[539] Diese Lebenserinnerungen will ich hier abbrechen; ich kann es nicht mehr Leben nennen, was meine Tage zwischen dem 10. Dezember 1902 und heute gefüllt hat. Zwar habe ich dem übers Grab hinaus gegebenen Befehl gehorcht und weitergearbeitet, zwar habe ich am Webstuhl der Zeit noch viel von jenem roten Faden gesehen, dem mein Sinnen und Sehnen gilt. Ich werde davon auch noch erzählen, aber nicht in einem Zuge mit den anderen persönlichen Dingen, die hier verzeichnet stehen. Auch liegen die Ereignisse der letzten Jahre noch zu nahe, um eine perspektivische Betrachtung zu gestatten.
[540] Da meine Laufbahn aber noch nicht mit jenem Trauerdatum abschließt, da ich noch nicht, wie's in jenem Testamente heißt, »ans Ende der kurzen Lebensstation angelangt bin«, so werde ich noch manches über den weiteren Verlauf der Bewegung mitzuteilen wissen, in der ich meine Lebensaufgabe gefunden habe. In den letzten sechs Jahren haben sich in dem Kampfe zwischen Kriegs- und Friedenssache bedeutende Phasen abgewickelt: die französischenglische Entente; die Serie der einander folgenden Schiedsgerichtsverträge (darunter einige ohne die bekannten Einschränkungen); der Ausbruch und die furchtbaren Peripetien des Russisch-Japanischen Krieges; der Zwischenfall von Hull, bei dem durch die Anwendung der Haager »Untersuchungskommission« ein Weltbrand abgewendet wurde; die Aktion Roosevelts zur Herbeiführung des ostasiatischen Friedens; das Eintreten der nordamerikanischen Gruppe in die Interparlamentarische Union; die aufsteigende Wolke zwischen England und Deutschland; die Verscheuchung derselben durch die von den Pazifisten hervorgerufenen internationalen Korporationsbesuche; die weitere Verteilung der Nobelpreise; das Auftreten und die Spenden A. Carnegies für Friedenszwecke; die krieglos durchgeführte Trennung von Schweden und Norwegen (der erste solche Fall in der Geschichte); die Lehren der russischen Revolution; der neuerliche Vorschlag des Premiers Campbell-Bannerman zu einer Einigung, die Rüstungen einzuschränken; die Einberufung der zweiten Haager Friedenskonferenz; die Interparlamentarische Konferenz in London, zu der zum erstenmal russische Parlamentsmitglieder sich einfanden, aber wegen Auflösung der Duma wieder abreisen mußten (La Douma est morte, vive la Douma ...); die Arbeit und Kongresse des Allgemeinen Frauenbundes für Frieden und Schiedsgericht unter dem Präsidium der Lady Aberdeen; die zweite, diesmal von sechsundvierzig Staaten beschickte Haager Friedenskonferenz, mit dem von den Zweiflern und Gegnern weiter hineingetriebenen Keil, der den Charakter dieses Weltparlaments in Kriegsregulierungsassisen umwandeln soll; die trotzdem aus dem Geist der Sache resultierenden und von den anwesenden Anhängern geförderten günstigen Ergebnisse dieser Konferenz; das glanzvolle Auftreten der südamerikanischen Staaten dabei; die beschlossene Kontinuität dieser internationalen Zusammenarbeit; die Fortschritte der Antiduellbewegung, der sich als Förderer die Könige von Spanien und Italien anschlossen; die auf den Sozialistenkongressen gefaßten Beschlüsse zur Bekämpfung des Krieges; die sich mehrenden »Ententen« – in welchen die Anhänger der alten Weltanschauung und mit ihnen fast die gesamte[541] Presse aggressive Allianzen »mit der Spitze« gegen Dritte wittern, die aber in Wirklichkeit nur neue Maschen des im Entstehen begriffenen Netzes der friedlichen Weltorganisation sind; die Eroberung der Luft – das weltumwälzendste Kulturereignis der letzten Jahrhunderte, in dem Kurzsichtige auch nichts anderes sehen als eine nützliche Waffe zum Schleudern von Explosivstoffen, während es die Hinwegfegung von Grenzen, Festungen und Zöllen in sich trägt; daneben die unseligen Balkanstaaten, wo es schon jahrelang von Raub und Mord und »Atrocités« wetterleuchtet und das Kriegsgewitter täglich niedergehen kann.
Von all diesen Dingen habe ich mich nicht ferngehalten; in meinen Tagebüchern, Notizen, Dokumenten und Korrespondenzen ist ihre Chronik verzeichnet. In diesen letzten sechs Jahren bin ich noch viel in der Welt herum- und mit interessanten Menschen zusammengekommen. Vier Winter hintereinander habe ich mehrere Wochen als Gast des Fürsten von Monaco auf seinem Felsenschlosse zugebracht und da mit hervorragenden Personen aus Fürsten-, Gelehrten-, Diplomaten- und Künstlerkreisen verkehrt: eine Reise nach Amerika brachte mich mit Roosevelt zusammen und eröffnete mir Fernsichten in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten oder vielmehr, wie es sich mir darstellt – der überwundenen Unmöglichkeiten. Von Kongreßversammlungen habe ich seither mitgemacht: die Friedenskongresse in Boston, in Luzern, in Mailand, in München; den Frauenkongreß in Berlin. Als Gast beigewohnt den Interparlamentarischen Konferenzen von Wien und London. Mit den alten Kollegen kam ich immer wieder zusammen, und neue Arbeiter an der gemeinsamen Sache sah ich auftauchen: Richard Barthold, Gründer der amerikanischen Gruppe; Sir Thomas Barclay, der eifrige Mitförderer der englisch-französischen Entente; Lubin, der Initiator des Agrikulturinstituts in Rom; Bryan, der jetzige Präsidentschaftskandidat der Vereinigten Staaten. Die großen Dienste konnte ich verfolgen, die der Friedensbewegung in Deutschland durch Pfarrer Umfrid, durch Professor Quidde geleistet worden, sowie auch durch – ich kann sie nicht alle nennen. Im Jahre 1905 habe ich, begleitet von Miß Alice Williams, eine Vortragstournee durch 28 deutsche Städte gemacht. Im Frühjahr 1906 mußte ich nach Christiania reisen, um dort den für die Nobelpreisträger obligaten Vortrag in Gegenwart des Königs Hakon und des Storthings zu halten. Daran schloß sich die Bereisung von Schweden und Dänemark. Endlich im Jahre 1907 habe ich, geradeso wie acht Jahre früher, die Konferenzzeit im Haag zugebracht und ebenso [542] über alle Verhandlungen, Persönlichkeiten und gesellige Veranstaltungen genaues Register geführt. Alle diese Erlebnisse, Eindrücke, Briefe und Aktenstücke können einst die hier abgebrochenen, auf die Entwicklung der Friedensbewegung bezughabenden Erinnerungen ergänzen, und man wird sie – wenn ich nicht früher Anlaß zu ihrer Veröffentlichung nehme – in meinem Nachlaß finden.
Was die nächste Zukunft auf diesem Gebiete bringen wird, wird die bescheidenen und verborgenen Anfänge an Bedeutung und Tragweite noch überragen. Die Bewegung ist – ohne daß die Mitwelt es weiß – weit über den Kreis der Vereine, der Resolutionen, der persönlichen Tätigkeit einzelner Personen hinausgetreten; sie ist zu einem Weltanschauungs- und Weltordnungskampf geworden. Aus den Händen der sog. »Apostel« ist sie in die Hände der Machthaber und in die Geister der erwachenden Demokratie übergegangen; an ihr wirken – unbewußt, daß sie gerade dahin wirken – hunderterlei verschiedene Kräfte. Es ist ein mit Naturgewalt sich vollziehender Prozeß, eine langsam wachsende, neue Organisation der Welt. Die nächste Etappe steht als etwas ganz Konkretes, ganz Erreichbares, von aller theoretischen und ethischen Allgemeinheit Losgelöstes da: Die Bildung einer europäischen Staatenunion.
Was immer die Anstrengungen des alten Systems noch sein mögen, so tollhäuslerisch hoch auch die Vorräte der gegenseitigen Vernichtungsinstrumente noch aufgetürmt werden, so furchtbar auch noch an einzelnen Stellen kriegerische Rückfälle vorkommen können – ich fürchte kein Dementi in den Geschichtsbüchern der Zukunft, wenn ich hier sage:
Der Völkerfriede ist auf dem Wege.
Und wenn auch heute noch viele von diesen Prophezeiungen und von der ganzen Sache sich abwenden – gleichgültig, gähnend, achselzuckend, als handle es sich um etwas Unwirkliches, Nebensächliches, Marottenhaftes –, so wird doch gar bald, wenn einmal das lautlos und unbewußt sich Vorbereitende in die Erscheinung tritt, das allgemeine Verständnis dafür erwachen, daß diese Sache bewußte Mitarbeit fordert, daß sie die größte Aufgabe der fortschreitenden menschlichen Gesellschaft umfaßt – mit einem Worte, daß sie »das Wichtige« ist.
Im Juli 1908.
1 Später, und infolge dieses Besuches, mit dem Prinzen Louis Murat, Prinz Achilles' jüngstem Bruder, vermählt.
2 Obenerwähnter Fluß, der Tzchenitz-Atzchali (der Hippus der Klassiker), bildet die Grenzscheide Mingreliens und Imerethiens.
3 Hier irrte mein Korrespondent: Professor Sueß denkt nicht anders, als er sich äußert. Eduard Sueß ist einer unserer tiefsten Geister und edelsten Charaktere.
4 »On n'humanise pas la guerre, on la condamne parce qu'on s'humanise«, sagt Frédéric Passy.
5 Titel des ersten im Kaukasus spielenden Romans von A. G. v. Suttner.
6 Die Sehnsucht nach und der Glaube an Veredlung ist Religiosität. B. S.
7 Abkürzung für Dunelmanis, der lateinische Name für Durham. Es ist gebräuchlich, daß die englischen Bischöfe mit dem lateinischen Namen ihrer Diözese unterzeichnen.
8 Ein Artikel von Björnson, worin dieser erzählt: »Eine deutsche Dame, die Braut eines deutschen Offi ziers, befand sich auf einer Reise in Norwegen. Man sprach mit ihr über den nächsten möglichen Krieg um Elsaß-Lothringen, und jemand sagte, es wäre am besten, Elsaß-Lothringen könnte über sich selbst nach seinem eigenen Willen bestimmen. Da antwortete die deutsche Dame: ›Eher müßten zwei Millionen Soldaten und mein Bräutigam unter ihnen auf der Walstatt liegen!‹«
9 Minister von Roggenbach.
10 Sitzung vom 10. Juni 1893. B. S.
11 Im Verlaufe dieser Rede hat Gladstone die hier nicht zitierte Aeußerung getan: Der Militarismus sei in der Tat ein fürchterlicher Fluch für die Zivilisation. B. S.
12 Daß aus diesem Provisorium sich ein Definitivum entwickeln würde, war wohl die berechtigte Hoffnung des Antragstellers.
13 Sie wird auch heute (1908) noch nicht gehört – die Vernunft –, weil sich ihr das mächtige Sprachrohr der politischen Tagespresse verschließt.
14 »In Bekämpfung des sozialen Elends, in Veredlung und Hebung der Massen, in Ethisierung aller Stände,« würde man heute sagen. B. S.
15 Wie sengend heiß sollten diese Strahlen doch noch brennen in Transvaal und in der Mandschurei! (Anmerkung von 1908. B. S.)
16 Das geschieht heute noch ebenso. (1908. B. S.)
17 Vom 3. Oktober 1895 bis 1. Januar 1896 erstreckte sich die erste Serie der Metzeleien. Von seiten der Armenier hat, wie aktenmäßig festgestellt wurde, keinerlei Provokation stattgefunden. Trotzdem wurden 85.000 Menschen erschlagen, ca. 2300 Städte und Dörfer verwüstet, über 100.000 Christen zwangsweise zum Islam bekehrt und 500.000 dem Hunger preisgegeben. B. S.
18 Im Jahre 1904 besuchte mich Herr von Nepluyew in Wien. Er war sich und seinem Apostolate treu geblieben. Es war ihm auch gelungen, die Zarin dafür zu interessieren. Sein Wunsch war, daß die Friedensgesellschaften allerorten solche Bruderschaften im Volke ins Leben rufen mögen – doch, abgesehen von allem anderen, dazu fehlen den Gesellschaften vor allem die Mittel.
19 Unser alter Freund, der temperamentvolle Literaturstürmer aus München, seit kurzem in den Reichstag gewählt.
20 Als Gegensatz zu dieser Auffassung, welche unter den philantropischen Finanzgrößen nicht geläufig ist, setze ich folgenden Brief hierher:
Geehrteste Frau Baronin!
Ihre werte Zuschrift vom 19. ds. habe ich das Vergnügen gehabt zu erhalten. So hoch ich auch das Werk schätze, welchem Sie sich mit einer so aufopfernden Tätigkeit widmen, bedaure ich doch, zu demselben nicht fördernd beitragen und dem Wunsche, welchen Sie ausdrücken, nicht nachkommen zu können. Die große Zahl der Anforderungen, welche zugunsten von humanitären Anstalten an mich gerichtet werden, macht es mir unmöglich, alle zu berücksichtigen. Sie werden es daher, geehrte Frau Baronin, begreiflich finden und es mir auch nicht verargen, wenn ich solchen Vereinen den Vorzug gebe, welche nicht bloß ein ideales Ziel vor Augen haben, sondern praktische, ins Leben eingreifende Zwecke verfolgen.
Genehmigen Euer Hochwohlgeboren, mit dem Bedauern, nicht in der Lage zu sein, Ihnen eine zusagende Antwort zu erteilen, bei diesem Anlaß den Ausdruck meiner ausgezeichneten Gesinnungen und Hochachtung.
Bn. N. Rothschild.
21 Geheime Rückversicherung mit Rußland.
22 Auch – wie ich aus anderer Quelle erfahren – vom König selber.
B. S.
23 Ich bemerke, daß die Teilung des Prämiums weder dem Wortlaut des Testaments noch den mir wohlbekannten Absichten des Testators entspricht. B. S.
24 Ein Verein »Entente cordiale« zur Verbesserung der franco-englischen Beziehungen auf die Initiative des Deputierten Thomson und Hon. Ph. Stanhope unter Vorsitz Lord Dufferins.
25 In der Festung von Montjouy wurden die des Anarchismus Angeklagten gefoltert. Ein Brief, datiert 11. März und gezeichnet Sebastian Sunjé, adressiert an »alle guten Menschen des Erdballs«, drang in die Oeffentlichkeit: »O, bei allem, was Euch heilig ist – entreißt uns den Händen unserer Henker! –« Aber leider, »die guten Menschen des Erdballs« sind nicht organisiert, nicht mobilisierungsbereit. Sie können nur schaudern.
26 »Schach der Qual«. Ich hatte den Wunsch gehabt, das Kapitel »Frohbotschaft« (Einberufung einer Regierungskonferenz) dem Zaren unter die Augen zu bringen. B. S.
27 Die Waffen nieder, VII. Jahrgang, S. 344.
28 Die Waffen nieder, VII. Jahrgang, S. 377.
29 Post hoc ist nicht propter hoc. Wenn es mich auch freute, zu hören, daß der Zar mein Buch kurz vor dem Erscheinen des Manifestes gelesen, so war ich stets überzeugt, daß eine lange Kette vieler Einflüsse, unter welcher derjenige einer Romanlektüre nur ein ganz minimaler gewesen sein kann, einer solchen Aktion vorangegangen sein muß. Später habe ich erfahren, daß besonders das Werk Blochs einen tiefen Eindruck auf den Zaren gemacht; damals vermutete ich, daß Professor Martens das Dokument mit inspiriert habe, und schrieb ihm darüber. Seine Antwort lautete:
Villa Waldeuse près Wolmar
(Livona) le 9 septembre 1898.
Madame la Baronne,
Je m'empresse de vous présenter mes remercîments les plus sincères pour l'aimable lettre en date du 4 ct., dont vous m'avez honoré. Je ne sais pas jusqu'à quel point mon enseignement a pu enfluencer Sa Majesté l'Empereur ou ses conseillers dans la noble tâche qu'ils ont posée aux gouvernements et aux nations du monde civilisé.
Je n'ai pris aucune part directe dans le célèbre rescrit du 12 (24) août, demeurant depuis quelques mois dans mon bien, au Livonie, loin de la capitale.
Mais c'est avec la plus vive sympathie et la plus sincère admiration que j'ai applaudi à la généreuse démarche, faite par mon Auguste Maître pour le bien-être et la bonheur de toutes les nations civilisées.
Quant aux notes bibliographiques, je me ferai un devoir de vous les communiquer après la réunion de la »conférence de la paix«. Dans ce moment-ci je suis trop occupé par mes affaires de service.
En renouvelant mes remercîments très respectueux, je vous prie, Madame la Baronne, de vouloir bien agréer l'assurance de ma très haute considération.
Martens.
30 Ein Vertrag ohne jegliche Einschränkung. (Anmerkung von 1908. B. S.)
31 Tatsache ist, daß wenige Tage darauf der Streitfall dem Schiedsspruche der Königin von England unterbreitet wurde. Später haben die beiden Republiken miteinander einen ständigen Vertrag geschlossen, jede künftige Streitigkeit vor das Haager Tribunal zu bringen und haben infolgedessen ihre Rüstungen eingeschränkt, ihre Kriegsschiffe verkauft. Zum Andenken an dieses Abkommen wurde auf einem Gipfel des Grenzgebirges – die Anden – eine riesenhafte Christusstatue aufgestellt. (Anmerkung von 1908. B. S.)
32 Es war nicht sein erster Brief an mich. Wenige Monate früher hatte der junge Egidy mich aus weiter Ferne mit folgendem Schreiben überrascht und erfreut:
S. M. S. »Seeadler«.
Tulléor (Madagaskar), 20. April 1898.
Gnädige Frau Baronin!
Als erster deutscher Seeoffizier, der nach dem siebziger Kriege vom Bord eines Kriegsschiffes aus heute französischen Boden betritt, erlaube ich mir, Ihnen diesen ehrfurchtsvollen Gruß zu senden.
Es ist keine große politische Aktion, die uns hierherführt, aber die Tatsache an sich, daß deutsche Kriegsschiffe wieder französische Häfen anlaufen, ist symptomatisch und wird von Ihnen gewiß mit Genugtuung begrüßt; deshalb wollte ich mir die Freude nicht versagen, Ihnen von derselben Kenntnis zu geben.
Es drängt mich, gnädige Frau, Ihnen bei dieser Gelegenheit den Dank des Sohnes auszusprechen für die treue »Waffen« brüderschaft, die Sie dem Vater halten – ich weiß, wie wertvoll sie für ihn ist und wie dankbar er sie empfindet.
Mit der Bitte, mich Ihrem Herrn Gemahl gehorsamst zu empfehlen, bin ich
Ihr hochachtungsvoll ergebener
Moritz von Egidy, Leutnant zur See.
33 Die Stelle aus meinem Nachruf, auf die hier angespielt ist, lautete:
Das Bewußtsein, daß ein Egidy da ist, das war ein so beruhigendes, stärkendes, frohes Bewußtsein. Wir hatten ihn: dieser Besitz war gleichsam wie der Besitz eines Scheckbuches. Brauchte man irgendwie Stütze, Stärkung, Mithilfe in einem geistigen Kampf, in einem ethischen Dilemma – man brauchte den Scheck nur vorzuweisen: Egidy honorierte ihn rasch und bar. Immer das richtige Wort, die schwankungslose Gesinnung, der schlackenreine Menschenadel. Mochte man noch so sehr von allen Seiten hören: »Die Welt ist schlecht, jeder denkt nur an sich – es wird nicht besser – es gibt keine klaren Pflichtbegriffe, keine geraden Tugendwege,« da konnten wir ruhig lächeln ... das ist nicht wahr: Es ist ein Egidy da!
34 Die Haager Friedenskonferenz, Tagebuchblätter von Bertha v. Suttner. Dresden und Leipzig, E. Piersons Verlag. 2. Auflage 1901. Preis M. 2. –.
35 Meine Nichte Maria Louise war mit uns im Haag.
36 Damit ist die Schrift gemeint, mit deren Abfassung, laut Beschluß der Interparlamentarischen Konferenz von 1894, Chevalier Descamps und H. Lafontaine betraut wurden und die im Auftrag der Interparlamentarischen Konferenz von 1895 im Namen der Union an sämtliche Regierungen versandt wurde.
37 Nichts von den späteren Einschränkungen der »vitalen Interessen« und »Ehre der Nationen«. (Anmerkung von 1908.)
38 Ueber den Verlauf dieser Krise vergleiche: »Aus meinem Diplomatenleben« von Andrew D. White. (Voigtländers Verlag 1906 S. 417 ff.)
39 Anspielung auf den Jules Verneschen Kapitän Nemo, der immer zur rechten Zeit den Kindern des Kapitän Grant hilft und den wir uns scherzweise zum Schutzpatron zugelegt hatten.
40 Generalstabsarzt Richard Chimani, ein langjähriger Freund und Gutsnachbar.
41 Autorisierte Uebersetzung von A. H. Fried. Berlin, Boll & Pickardt.