8. Als er sich unter fremdes Frauenzimmer machen solte

[34] 1.

Ich will bey meinem Mädgen bleiben,

Ich hab die Briefe nicht davon,

Daß ich mich soll an ein andre reiben,

Drum geb ich auch kein Bottenlohn.

Und danck es keinem gar zu viel,

Der mich zu andern führen will.


2.

Ich habe manche liebe Stunden

In leerer Hoffnung zugebüst,

Ehe ich es in der That befunden

Daß sie mein Mädgen worden ist;

Drum lenck ich auch mein Angesicht

Nunmehr zu keiner Fremden nicht.


3.

Ich weiß von aussen und von innen

Was ihr Gemüth im Schilde führt,

Und bin gewiß, daß sie die Sinnen

Mit lauter Freundligkeit regiert,

Sie ist belieblich zart und schön,

Was solt ich dann zu andern gehn?


4.

Offt hertzt ein Fremder eine Ziege

Und sieht sie vor die Venus an,

Weil er dieselbe nach der Gnüge

Bald erstlich nicht erkennen kan,

Und weil ein Schleyer und die Nacht

Die schlimmste Magd zur Jungfer macht.


5.

Und wann ich gleich was schönes küsse,

So ist mirs dennoch unbekand:

Ach nein! ich nehme das gewisse,[34]

Und denck, ein Vogel in der Hand

Ist besser als ein gantzes Dutzt

Das noch in freyem Felde stutzt.


6.

Wer sich nur gern will verhindern

Der suche seine Liebe weit,

Es ist doch wahr an frembden Kindern

Verderbt man alle Freundlichkeit.

An fremden Hunden wendet man

Die Suppen gar vergebens an.


7.

Ich bleibe nun wo meine Liebe

Sich erstlich hat hervor gethan,

Und da ich endlich keine Diebe

Zu meinem Schaden fürchten kan.

Ein ander suche was er will,

Von meinem Mädgen halt ich viel.

Quelle:
Christian Weise: Der grünenden Jugend überflüssige Gedanken, Halle a.d.S. 1914, S. 34-35.
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