III

[235] Warte, Eisgipfel blicken.

Er beobachtet.

Sie steht hinter Ihm.


ER ruft. Mich.


Sie legt die Hände auf die Schultern.


ER schreckt und wehrt. Hände.


Sie schrickt und faltet.

Er beobachtet.


ER ruft. Mich.

SIE weh. Ich.

ER widerspenstet heftig. Mich.


Mich verschlafen.


ER zärtlich. Mich.

ER zärtlich. Der Stern?

MICH erwacht. dein Stern?!

ER summt, lächelt zärtlich, echot. Mein Stern!

MICH tritt zu ihm an den Beobachter. Dich!

ER klangsuchig. Mich.[235]

MICH schaut auf, legt die Hand auf seine Schulter, betont. Dich!


Er schauert.


MICH. Ja, ich sah den Stern! Dich! dein Stern, ich nenn ihn Dich. Du barst ihn aus dem Weltall! Dich!


Er schauert in sich.

Mich nimmt die Hand fort, zärtlich streichig.


ER schauert, sehnt. Die Hand!

MICH kindlich staunig. Was!

ER kauert. Hände!


Sie geht hinaus.


MICH wirrt nach. Mutter?

ER erwacht, unwissend sinnt. Mutter?!

MICH verängstet. Vater?

ER schrickt wehklagend. Vater.

MICH schmiegt an. Vater.

ER legt den Arm um. Du bist Mich!

MICH zärtlich. Du Mich!

ER steht auf, reckt, wehklagig. Nichts.

MICH zärtlich sorgig. Was Du?

ER zuckt, klagt. Du? Du? Mich?

MICH schweigt, schmiegt, sorgt, ruhigt. Was Du? Du? Mich? ich?

ER spannt schwer, reck, trotz, wach. Ich kann nicht was ich will.

MICH birgt den Kopf an seiner Brust. Du Können Wollen Können Du!

ER spannt unband. Ich will! ich will! ich will!

MICH kindlich. Was willst Du??


Er reckt um, packt, reißt in wilden Kuß.


MICH taumelt, klammert, wehrt, wirrt, schreit. Vater!

ER jäh, rast, packt, schleudert, flucht. Vater!


Mich stürzt in Aufschrei.


SIE tritt ein, starr. Vater!

ER rast. Du?! Du?

SIE ohne Bewegung, tonlos. Du?[236]

ER rast. Ich! ich will! will!

SIE reglos, tonlos. Will.

ER starrt, wacht, schüttert in Weh. O wollen können wollen können wollen.


Sie tritt zwischen Ihn und Mich.

Mich zittert, schleppt, kriecht raus.

Er starrt Sie.

Sie reglos.


ER Trotz, Wut, Entsetzen. Starre! starre! ich!

SIE reglos tonlos wendet klagend. Mich! Mich.


Er starrt, schlägt die Hände vors Gesicht, schüttert, reckt, starrt.


SIE. Deine Tochter.


Er lahmt.


SIE haucht. Deine!

ER weht. O Mich! o Mich!

SIE harrt. Dich!

ER klanglos, tonlos. Mich Bricht auf. ich kann was ich will, ich will was ich kann. Ich muß was ich will.


Legt die Faust auf den Hebel.


SIE hält die Hand. Du!

ER rast, Wut. Du.

SIE mahnt hart. Du!

ER maßlos. Du? wer bist Du? bist Du?

SIE schüttert, starkt fest. Ich.

ER unband. Dich! Dich!


Sie schüttert furchtbar, wankt, hält krampfhaft seine Hände.

Er höhnt in gelles Lachen und ringt mit Ihr.


SIE wankt, hält krampfhaft die Hände, Entsetzen, Grausen, Weh. Die Hände, Hände, deine Hände.

ER gellt in reckes Lachen. O meine, meine Mich! Reißt los, wendet zu den Instrumenten, hantiert. so ward ich einsam Fährt um in furchtbarem Ausbruch. ich! ich!

ER maßlos zu ihr. Du ohne Mich! Du ohne Dich! Du ohne ich!![237]

SIE will sprechen, zerflattert, stürzt zu Boden, kauert den Kopf zu Erde geschüttert, stammelt. Du!

ER fährt hoch, horcht auf, stutzt, reckt in gewaltiges Lachen, weist ab, roh, wild, rase. Du! Stößt den Fuß, bricht das Wimmern zu Boden, wirft mit gewaltiger Aufregung den Hebel herunter, jubelt, siegt. ICH!


Schreie flirren schwirren türmen bergen haufen pressen sticken zittern strecken sterben flirren.

Brausen Sausen Donnern Beben.

Abgrund.

Rasen.

Nacht.


Quelle:
August Stramm: Das Werk. Wiesbaden 1963, S. 235-238.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Jean Paul

Titan

Titan

Bereits 1792 beginnt Jean Paul die Arbeit an dem von ihm selbst als seinen »Kardinalroman« gesehenen »Titan« bis dieser schließlich 1800-1803 in vier Bänden erscheint und in strenger Anordnung den Werdegang des jungen Helden Albano de Cesara erzählt. Dabei prangert Jean Paul die Zuchtlosigkeit seiner Zeit an, wendet sich gegen Idealismus, Ästhetizismus und Pietismus gleichermaßen und fordert mit seinen Helden die Ausbildung »vielkräftiger«, statt »einkräftiger« Individuen.

546 Seiten, 18.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon