2. Man sol mässig seyn

[159] 1.

Zuviel, zuviel, zuviel, was hat euch so besessen,

Daß ihr nichts anders schertzt,

Als daß ihr immer hertzt,

Wo ihr einander wolt in einer Woche fressen,

So wird ein blosses Kinderspiel

Zuviel, zuviel, zuviel.


2.

Zuviel, zuviel, zuviel, wollt ihr euch so vergnügen,[159]

Ihr habts zwar gute Macht,

Indessen seyd bedacht,

Wie mancher hat den Wein selbst in dem Keller liegen,

Und trinckt doch nicht, so offt er wil

Zuviel, zuviel, zuviel.


3.

Zuviel, zuviel, zuviel, was wird ein Gärtner sprechen,

Wann man zu keiner Zeit,

Ohn allen Unterscheid,

Die angenehme Lust der Blumen wolte brechen.

Drum geht und trefft das rechte Ziel,

Zuviel, zuviel, zuviel.


4.

Zuviel, zuviel, zuviel, ein Koch, der alle Sachen

In lauter Zucker setzt,

Kan mehrentheils zu letzt,

So gut es erstlich schmackt, den grösten Eckel machen,

Drum braucht einmahl ein ander Spiel,

Zuviel, zuviel, zuviel.


5.

Zuviel, zuviel, zuviel, ihr müst euch selbst verstören,

Weil ihr die Finger leckt,

Und weils am besten schmeckt,

So ist es allezeit am besten auffzuhören,

Wo man die Lust erhalten wil,

Zuviel, zuviel, zuviel.


6.

Zuviel, zuviel, zuviel, ihr müst euch etwas zecken,

Ihr müsset, auff den Schein,

Ein bißgen böse seyn,

Da müst ihr sauer sehn, da müst ihr euch verstecken,

So spielt man sonst das Liebe-Spiel,

Zuviel, zuviel, zuviel.


7.

Zuviel, zuviel, zuviel, folgt mir und lernet spahren

Denn hab ich keine Frau,

So weiß ich doch genau,

Wo Bartel Most bekömmt, und habe viel erfahren.

Drum folge, wer da folgen will,

Zuviel, zuviel, zuviel.

Quelle:
Christian Weise: Der grünenden Jugend überflüssige Gedanken, Halle a.d.S. 1914, S. 159-160.
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