Schwäbische Kunde

[207] Als Kaiser Rotbart lobesam

Zum heil'gen Land gezogen kam,

Da mußt' er mit dem frommen Heer

Durch ein Gebirge, wüst und leer.[207]

Daselbst erhub sich große Not,

Viel Steine gab's und wenig Brot,

Und mancher deutsche Reitersmann

Hat dort den Trunk sich abgetan.

Den Pferden war's so schwach im Magen,

Fast mußte der Reiter die Mähre tragen.

Nun war ein Herr aus Schwabenland,

Von hohem Wuchs und starker Hand,

Des Rößlein war so krank und schwach,

Er zog es nur am Zaume nach,

Er hätt es nimmer aufgegeben

Und kostet's ihn das eigne Leben.

So blieb er bald ein gutes Stück

Hinter dem Heereszug zurück;

Da sprengten plötzlich in die Quer

Fünfzig türkische Reiter daher,

Die huben an, auf ihn zu schießen,

Nach ihm zu werfen mit den Spießen.

Der wackre Schwabe forcht sich nit,

Ging seines Weges Schritt vor Schritt,

Ließ sich den Schild mit Pfeilen spicken

Und tät nur spöttlich um sich blicken,

Bis einer, dem die Zeit zu lang,

Auf ihn den krummen Säbel schwang.

Da wallt dem Deutschen auch sein Blut,

Er trifft des Türken Pferd so gut,

Er haut ihm ab mit einem Streich

Die beiden Vorderfüß zugleich.

Als er das Tier zu Fall gebracht,

Da faßt er erst sein Schwert mit Macht,

Er schwingt es auf des Reiters Kopf,

Haut durch bis auf den Sattelknopf,

Haut auch den Sattel noch zu Stücken

Und tief noch in des Pferdes Rücken;

Zur Rechten sieht man wie zur Linken

Einen halben Türken heruntersinken.

Da packt die andern kalter Graus,

Sie fliehen in alle Welt hinaus,

Und jedem ist's, als würd ihm mitten

Durch Kopf und Leib hindurchgeschnitten.

Drauf kam des Wegs 'ne Christenschar,[208]

Die auch zurückgeblieben war,

Die sahen nun mit gutem Bedacht,

Was Arbeit unser Held gemacht.

Von denen hat's der Kaiser vernommen,

Der ließ den Schwaben vor sich kommen,

Er sprach: »Sag an, mein Ritter wert!

Wer hat dich solche Streich gelehrt?«

Der Held bedacht sich nicht zu lang:

»Die Streiche sind bei uns im Schwang,

Sie sind bekannt im ganzen Reiche,

Man nennt sie halt nur Schwabenstreiche.«


Quelle:
Ludwig Uhland: Werke. Band 1, München 1980, S. 207-209.
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