblick dieser beyder edlen Jüngling / deren jeder sich selbsten / in des andern Augen sehen konte / die Hertzen dermassen / daß / gleich wie Agapistus / also auch Polyphilus / mit hohem Vertrauen / und hertzbrünstiger Liebe entzündet ward / und ein jeder[349] nichts mehr verlangte / als mit dem andern in genauere Verbindnus zu tretten. Dieses verstärcketen nicht wenig die höfliche Reden / so sie gegeneinander mit so gezierten Worten führeten / daß beyderseits ein kluger Verstand / und eine gelehrte Zung gar leicht zu verstehen war. Sonderlich drehete Polyphilus seine Wort dergestalt / daß sich Agapistus höchlich verwunderte /wie er sein Begehren mit so verdeckter Entbergung ihm wissend machen könne. Und da Polyphilus / nach lang-gepflogener Unterredung allein bey Agapisto zu seyn / wünschete / auch so bald Gelegenheit suchete /mit Vorwenden / daß er ihm die ergötzende Gegend /wie sie ihm von Melopharmis sey gezeiget worden /gleichermassen vorlegen wolle führete er den Ritter /mit sich / auf die Zinne des Schlosses / von dannen Polyphilus seine Augen auf den Mohren Berg konte spielen lassen / und zeigte ihm / neben diesem / alles was das Gesicht erfüllen / und das Hertz erfreuen konte.

Als sie aber durch vielfältiges Gespräch fast bekandt wurden / und Polyphilus das gantze Hertz Agapisti zu kennen meynete / fieng er mit diesen Worten an / ihn zu besprechen: Edler Ritter! die Aufrichtigkeit eures Gemüths / so ich aus euren vertrauten Reden / und sittsamer Bescheidenheit ohnschwer schliessen kan / beweget mich dermassen / daß ich nichts mehr / dann eure Freundschafft verlange /nichts hefftiger / als eure Gewogenheit / wünsche. Zwar darff ich mich nicht zehlen unter den Ritterlichen Orden / weil ich ein Schäfer / und meine Begierde nicht so wohl die Waffen / als Tugend liebet: doch dennoch / weil mich mein freyes Gemüth gleich so fertig in einen Sattel / als hinter das Pult hebet / allwo die[350] Kunst durch Tugend / und Tugend durch Kunst erworben wird: hoffe ich / ihr werdet euch meiner Bitte nicht widersetzen / angesehen / die Pindus-Ritter selbsten denen Waffen-trägern zum öfftern nit nur gleich geschätzt / sondern wohl gar so ferne vorgezogen werden / als weit die Kunst der Gewalt / und die Tugend der Grausamkeit vorgehet. Wolt ihr demnach / edler Ritter! auch unter die gerechnet seyn /welche den Ritters-Adel zugleich durch Kunst und Waffen erwerben / oder durch Tugend erhalten: werdet ihr auch mich zu eurem Freund aufnehmen / wann ihr mich erkennet / daß ich meinen Willen in allen zu üben / und mein Glück / da es von nöthen / so wohl auf gewaltige Art / eines Blut-erzwingenden Gewehrs / als gelinde List der Tugend / zu schützen bereit sey: deßgleichen ich auch von euch mir verspreche.

Diese Red entzündete das Hertz Agapisti mit einer solchen Freudigkeit daß er mit höchster Ehrerbietung / sich gegen Polyphilo neigte / und sich selig schätzte / daß ihn die Glück-gönnende Versehung der Unsterblichen / zu seinem bessern Nutzen / daher geführet. Dann / sprach er / edler Polyphile! euer Begehren / soll nicht minder von mir durch den willigen Gehorsam beehret werden / als rühmlich es ist. Und muß die Ungleichheit unsers Standes / das Band der Freundschafft / so ihr durch euren ersten Gruß / in meinem Hertzen / gebunden / so wenig lösen / als gewiß ich mit euch in gleichem Glück und Willen stehe. Seyd ihr ein Schäfer? ich auch. Liebet ihr Tugend? ich auch Suchet ihr Kunst und Geschicklichkeit? ich auch. Was eure Begierde erwählet / das verlanget mein Wunsch: und was euer Wunsch[351] verlanget / das trifft die Wahl meines Begehrens. Ihr ehret mich vor einen Ritter / und ich selber lasse mich gern davor ehren / allein diese Ehre ist eine Beförderung meiner sichern Reise / die ich um Kunst und Tugend zu erlangen einig angetretten; darum ich mich / mit euch / unter die Pindus-Ritter schreibe / und meinen Kampff nicht so wohl durch Waffen / als die belobte Tugend-Ubungen zu führen suche. Daß ich aber eben dieses / unter einem fremden Namen / zu suchen mich erkühne / zwinget mich die Feindseligkeit der Kunst-hassenden Menschen / bey welchen die Liebe der Tugend so gar erloschen / daß sie nicht nur selber ihre Gedancken lieber zu der weltlichen Eitelkeit lencken /sondern auch andern / deren Sinn sich ihnen nicht gleichet / an ihren Vorhaben verhinderlich zu seyn /sich eussersten bemühen. Dieses eurer Verschwiegenheit zu vertrauen / veranlasset mich das Begehren meiner Freundschafft / die ich hiemit übberreiche /und euch als den Liebsten meiner Lieben / in mein Hertz aufaufnehme / mich schuldig erkennend / euch zu gehorsamen / und eurem Willen zu folgen. Mit diesen Worten / überreichte er dem Polyphilo die Hand: Dieser hingegen empfieng ihn mit einem Kuß / welcher beyder Hertzen dergestalt meinander fügete / daß ihr eines Wünschen / eines Wollen / eins Begehren /mit dem theuren Eyd der Treu und Beständigkeit / den Freundschaffts-Bund / zusamt der Verpflichtung aller Dienst und Müglichkeiten / aufrichtete / und vest verwahrete.

Die Gedancken Polyphili waren sehr bemühet /dem klugen-Beginnen Agapisti nachzuforschen / und was sie erfunden / das stärckete immer mehr[352] und mehr das Vertrauen: bevorab / da er Agapistum gleiches Standes mit ihm erkannte. Alsbald gedachte er / ihm zu eröffnen / was bißher geschehen / und wie er in den Tempeln sey unterwiesen worden / welches auch seinen Wunsch befriedigen könne: allem die finstere Nacht / und bereitete Tafel / endigte das Gespräch /und forderte sie beyde / das Abendmal zu nehmen. Deßwegen sie / in Begleitung etzlicher Hof-Diener /herunter steigen / und wiederum zur Königin eingehen musten.

Der gantze anwesende Hof-Comitat empfieng den fremden Ritter / nach Landes-Gebrauch / und da die gebührende Höflichkeiten vollbracht / wurden sie in der Ordnung / wie oben gedacht / zur Tafel gesetzt /ohne daß Agapistus den Sitz Melopharmis einnahm /und also gerad gegen Polyphilo über / der die lincke Seiten der Königin beschloß. Unter währendem Mahl fieng die Königin an / dem fremden Ritter / alles nach der Länge zu erzehlen / was Polyphilus verrichtet /und aus wie grosser Bedranguns er sie erlöset: welches sie mit so beschönten Worten ausdrücken konte /daß Agapistus leicht verstehen mochte / es geschehe diß / den Ruhm Polyphili zu mehren / und ihre schuldige Danckbarkeit zu erweisen. Polyphilus hingegen /dem diese Gelegenheit nicht erwünschter kommen können / fieng / mit höflicher Widerrede / sich vielmehr verpflichtet zu seyn / an zu bekennen / in dem er durch solche Hülff / ihm selbsten den grösten Nutzen erworben / da er durch die Tempel / von denen hoch-verständigen Kunst- und Sitten-Lehrern sey geführet worden: welches er gleichfals mit solchen Worten heraus streichen konte / daß Agapistus leicht verstehen[353] mochte / es sey diß der Sitz und eine Wohnung seines Verlangens / und könne er an keinem Ort besser / denn allhier / vergnüget werden. Daher trieb ihn auch die Begierde / als er vernahm / mitten unter den Weisen zu seyn / und die Hoffnung / er werde gleicher Ehr und Unterricht mit Polyphilo theilhafftig werden /daß er sein Vornehmen völlig eröffnete / wie ers dem Polyphilo in Geheim vertrauet hatte. Fieng auch an /seine Wort zu bekräfftigen mit dem / daß er jetzo Willens gewesen / die Solettische Tugend-Göttin zu grüssen / davon er viel Wunder und herrliche Ding vernommen / die ihm zu glauben / ohne die selbst-bewährte Erfahrung / unmüglich wären.

Drey Hertzen wurden auf einmal / und durch diß eine Wort / gleich als von einem Donner erschröcket. Die Königin wegen des fremden Ritters / den sie beförchtete / dem Polyphilo verhässig zu werden; Melopharmis wegen Polyphili / in dem sie das Feuer des Eyfers scheuete: Polyphilus aber / wegen der Königin / deren Verdacht er nicht entgehen würde / als wäre das geheime Gespräch / so er mit dem Ritter gehalten / bloß auf Macarien / und ihre Würden gerichtet gewesen. Deßwegen die Königin / deren Furcht die grösseste war / weil sie gleichwol eine heimliche Wissenschafft um die Liebe Polyphili hatte / folgender Gestalt anfieng: Edler Ritter! Es wundert mich / daß auch ihr / wie andere mehr / euch von dem nichtigen Geschwätz unverständiger Richter so bethören lasset /daß ihr die jenige eine Göttin heisset / an deren ihr doch das nicht finden werdet / was ihr suchet. Wisset ihr / was menschliche Schwachheit vermag / so werdet ihr ingleichen / eurem gesunden Verstand nach /schliessen / was diese / davon ihr redet /[354] in ihrem Wandel verübe / weil auch sie unter die Zahl der Sterblichen gehöret. Meines Erachtens / ists eine blosse Einbildung der Menschen / die ihrer Freyheit / in den Ruhm dessen / was sie lieben / mehr gestatten /als sie wissen / daß die Würde erfordere. Darum ich /in Warheit / unnöthig achte / so ihr / keiner andern Geschäffte halber Soletten zu sehen / verlanget / daß ihr euer Reise ferner fortsetzet. Wolt ihr Kunst und Tugend sehen oder lernen / könnt ihr dieselbe / mit besserm Ruhm und mehrerm Nutzen / bey den Göttern / als Menschen finden. In dem ich für allen diesen Polyphilum rühmen muß / der nicht auf Soletten /sondern sich zu unsern Tempeln genähert / die von den Unsterblichen selber erbauet / menschliche Unwissenheit zu unterweisen: wie er dann die Erfahrung allbereit mit eigenen Worten bezeuget. Verlanget ihr nun / edler Ritter! gleiches Glücks zu geniessen / wird euch nichts abgeschlagen seyn / und stehet euch frey bey uns aufzuhalten / so lang euch beliebet: aber mit dem Beding / daß ihr eure nichtige Hoffnung / nicht mehr auf die Solettische Göttin setzet / und derselben Unvollkommenheit unserer Himmels-Würde vorziehet.

Jetzt solte eins das erzürnte Hertz Polyphili abbilden / er müste gewiß eine Gluth voll Eyfers / und einen Feuer-Ofen voll erzürnter Hitze mahlen / so gar mochten die feurige Wangen / die blau-gefärbte Lefftzen / der eyfrende Mund / die brünstige Augen / und das erbitterte Hertz / nicht ruhen / daß es die Ehre seiner tausend-schönen Macarien / in seinem Beyseyn solte schänden lassen. Nein / sprach er / Königin / sie thut unrecht / in dem sie Agapistum von[355] dem Weg seiner Wolfahrt abhalten will. Ich selbsten habe das Glück erlangt / den Preiß der Insul Soletten zu sehen /und die Vollkommenheit dieser Wunder-bereichten Tugend-Göttin zu erkennen / und wundere mich noch jetzo über deren Vortrefflichkeit / die unter den Menschen himmlisch / und in dieser Welt Göttlich zu nennen. Deßwegen ich euch / mein Freund! Krafft unserer Treue dahin zu eilen / ermahne / und spreche / daß ihr / ohne hohe Verwunderung / nicht wiederkehren werdet.

Was hätte Atychintida darum geben / daß sie stillgeschwiegen? Nichts schmertzete sie mehr / als daß sie Zorn verdienet / da sie Gunst erwerben wollen /deßwegen sie auch / voller Betrübnus / nach dem ihrem Mund das Stillschweigen gebot. Melopharmis aber / die nicht wenig über den Gegen-Satz Polyphili erschrack / und eben auch wenig wuste / was sie dencken solte / fieng doch ungesäumt an / dem Polyphilo seinen Fehler zu zeigen / und die Königin zu schützen / in dem / daß sie alles das / die Solettische Göttin nit zu verachten / geredt / sondern aus tragender Furcht / es möchte / wie ihrer viel / Agapistus Tugend suchen / und Laster finden / weil sonderlich auch der Ruhm dieselbe ziere / daß ihre unvergleichliche Schönheit / alle die / so sie erblicken / in die Gefängnus der Liebe werffe / und ihrer Freyheit beraube. Ja freylich / fieng Atychintida an / habe ich in dem Verstand geredt / weil ich wol weiß / daß sie der Ausbund und der Kern aller Tugend: aber auch zugleich ein reicher Schatz vollkommener Schöne ist / der so bald gefället / als er die Augen gewinnet: Darum habe ich Agapistum / allda Tugend zu suchen[356] / ermahnen wollen / wo er dieselbe / ohne der beförchtenden Gefahr der Liebe / finden könne.

Polyphilus / dem sein gefasster Zorn dennoch nicht weichen wolte / fieng dagegen an: ob sich viel verlieben / hat doch diese Tugend-gezierte Göttin das Hertz / daß sie nicht wieder liebe. Doch dem sey / wie ihm wolle / ihr / Agapiste! habt freyen Willen zu thun / was ihr wollet. Mit welchen Worten Polyphilus aufstund / und mit gezwungener Freundlichkeit Urlaub nahm / in heimlichem Grimm aber auf sein Zimmer zueilete.

Melopharmis folgete ihm auf dem Fuß nach / und da sie allein waren / straffete sie den Zorn Polyphili mit solchen Worten / daß die Forcht alle Boßheit leicht verjagte / und er zufrieden seyn muste / daß ihm nur Melopharmis die Gelegenheit / seiner Macarien zu geniessen / nicht wiederwillig verderbte. Es trieb auch der schmertzhaffte Kummer die furchtsame Königin hernach / welche Polyphilo / mit höchster Betheurung ihrer Unschuld / den Zorn zu entnehmen /sich bemühete; wie dann geschahe / so bald sie die rechte Ursach / warum sie das geredt / entdeckete: ohne / daß Polyphilus versetzte / warum er auf Agapistum einen Eyser setzen solle / wegen dieser Göttin /die er doch nicht weiter liebe / als was er ihrer Tugend schuldig sey / daher eben der Zorn entstanden. Ja! fuhr er fort / wann er von meiner Deliteen etwas solches erwähnet / hätte michs zu einem Mißtrauen verführen sollen: allein dieser wegen lasset ihn ziehen /wohin ihm beliebet.

Das aber alles sagte Polyphilus / ihren Argwohn wegen Macarien zu verhüten / und sein Begehren / in Begrüssung Talypsidami / zu befördern:[357] welches auch Melopharmis so bald merckete / daß sie von Stund an Gelegenheit suchte / mit der Königin allein zu reden /und dem fremden Ritter / die Erlaubnus der Abreise zu erbitten.

Es schickte sich aber eben / daß Agapistus auch herzu kam / um zu vernehmen / was die Ursach wäre /daß Polyphilus so zeitig aufgestanden; dessen Gegenwart / die Königin / samt Melopharmis / den Abtritt zu nehmen verursachete.

Agapistus / dem die plötzliche Röte im Gesicht Polyphili einen Argwohn einiges Widerwillens erwecket / fieng mit freundlichen Geberden den Polyphilum an zu fragen / was ihm widriges vorkommen? welcher antwortete / daß er sich eben ereyfern müssen / über die Unbillichkeit der Königin / welche das / was sie nie gesehen oder erkennet / verachten dörffen. Glaubet mir / fieng er weiter an / treu-verbundener Agapiste! werdet ihr die Solettische Göttin sehen / so werdet ihr himmlische Würden / Göttliche Gaben / und die Vollkommenheit der Tugenden selber sehen /darum lasset euch den Weg nicht dauren: Kommet aber wieder zu uns / und bekräfftiget die Warheit meiner Wort / mit eurem Zeugnus / dessen ich gewiß bin / daß es nicht fehlen wird. Eins aber ist euch noth / daß ihr Gelegenheit überkommet / sie zu sehen / welches schwerlich geschehen wird / wo ihr nicht einen vertrauten Freund gewinnet / der euch den Zutritt eröffne. Nun daß ihr sehet / was die erste Frucht unsers Verbündnusses seyn sol / will ich euch an Talypsidamum / meinen Eyd-verdundenen Freund schicken / und für euch bitten / daß er euch / wie mir /die Gelegenheit erwerbe / die Göttin zu sehen. Ihr müsset aber meinen Dienst mit[358] keiner Untren versetzen / sondern allerdings reden / wie ich euch vertraue / und schweigen / was mir schaden kan. Talypsidamus / zusamt der Göttin / leben der gewissen Meynung / ich sey todt / und haben mich die Wellen ersäufft: darum dörfft ihr wol sagen / ich lebe; ihr dörfft gestehen / daß ihr mit mir geredt; ihr dörfft eröffnen /daß ich so nahe sey / daß mich noch der Abend zu ihr führen könne: aber / wo ich sey / wie ich lebe / und auf was Weise ich errettet worden / verschweiget biß zur andrer Zeit / und bejahet nichts von allen dem /was die Konigin von meinen Verrichtungen / und ich von den Tempeln erzehlet. Mit dem Beding will ich euch diesen Brief an Talypsidamum überreichen und bitten / daß ihr unverwaigerte Antwort an diesen Ort bringet; auch Talypsidamo nichts anders antwortet /als daß die Pflicht / damit ihr mir verbunden / euch Verbot gebe / den Ort zu eröffnen / biß ich selber zugegen.

Das alles gefiel Agapisto so wohl / daß er allem dem zu gehorsamen / mit Mund und Händen versprach / auch die Widerkehr auf folgenden Tag zusagte: bedanckte sich ingleichen / daß er ihn zu seinen treuen Botschaffter erwählet / und durch diß Mittel /des grossen Glücks theilhafftig mache / die von allen gepriesene Tugend-Göttin gegenwärtig zu grüssen /ihn versichrende / daß er alles nach seinem Begehren beobachten / und mit solcher Sorgfalt verrichten wolle / wie ers selbsten thun würde / wann er im Gegentheil sein / Agapisti / Vertrauen bedienen würde.

Klüglich war / in Warheit / alles diß angefangen /und hätte sichs nicht füglicher anstellen lassen / als daß dieser Seiten Verschwiegenheit / die Unwissenheit[359] jenes theils nicht verständigen dorffte: jenes Erforschung aber / dieses Unwissenheit / gleich behütet / nicht erkündigen kunte. Nur das war noch verhinderlich / daß Agapistus wieder der Königin Zulaß nicht abziehen dörffte / wolt er anderst den Namen eines undanckbaren Gastes verwehren. Selbst auch Polyphilus bauete vor / daß / ob Agapistus / Polyphilo zu Gefallen / der Königin zuwider handeln wolte /er doch ihren Beyfall erwartete; deßwegen sie beyde rathschlagten / wie sie ihr Vornehmen zu Werck richten möchten. Dann / gedachte Polyphilus / widerstrebet Agapisius der Königin Befehl / darff er nicht künlich widerkehren / und erhalt ich keine Antwort Auch hätte Polyphilus gerne gesehen / daß Agapistus / nach dem / völlig an dem Hof der Königin bliebe / damit er theils Weißheit erlernen / theils auch um und bey ihm seyn könte / so lang ihn sein Glück oder Unglück allda zu halten gesinnet.

Da sie nun beyde in diesen Gedancken bemühet waren / und aber keinen tüchtigen Rath erfinden konten / kam Melopharmis / und verkündigte Polyphilo heimlich / daß sie mit der Königin / wegen der Abreise Agapisti geredt / und sie dahin bewogen / daß sie /um Polyphilum zu befriedigen / Agapistum nicht nur gerne ziehen lassen / sondern gar ziehen heissen werde / und / mit einem ansehligen Geleit / biß auf Soletten führen / damit er desto gewisser widerkehre: wolte nun Polyphilus ihm den Brief trauen / könte die Abreise morgen / mit dem frühesten / geschehen; er soll aber alles wohl bestellen / daß nicht jrgend eine Schalckheit / unter der Treu / verhorgen liege.

Polyphilus dessen hoch erfreuet / antwortete / daß[360] der Brief schon vertrauet / und die Abrede allerdings klüglich und vorsichtig geschlossen sey; bedanckte sich auch der gehabten Mühe / und bat ferner / seinem Begehren behülfflich zu seyn / und setzte hinzu / wie ers vor eine grosse Gunst erkenne / daß Atychintida so willfährig sey / hoffe doch / sie werde nicht wissen / was er suche: selbiges auch ferner zu verhüten /bitte er / das Geleit / vor dißmal / innen zu behalten /weil es mehr hinderlich / als förderlich seyn würde. Nach eurem Willen / antwortete Melopharmis / ich wills wieder berichten: und damit nahm sie Urlaub von ihnen / wünschte dem Agapisto eine glückselige Reise / und hieß sie beyde wol ruhen. Indessen quälete noch immer fort die Furcht der Boßheit Polyphili /der Königin Hertze so gar / daß sie auf alle Mittel und Weg bedacht war / wie sie seinen Grimm wenden könne. Es fiel ihr aber bey / daß Polyphilus ein sonderer Liebhaber der Nacht-Musie sey / darum sie folgendes Gedicht verfertigte / und an die ergötzliche Faden der Lauten knüpffen ließ / auch von denen Saiten-Zwingern / vor seinem Zimmer / im folgenden Thon /in die Lufft opffern.


Wie wunderlich ist doch des Himmels Schluß?

der nicht pflegt / wie der Mensch / zu schliessen:

was uns gefällt / ist offtmals ihm Verdruß /

gesegnet / das wir möchten grüssen;

was hefftig wir begehren /

das will er nicht gewähren /

wie wunderlich ist doch darum des Himmels-Schluß?

der / für verlangtes Wohl / nichts schicket als Verdruß.


2. Wie viele wünschen offt zu haben das /

was sie annoch nicht haben können?

wie viele wollen wieder / weiß nicht was /

das doch der Himmel nicht will gönnen?[361]

viel wollen gerne lieben /

und keiner sich betrüben /

da doch die Lieb in Leid / selbst nach des Himmels-Schluß /

der anderst schliesst / als wir / erhalten werden muß.


3. Wie viele rühmen auch der Freyheit Schatz /

und wählen doch im Joch zu leben?

verschertzen ihre Macht auf einen Satz /

die sich der Liebes-Macht ergeben /

und ihre Freyheit hassen /

vor Liebe / Leid anfassen /

weil in dem Liebes-Joch der wundre Himmels-Schluß /

gleich Leid und Freud beschliesst / Ergötzung und Verdruß.


4. Drum mercket alle diß / wer hertzlich liebt /

wird schmertzlich sich auch stets betrüben:

denn diesen Schluß der Himmel selber gibt /

daß nicht der Wunsch soll stets verüben /

mit gutem Glück / sein Dichten /

noch in dem Werck verrichten.

Drum ist sehr wunderlich der wunder Himmels-Schluß /

der / für verlangtes Wohl / offt schicket nur Verdruß.


Quelle:
Maria Katharina Stockfleth: Die Kunst- und Tugend-gezierte Macarie, 2 Bände, Band 1, Nürnberg 1669, S. 341-362.
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