I

[229] Gartendunkel, ferne Musik, Menschenwirren.


SIE. Herrschen?!

ER roh. Herrschen!


Sie lacht.

Er betroffen.

Sie läuft lachend fort.

Er starrt nach.


MÄDCHEN aus dem Dunkel berührt seinen Arm. Du.


Er starrt.


MÄDCHEN gekränkt. Du.

ER gleichgültig. Ich.


Mädchen stampft zornig.

Er stampft.


MÄDCHEN vor ihm. Quälen.


Er lacht auf.

Mädchen schluchzt.

Er umarmt.

Mädchen lehnt an.


WEIB tappt, leise. Du Horcht, preßt die Hände auf die Brust. Du.


Lauscht.


ER aus dem Dunkel, leichthin. Ich?!

WEIB befreit. Ich Tastet seine Hand.


Er legt den Arm um.


WEIB schauert, haucht. Du?

ER beugt zärtlich. Du?

WEIB wehrt. Ich.

ER zärtlich scherzig. Ich?! Küßt.


Weib haucht.


ER stark, über ihr. Ich.


Weib atmet hoch.

Er küßt heiß.


WEIB birgt. Ich habe Angst.


Er lacht spöttisch.

[229] Weib atmet schwer.


ER führt sie spöttelnd. Angst.


Weib geht schwach in seinem Arm ins Dunkle.

Sie kommt nachdenklich, steht, schaut um, schreitet, sinnt, horcht.

Schrei flieht raschlig.


ER tritt vor, herrisch. Wer? Faßt ihre Hand.

SIE ruhig. Mann?

ER drohend. Weib?!

RUFEN aus den Büschen. Schatz? Näher schmeichelnd. Schatzi!?

SIE ruhig. Rufen.

ER erschreckt. Ich?!

DIRNE hüpft aus dem Dunkel, stutzt, späht Ihr ins Gesicht, schlägt frech die Hände ineinander. Du.


Sie löst die Hand und entfernt sich langsam.


DIRNE höhnt. Die?! Rüttelt ihn frech lachend. Du?!


Reißt und wirft an, küßt und kugelt mit ihm ins Gebüsch.


SEUFZER aus dem Gebüsch. Ich!

DIRNE horcht auf. He?!

SEUFZER. Ich!

DIRNE springt auf und raschelt den Strauch. Wer?

SEUFZER. Ich!

DIRNE stampft. Nu Dich!

STIMME. Führe mich nicht in Versuchung.

DIRNE stampft. Nu Dich!

STIMME. Führe uns nicht in Versuchung.

DIRNE kreischt wütend. Diiich!


Schrei schrickt.


DIRNE reißt wild das Gebüsch. Verrückt?! Zerrt die Beterin aus dem Busch.


Beterin die Hände auf der Brust gefaltet.


DIRNE schüttelt wütend. Dich!

BETERIN ergeben. Ich.[230]

DIRNE pufft und stößt, höhnt. Du!

BETERIN wimmert. Beten.


Er tritt wehrend dazwischen.


DIRNE wild, höhnisch. Du! Du! Du! beten beten beten Schüttelt ihn, läuft in kreisches Lachen fort. ik ik ik ik schrei mir dod! ik schrei!


Beterin zittert, die Hände gekrampft.


ER faßt ihre Hände, weich. Du.

BETERIN wiederholt mechanisch bewegungslos. Ich.


Er küßt.


BETERIN ohne Bewegung. Beten.


Er umarmt und küßt.


BETERIN ängstet. Du.

ER lacht, küßt, hebt hoch und trägt fort. Ich! beten.

DIRNE zerrt Sie. Hier! Schaut um. nu nich! Lacht auf, reißt den Busch auseinander in schamloser Lache.


Beterin gellt hoch.

Er die Beterin im Arm.


DIRNE stößt sie auf die beiden zu. Dich.


Beterin schluchzt die Hände vors Gesicht.


DIRNE stößt die Beterin fort, umschlingt Ihn wild und küßt. Ich bete.


Er stößt sie mit beiden Händen fort.


DIRNE empört. Du? Höhnt grell auf. mir Du? Lacht grell und stößt Sie auf Ihn. Du! der! Dich Läuft in kreisches Lachen fort.


Er aufrecht.


BETERIN stammelt entsetzt auf Sie. Ich gehe! gehen Bleibt.


Sie aufrecht vor ihm.


ER stemmt die Arme, kraftbewußt, trotzig. Ich!

SIE lächelt und wendet, leicht aber bestimmt. Ich! Geht langsam.

ER hastet neben Sie. Du?

SIE lächelt. Du?


Er stolpert.


SIE lächelt. Steine.[231]

ER stolpert. Dich!

BETERIN geht nach, zupft ihn. Du!

ER neben ihr, heiß. Du!

SIE schreitet fragt. Ich?!

ER stolpert ihr nach, wild erregt. Dunkel Dunkel Dunkel!

BETERIN hinter ihm. Du Du Du Steht verzweifelt, blickt nach, läuft, tappt in den Garten, in langem Aufschrei. ooooo.

LÄRM, GESCHREI, MENSCHENWIRREN RUFE. Wo? wo?


Menschenmenge wogt ran.


BETERIN in Jammer. O Lehnt an einen Baum.

DIRNE lacht grell. Der? die?

JÜNGLING stößt scherzend die Beterin. Du.


Dirne schupst lachend die Beterin auf den Jüngling; sie hängt einen Mann ein.


WEIB am Arm ihres Mannes, zitternd. Gemein! gemein!


Beterin stößt den Jüngling von sich.


JÜNGLING lacht. O.

MÄDCHEN in Hast. Wer?


Jüngling umarmt das Mädchen.

Mädchen schreit.

Junge Burschen lachen um sie.


KELLNER bricht durch die Menge. Er hat nicht bezahlt.

GEJOHLE. Der! der!


Gelächter, Durcheinander strömt ab.


WEIB am Arm des Mannes zitternd. Gemein.

MANN ruft. Licht! mehr Licht!

BETERIN UND MÄDCHEN eng aneinandergeschmiegt hinter dickem Baum. Was sagte der?

BETERIN zittert. Ich!

MÄDCHEN zittert. Ich!

DIRNE mit ihrem Galan. Der Saubock Zieht fort.

BETERIN faßt das Mädchen an der Hand. Komm!


Licht flammt auf.

Leben im Garten.

Musik.
[232]

Quelle:
August Stramm: Das Werk. Wiesbaden 1963, S. 229-233.
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