CAP. XII.

[68] Nach diesem gedachte unsere Compagnie weiter zu reisen, als der Wirth bat, sie möchten doch etlichen vornehmen Leuten in seinem Garten Gesellschaft leisten, es hätte der junge Stutzer gegen über eine Collation angestellt, und sey zwar viel Frauenzimmer gebeten, doch möchte er sonst niemands bekanntes dabey haben. Dann es sey ein alter Doctor von 60. Jahren, der habe sich in ein Mädgen verliebt, und wolle gern allein bey ihr seyn, daß ihn kein ander Bürgers-Sohn abstechen möchte. Nun wolte zwar Gelanor die Leute gerne eigentlich kennen lernen: Doch meynte er, es möchte bey dem Wirth nur ein Ehren-Wort seyn, und bedanckte sich also auffs beste.[68] Immittelst muste der Mahler hinauß lauffen, und zusehen, ob nicht im Hause darneben Gelegenheit wäre, daß man den artigen Liebhabern könte in die Karte sehen. Dieser kam zurücke, mit der Zeitung, es wäre ein Garten hart darbey, da man durch einen geflochtenen Zaun nicht allein alles hören könte: sondern es wäre auch ein bequem Gartenhaus, das etliche Fenster gegen dem Garten zu hätte, hierauf liessen sich Gelanor, Florindo und Eurylas nicht lang auffhalten, und traffen in dem Garten eine alte Wittfrau an, welche sie mit aller Höffligkeit empfieng, mit dem Erbieten, sie möchten alles nach ihrem Gefallen gebrauchen. Sie nahmen es zu Danck an, und baten, man möchte nur die Thür zuschliessen, und sie allein ihrer Lust gebrauchen lassen, es solte schon ein gutes Trinck-Geld erfolgen. Aber wer wolte nun so viel Papier verklecken, als die Eitelkeit erforderte, deren sie in dem andern Garten mehr als zu viel ansichtig worden. Da war lauter Höffligkeit, lauter Complimenten, lauter Liebe. Der Tisch war mit dem besten Confect besetzt, etliche Mägde und Jungen hatten nur zu thun, daß sie Zucker in den Wein thaten. Der junge Kerle selbst trenschirte die Kirschen, und machte lauter Affen-Gesichter darauß. Der Alte fraß nichts als Mandelkerne, und hatte in einem heimlichen Büchsgen Confectio Alkermes, die lapperte er so stillschweigend mit hinein. Die Jungfern fassen da in aller Herrlichkeit, bald lachten sie, bald redeten sie heimlich, bald schrieben sie Buchstaben auf die Mandelkerne, bald hatten sie sonst etwas vor, doch wie gedacht, es würde zu lang, alles außzuführen. Darumb wollen wir bloß zweyer Gespräche gedencken, welche darbey gehalten worden. Denn als die Gäste des Trinckens müde worden, kriegten sie eine Karte und spielten. Da machte sich der alte Doctor mit seiner Liebsten in einen schattichten Gang. Eurylas, auf der andern Seite, lieff hinnach, und gab auf alle Worte genau Achtung.


Das erste Gespräch.


Chremes. Lißgen.


Chremes. Jungfer Lißgen, ich weiß, die Zeit ist ihr bey dem Tisch lang worden.

[69] Lißgen. Ach warum? Ist doch die Gesellschafft gar angenehm.

Chr. Man geht aber ietziger Zeit lieber spatzieren, weil man sich im Winter müde genug gesessen hat.

L. Ach nein Hr. Doctor, ich bin noch so alt nicht, daß ich einen Unterscheid unter den Jahrzeiten machen könte.

Chr. Es mag seyn. Doch gefält ihr nicht der schöne Spaziergang.

L. Der Gang ist gut gnug.

Chr. Aber wie gefält ihr die Persohn, die mit ihr geht.

L. Ich werde ja so unhöfflich nicht seyn, und werde sagen, sie gefiele mir nicht.

Chr. Ich mag keine Complimente haben, sie soll von Hertzen sagen, ob ihr die Person gefällt.

L. Wen ich in Ehren halte, der gefällt mir.

Chr. Wie hält sie mich aber in Ehren?

L. So hoch als meinen Vater.

Chr. Jungf. Lißgen, das ist zu viel, vor dem Vater muß man sich fürchten, das darff man bey mir nicht thun.

L. Aber ich fürchte mich vor ihm Herr Doctor.

Chr. Darzu hat sie keine Ursach.

L. Ich werde mich ja vor so einem vornehmen Manne fürchten.

Chr. Ein vornehmer Mann thut so einem schönen Mädgen nichts.

L. Das weiß ich wohl.

Chr. So muß sie ohne Furcht seyn.

L. Ach Herr Doctor, ich versteh nicht, was er saget.

Chr. Sie versteht, was sie will. Aber warumb ist die Frau Mutter nicht mit herauß kommen.

L. Sie hat sich schon entschuldigen lassen, es giebt ietzund allerhand zu thun, daß sie gar übel abkommen kan, und darzu was hat eine alte Frau vor Freude im Garten.

Chr. Es ist so eine Entschuldigung; doch steht mirs frey, daß ich andere Gedancken darbey habe.

L. Ich will nicht hoffen Hr. Doctor, daß er meine Mutter wird was Unfreundliches zutrauen.

[70] Chr. Bey Leibe nicht. Ich dachte nur, was sie zu thun hätte.

L. Geht nicht alle Stunden was in der Haushaltung vor?

Chr. Mich deucht, sie schickt auf eine Hochzeit zu.

L. Was vor eine Hochzeit?

Chr. Hat sie nicht die grosse Tochter?

L. Daß mir nicht die grosse Tochter wegkömmt; Ach es ist noch Zeit vor mich, eine Butterbamme davor, die ist mir gesünder.

Chr. Ach Jungf. Ließgen, sie rede nicht wider ihr Gewissen.

L. Was soll ich denn anders reden? Er verdencke mich nicht wider sein Gewissen.

Chr. Es muß doch einmahl seyn. Deßwegen läst Gott so schöne Creaturen auffwachsen, daß sie sich verlieben, und wiederum andere schöne Creaturen auffziehen sollen.

L. Herr Doctor, der Discurs gehört vor schöne Creaturen, und nicht vor mich.

Chr. Es ist ihre Höffligkeit also zu reden. Sie antworte nur darauff, ob sie nicht einmal will Hochzeit machen?

L. Ich weiß nit, vielleicht gehe ich ins Kloster.

Chr. Ich sehe sie nicht davor an.

L. Eh ich auch einen Kerln nähme, den ich nicht könte lieb haben, ehe wolt ich auf allen Vieren ins Kloster kriechen, wann ich auf zweyen Beinen nicht fort könte.

Chr. Da lob ich sie drumb, es ist aber kein Zweiffel, es wird ihr an stattlichen Freyern nicht mangeln.

L. Ja wohl, sie werden sich sehr üm mich reissen, wie umb das saure Bier.

Chr. Die that wird es anders außweisen. Sie bleibe nur bey ihren Gedancken, und nehme lieber einen rechtschaffenen, stattlichen, ehrlichen Mann, als einen liederlichen Kerln, der mehr Geld verthun als erwerben kan.

L. Ich muß vor warten, ob ich das außlesen habe.

Chr. Das ist das beste, wenn ein Mädgen in einen ansehnlichen Ehrenstand kömmt, daß nicht alle Aschenbrödel über sie gehen: sind darnach feine Mittel darbey,[71] so ist es desto bequemer. Mit den andern Narrenpossen, darein sich junge Leute offt verlieben, ist es lauter Eitelkeit.

L. Hr. Doctor, ist es doch Schade, daß er nicht etliche dreyßig Jahr jünger ist, und kömmt zu mir auf die Freythe, ich müste ihn doch unter vier und zwantzigen außlesen.

Chr. Ich bin ietzt noch so gut als ein Junggeselle, ich könte noch kommen.

L. Ja, so ein Kind wäre ihm nütze.

Chr. Nütze genug. Und fürwahr sie schertze nicht zu lang, ich mache sonst Ernst drauß.

L. Ist er so hitzig Hr. Doctor, so will ich mein Schertzen wohl bleiben lassen.

Chr. Ach nein, sie schertze nach ihrem Belieben. Doch was solte ihr wohl bey mir fehlen, wo wär ein Junggeselle, da sie dergleichen antreffen würde?

L. Herr Doctor, er ist hönisch; doch kurtz auf seine Frage zu antworten: Jetzt leben wir im Frühlinge, da halten wir von dem schlimsten Rosenstocke mehr als von dem besten Weinstocke.

Chr. Das Gleichniß reimt sich hieher nicht.

L. Er gehe nur zu dem Wittweibigen in seiner Gasse, die wird ihm die Sache schon außlegen.

Chr. Wer fragt nach den Witfrauen, wann Jungfern da sind.

L. Wenn nun die Jungfern auch so dächten, und fragten nach Wittbern nicht, so lang sie Junggesellen hätten.

Chr. Das möchten sie thun, wenn sie nur das bey den jungen Kerlen finden, was sie bey den Wittwern außschlagen.

L. Was sollen wir denn finden?

Chr. Ach mein Jungfer Ließgen, die Zeit ist zu köstlich, daß wir Reden führen sollen, die nichts zur Sache dienen. Ich habe hier Gelegenheit gesucht, mit ihr bekand zu werden, und will auch hoffen, sie wird mir vor eins zutrauen, daß ich ihr rechtschaffen zugethan bin, und vors andere, wird sie gegen mich dergleichen thun. Sie sey versichert, die Wahl soll sie nicht gereuen.

[72] L. Herr Doctor, ich halte ihn vor meinen Vater, er wird ja seine Tochter nicht heyrathen?

Chr. Jungfer Ließgen, ich habe sie in Ernst gefragt, sie wird mir ja auch in Ernst antworten.

L. Herr Doctor, daran sieht er, daß wir uns nicht zusammen schicken, er thut ernstlich, und ich schertze gern.

Chr. Das Schertzen soll sich schon finden, sie sage nur ihre Gedancken.

L. Ich dachte die Doctor wüsten alles, weiß er denn nicht, was ich dencke?

Chr. Die Doctor wissen alles, was sich wissen läst. Aber andere Gedancken können sie nicht errathen.

L. Herr Doctor, kurtz von der Sache zu kommen, ich bin mein eigen Herr nicht, will er bey meiner Mutter hören, so wird er mehr erfahren, als bey mir. Das sey er versichert, daß ich den Spruch allzeit vor Augen habe, den mir mein alter Præceptor vorgeschrieben: Vor einem grauen Haupte solt du dich neigen.


Hier kamen etliche darzwischen, und verstöreten die verliebten Gespräche, also daß Eurylas nichts weiter vernehmen kunte. Immittelst saß der junge Kerle, welchen wir Storax heissen wollen, und spielte so raisonabel, daß Gelanor seine Freude an ihm hatte. Alles gieng par force auff Gesundheit, daß ehe der Herr Doctor mit seinem Gespräche fertig war, etliche und funffzig Thaler hinflogen. Endlich ward er des Sitzens müde, und satzte den Wirth an seine Stelle, gab ihm auch zehen Thaler, davon er zusetzen solte. Er selbst folgte seiner Amaryllis nach, welche, weil sie mit einer andern einen Karren gelegt, ihre Gesellin spielen liesse, und kurtz zuvor hinter die Johan nis-Beeren spatzieret war. Da war nun der Ort so gelegen, daß Gelanor alles deutlich verstehen kunte.


Das andere Gespräch.


Storax, Amaryllis.


St. Jungfer Mariegen, wie so allein? Suchet sie Johannis-Beeren?

Am. Wie er siht.

St. Soll ihr niemand helffen?

[73] Am. Was ich pflücke, schmeckt mir am besten.

St. Sie bemühe sich nicht, ich will schon pflücken.

Am. Ich will aber nun selber die Lust haben.

St. Der Diener ist gewiß nicht angenehm.

Am. Ach nein, er ist mir zu vornehm.

St. Ich bin unter ihren Dienern der Geringste.

Am. Wo hätte ich denn die andern, die besser wären?


(Hier stunde der gute Stor. stille, und sahe nach der Seite, wie eine Wetter-Gans; ob es ihm an Materie zu weitern Discurse mangelte, oder ob er sich auf die Hochteutschen Reden nicht besinnen kunte, die er von acht Tagen her auß dem Complimentir-Buche sehr fleissig außwendig gelernet hatte, hätte er nur gesagt, wie Peter Sqventz, er wolte es mit seinem Famulus bezeugen, daß er alles zu Haus gar fertig gekunt. Gelanor muste unterdessen lachen, daß mancher Stümper Tag und Nacht seuffzet, biß er zur Liebsten kommen kan, und wenn sich das Glück nach seinem Wunsche füget, so steht er wie ein ander Maul-Affe, und weiß kein Wort vor zu bringen. Also gehen offt etliche Personen von einander, unwissend was sie beyde gewolt haben. Ja wann der Sammet-peltz oder die streifichte Kappe reden könte. Doch still, dem Courtisan wird die Zunge wieder gelöst.)


St. Jungfer Marigen, sie sey doch nicht so andächtig, sie dencke doch zurück, ob sich auch ihre Gespielin mit der Karte in Acht nimmt.

Am. Will sie verspielen, so mag sie den Schaden mit haben.

St. Ich weiß nicht, was mein Factor machen wird. Ich bin heut brav eingeritten.

Am. Es ist seines Ruhms ein Stückgen.

St. Die Occasion brachte es so mit.

Am. Wo bleiben unterdessen die Groß-mutter-Pfennige.

St. Das darff ein Politicus nicht achten, wer geheyt sich umbs Geld.

Am. Ach Gott straffe mich nicht mit einem solchen Liebsten.

St. Man kan es ja nicht ändern.

Am. Wie machen es andere Leute.

[74] St. Wer ein Prülcker seyn will, der mag sich ümb ein paar kahle Ducaten schimpffen lassen.

Am. Die Reputation hat manches mahl nicht die Folge.

St. Ich will es bey mir nicht hoffen.


(Das war der ander Actus, und hatte der gute Kerle nichts mehr in seinem Zettel. Gelanor hatte nur seine Freude über den schönen Liebs-Gesprächen, die sich so vortrefflich zu der Sache reimten, wie eine Faust auf ein Auge. Gleichwohl meynte der Galan, er hätte seine Liebe köstlich anbracht, und nun müste es Jungfer Marigen ihm an dem krummen Maule ansehen, daß er in sie verliebt wäre. Inzwischen weil er nichts zu reden hatte, spielte er mit den Johannißbeer-Blättern, und rieß eines nach dem andern vom Stocke, daß die Jungfer nicht anderst meinte, er wolte den Meykäfer suchen, der ihm die Sprache entführet hätte. Doch endlich traff er das rechte Blat! da überfiel ihn die gantze Redens-Kunst auf einmahl.)


St. Jungfer Marigen, ich sehe was.

Am. Mons. Storax ich sehe auch was.

St. Ach nein, ich sehe fürwahr was, da kreucht eine Raupe auf der Krause herum.

Am. Und da tappt mir einer auf dem Latze herumb; Er lasse die Hand zurücke, oder ich gehe davon.

St. Soll ich die Raupe nicht weg jagen?

Am. Das mag er thun, er lege nur nicht etwas her, das mir verdrießlicher ist als eine Raupe.

St. Ach du unglückselige Hand! darffst du deiner Inclination nicht nachgehen? ach wie offt solstu noch so elend abgewiesen werden? ach du elende, du arme, du unvergnügte Hand.

Am. Weiß er nichts mehr?

St. Die Sonne hat wohl keinen unglückseligern Menschen beschienen, als mich, ach Himmel! ach verwandele dieses Holtz in ein Messer, damit ich mein trübseliges Hertze abstechen, und von der Angst erlösen kan.

Am. Wird ihm übel, Mons. Storax?

St. Ach freylich ist mir übel, und sie giebt die meiste Ursach darzu.

[75] Am. Ich bekenne meine Unschuld.

St. Sie bekenne den Todschlag, den sie an mir begehen wird.

Am. Betrübt er sich etwan über das Geld, das wir gewonnen haben. Er verzieh nur, ehe er sich darüber zu Tode grämt, wollen wirs ihm wieder geben.

St. Ey der Hencker hole das Geld. Ihre zahrten Augen haben mir alle Lebens-Krafft außgesauget.

Am. So will ich ein andermahl die Augen von ihm wegkehren.

St. Das mag ich auch nicht haben: sie sehe mich nur freundlicher an.

Am. Was wird denn aus der Freundligkeit.

St. Daß ich leben bleibe.

Am. Ich muß lachen.


(Hier entfiel dem halbtodten Liebhaber die Sprache, und kunte sich Gelan. kaum enthalten, daß er nicht dem Gärtner geruffet, daß er nachgegraben hätte, ob die Sprache wäre in ein Hamsterloch gekrochen. Nun gab es einen vortreflichen Anblick, wie der gute Mensch da stund, mit dem Hute unter dem lincken Arme, und dem Kopffe auf der rechten Achsel, daß man ihm die Liebes-Kranckheit wol abmercken kunte. Nach langem Bedencken grieff er in den Schiebsack, und langete ein güldenes Balsambüchsgen in Form eines Hertzen heraus, welches an einem zierlichen Kettgen hieng, und an etlichen Orten mit Diamanten versetzt war.)


St. Ach soll ich davon Krafft haben!

Am. Ist das nicht ein schönes Balsam-Büchsgen.

St. Es ist nicht schöne, als biß sie es in ihren Händen hat.

Am. Gewiß es ist recht schöne, da hat ers wieder.

St. Ach nein, es steht zu ihren Diensten.

Am. Ey das solte mir trefflich anstehn.

St. Ich nehme es nicht wieder. Sie behalt es nur und mein Hertz darzu.

Am. Ich werde ihn nicht in solchen Schaden bringen.

St. Das ist kein Schaden, ich bin ihr Leibeigener, so ist es nun kein Unterscheid, ob meine Sachen bey mir oder bey ihr in Verwahrung liegen.

[76] Am. Ich bitte er nehme es wieder, was würden die Leute sprechen.

St. Sie mögen sprechen was sie wollen, sie sprechen nur alles Gutes dazu.

Am. Weil er mich dann so zwingt, daß ich seinen Schaden begehren muß, so will ich zwar gehorsam seyn: doch mag er es wieder abfordern lassen, wenn er will.

St. Wenn das Gold wird blaß werden, so werde ich auch auffhören, ihr auffzuwarten.


Hiermit ergriff er sie bey dem Kinne, und gab ihr einen sachten Kuß, welchen Amaryllis durch einen heimlichen Gegenkuß erwiederte, dannenhero Gelanor abmerckte, die Jungfer müsse von der Gattung seyn, die nichts umbsonst, und alles umbs Geld thun. Wie er sich denn besann, daß zu seiner Zeit, als er auf Universitäten gelebt, ein Courtisan gewesen, welcher allzeit 6. Ducaten zuvor verspielen müssen, ehe er zu einem armseligen Kusse gelanget. Nun die Lust war auß, und Amaryllis kam wieder zur Compagnie. Da foderte der Junge Geld zu Wein, Storax griff in den Beutel, und langete eine Hand voll klein Geld herauß, welches er kurtz zuvor wechslen lassen. Ach mit dem Lumpen-Geld, sagte er, ist es doch als wenn ich einen Bettelmann erschlagen hätte, so viel Dreyer und Zweyer hab ich bey mir: nahm darauff die Groschen und legte sie besonders, die kleinere Müntze warff er unter die Jungen, daß sie sich drumb schlagen mochten, was sonst vorgelauffen, weiß unsere Compagnie nicht, weil sie von Zusehen müde nach Hause eilete.

Quelle:
Christian Weise: Die drei ärgsten Erznarren in der ganzen Welt. Halle an der Saale 1878, S. 68-77.
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