Dritter Auftritt

[257] Die Vorigen. Kurt in etwas abenteuerlicher, beschneiter Reisekleidung; er hat eine Weidtasche umgehangen, einen Hirschfänger an der Seite und eine Geldkatze, in der zwei Pistolen stecken, um den Leib geschnallt; in den Händen hat er eine ausgebrannte Laterne und einen langen Alpenstock.


KURT.

Gott grüß' euch!

KUNZ.

Nun heran!

KURT.

Wollt ihr mir wohl –

Vor sich.

Kaum kann ich vor Entzücken

Mich halten, sie an mein gepreßtes Herz zu drücken! –

KUNZ.

Was soll ich wollen?

KURT.

Wollt ihr für diese Nacht Quartier

Mir gastfrei wohl vergönnen hier? –[257]

KUNZ.

Quartier? – Recht gern! – auch noch ein Bündel Stroh!

Wenn Ihr euch damit wollt begnügen, so –

So könnt Ihr bleiben!

KURT.

Ach, beim traulichen Kamin,

Beim herzlichen Gespräch, vergißt der Reise Müh'n

Der Wanderer! –

KUNZ.

Herzlich Gespräch? – Recht gern! –

Auch das Kamin steht frei dem Herrn! –

Doch Feuer drin – damit kann ich nicht dienen,

Ich hab' kein Holz und auch kein Bissen Brot,

Als dieses, kaum genug uns heut vor'm Hungerstod

Zu fristen noch! –

KURT vor sich.

Wie mir der Eltern Not

Das Herz zerreißt! – Wie gern möcht' ich mich ihnen

Entdecken! – Aber, nein; erst muß ich unerkannt

Sie prüfen: ob sie schon den Fluch zurückgenommen! –

TRUDE leise zu Kunz.

Er scheint so gut! –

KUNZ.

Scheint! – Ist er's?! –

TRUDE indem sie den Schnee abklopft.

Wie glücklich, daß Lawinen

Euch nicht begruben, Herr! Eu'r Licht ist ausgeglommen!

Seid Ihr bei Nacht allein den Berg herangeklommen?

KURT.

Es war noch Schneelicht! – Auch bin ich hier aus dem Land,

Im Klettern gut geübt an steiler Alpenwand!

KUNZ.

Ein Eidgenosse? Landsmann, seid willkommen! –


Er reicht ihm die Hand.


KURT.

O diese Hand! – O laßt mich küssen Eure Hand![258]

KUNZ.

Laßt das! – Die Hand – 's ist keine von den frommen! –

's ist eine garst'ge rasch zur bösen That gewandt; –

Wenn Ihr noch fluchlos – meidet sie!

KURT vor sich.

Das Band

Der Zunge bindet fest des Vaters wildes Wort!

KUNZ.

Nun, Ihr seid müde; streckt Euch nieder dort,

Und hungert, friert mit uns zur Gesellschaft fort!

KURT.

Damit hat's keine Not! – Ich hab' den Schnappsack voll:

Gebratnes und Gebacknes – ein Fläschchen Kirschenwasser,

Zwei Flaschen welschen Wein! –


Er nimmt die Flaschen und Eßwaren aus seiner Weidtasche und setzt sie auf den Tisch.


KUNZ.

Ihr scheint ein reicher Prasser! –

KURT.

Ein jeder nährt sich wie er kann und soll –

Nun setzt euch! – Mutter Trude, kommt hierher! –


Sie setzen sich alle an den Tisch.


TRUDE.

Wo wißt Ihr meinen Namen?

KURT.

Die Kreuz und Quer

Da giebt es Truden ja die Menge!

KUNZ vor sich.

Ein wunderlicher Kauz! –

KURT vor sich.

Wie rett' ich im Gedränge

Von Lust und Schmerz mich! –

KUNZ vor sich.

Seltsam! –

KURT vor sich.

Wie ist das Herz mir schwer!


[259] Laut.


Herr Wirt, ich trink' Euch zu! – Thut mir Bescheid! –


Er langt drei Becher aus der Weidtasche und schenkt sich und den Eltern ein, was er, so oft Kunz, der während des folgenden Gespräches viel trinkt, einen Becher geleert hat, immer wiederholt.


KUNZ.

Nicht recht

Ist, wenn der Wirt auf Gastes Kosten zecht! –

TRUDE.

Der Herr ist gut – er giebt dir's gern! – O fände

Dein Herz den Frieden drin! –

KUNZ.

Wohl! – Auf ein sel'ges Ende! –

KURT.

Und auf Versöhnung – drauf gebt mir die Hände! –

TRUDE.

O wende Fluch dich! –

KURT vor sich.

Wende Fluch dich! –

KUNZ.

Wende –?

TRUDE.

Wie sie das Herz erquickt, die lang entwöhnte Glut

Der süßen Reben! – Wie sie wohl mir thut! –

KURT.

Nun eßt auch! – Hier ist Schinken, Wurst, ein Huhn;

Das wird dem alten Magen gütlich thun! –

TRUDE.

Vom Huhn da ess' ich nicht! –

KURT.

Ach! – ich darf's auch nicht essen! –

KUNZ.

Warum? –

KURT.

Nun langt nur zu indessen! –[260]

KUNZ.

Nein – doch, wenn Ihr's erlaubt, halt' ich mich an den Wein;

Er wärmt! –

KURT.

Eins müßt Ihr, Mütterchen, mir leih'n:

Ein Messer! Mein's hab' unterweges ich verloren.

KUNZ.

Lang's mal herunter! –


Trude steht auf, nimmt das große Messer vom Nagel herunter und reicht es, indem sie sich wieder an den Tisch setzt, dem Kurt.


KURT.

Das! – habt Ihr kein andres? –

TRUDE.

Nein,

's ist unser einz'ges!

KURT vor sich.

Oh, noch immer sitzt er drein,

Der Blutfleck! – Wär' ich, Unglücksel'ger, nie geboren! –

KUNZ.

Bemerkt Ihr's auch?! –

KURT.

Den Blutfleck?! –

KUNZ.

Blutfleck? – Hm!

Daß dieser Fleck ein Blutfleck – wißt Ihr drum? –

KURT.

Nein – nur so rötlich scheint er! –

KUNZ.

Eingeschenkt,

Herr Gast! – Vergangen ist vergangen! – Wer dran denkt:

Ein Thor ist's! –

KURT.

Trinkt! – den Frieden eurem Sohn! –

Wenn ihr noch einen habt. –

TRUDE.

Oh! –[261]

KURT.

Mutter! –

KUNZ.

G'nug davon!

Er ist am Ziel! – Auch uns sei es beschieden,

Das Ziel, das uns gebührt! –

TRUDE.

Nicht das, was wir verdient! –

KURT.

Auf einen sel'gen Tod, der allen Fluch versühnt! –

KUNZ.

Das trank ich schon! – Ihr scheint mir ein besondrer Gast;

Mit Eurem Weidemesser und Sackpistolen fast

Wie 'n wilder Jäger! – Wie seid nachts Ihr hergekommen?

KURT.

Ich komm' von Kanderstäg. – Ich hatt's mir vorgenommen,

Morgen in Leuk zu sein; drum schritt ich sonder Rast.

KUNZ ihm die Hand reichend, mit einem Händedrucke.

Dann geh'n wir morgen früh zusammen, Landsmann!

KURT.

Faßt

Ihr mich doch an, so eisig wie der Tod! –

KUNZ.

Scheut Ihr den? –

KURT.

Nein! – Er hat mich oft schon nah' bedroht;

Ich war Soldat –

KUNZ.

Stoß an, Kam'rad, das Schweizerkorps! –

Ich war dabei – ich kenn's! – Ihr müßt mir was erzählen,

So was zum Kämpfen, ich muß auch zum Kampf mich stählen!

KURT.

Ihr hattet einen Sohn? –

KUNZ.

Ach, laßt das! –[262]

TRUDE.

Er verlor

Als Kind sich.

KUNZ.

Schweig! – von dem nichts!

KURT.

Geht mir mit Beispiel vor,

Wenn ich erzählen soll. – Ich bin oft hier gewesen,

In diesem Haus; – im ganzen Leuker Amt

Gab's kein solch Wirtshaus, als zu Schwarrbach.

KUNZ.

Ei, verdammt!

Ihr wißt ja alles!

KURT.

Jetzt scheint's hier ein ärmlich Wesen;

Ihr sprecht von Dürftigkeit – von Not!

KUNZ.

Kann's Euch was frommen? –

Stoßt an: – der Krieg!

KURT.

Wie seid Ihr herunter so gekommen?

KUNZ.

Nun, weil Ihr doch so vieles wißt – wohlan! –

Ihr war't Soldat, Kam'rad, wißt, was ein Mann

Ertragen und, kommt's arg – wohl auch verschulden kann! –

Ihr scheint so unstät auch! – so 'n halber Fluch-Kumpan! –

TRUDE.

Verzeiht! Der Wein hat ihm den Kopf benommen!

KUNZ.

In früh ergrauten Haaren

Bin ich ein Kerl noch! – Mehr war ich's vor Jahren.

Ich bin Soldat gewesen –

Im Krieg da macht man nicht viel Federlesen! –

Hab' wacker mich gehalten,

Und manchem Feinde wohl den Kopf gespalten;

Drauf gab der Berner Rat,

Beim Abschied, mir gedruckt 's Certifikat! –[263]

Mein Vater Christoph Kuruth –

Gott tröst' ihn! – Er war auch so'n wildes Blut! –

Dies Wirtshaus war sein eigen;

Mir gab man Abschied – nun, wir wollen davon schweigen!

KURT.

Dies Glas für Eures Vaters Seele!

KUNZ.

Nein!

TRUDE.

Stoß an! Versöhnung!

KUNZ.

Weib, wie kann das sein?!

Der Tropfen würd' wie Feuer

Mir glüh'n! – Ja, Herr, der Vater ward mir teuer!

Ich ging dem Kugelregen

Oft, ohne Zittern, freudig kühn entgegen;

Doch, wen der Fluch that rühren,

Der zittert! –

KURT.

Laßt das! –

KUNZ.

Nein! – Ihr selbst sollt judicieren! –

Als den Abschied ich bekommen,

Hatte Vater seliger

Mich zu sich ins Haus genommen;

Denn die Wirtschaft war ihm schwer.

Ich, ein Kerl von dreißig Jahren

Damals, kraftvoll noch und rot,

Wollte, teilend Lust und Not,

Mich mit einem Weibe paaren;

Manche stand mir zu Gebot!

Aber immer zog mein Sinn

Mich dort zu der Trude hin! –

Sie war schön, kann schreiben, lesen:

Beide hatten wir uns gern!

Und ihr Vater ist gewesen

Pfarrherr im Kanton von Bern.

Solche fromme Herren lassen[264]

Bücher nur und Kinder nach;

Sie war arm, doch Dach und Fach

Hatt' ich – konnt' ich drum sie hassen,

Sie verlassen – weil sie schwach?! –

Herr – wer A sagt, muß auch B

Sagen! – Kurz, ich schloß die Eh'! –

TRUDE.

Wider seines Vaters Willen;

Ach, das hat mich oft gequält!

KUNZ.

Ja, wir hatten uns vermählt,

Ohne daß er's wußt', im stillen. –

Herr, das gab mir viel zu schaffen!

Vater war ein böser Mann;

Täglich er auf Hader sann:

Bastard nannt' er sie des Pfaffen!

Herr, das griff ans Herz mir an!

Wer schimpfiert euch euer Weib,

Nimmt euch mehr als Gut und Leib!

Einst – heut sind es akkurat

Achtundzwanzig volle Jahr',

Seit die fluchbeladne That

Sich begab – Glock zwölf es war,

Mitternacht im Februar,

Am vierundzwanzigsten: da trat

Ich ins Zimmer hier, und klar

Schien der Mond zur düstern That! –

Ich war auf der Fastnacht gewesen

Zu Leuk, und fröhlich im Mut!

Mein Weib trieb zu Hause ihr Wesen;

Der Alte, voll Hader und Wut,

Hatt' ihr das Kapitel gelesen,

Wie's täglich sein Brauch war! – Das Blut

Schoß mir in Adern wie Flammen –

Ich ballte die Fäuste zusammen –

Sie weinte –! – Gott mag mich verdammen!

Ich weiß es, ich that nicht gut;

Doch schmähen sein Weib seh'n das hilflos geliebte, das thut[265]

Doch weh! – Was meint ihr? – Ihre Augen schwammen

In Thränen! –

KURT.

Immer muß der Mensch sein auf der Hut

Vor den Gedanken, die dem Höllenschlund entstammen! –

Doch laßt –

KUNZ.

Ihr seid ein weiser Mann! –

O hätt' ich das bedacht! –

Doch war der Wut ich unterthan;

Ich that, als ob ich lacht'!

Mein Vater schimpfte, liss und schalt,

Ich, innen kochend, zeigt' mich kalt!

Der Alte wütete! – ich sah

Ihn lachend an und griff nach jener Sense da:

»Bald wächst das Gras, man muß sie schleifen,«

Rief ich, »Herztätli mag nach seiner Weise keifen,

Ich mach' Musik dazu!« – Als drauf die Sens' ich schliff,

Ich mir ein Schelmenliedel pfiff:

»Hütli auf,

Federli d'rauf;

Hirthemdli an,

Bunt Bänderli d'ran!«

So fang ich lustig! – Der Alte zu schäumen begann,

Ein Lärm zu machen, zu stampfen, zu toben, zu dräu'n –

's war nicht zu tragen! – Metze! rief er zu meiner Frau'n! –

Das traf ins Herz, Herr! – Länger konnt' ich mich nicht mehr halten! –

Das Messer – mit dem ich die Sense geschliffen – dies Unheilsding – traun!

Ich warf's nach ihm, und hätt' es den Kopf ihm mögen spalten! –

Doch traf's ihn nicht! – Nicht war, Weib, 's traf ihn, gottlob, nicht?! –

TRUDE.

Nein!

KUNZ.

Doch der Alte bekam vor Ärger das Höchste, und blau

Ward er! – »Fluch dir!«, so rief er zuckend, »und deiner Frau,

Und eurer Leibesfrucht!« – (Sie war in erster Schwangerschaft[266]

Im dritten Monat!) Und noch einmal zusammen sich rafft

Der Alte – da saß er im Lehnstuhl! »Fluch euch und eurer Brut!«

Heult' er – »auf sie und euch komme eures Vaters Blut! –

Des Mörders Mörder seid – wie mich ihr morden thut!« –

Da rührt' der Schlag ihn, – und die ganze Hölle

Glomm auf in mir! – Er starb dort auf der Stelle! –

TRUDE.

Was ist Euch? – Ihr verblaßt, Herr! –

KURT.

Laßt nur sein!

Die Grausgeschichte und vielleicht der Wein

Es wird schon besser! – Trinkt! – Dort über jenen Sternen

Verstummt der Fluch! –

TRUDE.

Hörst du's? –

KUNZ.

Von Euch kann man was lernen!

Ich denk' es auch! – Der Alte, es war ein grämlich Mann;

Als junger Kerl hat er wohl Ärgers noch gethan!

Er hat uns Kindern selbst im Weinrausch einst erzählt,

Daß seinen eig'nen Vater, der ihn oft gequält,

Er bei den Haaren hab' zur Erde hingerissen! –

Ich hab's ihm doch nur nach dem Kopf geschmissen,

Das Messer! – Freilich starb er; – doch starb er denn davon?

Er war ja alt genug – wer kann das wissen! –

Sie sagen: wer den Vater schlägt, der Sohn,

Dem wächst die Hand, mit der er schlug, zum Grabe

Heraus! – 's ist dummer Wahn, ich habe

Wohl tausendmal des Vaters Grab geseh'n!

Gras sah ich drauf, doch keine Hand nicht steh'n! –

KURT.

Ihr wolltet vor mir sagen,

Wie Ihr die Wirtschaft hier Euch habt verschlagen. –

KUNZ.

Ja, seltsam war's, seit jenem Augenblick,

Seit Vaters Tod, hatt' ich nicht Stern noch Glück!

Wir fuhren fort, einander treu zu lieben;[267]

Doch war's, als ob sein Geist – sich zwischen uns that schieben,

Seit er den Fluch gesprochen! –

Nicht lang' nachher kam die da in die Wochen;

Sie kriegte einen Sohn – daß Gott erbarm'!

Der bracht' das Kainszeichen schon, auf dem linken Arm,

Mit auf die Welt – 'ne Sense, blutigrot! –

Wahrscheinlich hat sie sich's in Kopf genommen

In ihrer Schwangerschaft – so hat er's denn bekommen,

Der Bube! – Herr, mit dem, da hatt' ich einmal Not! –

Nun – ich verzeih's ihm! –

KURT.

Thut Ihr's?

KUNZ.

Gottlob, nun ist er tot! –

Fünf Jahr' darauf gebar

Mein Weib ein Mädel. – Wie ein Engel war

Das Kind! –


Kurt steht auf.


KUNZ.

Was sucht Ihr? –

KURT.

Nichts! – Ich kann auf einer Stelle

Nicht lange sein! –


Er geht während Kunzens folgender Erzählung immer auf und ab.


KUNZ.

Wie unser Kurt! – Die Hölle

Trieb immer ihn! – Sonst war der Jung' nicht dumm,

Auch schlecht nicht – aber immer trieb's ihn im Kreis herum,

Unstät und flüchtig! – War das wohl der Fluch? –

KURT.

Was weiß ich! – 's ist doch kalt bei euch! –

KUNZ.

Genug! –

Einstmals im Februar,

Als 's Mädel just zwei Jahr' alt war,

Der Bube sieben – 's war auch grad' am Sterbenstag

Des Vaters! – Dort das Unglücksmesser lag[268]

Am Boden – beide Kinder spielten auf der Schwelle.

Die Alte da, die hatte eben

Ein Huhn geschlachtet –

TRUDE.

Ach, noch denk' ich dran mit Beben!

Entgegen krisch es mir, das Huhn,

Wie Fluch, wie Vater, als er röchelnd nun

Im Sterben lag! –

KUNZ.

Der Bube hat's geseh'n:

Das Huhn abschlachten! – »Komm,« rief er zum Schwesterlein:

»Wir wollen Küche spielen ich will die Köchin sein,

Sei du das Huhn!« Ich seh' ihn sich nach dem Messer dreh'n;

Ich spring' hinzu! – Doch – schon war es gescheh'n!

Das Mädel lag im Blut – der Hals ihr abgeschnitten,

Vom Bruder! – Weint Ihr? – Ja! Viel hab' ich, Herr, gelitten!

KURT.

Da habt Ihr ihn verflucht! –

KUNZ.

Merkt Ihr es? – Das Gericht,

Weil er ein Kind noch war, es straft' ihn nicht;

Da mußt' ich denn dem Recht zu Hilfe kommen! –

Ich flucht' ihm – ja! –

KURT.

Habt Ihr den Fluch zurückgenommen,

Den raschen?! –

KUNZ.

Freilich! Gott schenk' ihm die ew'ge Ruh'! –

Nicht war – dort drückt er nicht – der Fluch mehr? –

KURT vor sich.

Vater, du! –


Laut.


Und käm' der Arme reuig wieder? –

KUNZ.

Nein! –

Vergeben – ja! – Doch, seh'n ihn – nein! –

KURT vor sich.

O Pein!


Laut.


Ist Euch seitdem von ihm nicht Kunde worden?[269]

TRUDE.

Der wilde Vater wollt' im ersten Zorn ihn morden! –

Ich wußt' nicht, was vor Angst ich sollt' beginnen;

Um ihn zu retten, schickt' ich ihn meinem Ohm nach Thun,

Der schrieb mir, – Rektor war er, ein tief studierter Mann! –

»Euer Sohn hat Herz und Kraft, und Kopf zum Lernen;

Doch muß ihm was in seinen Sternen

Konträr sein – immer treibt's ihn nach ungemeßnen Fernen!

Kein Fleiß, kein Urteil, wüst, zerstreut! – Und wann

Ich's ihm verweise, hört er starr und weinend zu,

Und sagt: die Sens' am Arm, die lass' ihm nirgends Ruh'!«

So schrieb der gute Ohm mir! – Ihm hatten wir's nicht kund

Gethan, wie keinem, dieses Kainszeichens Grund!

KURT.

Als er entlief – da weintet ihr wohl? –

TRUDE.

Oh! –

KUNZ leise.

Trude, nimm dich in acht! – der Jäger da,

Wie 'n Hexenmeister weiß er alles, was geschah! –

Gott geb', daß ich dem Kerl nicht einmal komm' zu nah'! –

TRUDE.

Ihr wißt, daß er entlief?! –

KURT.

Ich meinte nur so –

KUNZ.

So?! –

TRUDE.

Ja, seines Lebens ward er nimmer froh! –

Schon oft war aus der Schule er entsprungen:

Mein Ohm that in die Lehr' ihn bei einem Handwerksmann,

Auch dem entlief er öfters – doch kam er wieder dann.

Weil alles nun mit ihm schien mißgelungen,

That ihn der Ohm zu seiner Korrektion,

Ins Arbeitshaus – da lief er ganz davon! –

Es war gerad' am vierundzwanzigsten Februar,

Alt war er damals höchstens vierzehn Jahr'! –[270]

Drauf ist er in der Revolution –

Wie aus Paris an meinen Ohm sie schrieben –

Ich glaube, als Soldat – geblieben! –

KURT.

Und käm' er wieder, der unstäte Sohn?! –

TRUDE.

Wer kommt von dort zurück! –

KUNZ.

Ich glaub', Ihr sprecht uns Hohn! –

Ihr hört es ja – er ist ja tot! –

Nichts mehr von ihm – beim Teufel! –

KURT der bisher immer in der Stube auf und ab gegangen ist.

Ja – wie kamt denn ihr in Not? –

KUNZ.

Was ist da dran viel zu erzählen?! –

Mit Eurem Fragen, Blicken, Laufen thut

Ihr ordentlich 'nen Menschen quälen! –

Die Scheune brannt' uns ab; ins Vieh, da kam das Sterben;

Die Schneelawine that das Wiesenstück verderben,

Das große, das ich that vom Vater erben!

Ihr saht den Schneesturz noch am Weg,

Wenn Ihr gekommen seid vom Kanderstäg;

Zwei Stunden lang nur wüstes wild Gestein,

Sonst eine fette Alptrift – die war mein!

Zwölf Jahr' sind's, seit vom Rinderhorn er fiel,

Der Schneesturz. – Volk und Vieh sind dort begraben,

Schier sonder Zahl – es war kein Kinderspiel! –

Das und, zum Überfluß, der letzte Mißwachs haben

Uns ganz herunter und in Schulden dann gebracht;

Zu Bettlern hat es uns gemacht! –

Und kam ein Unfall, der das Herz traf, war

Es stets am vierundzwanzigsten Februar! –

KURT sich wieder zu ihnen an den Tisch setzend.

Wie kränkt mich eure Not – könnt' ich sie lindern! –[271]

KUNZ.

Na,

Wenn Ihr viel Geld habt – borgt's uns! –

KURT.

Geld, das – ja,

Das hab' ich g'nug – ich möcht's euch mehr als borgen! –

Doch – nun seid ruhig; bis zum nächsten Morgen

Kann Gott noch sattsam für euch sorgen! –

KUNZ.

So – sattsam? – Morgen? – Gott? – Wie – oder gar der Teufel?! –

TRUDE.

Du quälst dich immer! –

KUNZ.

Ja, ich hab' so meine Zweifel! –

Ihr scheint so'n Mittelding von Zaubrer und von Pfaffen;

Mit beiden, Herr, mach' ich mir gern nicht viel zu schaffen! –

KURT.

Ach, Vater Kunz! –

KUNZ.

So heiß' ich! – Nun, euer Wein ist gut! –

Wie kommt's, daß Ihr so um Mitternacht auf Felsen klettern thut?

KURT.

Ach, düster ist auch meines Lebens Kunde! –

KUNZ.

Das ist mir lieb – dann seid Ihr mein Kumpan!

KURT.

Als Knabe hab' ich auch, zur bösen Stunde,

Wie Euer Sohn just, einen – Mord gethan! –

KUNZ.

Hoho! – Wie kam das? –

KURT.

Ritzt des Herzens Wunde

Nicht tiefer – schon fängt sie zu bluten an! –

Die That verfolgte mich – ich floh! – In Bern

Nahm ich als Jockey Dienst bei einem Herrn.

Er traute mir, ob er mich gleich nicht kannte,[272]

Als Landsmann auf mein ehrliches Gesicht;

Hauptmann war er beim Schweizerregimente,

Mit dem nachher die schreckliche Geschicht'

Sich in Paris begab! – Zwar ungern trennte

Er sich vom Vaterland – doch rief die Pflicht.

Für den bedrängten König mußt' er streiten! –

Er ging – ich mußt' ihn nach Paris begleiten. –

KUNZ.

Da ging's wohl bunt zu? –

KURT.

Denkt euch losgelassen

Die Gletscher, auf dem ganzen Alpenrund,

Herunter rollen, sich einander fassen,

Und eisig, glüh'nd, sich stürzen in den Grund;

Und unten Hirten, welche nicht erblassen,

Und nah'n seh'n – ruhig – der Verheerung Schlund;

Und Freudenfeuer überm Abgrund wehen!

Vereint das – und ihr habt Paris gesehen! –

KUNZ.

Ihr saht sie fallen, unsre Eidgenossen,

Die Garden; saht die Tuilerienschlacht?

KURT.

Ich sah die Nacht, der so viel Qual entsprossen! –

Schwarz, sternleer war die schwüle Sommernacht,

Als habe sie die Lampen umgestoßen,

Um nur zu leuchten nicht der düstern Macht! –

Laßt von der Nacht, die ewig wird bezeigen

Den Völkerfluch, mich Fluchbeladnen schweigen! –

KUNZ.

Nun? –

KURT.

Als nun unsre Brüder schön gefallen,

Fern von der Heimat und dem Vaterland,

In Königs Dienst, von dem sie nicht Vasallen,

An den nur Ehr' und Bundestreu' sie band,

Des Königs, der vor seiner Väter Hallen,

Volksvater selbst, durch seiner Kinder Hand

Den Tod erlitt! –[273]

KUNZ.

Das kann im Menschenleben

Sich auf des Satans Antrieb wohl begeben! –

KURT.

Da wollt' mein Herr, den mir's gelang zu retten

Durch eine Seitenthür der Tuilerien, –

Ertragen konnt' er nicht des Pöbels Ketten! –

Hin in ein ander Weltteil wollt' er flieh'n.

Die gleiche Not und Heimat zog, wie Kletten,

Uns an einander; mich, die Gier zu zieh'n! –

Und wär' er außerhalb der Welt gegangen,

Ihm nach hätt' mich getrieben Treu' und Bangen! –

Wir schifften uns mit dem, was er am Baren

Beiseit' gebracht, nach San Domingo ein;

Wir kamen an, aus mancherlei Gefahren

Gerettet, ohne dessen uns zu freu'n! –

KUNZ.

Ihr seid durchs Meer – zur neuen Welt gefahren? –

TRUDE.

Da müssen wohl glücksel'ge Menschen sein! –

KURT.

Ja, wenn sie hier und hier


Auf Kopf und Herz zeigend.


sich rein erhalten;

Sonst geht's in neuer Welt, wie in der alten! –

Mein Herr ward Pflanzer – ich ihm täglich lieber:

»Va banque, das Leben« – scherzt' er oft – »den Rest!!« –

Hätt' er nicht mich genommen mit hinüber,

Wohl lebt' er noch! – Ansteckend ist, wie Pest,

Der Fluch! – Mich traf das grause gelbe Fieber;

Er, heilend mich, sog ein das Pestgift! – Fest

Mich herzend, – starb er! –

KUNZ.

Der, da's Messer fiel,

Ward blau! – Der Maler Tod kennt's Farbenspiel! –

KURT.

Ach, warum hat nicht mich der Tod genommen?!

Mich, den ein Mord vom Leben schon getrennt!

Des Herren Pflanzung war an mich gekommen;

Denn er verschrieb sie mir im Testament.[274]

Reich war ich nun, doch immerfort beklommen! –

Wenn das Gewissen uns im Innern brennt,

Kann alles Gold – der ganzen Schöpfung Wonnen,

Sie können löschen nicht den Flammenbronnen! –

KUNZ halbleise zu Truden.

Da hörst du's – Muß ich nicht –?

KURT.

Doch immer schreitet

Die Hoffnung leise der Verzweiflung nach;

Und wie die Henne ihre Flügel breitet

Auf ihre Brut, wenn durch der Geier brach,

So über uns die Gnad' entgegenspreitet

Ihr Schild dem Pfeil der immer wachen Rach'! –

So lispelt's mir, daß aller meiner Sünden

Im Vaterland ich würd' Entsühnung finden!

Die Schweizerseen, die Wasserfälle klangen

Aus duft'ger Fern' zu mir hinüber: »Komm!«

Die starren Gletscher – ähnlich meinem bangen

Erstarren – schrie'n: »Wir werden schmelzen! – Komm!« –

Und Alpenglöcklein wunderselig sangen:

»Wir Friedenskinder künden Frieden! – Komm!« –

Es trieb mich heim der Sterne wildes Walten

Aus wilder neuer Welt zur frommen alten! –

So kam ich her, die Eltern zu erfreuen,

Die ich seit zwanzig Jahren nicht geseh'n;

Viel Barschaft bring' ich aus der Welt, der neuen! –

In Kanderstäg ließ ich mein Maultier steh'n! –

Man bringt's mir morgen; – dann will ich mit treuen

Sohnsherzen Segen mir statt Fluch erfleh'n!

Schon morgen denk' ich in der Eltern Armen

Zu einem neuen Leben zu erwarmen! –


Kunz steht vom Tische auf.

Trude, die schon früher aufgestanden ist und in der Kammer das Strohlager zurecht gemacht hat, tritt während der folgenden Reden wieder in die Stube.


KUNZ.

Wo sind die Eltern?

KURT.

Hier – nur eine Stunde

Von hier –[275]

KUNZ.

So – so! – Es ist mir nicht bekannt! –

Ich dachte stets, drei Stunden in die Runde

Von hier, da gäb's nur nackte Felsenwand! –

Nun – lassen wir's! – Ihr scheint ein pfiff'ger Kunde,

Seid viel schon in der Welt herumgerannt;

Ihr hört die Seen schrei'n, die Gletscher singen! –

Ja – mancher kann es weit mit – manchem bringen! –

TRUDE.

Ist in Paris vielleicht Euch Kunde worden

Von unserm Sohn? –

KURT.

Vom armen Kurt Kuruth?! –

KUNZ vor sich.

Das weiß er auch! –

TRUDE.

Sie thaten ihn ermorden,

Hieß es – er fiel ein Opfer auch der Wut! –

KURT vor sich.

Ich muß sie prüfen! –


Laut.


Ja, die wilden Horden

Erwürgten ihn – hin strömt' er aus sein Blut

In meinem Arm –

TRUDE.

O wär' er noch am Leben,

Wie gerne wollt' ich alles ihm vergeben! –

KURT wie im Begriffe, ihr zu Füßen zu stürzen.

Oh! –

KUNZ.

Keine Fratzen, Herr! denn wir erschrecken

So leicht nicht! – Legt Euch schlafen! – Gute Nacht! –

Ihr könnt Euch dorten in die Kammer strecken!

TRUDE.

Ich hab' die Streu Euch schon zurecht gemacht!

KURT.

Wollt morgen früh ihr wohl um acht mich wecken?[276]

KUNZ.

Wenn ich's nicht thu', so wird es wohl die Wacht,

Die morgen früh zum Schuldturm mich kommt holen! –

KURT.

Gerechter Gott! –

KUNZ.

Schrie'n das Euch nicht die Dohlen? –

KURT.

Wann kommt die Wacht? –

KUNZ.

Bis daß Ihr ausgeschlafen,

Um acht!

KURT.

O dann weckt mich um sieben Uhr! –

KUNZ.

Ihr habt mit dem Gericht nicht gern zu schaffen?

War's Euch vielleicht schon manchmal auf der Spur?! –

KURT vor sich.

O meine Nerven, wollet nicht erschlaffen

Vor Schmerz und Lust!

KUNZ.

Nun – legt Euch schlafen nur! –

KURT.

Gut' Nacht! –

KUNZ.

Schon gut! –

KURT.

Es wird sich alles lösen,

Der Trug, der Fluch! –

TRUDE.

Schlaft sanft! –


Sie steckt Kunzens Laterne an der auf dem Tisch stehenden Lampe an und giebt sie dem Kurt.


KUNZ.

Und – kreuzt Euch vor dem Bösen! –


Kurt geht mit der Laterne in die Kammer.


TRUDE.

Er geht! –[277]

KUNZ.

Nun – räum nur ab indessen! –

Das war ein rechtes Henkersmahl! –

Nun – morgen ist's vorbei, die Thorheit und die Qual! –


Er setzt sich in den Lehnstuhl an den Tisch.


TRUDE indem sie das Messer vom Tische nimmt und es wieder an den Nagel zur Sense hängt.

Ich kann den Fremden immer nicht vergessen! –

KURT der nun immer in der Kammer bleibt und vor sich spricht.

In einem Haus und unter selbem Dache

Mit ihr, die mir mein ruhlos Leben gab! –

O brich entzwei, mein morscher Wanderstab,

Und wende dich, du Fluch der Rache! –


Er entkleidet sich während des folgenden.


KUNZ zu Truden, die durch die Ritze der Bretterwand guckt.

Pfui, horchen! – Schäm dich, Weib! – Der Horcher an der Wand! –

TRUDE.

Jetzt schnallt er sich die Katze los –

Er legt sie auf den Tisch – die ist gespickt und groß! –

KUNZ.

Dem, denk' ich, thut der Kopf nicht weh, dem er sie ab einst band!

TRUDE.

Wie meinst du das? –

KUNZ.

Geh nur zu Bette! –

KURT in der Kammer.

In dieser Kammer still und klein,

Da wiegten oft als Kind mich Alpenhörner ein! –

O daß der goldne Traum mich nie verlassen hätte! –


Er wirft sich, halbentkleidet, in einen alten in der Kammer stehenden Strohstuhl.


TRUDE.

Jetzt spricht er mit sich selbst – vom Golde! –

KUNZ.

Scher dich schlafen! –[278]

TRUDE zu Kunzen an den Tisch tretend.

Nun, sei nur nicht so wild! ich geh' ja schon! –

Kommst du nicht auch? –

KUNZ.

Noch nicht! –

TRUDE.

Er sprach von unserm Sohn,

So viel –, so oft –

KUNZ.

Gott soll mich strafen!

Wenn du nicht schweigst – ich lauf' noch diese Nacht davon! –

TRUDE.

Kunz – Gott, was fällt mir ein! – Ach, wenn er selbst es wäre,

Der totgeglaubte Sohn – wenn er zurückgekehrt,

Wenn er – ach, immer war er meinem Herzen wert! –

O zürne nicht der mütterlichen Zähre! –

KUNZ.

Weib, länger, auf Soldatenehre,

Ertrag' ich's nicht! – Ich glaub', du thust es mir zum Hohn! –

Las't du's gedruckt nicht, daß vom ganzen Bataillon

Der Schweizer, wo der Kurt in Dienst genommen,

Auch nicht ein einz'ger Mann entkommen?

Daß sie in jener Nacht, bei der Revolution –

Von der der Fremde log, er sei dabei gewesen –

Ermordet all'? – Der längst im Grabe modert schon,

Der Sohn soll kommen! – Recht, als sollt' uns wieder droh'n

Der Vater, wieder schrei'n, und wieder 's böse Wesen

Bekommen! – Nein, mein Kind! Tod ist der Sünder Lohn!

Wer übern Alpenpaß des Grabes ist entfloh'n,

Hat ihn noch nie zurückerklommen! –

KURT in der Kammer.

Was hielt mich ab, mich heut' schon zu entdecken?! –

Wir saßen da, so traulich, so vereint! –

Wie gern hätt' ich mich heut' schon ausgeweint

An elterlicher Brust! – Doch war's, als ob das Schrecken

Der Hölle zwischen sie und mich sich drang,[279]

Und das Geständnis, das sich oft zur Lippe rang,

Gewaltsam immer wieder rückwärts zwang! –

TRUDE die sich unterdessen auf das Strohlager im Hintergrunde wie zum Schlafen hingeworfen, halb aufgerichtet auf demselben sitzend.

Wer er nur war – der Fremde?!

KUNZ.

Wer er war? –

Ein Kerl, an dem kein gutes Haar! –

TRUDE.

Die Eltern, sprach er, wohnen von hier nur eine Stunde!

KUNZ.

Gelogen ist's! – Hier auf dem Alpenrunde,

Zumal im Winter, wohnen nur Eulen noch und wir! –

TRUDE.

Er ist so sanft! –

KUNZ.

So? – schien er's dir? –

Sahst ihn nicht unstät immer hin und wieder geh'n?

Mit glüh'nden Augen auf uns seh'n?! –

Ich war Soldat, Weib, ich muß das versteh'n!

Wie mancher Kerl ist mir begegnet,

Der fest war, ob's auch Kugeln hätt' geregnet!

So was erkennt man an dem Augendreh'n,

Am immer ängstlich flücht'gen nach allen Seiten Späh'n;

In so 'nem Kerl da thut der Böse leibhaft brennen!

D'rum muß er immer glupen, immer rennen! –

TRUDE.

Dort hat er auch den Wein noch lassen steh'n! –

Trink noch ein Schlückchen – 's wärmt dich! –

KUNZ.

Auf sein Wohlergeh'n! –


Er schenkt sich ein und trinkt, was er während der folgenden Reden, wie in Gedanken, immer wiederholt.


TRUDE indem sie sich auf das Strohlager ausstreckt, halb schon im Schlafe.

Das walte Gott, wenn Seel' und Leib sich trennen! –


Sie schläft ein.
[280]

KUNZ.

Ich möchte Amen sagen; doch seit die That gescheh'n,

Die fluchbeladne, kann ich's nicht! – Werd' ich's noch einmal können?! –

KURT in der Kammer.

Laß mich im Strudel der Gedanken

Versinken nicht, du Gott der Huld!

Laß es zurück zum Abgrund wanken,

Das Bild der blut'gen Mordesschuld! –

Laß mich der Schwester Geist versöhnen,

Die jetzt vielleicht, mitleidig, auf mich schaut,

Und auf des Herzens Gletscher mir warmes Leben taut! –

Schon schmilzt das Eis! – Gottlob, es kommen Thränen! –

KUNZ nach der Wanduhr blickend.

's ist zwölfe bald! – Wenn morgen mittag hier

Der Zeiger zwölf zeigt, ist es aus mit mir! –

Denn morgen früh – hei, wie die Eulen schrei'n! –

Da heißt's: Marsch, Kuruth, in den See hinein! –

's ist seltsam! – Muß denn das so sein?! –

TRUDE im Schlafe tief aufseufzend.

Ah! –

KUNZ.

Auch die stöhnt da! 's ist ein Haus der Pein,

Dies alte Fluchhaus, wo sich Sünd' an Sünden reih'n.

Verfluchte Väter stets verfluchten Söhnen dräu'n:

Kein Wesen d'rin darf sich erfreu'n! –

Der wilde Jäger dort, der könnt's allein!

Er hat ja Gold! – Nun, hab' er's, hab' ich doch seinen Wein! –

Du, Wein, du, könntest du vom Wasser mich befrei'n!

Befrei'n – des Jägers Gold, das könnt's – mich retten! – Nein!

Welch neuer Teufel blies mir den Gedanken ein?![281]

TRUDE im Schlafe singend.

»Warum ist dir dein Schwert so rot,

Eduard –?« –

KUNZ.

Sie singt im Schlaf – 's ist närrisch anzuhören! –

TRUDE wie vorher.

»Ich hab' geschlag'n 'nen Geier tot –«

KUNZ.

's ist grauerlich! – Sie atmet tief und schwer! –

Es scheint ein böser Traum – ich muß sie stören! –

TRUDE wie vorher.

»Darum ist mir mein Schwert –«

KUNZ laut.

Trude! –

TRUDE sich aus dem Schlafe ermunternd.

Wa – was?

KUNZ.

Was fehlt dir? –

TRUDE.

Ach, mir ist beklommen sehr! –

KUNZ.

Du sangst im Schlafe! –

TRUDE.

Ich? –

KUNZ.

Von g'schlag'n 'nen Geier tot! –

TRUDE.

Das Lied spukt mir im Kopf heut' ohne Unterlaß!

KUNZ.

Ist's nicht das alte Lied, wo's heißt am Ende da:

»Ich hab' geschlag'n meinen Vater tot!

Davon ist mir mein Schwert so rot;

Daran seid ihr schuld, Mutter?« –

TRUDE.

Ja – ach ja! –[282]

KUNZ.

Ein dummes Lied! –

TRUDE.

Komm doch zu Bett' – mich graut –

KUNZ.

Bald!

TRUDE.

Nun so steh' ich auf – kann doch nicht ruhig schlafen! –

Ach Gott, wie schwer sind doch der Sünden Strafen! –


Sie steht weinend vom Strohlager auf.


KUNZ.

Ja – Fluch, das ist ein böses Kraut! –

KURT in der Kammer, sich betend auf ein Knie niederlassend.

Wenn ich einmal soll scheiden,

So scheide nicht von mir!

Wenn ich den Tod soll leiden,

Schleuß auf des Himmels Thür!

Wenn mir am allerbängsten

Wird um das Herze sein,

So reiß mich aus den Ängsten,

Kraft deiner Angst und Pein! –


Er bleibt, wie leise fortbetend, auf den Knieen.


KUNZ.

Ein albern Liedel das, vom roten Schwert! –

Wie'n Beil, das eiskalt übern Nacken fährt! –

Mich friert!

TRUDE.

Mich auch!

KUNZ.

Das Fieber – hätt' er's uns angethan,

Der Golddieb! – Wüßt' ich das, er fände seinen Mann!

Im Krieg hab' ich wohl andern den Kopf vom Rumpf getrennt!

TRUDE zusammenschaudernd.

Den Kopf vom Rumpf! –

KUNZ.

Dich grauselt's – denkst an Vaters Testament? –[283]

Brr! –


Indem sein Blick auf die Wanduhr fällt.


Wie der Perpendikel rennt! –

Mich friert – mach Feuer! –

TRUDE.

Hab' ich Holz denn? –

KUNZ.

Nimm nur da

Die Sense – werden doch sie nicht mehr brauchen können! –

Das Unheilsding – längst hat's verdient zu brennen! –

TRUDE.

Mir schaudert immer, komm' ich ihr zu nah! –


Sie nimmt die Sense vom Nagel herunter und macht mit dem morschen Stiele derselben, den sie zerbricht, im Kamin Feuer an.


KURT in der Kammer, indem er von den Knieen aufsteht.

Ich bin entsühnt – die Ahnung ist erfüllt;

Wie Alpenglöcklein tönt's von oben: Frieden! –

Schon naht der Schlummer mir – und tröstend hüllt

Er bald auf heim'schem Boden mich, den Müden! –

An dieser längst ersehnten Bretterwand

Hat oft mein fröhlich Hirtenhorn gehangen;

Noch steckt der Nagel drin, an den ich's band! –

Mir naht die Kinderzeit mit blüh'nden Engelswangen;

Mein Schwesterchen mit kindisch zarter Hand,

Beut wieder Alpenröslein mir! – Das Bangen,

Beschwichtigt ist's – erreicht der Heimat Land! –


Er hängt seine Kleider und Gerätschaften an einen Nagel der die Kammer von der Stube scheidenden Bretterwand, dieser biegt sich und die Sachen fallen herunter.


KUNZ.

Was fiel?! –

TRUDE.

Ich weiß nicht –

KUNZ.

Seltsam wird mir's schwer

Und angst! – Du, reich doch mal die Bibel her! –


Trude bringt Kunzen die Bibel und geht dann wieder an das Feuer zum Kamin.


KURT in der Kammer.

Der Nagel will mein Kleid schon nicht mehr tragen! –

Nun – 's ist auch größer jetzt! – Komm, laß dich grade schlagen! –[284]

KUNZ in der Bibel lesend.

»Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser,

Aber der Mutter Fluch reißt sie wieder nieder.« –

Nicht wahr! – Der Mutter Segen baut allein

Sie auf; des Vaters Fluch, der reißt sie ein!


Kurt hat unterdessen in der Kammer den Nagel gerade geschlagen und seine Kleider daran gehangen; von der dadurch bewirkten Erschütterung fällt das an der andern Seite der Bretterwand hängende große Messer herunter und Truden vor die Füße.


TRUDE entsetzt zu Kunzen an den Tisch eilend.

Ach! –

KUNZ vom Stuhle, auf dem er bisher immer gedankenvoll gesessen ist, schnell aufspringend.

Halt – was fällt mir ein! –

TRUDE.

Das Messer fiel! –

KUNZ.

Sprach nicht der Kerl, er sei ein Mörder?! –

TRUDE.

Nein!

KURT in der Kammer zum Schlafengehen sich bereitend.

Nun dann – gottlob, ich bin am Ziel! –

Mein Maultier, das am nächsten Orte

Ich wohl bepackt zurücke ließ,

Mein Knecht bringt's morgen früh – dann schließt mein Gold die Pforte

Mir auf vom ird'schen Paradies! –


Indem er die Geldkatze vom Tische nimmt und sie unter das Kopfende des im Hintergrunde der Kammer befindlichen Strohlagers schiebt.


Komm, liebes Gold, durch dich ist Rückkehr mir gelungen! –

Durch Gold, das in des Abgrunds Tiefen wohnt! –

Denn ehrlich hab' ich es errungen,

Und treues Streben wird belohnt! –

Aus neuer Welt bring' ich's zur alten,

Leg' es in meiner Eltern Hand;

Dann mag Gott mit uns allen walten! –


Sich auf das Strohlager streckend.


Gegrüßet sei mir, Vaterland! –


Er schläft ein. Das Licht in der auf dem Tische in der Kammer stehenden Laterne verlischt.
[285]

KUNZ.

Er sprach: – er hab' 'nen Mord begangen! – Ei!

So ist der Kerl ja vogelfrei! –

Ein jeder kann ihn plündern, ihn berauben;

Weil die Gesetze das erlauben,

Sie heißen's gar –

TRUDE.

Um Gotteswillen, Mann! –

KUNZ.

Ihn töten könnt' ich – darnach kräht kein Hahn!

Beim Mörder steht das jedem frei! –

TRUDE.

Um Jesu Wunden! –

KUNZ.

Nun,

Mach kein Geschrei! – Ich werd' ja das nicht thun! –

Ich will ja nur – die Zeit die thut uns eilen! –

Daß er ein Räuber ist – nun, das ist sonnenklar!

Ein Zaubrer gar vielleicht! – So'n Kerl, der bringt Gefahr

Der Eidgenossenschaft! – den Raub mit ihm zu teilen,

Nur dazu hätt' ich Lust! –

TRUDE.

O laß den Frevel sein!

KUNZ.

So soll ich springen in den See hinein,

Und gottlos Unrecht thun; – jetzt, wo mir's Recht erlaubt,

Mich, dich zu retten, wenn ich raube was geraubt?! –

Gut, lassen wir's! – Ich kann auch sterben! –

TRUDE.

Nein! –

KUNZ.

Soll ich –! –

TRUDE.

Thu – was – du willst –

KUNZ.

So leucht' mir! –

TRUDE die Lampe vom Tische nehmend.

Höllenpein! –[286]

KUNZ.

's ist Mitternacht! Das ist 'ne gute Stunde! –

Da hat man Mut; wenn auch der Vater blau

Vom Schlagfluß da liegt! – Nun, was zitterst, Frau? –

TRUDE in der einen Hand die Lampe haltend und sich mit der anderen an Kunzens Arm klammernd.

O laß –

KUNZ indem er, an Truden angeklammert zur Kammerthür schleichend, mit dem Fuße an das zuvor auf die Erde gefallene große Messer stößt.

Hoho! liegst du da, alter Kunde? –

Dich nehm' ich mit –


Er hebt das Messer auf.


TRUDE.

Du willst doch nicht sein Blut

Vergießen?! –

KUNZ.

Nein! – Sieh, das verstehst du nicht! –

Ich bin Soldat gewesen – sieh nur – da braucht man Vorsicht!

So'n scharfes Ding – es ist auf alle Fälle gut! –


Indem er nebst der sich immer an ihn klammernden Trude in die Kammer tritt.


Du! – ist's nicht, als ob's hier nach Leichen riechen thut?! –

TRUDE.

O, komm zurück! –

KUNZ.

Er schläft! – wo hat er seine Katze

Mit Geld? – Dort guckt sie vor – unter der Strohmatratze!

Nun, nimm sie! –

TRUDE.

Nein! –

KUNZ.

Du schämst dich? – Ja freilich, 's ist nicht fein! –

'ne Schmach ist's! – Hör, was meinst du? – Wir lassen's lieber sein! –

TRUDE.

O, das gab dir dein Engel ein! –[287]

KUNZ indem er das Messer in die Brusttasche steckt.

Ja – laßt uns schuldlos sterben! – Schuldlos? – Nein! –


Die Wanduhr schlägt zwölf.


KUNZ während die Uhr schlägt, jeden der Schläge nachzählend.

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieb'n, acht, neun, zehn,

Elf, g'nug! – Zwölf! – Keif nicht, Alter, es ist einmal gescheh'n! –

TRUDE ihn zur Thür ziehend.

O komm! –

KUNZ die Thür leise öffnend und sie plötzlich wieder zuziehend, indem er schaudernd zurückfährt.

Brr! –

TRUDE.

Gott! – Was ist dir? –

KUNZ.

Da hinein kann ich nicht geh'n! –

TRUDE.

Warum?

KUNZ.

Hast nicht den Alten im Lehnstuhl sitzen seh'n,

Blau, mit gebrochnen Augen, nach mir herum sich dreh'n? –

TRUDE die Thür öffnend und in die Stube hinein sehend.

's ist nichts! –

KUNZ Truden dicht an sich ziehend.

Bleib hier – mich graut! – dicht bei mir hier bleib steh'n!

So! –


Indem er Trudens Arme umklammert und sie mit den seinen wie zum Beten emporhält.


Hilf mir beten! – Hilf mir! –

TRUDE die Lampe auf den Boden setzend und ihre Arme mit Kunzens Armen verschlungen gefaltet empor hebend.

O, könnt' ich uns Hilf' erfleh'n! –

KUNZ.

Vater unser, der mich hat verflucht! –


[288] Zu Truden.


Sieh – wie dort der Fremde höhnisch lacht!

Aus mich lacht er, weil nur ich verflucht

Und nicht er's ist! –

TRUDE ihn zur Thür ziehend.

Flieh die düstre Macht!

KUNZ noch einmal die Hände zum Gebet zusammen klammernd.

Vater! –


Zu Truden immer nach Kurt hin schielend.


Horch! – Sein Gold – 's ist auch verflucht! –

Komm mit! ruft's. – Komm! ruft's durch die Mitternacht,

Wie ihm die Gletscher! – hörst's? –

TRUDE.

Die Eulen schrei'n.

KUNZ.

Nein – sein Gold ist's! – Ich soll's, es will mich befrei'n!

Retten will mich's von der Höllenpein! –

Wie er lächelt mit den roten Wangen – er allein

Sollt', ein Schwelger, sich des Lebens freu'n,

Reich und unverflucht und selig sein;

Und nur ich! – Hab' ich nicht Fleisch und Bein,

Bin ich Mensch wie er nicht; stand ich tapfer nicht in Glied und Reih'n,

Wenn der feige Mörder da nachts sich schlich auf Räuberei'n;

Und nur ich sollt', schmachbeladen, in den Daubensee hinein,

Bloß weil ich verflucht und arm bin? – Nein!


Sich aus Trudens Armen, die, ihn umklammernd, ihn nach der Thür ziehen will, losarbeitend.


Nein, mich retten muß ich – retten! Sollt's auch ewig mich gereu'n! –


Aufschreiend und zu Kurts Strohlager hineilend.


Hexenbold, dein Gold ist mein! –

KURT während Kunz sich über ihn hinbeugt, um ihm die Geldkatze unter dem Kopfende des Strohlagers fortzuziehen, erwachend und noch schlaftrunken aufschreiend.

Ha, Diebe! – Mörder! –[289]

KUNZ wütend das Messer herausreißend und dem Kurt zwei Stiche versetzend.

Mörder selber! Du! –

KURT.

Mich – Euren Sohn – bringt Ihr – zur Ruh'!? –

TRUDE.

Mein Sohn! – –


Kunz fährt entsetzt zurück.


KURT mit letzter Kraftanstrengung vom Lager aufstehend und ein Papier aus dem Brustlatze hervorziehend.

Ich bin's – da les't –! –


Er sinkt Truden in den Arm.


KUNZ dem Kurt das Papier aus der Hand reißend, damit zu der auf der Erde stehen gebliebenen Lampe eilend und das Papier aus einander faltend.

Ein Paß ist's! –


Lesend.


»Kurt Kuruth

Aus Schwarrbach –!« –


Das Papier entsinkt seinen Händen.


Ha, Verfluchter! 's ist deines Sohnes Blut! –


Er wirft das Messer mit solcher Gewalt an den Boden, daß es zerspringt.


TRUDE dem Kurt den linken Hemdärmel aufstreifend.

Er hat die Sens' am Arm! – Mein Sohn ist's!


Indem sie, den sterbenden Sohn immer im Arme haltend, ermattet auf die Kniee sinkt, zu Kunz.


Bring um's Leben

Mich auch, du Kindermörder du –! –

KURT zu Kunz und Trude.

Vergeben –

Hat euch – der Vater –! – Ihr seid fluchentsühnt –! –

KUNZ vor Kurt hinknieend.

Und du – vergiebst du? –

KURT.

Ja –! –

KUNZ.

Und Gott – vergiebt er?! –[290]

KURT.

Amen –! –

TRUDE.

Er stirbt! –

KUNZ von den Knieen aufstehend.

Wohlan – in Gottes Namen! –

Ich büße gern das, was ich schwer verdient! –

Ich geh' zum Blutgericht und geb' die Mordthat an! –

Wenn ich durch's Henkerbeil bin abgethan,

Dann mag Gott richten – ihm ist alles offenbar!

Das war ein vierundzwanzigster Februar! –

Ein Tag ist's! – Gottes Gnad' ist ewig! Amen! –[291]

Quelle:
Das Schicksalsdrama. Herausgegeben von Jakob Minor, Berlin und Stuttgart [o.J.], S. 257-292.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Der vierundzwanzigste Februar
Der Vierundzwanzigste Februar: Eine Tragedie in Einem Akt, Zweite Auflage (Paperback)(German) - Common
Der vierundzwanzigste Februar.
Der vierundzwanzigste Februar: Eine Tragödie in einem Akt

Buchempfehlung

Meyer, Conrad Ferdinand

Jürg Jenatsch. Eine Bündnergeschichte

Jürg Jenatsch. Eine Bündnergeschichte

Der historische Roman aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges erzählt die Geschichte des protestantischen Pastors Jürg Jenatsch, der sich gegen die Spanier erhebt und nach dem Mord an seiner Frau von Hass und Rache getrieben Oberst des Heeres wird.

188 Seiten, 6.40 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon