Dritter Aufftrit.


[155] Roland. Cyriax. Lampert. Storax. Pomponius und andere Beysitzer die nichts zu reden haben.


ROLAND. Sind die Herrn beysammen? die Zeit ist mir trefflich lang worden / daß wir uns in einer wichtigen Sache / die ich selber nicht weiß / miteinander berathen können.

POMPONIUS. Ja ihr Ehrenvesten / wir sind beysammen / und es wird heute gar einen schweren Raths- Tag geben.[155]

ROLAND. Macht mir des Wesens nicht zu viel untereinander. Der Herr Beysitzer da will was vorbringen / der hat den Vorzug.

CYRIAX. Ihr Ehrenveste / was mein Vorbringen ist / das wird der Herr Kirchschreiber schon wissen. Wo er den Vortrag thun will / so werden wir nicht viel dabey zu reden haben.

ROLAND. Nun Herr Kirch-Schreiber will er reden / so thue ers mit Bescheidenheit / und bedencke sich wol / ob er auch alles beweisen kan.

POMPONIUS. Ehrenveste / kunstreiche / tugendsame Herren / nach löblichen Gebrauch und Herkommen / also mit Gunst zu sprechen / frage ich / ob mir vergönnet ist zu reden;

ROLAND. Ich frage die Herren Beysitzer / ist es ihm vergönnet zu reden?


Sie schreyen alle miteinander / ja ja / es ist ihm vergönnet.


POMPONIUS. Ehrenveste / kunstreiche / tugendsame Herren / weil mir die Vergünstigung zum erstenmahl geschehen ist / so frage ich also mit Gunst nach alten Gebrauch und Herkommen zum andernmahl / ob mir vergönnet ist zu reden.

ROLAND. Also mit Gunst nach alten Gebrauch und Herkommen werden die Herren Beysitzer zum andernmahl gefraget / ob dem Herrn Kirchschreiber vergönnet ist zu reden.


Sie schreyen alle / nach alten Gebrauch und Herkommen ist ihm vergönnet zu reden.


POMPONIUS. Also mit Gunst / nach altem Gebrauch und Herkommen frage ich zum drittenmahle ob mir vergönnet ist zu reden.

ROLAND. Die Herren Beysitzer werden zum drittenmahl gefraget / also mit Gunst nach alten Gebrauch und Herkommen / ob dem Herrn Kirchschreiber vergönnet ist zu reden.


Sie schreyen alle zusammen: Ja / ja mit Gunst etc.


ROLAND. Nun so redet fein bescheidentlich / fein erbar und bedächtiglich: Last euch weder Liebe noch Leid verführen / und bedenckt / daß ihr einen Richter vor euch habt / der sich mit keinem Worte betriegen und vexieren läst.

POMPONIUS. Ehrenveste / kunstreiche / tugendsame Herren / also mit Gunst und Bescheidenheit will ich aufftreten / und will so in einer kürtzlichen Weitläufftigkeit berichten / was mir vor einer halben[156] Stunde begegnet ist. Es kamen zwey fremde Herren / und brachten in aller gehorsamen Unterthänigkeit bey mir an / daß sie ohn allen Zweiffel aus der wunderbahren Schickung deß lieben GOttes zwey Jungfern aus unser Gemeine freyen und nach Gelegenheit zu Kirchen und Strassen führen wollen. Weil sie nun zu diesem Wercke das Bürger-Recht an unserm Orte von nöthen haben / daß sie vor redliche Leute erkennet / zu künfftigen Erbschafften gelassen / und dermahleins mit ansehnlichen Ehren-Aemptern können bedacht werden: So haben sie meine Wenigkeit gar sehr gebeten / daß ich ihre Ehrenvesten die Bitte vortragen / und in ihren Nahmen um das Bürger-Recht anhalten soll. Sie versprechen als fromme Unterthanen und Bürger sich zu halten / mit uns zu heben und zu legen und in Wasser und FeuersNoth der gantzen lieben Gemeine treulich bey zu stehen. Und also werden ihre Ehren-Vesten das wichtige Werck überlegen und mir armen Manne die Freude gönnen / daß ich bey den fremden Herrn vor die gute Post ein hübsches Trinck-Geld verdiene.

ROLAND. Wir habens verstanden / daß 2. hübsche Leute bey uns um das Bürger Recht anhalten. Könnt ihr euch aber besinnen / daß wir vor diesem auch dergleichen gethan haben.

POMPONIUS. O ja / ich habe in meiner Chronica nachgeschlagen: Jn 100. Jahren seyn gleichwol drey fremde bey uns zum Bürger-Rechte kommen.

ROLAND. Haben sie auch ihre Geburts-Brieffe auffzuweisen?

POMPONIUS. Ach sie haben mehr Brieffe / als wir alle miteinander verlangen.

ROLAND. Aber wir kennen die Leute nicht: Herr Kirch-Schreiber wolt ihr gut davor seyn / daß sie uns anstehen?


Sie fangen alle an zu schreyen: Ja ja es muß jemand gut davor seyn.


POMPONIUS. Die Kerlen seyn gelehrt / ich halte das ihr Lateinisch übeer 1000. Rthlr. wehrt ist. Sie werden uns manchmahl aus einer Noth helffen / und wir wollen nun den stoltzen Nachbarn ein bißgen besser gewachsen seyn.

ROLAND. Es ist wahr / wir haben manch Lateinisch Wort vor 4. Groschen bezahlet; Bey der schweren Zeit könten wir so viel Geld wol in der Gemeine behalten. Nun was meinen die Herren Beysitzer?


[157] Sie schreyen alle / ja ja sie sollen gleich das Bürger-Recht bekommen / mit Gunst nach alten Gebrauch und Herkommen.


ROLAND. Nun so last sie herein kommen / wir wollen sie gleich einschreiben und schweren lassen.

POMPONIUS. Ehrenvester Herr / so mit Gunst und um Verzeihung / wie wäre es / wenn wir sie irgend in 8. Tagen liessen wiederkommen?

ROLAND. Was heute geschehen kan / das dürften wir nicht erst in acht Tagen thun.

POMPONIUS. Ehrenveste Herren / so um Verzeihung / die Leute werden doch viel Lateinisch untermengen / und ich werde müssen antworten. Nun ist mir die gelehrte Sprache nicht so geläufftig / als einem / der alle Tage lateinisch redt. Daß wir nun gleichwol auf dem Rath-Hause bey Ehren bleiben / so wolte ich zuvor etliche Tage zu meinem Herren Gevatter auf Lemmers-Walde reisen. Der ist ein Magister und wird wohl was Lateinisches überley haben. Da wird hernach die Sache fein erbar ausgeführt werden.

ROLAND. Ihr Herren Beysitzer / habt ihr was dabey zu erinnern?


Sie schreyen alle: Des lieben Lateinischen wegen sollen sie warten biß über acht Tage. Der Herr

Kirch-Schreiber wird sie schon berichten.


POMPONIUS. Es soll geschehen: Ich will den Vortrag schon so künstlich einrichten / daß sie gar wohl sollen zufrieden seyn.


Die Beysitzer werden in der Scene verborgen.


Quelle:
Komödien des Barock. Reinbek bei Hamburg 1970, S. 155-158.
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