4. Der lustige Spaß-Galan

[15] 1.

Auf die Melodey, Jungfer Ließgen weiß es wohl, etc.


Es steht in der Welt doch auß der massen fein,

Wann zwey junge Leute recht vertreulich seyn!

Sie sind drum nicht flugs verliebt,

Wann sie gleich von Hertzen

Freundlich können schertzen.


2.

Manchem Mädgen wird was böses zugedacht,

Wann sie etwan mit den Junggesellen lacht,

Doch darum kein Bein entzwey:

Wer fragt nach den Schwencken

Was die Leute dencken?


3.

Ein rechtschaffnes Büfgen das versteht doch wol,

Was es bey der Mädgen Freude dencken soll.

Wer nicht Schimpf und Ernst versteht,

Wird mit schlechtem Frommen

Von dem Mädgen kommen.


4.

Wann man gleich einander noch so freundlich heist,

Und wohl gar die Armen ineinander schleust;

Darff ein Büffgen gleichwohl nicht

Auff verliebte Sachen

Sich die Rechnung machen.


5.

Ach wie schlägelt mancher armer Spaß-Galan,

Der sich in die Freundligkeit nit finden kan,

Und der allen Zeitvertreib

Vor ein Liebes-Zeichen

Heimlich will vergleichen.


6.

Nein fürwar, beym Frauenzimmer gehts so nicht,

Wann das lose Mäulgen gleich mein Liebgen spricht,

Ist es drum nicht so gemeint,

Als müst er vor allen[15]

Ihr so wohl gefallen.


7.

Ich bin endlich allen feinen Mädgen gut,

Und bin gerne da man schön und freundlich thut;

Doch bild ich mir nichts ein.

Wann ich gleich die süsse

Gegengunst geniesse.


8.

Endlich, wer verschwiegen ist der geht noch hin,

Hat er sonsten gleich nicht einen hohen Sinn.

Stille, fromm, und lustig seyn

Kan die Junggesellen

Niemahls sehr verstellen.


9.

Ach wohl dem der in der Jugend lustig ist,

Eh er in dem Alter allen Spaß vergist!

Doch die Liebe brauche man

Nur zum blossen Possen,

Sonst ist man geschossen.

Quelle:
Christian Weise: Der grünenden Jugend überflüssige Gedanken, Halle a.d.S. 1914, S. 15-16.
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