Flaggenlied

[439] In einer kleinen Ecke

da ist dein Flaggenreich.

Du wehst auf dem Verdecke

wohl übern großen Teich.

Du wehst am Steuerruder

und in Amerika;

du bist ein armes Luder,

weißt nicht, wie dir geschah –

Republik!

Republik!

Hast du das gewollt?

Schwarz die Reichswehr.

Weiß die Zelle.

Rot die Schande.

Kehre um!

Kehre um!

Zu Schwarz-Rot-Gold!


[439] In Rio de Janeiro

da steht ein Stammtisch rund.

Dran sitzt der Caballero

und schimpft dich auf den Hund.

Und nun trägst du die Farben,

die einen Krieg geschürt,

die uns schon mal verdarben

und in den Tod geführt –

Republik!

Republik!

Hast du das gewollt?

Kehre um!

Kehre um!

Zu Schwarz-Rot-Gold!


Die ihr bis jetzt geschlafen:

seid ihr nun endlich wach?

In jedem großen Hafen

bekommt ihr eins aufs Dach.

In jedem fernen Lande

umflattert euch der Hohn

und zeigt der Welt die Schande

von deutscher Reaktion –

Republik!

Republik!

Hast du das gewollt?

Schwarz die Reichswehr.

Weiß die Zelle.

Rot die Feme,

Kehre um!

Kehre um!

Zu Schwarz-Rot-Gold!


P. S. Im übrigen ist das gar nicht so wichtig.

Zum ersten Mal firmiert ihr richtig –!


  • · Theobald Tiger
    Die Weltbühne, 18.05.1926, Nr. 20, S. 773.

Quelle:
Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 4, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 439-440.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Gryphius, Andreas

Leo Armenius

Leo Armenius

Am Heiligen Abend des Jahres 820 führt eine Verschwörung am Hofe zu Konstantinopel zur Ermordung Kaiser Leos des Armeniers. Gryphius schildert in seinem dramatischen Erstling wie Michael Balbus, einst Vertrauter Leos, sich auf den Kaiserthron erhebt.

98 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon