Scena prima.

[260] Gott vater, Abram, Sarai.


GOTT VATER.

Abram, ich sag dir itzt zuhandt,

Zeuch balt aus deines vaters landt,

Darzu auch von deiner freundtschafft

Und von deiner gantzen erbschafft

Inn ein landt, ich dir zeigen wil,

Ich wil dich machen gros und vil,

Wil dich segnen inn allen sachen,

Einen grossen namen machen,

Du solt auch selbst ein segen sein,

Wil segenen, die dich gar fein

Segenen, und vorfluchen gar,

Die dich vorfluchen gantz vorwar,[260]

Inn dir soln gesegnet werden

Alle geschlecht auff der erden.

ABRAM.

Ich dancke dir, mein lieber Gott!

Hast mich erlöst aus aller nodt,

Genommen aus dem bösen landt,

Dem ist auch nichts dann sündt bekandt,

Und weil ich hie her bin komen

Gen Bethel, hab ich vorgenomen,

Mein hütten, darzu dein altar

Auffzurichten, das ich alldar

Mit meim opffer dich lob und preis,

Im ghorsam mich alzeit beweis,

Und dancke dir, meim lieben Gott,

Das du mir auch hilffst frü und spot.

GOTT VATER.

Abram, ein teurung kumpt ins landt,

So mach dich auff auch allzuhandt

Und zeich hin inn Egipten nein,

Dann ich wil alzeit mit dir sein.

ABRAM.

Als ich inn Egipten war komen,

Wart mir vom König genomen

Mein liebes weib; doch, lieber Gott,

Hast sie behüt vor aller not.

Der König hat sie mir wider geben

Und auch gros geschenck darneben,

Und als ich nu mit meiner hab

Gen Canaan auch kam hinab,

Desgleich mit mir mein bruder Loth,

So hastu uns, mein lieber Gott,

Mit unser hab also gsegnet,

Das wir erfüldt han diese gegent,[261]

Mit fiehe, gesindt gemehret schon,

Des danck ich dir im höchsten tron.

GOTT VATER.

Abram, von deiner wonung drath

Sich hin noch mitternachtes stadt,

Gegen mittag, gegen den morgen,

Gegen den abend unvorborgen,

Dann al das landt, das du auch syst,

Wil ich dir geben zu der frist

Und deinem samen ewiglich

Und wil ihn machen sicherlich

Wie staub auff der erden zwar,

Den so ein mensch kan zelen dar,

So wert er dein Samen zelen,

Den ich von dir thu erwehlen.

ABRAM.

Ach mein Gott, wie sol ich doch dir

Dancken vor dy gnad, die du mir

So mannchfeltig thust beweisen,

Dich kan ich nicht genug preisen,

Dann als Loth itzt war gefangen,

Hab ich ihn thun wider langen

Mit deiner hülff, du lieber Gott,

Brachts ihn und al die sein aus nodt,

Des dancken wir dir billich sehr,

Hast uns gehulffen aus beschwer.

GOTTVATER.

Abram, ich sag dir, fürcht dich nicht!

Ich bin dein schildt alzeit gericht,

Darzu auch dein sehr grosser lon.

ABRAM.

Herr, was wiltu mir geben nohn?[262]

Dann sich, ich gehe dohin auch zwar

An kinder; mein knecht Eleasar

Von Damasto, der hat ein Suhn,

Der sol auch sein mein erbe nun.

GOTT VATER.

Der knecht sol nicht dein erbe sein,

Sünder, der von dem leibe dein

Geporen wert, dein Erbe sey,

Und ghe hinnaus und zele frey

Die Stern am himel, kanstus zwar?

So werstu deinen samen dar

Auch zelen, so dirs müglich ist.

Das sag ich dir zu aller frist.

ABRAM.

Gott, weil du mich noch nie hast

Vorlassen, gleub ich solches fast

Gantz aus meinem hertzen grundt

Und danck dir des zu aller stundt.

GOTT VATER.

Weil du das gleubst auch gantz und gar,

So bistu grecht gantz offenbar.

SARAI.

Ach Abram, du mein lieber herr,

Du sichst, das ich bin zu alt, mehr

Von mir kan nicht geporn werden

Der Heiland aller auff erden,

Wie dir Gott auch vorheischen hat.

Darumb ich bit, nim an mein stat

Die Hagar, meine magt, zum weib,

Villeicht möcht sie von deinem leib

Mir auch gepern einen son,

Den vorheischen samen also schon.


Quelle:
Dramen von Ackermann und Voith. Tübingen 1884, S. 260-263.
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