Erstes Kapitel

[349] Freilich nur mit halber Freude und mehr aus Neubegierde, ob die verdächtige Nachricht gegründet sei oder nicht, befolgte Herrmann den Auftrag seines Herrns getreulich und nahm jedesmal seinen Weg, wenn er ausgeschickt wurde, durch die Lindenallee, sollte auch der Umweg eine Stunde betragen: er sah niemals ein Gesicht, das Ulriken mit einem Zuge glich. Der Diener war in seinem Suchen nicht glücklicher und brachte seinem Herrn jeden Morgen die Nachricht, daß die Nymphe schon versprochen gewesen und ihm nicht zuteil geworden sei. Herrmann knirschte jedesmal mit den Zähnen, wenn so eine Nachricht überliefert wurde.

Seine Unruhe ängstigte ihn Tag und Nacht: sie ließ ihn nicht zwo Minuten auf einem Flecke stehen oder sitzen, und des Nachts wälzte er sich von einer Seite zur andern und suchte den Schlaf, ohne ihn auf lange Zeit zu finden. Er bat sich von seinem Herrn die Erlaubnis aus, die zehn Dukaten zu verdienen und die Schauspielhäuser zu durchstreichen: der Kaufmann, dem er im Gewölbe ohnehin entbehrlich schien und der auch schon beschlossen hatte, sich zu Ende der Probezeit seiner zu entledigen, verstattete ihm ohne Weigerung seine Bitte.

Mit der Empfindung eines Staatsgefangnen, der sein Urteil erwartet und beinahe gleichwahrscheinlich Tod und Leben hoffen kann, wanderte Herrmann aus. Sein erster Besuch im deutschen Schauspielhause lief fruchtlos ab: den folgenden Tag rüstete er sich mit einer Lorgnette und machte im französischen Schauspiel einen Versuch: man spielte Racinens ›Bérénice‹. Er hatte auf dem Schlosse des Grafen hinlängliche Kenntnis der Sprache erlangt, um alles zu verstehen, was er hörte; und die große Ursache, warum er nichts verstund, war keine andere, als weil er bloß sah und nicht hörte, wenigstens nur hie und da einen Vers, der ihm noch aus der Lektüre geläufig war und zufälligerweise itzt auf sein Trommelfell[349] fiel: sein Kopf war unaufhörlich nach den Logen gerichtet, und jedes Damengesicht, das erschien, mußte sich Zug für Zug untersuchen lassen, ob nicht einer darunter sei, der ihm Ähnlichkeit mit Ulriken gebe. Der Vorhang fuhr rauschend in die Höhe: noch war keins gefunden, das ihr gehören konnte. Das schnurrende Geräusch der Zuschauer verstummte, das Orchester schwieg: ein langer, baumstarker Antiochus in rotseidnem Mantel, mit einem schwankenden Busch Gänsefedern auf dem papiernen Helme, marschierte in abgemeßnen Schritten, die Arme gleich den Henkeln eines Blumentopfs majestätisch in die Seiten gestemmt, durch den gewölbten Portikus daher: ihm folgte im gelben, blumenreichen Mantel ein kurzer untersetzter Arsaz, von unten bis an den Gurt der schwarzsamtnen Beinkleider ein Franzose, vom Nabel bis zum Ende des befiederten Kasketts ein altgriechischer Bastard.


»Hier laß uns stehn!«


huben Ihro Majestät an; und sie stunden. Der König lehrte seinen Vertrauten die Geographie des Palastes und machte ihn besonders mit den zwo Nebentüren bekannt. Nachdem er so die Landkarte verzeichnet hatte, befahl er ihm, zur Königin zu gehen, ihr einen schönen Gruß zu vermelden und höflichst zu bedauern, daß ihr der König wider seinen Willen beschwerlich fallen und sich eine geheime Unterredung ausbitten müßte.

Arsaz, der ehemals in Languedoc Hecheln verkauft hatte, trat einen Schritt zurück und verwunderte sich mit dem lauten Geschrei seines vormaligen Gewerbes, wie ein so großer König in einem so hübschen, roten Mantel einer Königin beschwerlich fallen könnte, deren Liebhaber er sonst gewesen wäre. »Ob sie gleich die künftige Gemahlin des Titus ist«, rief er,

»Setzt dich ihr Rang von ihr unendlich weit hinweg?« Herrmann, dem die lautgekreischte Frage die Ohren erschütterte; glaubte nicht anders, als daß sie der Schauspieler seinetwegen getan habe, und wiederholte seufzend den Vers einigemal in Gedanken.[350]

Antiochus war unterdessen vom Vertrauten allein gelassen worden und unterhielt sich deswegen mit sich selbst.


»Werd ich ihr ohne Zittern sagen können:

Ich liebe dich!

Nein, ach! ich zittre schon! Mein wallend Herz

Scheut diesen Augenblick so sehr, als ich ihn wünschte.«


Herrmann stutzte: der Mann hatte seine Empfindung aus dem Herze gestohlen. Nicht weniger als er wünschte, Ulriken wiederzufinden, fürchtete er, sie verführt, ungetreu, auf immer seines Hasses wert wiederzufinden.


»Entfernt von ihren Augen, will ich sie

Vergessen und dann sterben!«


›Ja, wer es könnte!‹ dachte Herrmann.


»Wie? soll ich stets in Qualen seufzen,

Die sie nicht kennt? stets Tränen weinen,

Die sie nicht fließen sieht?«


Die Verse wurden so ganz mit seiner Empfindung gesprochen, daß er sich nicht von ihnen losreißen und kein Wort mehr von dem übrigen Monologe hören konnte: die ganze folgende Unterredung mit dem Vertrauten war ihm unleidlich, widrig, langweilig: denn sie enthielt kein Wort, das auf seinen Zustand paßte: er gähnte und mochte die langweiligen Schwätzer vor Verdruß nicht einmal ansehn.


»Die Königin erscheint«,


rief Antiochus auf dem Theater: es kam auch wirklich eine dicke, rotgetünchte Königin im Fischbeinrocke und Goldstoffe, sehr zierlich en coeur frisiert, eine Milchstraße von funkelnden Steinen wie Sternchen quer über den hochgetürmten Haaren, gravitätisch dahergeschritten: aber Herrmann würdigte die vergoldete Majestät keines Blickes; denn er hörte eben das interessantere Knarren einer sich öffnenden Logentür und sah eine interessantere Königin im roten Pelze hereinkommen. Sie brachte ein junges Frauenzimmer von sechs oder sieben Jahren mit sich, dem sie einen bequemen Platz zurechtemachte: indem fragte man sich im Amphitheater hinter und vor Herrmanns Sitze: wer ist das? – »Es ist die Gouvernante bei der Fräulein Troppau«, antwortete[351] jemand. Sie hatte während ihrer Beschäftigung mit dem Niedersitzen der Fräulein ihr Gesicht beständig niederwärts gebeugt und sah itzo erst sich in der Versammlung um. – »Eine hübsche Physiognomie!« sagte hier einer, der sie lorgnierte. – »Eine artige Figur!« sprach dort ein anderer, der durch einen Gucker sah. – »Ah!« versetzte ein dritter und zog jenem ungeduldig den Gucker vom Auge weg. »Pardi! eine sehr interessante Physiognomie! große schwarze Augen, voller Feuer! ein frisches Teint!« – »Ah ça!« fing ein grauhaarichter, rotbackichter Franzose an, der schon lange mit seinen alten Augen unter den silbernen Augenbraunen hinaufgeblinzelt hatte, »donnez!« und langte nach dem Gucker. »Voulez-vous voir, Monsieur?« fragte der andre und überreichte langsam das Sehinstrument. »Diable!« rief der Alte so laut, daß alle Köpfe nach ihm herumfuhren, »voilà une jolie petite gueuse! – Voïez!« fing der begeisterte Alte nach einem Weilchen wieder an und stieß seinen Nachbar. »Quel sourire! elle a un trait de malignité, cette petite coquine« – und jeden Augenblick wischte er mit begieriger Eilfertigkeit den Gucker an der Manschette ab und schalt das fatale Instrument, daß es den Blick trübte, wiewohl seine Augen trüber sein mochten als der Gucker. »Elle me charme!« rief der Alte ganz außer sich vor Entzücken und zappelte mit den Füßen. – »Voudriez-vous bien l' avoir?« fragte sein Nachbar lachend. – »Je vous dis Monsieur«, antwortete der Alte, zitternd vor Vergnügen, »que c'est un excellent morceau.« – »Permettez!« schnarrte ihm ein junges geputztes Männchen, das schon lange in allen Taschen nach seinem Fernglase vergeblich gesucht hatte und sich doch schlechterdings die Schande nicht antun konnte, mit bloßen Augen zu sehen, über die Schultern herüber, riß ihm den Gucker aus der Hand und sah hin. »C'est une Allemande?« fragte er: man bejahte es. »Elle passe«, sprach er mit kritischer Kaltblütigkeit und gab den Gucker zurück. – »Comment!« rief der Alte und drehte sich ereifert nach ihm um, »was finden Sie an ihr auszusetzen? so eine artige runde Stirn! Ich sage Ihnen, die mediceische Venus hat kein artiger Kinn, und der kleine lächelnde Mund! diese[352] spirituelle Miene! Ich sage Ihnen, ich kann kein schöner Gesicht malen, und wenn Sie mich wie ein Prinz bezahlen. Les parties et l'ensemble – je vous dis, Monsieur, qu'elle est delicieuse.«


Während dieses Zankes verschlang auch Herrmann die Schönheit, die er betraf, mit den Augen, und um so viel begieriger, weil ihm jeder Blick mehr bestätigte, daß es Ulrike sei. Die Gleichheit war so vollkommen, daß ihr auch nicht ein Zug fehlte: er hatte sie zwar nunmehr über ein Jahr nicht mit ruhiger Aufmerksamkeit gesehn, und das Gesicht mußte seit seiner Abreise aus seiner Vaterstadt einige beträchtliche Veränderungen gelitten haben, wenn sie es sein sollte. Er hätte dem französischen Maler, als er ihre Schönheit so lebhaft verteidigte, mit beiden Fäusten wider den jungen Laffen, der sie nur leidlich fand, beistehen mögen. Sie war ihm tausendmal reizender als sonst: eine Gottheit mußte sie mit neuen Annehmlichkeiten belebt haben: ihr Blick zog das Herz in die Höhe wie die Sonne den Abenddunst. Bei allem Lächeln ihres Mundes schien ihm geheime Betrübnis aus ihrem Gesichte zu sprechen: – »Ganz natürlich!« dachte er, »sie weiß nicht, wo ich bin; weiß nicht, daß wir nur um einen Blick voneinander getrennt sind!« – Itzt lenkte sie ihr Auge nach seinem Platze hin, indem erschallte vom Theater:


»Meine Tränen, meine Seufzer

Folgten dir an jeden Ort.« –


Ihre Miene wurde wehmütig, ihre Lippen bewegten sich, als wenn sie die Worte leise zu ihm herabsprächen: nun war in seinen Gedanken nichts gewisser, als daß sie ihn schon gesehen und erkannt hatte; und verschiedene ähnliche Zufälle bestätigten ihn völlig in seiner süßen Einbildung.


»So viele Treue

Verdiente größer Glück«,


sprach eine vierzigjährige Vertraute auf dem Schauplatze mit keuchendem Tone: so schlecht sie es sagte, so klatschte er ihr doch seinen Beifall zu, weil sie für ihn eine so große Wahrheit gesagt hatte: das Amphitheater hielt es für Spötterei und folgte seinem Beispiele nach, daß die arme Vertraute, die nur[353] eben aufgetreten, war, vor Verwunderung über den so seltenen und itzt ganz unerwarteten Beifall den Kopf schüttelte.

Bérénice.


Ich will ihn nicht erwarten,

Will unerwartet ihn hier finden, und

Bei dieser Unterredung alles sagen,

Was langverschloßne Zärtlichkeit

Zween liebenden, zufriednen Herzen eingibt –


Seine Einbildung täuschte ihn so gewaltig, daß ihm die Worte nicht vom Theater, sondern aus Ulrikens Loge zu schallen schienen: das Orchester hub nach ihnen ein sanftes Andante an, und Ulrike stand auf und ließ neugierig ihre Blicke im ganzen Hause herumschießen. Aber warum sahe sie nun nicht ihren Herrmann allein an? Er ärgerte sich, daß ein Blick auf jemanden außer ihm fiel. Endlich nach langem Herumschauen trafen ihre Augen wirklich auf sein Gesicht: sie sah es starr und ernsthaft an: er lächelte zu ihr hinauf, und die Freude, als sie ihn erkannte, zwang sie unbewußt zu einer so entzückten Bewegung des Kopfs und drückte sich so lebhaft in allen Zügen des Gesichts aus, daß ihre Bewunderer im Amphitheater sich neidisch nach dem Gegenstande umsahen, dem die Freude galt. Mit halbem Zweifel an der Wahrheit des Anblicks erfolgte ein Wink mit den Augen, und dann auf beiden Seiten ein förmlicher Gruß: allein bei aller Zurückhaltung waren sie doch nicht zurückhaltend genug: denn ihrem beiderseitigen vertraulichen Nicken, worinne der ganze Gruß bestand, konnte auch ein Halbblinder anmerken, daß es mehr als Höflichkeit ausdrückte. Nach dieser Beobachtung richtete sich nunmehr die Neugierde der Umstehenden auf den glücklichen Menschen, welchem ein so englischer Gruß herabgeworfen wurde: man fragte sich ringsum: niemand kannte ihn. Der alte Franzose, der sie vorhin so lobpries, drängte sich über zween Plätze weg zu ihm hin und hielt ihm mit einem sehr höflichen »Monsieur?« seine Tabaksdose vor: Herrmann sah nichts, was tiefer als Ulrikens Kopf war: der Maler stieß ihn also an: Herrmann wandte sich hastig und warf ihm die lackierte Büchse aus der Hand, daß sie unter den Bänken bis ans Parkett hinabrollte.[354] Der Mann wollte zwar diese Gelegenheit nützen, ein Gespräch einzufädeln, allein die Musik schwieg, und er mußte sich gleichfalls zum Schweigen entschließen.

Nunmehr wurde das Schauspiel eine unaufhörliche Unterredung für die beiden Liebenden: Herrmann war Titus, und Ulrike machte sich zur Bérénice: jede Süßigkeit, jeder Ausdruck der Zärtlichkeit, jede Versicherung der Treue, jede Sentenz, die mit ihrem beiderseitigen Zustande übereinstimmte, wurde unmittelbar, wie sie aus dem Munde der Schauspieler heraustönte, in Gedanken von beiden wiederholt und mit einem Blicke von ihm zu ihr hinauf oder von ihr zu ihm herab auf ihren Zustand angewendet.

Titus: Ach! welcher Liebe soll ich mich entschlagen!

Paulin: Ja, leider! einer glühend heißen Liebe!

Titus:


O tausenfältig heißer ist sie, Freund,

Als du dir denken kannst. Mir war es Wonne,

Sie jeden Tag zu sehn, zu lieben und ihr zu gefallen.

– – –


Titus:


Ich kenne sie, ich weiß, daß nie ihr Herz

Nach einem andern als nach meinem strebte.

Ich liebte sie, gefiel ihr, und seit jenem Tage –

Soll ich ihn traurig oder glücklich nennen? –

Verlebt sie, fremd in Rom und unbekannt dem Hofe,

Die Tage, liebt und wünscht kein größres Glück,

Als eine Stunde mich zu sehn,

Die übrigen mich zu erwarten.

– – –

Ich sehe sie, benetzt mit Tränen,

Die meine Hände trocknen sollen.

Was nur die Liebe kennt, um mächtig stark zu fesseln,

Kunstlose Sorge, zu gefallen, Schönheit, Tugend –

Oh, alles, alles find ich in ihr! – –


Während dieser geheimen Unterredung schien die ganze Versammlung vor Herrmanns Augen zu schwimmen: Lichter, Kulissen, Menschenköpfe tanzten in schwebender Verwirrung wie trübe, ferne Schatten vor ihm herum: das einzige Bild, das seinen ganzen Horizont füllte, das deutlich[355] und bestimmt durch die Augen bis zur Seele und zum völligen hellen Bewußtsein gelangte, war Ulrike. Bérénice war für ihn das höchste Ideal eines schönen Schauspiels, und Schauspieler und Schauspielerinnen schienen ihm Apoll mit den neun Musen, die in eigner Person herabgestiegen waren, das schönste Stück meisterhaft zu spielen. Seine Nachbarn dachten zwar hierinne ganz anders, und es flogen von allen Seiten lustige Einfälle über die spielenden Personen um ihn herum: allein für ihn war dieser Widerspruch nicht hörbar. Nichts belästigte ihn als der Maler, der so gern um Ulrikens willen seine Bekanntschaft machen wollte: denn er sprach nicht bloß mit dem Munde, sondern noch mehr mit dem Ellebogen, und beschwerte sich zornig bei seinen Nachbarn über die Unhöflichkeit des Menschen, der ihm nur mit unwilligen Mienen oder gar mit einem erzürnten »laissez-moi« antwortete. Es lag ihm um soviel mehr daran, seinen Zweck zu erreichen, weil seine Bekannten sich über ihn lustig machten und gleichsam mit Bonmots nach ihm warfen.

Da Ulrike merkte, daß man mit allen Augen, Guckern und Lorgnetten aus dem Amphitheater nach ihr zielte und daß man nunmehr alle diese Sehwerkzeuge auch im Parkett und den Logen nach ihr richtete, befand sie für gut, ihren Stuhl zurückzuschieben und sich so zu setzen, daß sie nur für sehr wenige sichtbar blieb. In dieser Pause gelang es dem Maler wirklich, den müßgen Herrmann ins Gespräch zu ziehn. – »Monsieur, connoissez-vous cette Dame?« fing er an. – »Ob ich sie kenne?« fragte Herrmann mit pikiertem Tone. »So gut als mich!« – »Ah!« brach der Maler abermals in ihr Lob aus, »quels yeux! quel front! quelle bouche! quel joli tour de visage!«

Herrmann. So viel Geist in der Miene! So viel Feuer im Auge!

Der Franzose. Quel teint! quel nez!

Herrmann. Und die feine zarte Haut! so sanft, so annehmlich wie ihre Seele!

Der Franzose. Quelle gorge! – Je vous dis, Monsieur, qu'elle est delicieuse (und dabei zog er alle fünf Finger über den Mund weg).

[356] Herrmann. Sie haben die Hände noch nicht gesehn: so weiß, so fleischicht, von einem so liebevollen Drucke, daß man nicht denkt, hört noch sieht, wenn man von ihnen berührt wird.

»Diable!« schrie der Maler und fing mit seinem Lobe wieder von vorn an. Für die Nachbarn war es ein wahrhaftes Lustspiel, die beiden Leute so unerschöpflich und inbrünstig um die Wette einen Gegenstand loben zu hören: einer redete in den andern hinein und wollte ihn übersteigern. Beide zeichneten freilich als Verliebte, aber Herrmann noch am treffendsten. Ulrikens Bildung war in Ansehung der einzelnen Teile nicht schön: ein strenger Beurteiler würde vielleicht an jedem, für sich betrachtet, etwas zu tadeln gefunden haben: aber in der Zusammensetzung bildeten sie vom Kopf bis zu den Füßen das niedlichste Ganze: in jeder Bewegung war Geist, ihre Miene beständig sprechend und oft stärker sprechend als ihre Worte, ihr Gesicht ein abwechselndes Gemälde von kleiner, mutwilliger Lustigkeit und Gutherzigkeit, und der immer bleibende Grund, auf welchem dieses Gemälde sich zeigte, eine ausgebreitete, schuldlose Heiterkeit: ob sie gleich in ihren Bewegungen und Handlungen oft bis zur Unbesonnenheit rasch war, so wurde doch selbst diese Raschheit von einer gewissen Anmut begleitet, von Sanftheit so gemildert, daß jemand von ihr sagte, sie habe zwei Seelen, eine männliche und eine weibliche. Ihr Wuchs und der feine Gliederbau war vielleicht die einzige körperliche Schönheit, die sie auszeichnete: von der äußersten Fußzehe bis zum Wirbel schwebte Anstand und Reiz wie ein Paar Liebesgötter mit ausgebreiteten Fittichen um sie her. Ihr erster Anblick überwältigte: man mußte schlechterdings mit solcher Ergießung loben wie der alte Franzose; und fand man gleich in der Folge weniger Schönheit an ihr, so hielt doch ihre Naivität und ungekünstelte Munterkeit dem ersten heftigen Eindrucke so sehr die Waage, daß man seine Verminderung nicht sonderlich wahrnahm oder wahrnehmen wollte.

So richtig zeichnete freilich weder der Franzose noch Herrmann,[357] ob sie gleich den ganzen fünften Akt über dem Gemälde ihrer Göttin verplauderten: der Maler erbot sich, sie zu malen, lud Herrmannen zum Abendessen zu sich ein und versprach ihn en buste et en demi-figure gratis zu malen, wenn er ihm die Ehre verschaffte, ihr Porträt zu machen. Herrmann schlug nicht ab und sagte nicht zu; denn eben, als sie auf diesen Handel kamen, machten die Schauspieler ihre Verbeugung, und der Vorhang rollte herab: ohne die Ankündigung abzuwarten, drängte sich Herrmann ungestüm durch die Bank, der Franzose hinter ihm drein: da standen sie beide an der äußersten Tür und lauerten! Es kamen rotgemalte und weißgetünchte Damen und gelbe, hustende Herren in Pelze gewickelt, Laufer schwangen die Fackeln, Bediente kreischten mit rauhen Hälsen den schlummernden Kutschern zu, die wartenden Herren klagten über Kälte und ihre Damen über Nässe, Kutschen rollten dahin, rollten daher; geblendete Fußgänger krochen an den Wänden hin, den trampelnden Rossen zu entgehn; andre schrien, erschrocken, daß sie an Pferdeköpfe rennten; hier lauschte ein frierender Liebhaber auf seine verzögernde Schöne, dort ein brummender Ehemann auf die plauderhafte Gattin; hier wurde mit leisem Gezischel eine Nacht bedungen, dort um bessern Kredits willen eine bezahlt; ein gähnender Kopf klagte da über die Langweiligkeit des Stücks und beschwerte sich, daß er nur zweimal im ganzen Trauerspiel gelacht habe; hinter ihm lobte eine empfindsame, seufzende Schöne das Rührende des Schauspiels, sie war gerührt worden, ach! gerührt, daß ihr noch die Tränen über die Wangen flossen; vor ihr drängte sich eine rauschende Französin am Arme ihres Anbeters vorüber – »Ah!« schrie sie, »cette piese m'a dechiré le coeur« und brach in ein lautschallendes Gelächter aus, weil sie ihr zweiter Anbeter von hinten galant in die Seite knipp: ein deutscher Kritikus lachte des matten französischen Ausdrucks, der drei Einheiten und des tragischen Kreischens, und ein französischer bewies ihm mit hitziger Demonstration aus dem Batteux, daß die Franzosen die besten Trauerspieldichter auf der Erde sind: schöne Eheweiber, die von dem[358] händeküssenden und scharrfüßelnden Haufen ihrer Liebhaber Abschied nahmen, während daß der Mann grunzend in der Kutsche auf sie harrte: schnatternde Franzosen und schweigende Deutsche – ein verwirrter Haufen in mannigfarbiger Mischung quoll aus allen Türen hervor: das Gedränge wurde schon dünne: noch war Ulrike nicht da. Der Maler guckte jeden Augenblick mit langem Halse nach ihr, und Herrmann fürchtete schon zitternd, daß er sie übersehn habe. – »Ah! voilà notre Princesse!« schrie der Maler. Sie kam, aber o ihr guten Götter! – von einem Offizier geführt: Herrmann wurde totblaß vor Schrecken. Sie sprach sehr munter mit ihrem Führer, ohne sich umzusehn: der Offizier nahm mit einem Händekuß Abschied, und sie schwang sich federleicht in den Wagen hinein. Nun hatte der arme übersehene Herrmann nichts Geringers zur Absicht, als dem Wagen aus allen Kräften nachzulaufen, um ihre Wohnung zu erfahren: er sprang also die Treppe hinunter, der Maler ihm nach. »Ecoutez, Monsieur!« rief er und ergriff ihn bei dem Rocke: der brennende Verliebte riß sich los, daß alle Nähte des Kleides prasselten, und nun in einem Galoppe hinter dem geliebten Wagen drein! Von Neid und Besorgnis über den Offizier gequält, von der Fackel des aufstehenden Bedienten mit einem glühenden Pechregen übersprützt, keuchend und stolpernd, setzte er den langen Lauf standhaft fort, durch Pfützen, Kot und Schlammhaufen, daß beständig ein feiner Hagelregen von Unflat auf sein Gesicht und Kleidung herabstürzte: der Weg ging durch die Königsstraße über die Brücke hinweg und noch durch einige Straßend der Vorstadt. Der Wagen hielt: Ulrike eilte mit ihrer jungen Begleiterin lachend und schäkernd die breite Treppe hinan.

Sich in so höchst beschmutzter Gestalt in ein so schönes Haus zu wagen, dazu gehört viel: aber seinem Wunsche so nahe, sich über so mannigfaltige Unruhen und Besorgnisse kein Licht zu verschaffen und ganz unverrichteter Sache wieder abzuwandern, dazu gehörte noch mehr: er entschloß sich kurz und wagte sich die Treppe hinan. Bediente liefen geschäftig[359] mit dem Abendessen, mit Tellern und Lichtern auf dem Vorsaale hin und wider: er erkundigte sich bei einem nach der Gouvernante der Fräulein. »Die Mamsell Herrmann?« fragte der Bediente, »eine Treppe höher, über den Flur weg, rechts, am Ende die große Tür hinein, über den Saal linker Hand die dritte Tür!« – plappernd sprach er dies und ging seinen Weg.

Himmel! das war eine Tagreise: Er wiederholte sich die angezeigte Marschroute und wandelte die Treppe hinan, den ganzen langen Flur durch – itzt hörte er Ulrikens Stimme, die große Tür öffnete sich, sie kam heraus, ihr Fräulein an der Hand, schäkernd und lachend: sie erblickte Herrmanns beschmutzte Figur, dicht an die Wand gedrückt, sah halb schüchtern, mit gerecktem Halse stillstehend, nach ihm, erkannte und erschrak, daß sie aus aller Fassung geriet. Die junge Fräulein bestürmte sie mit einer kindischen Frage nach der andern, wer es sei, und drückte sich furchtsam mit dem Kopf an Ulrikens Seite: es antwortete ihr niemand. Endlich brach Herrmann das minutenlange Stillschweigen und berichtete, daß er die Ehre habe, der Mamsell Herrmann einen Brief zu überbringen. – »Gleich, Herr Vetter!« rief Ulrike: dort flog sie hin.

Herrmann freute sich seiner verliebten List und der glücklichen Gemütsfassung, womit er sie ausführte: er mußte lange warten. Itzt schwebte seine Göttin in dem seidnen, schlanken Anzuge, leicht wie auf den Fittichen der Luft, durch den dämmernden Korridor daher: ihr glühendes Gesicht leuchtete von fern wie der aufgehende Mond hinter rötlichen Abendwolken. Vom Laufen erschöpft, bat sie ihn, ihr zu folgen. So zeremoniös wie einen Fremden, führte sie ihn in ihre Stube; und nun – weg waren alle Komplimente! Sie warf sich ihm um den Hals, er ihr; ihr Gesicht lag auf seiner Schulter, das seinige an der ihren: »Willkommen, Herzensheinrich!« schluchzte sie in sein Kleid hinein, »tausendmal willkommen, Herzensulrike!« antwortete er mit der nämlichen Dumpfheit der Stimme. –

Ulrike riß sich los. »O daß ich dich habe!« rief sie. »Daß ich[360] dich hier habe, wo uns niemand kennt, niemand hindern kann!«

Herrmann. Wohl mir, wohl wie im Himmel, daß ich dich habe! – Aber wehe uns, wenn wir uns nicht behalten dürfen!

Ulrike. Ich bitte dich, Heinrich, mache mich nicht wehmütig! Wozu denn nun itzo das Flennen? Ich war so lustig, ich hätte mögen über Tisch und Stühle wegspringen: da schlägst du mir gleich meine Wonne mit deinem schwermütigen ›Wehe!‹ danieder. Ich glaube, die Freude macht dir den Kopf wirblicht. Besinne dich doch! Ich bin ja da: was willst du denn weiter?

Herrmann. Glücks genug! so wahr ich lebe, Glücks genug! Aber du weißt nicht, was ich fürchte! doppelt fürchte!

Ulrike. Was hast du denn so Fürchterliches zu fürchten? Und gar doppelt? – Also zum ersten?

Herrmann. Man sucht dich: Onkel und Tante wissen, daß du hier bist: sie versprechen demjenigen, der dich findet, zehn Dukaten –

Ulrike. So wohlfeil bin ich ihnen?

Herrmann. Noch mehr! Jemand, dem nach diesem Preise lüstet, gibt entehrenderweise vor, daß er dich in einem schändlichen Hause gesehn habe, und verspricht, dich zu liefern – Er schwört, daß diejenige, die er genau kennen will, deinem Porträte, das der Onkel an einen Kaufmann geschickt hat, damit er dich nach ihm finden soll –, daß jene Person deinem Porträt auf ein Haar ähnlich sieht; und sobald sie in seiner Gewalt ist, wird sie fortgeschickt.

Ulrike. Laß sie schicken! laß sie schicken! Ich wollte, daß sie mir wie aus den Augen geschnitten gliche.

Herrmann. Aber bedenke, Ulrike, welchem Rufe dich diese falsche Nachricht aussetzt! wie der Graf zürnen wird, wenn er sich so schändlich hintergangen sieht!

Ulrike. Lieber Heinrich, das sind zwei Sachen, an die wir wahrhaftig nicht denken müssen, wenn wir Lust haben, uns zu freuen. Ein Mädchen, das ihrer Tante heimlich entlaufen ist, muß mit dem Rufe vorliebnehmen, der ihr zuteil wird: wenn sie sich nicht damit trösten kann, daß sie keinen bösen[361] verdient, so muß sie zu Hause bleiben, in ein Stift gehen oder einen Stock heiraten, wie ihn der liebe Gott beschert. – O Heinrich! mannigmal mitten in meiner Lustigkeit sticht mich's wie ein Dorn am Herze, wenn mir der Gedanke durch den Kopf fährt, daß ich von allem dem Kummer und Herzeleid und Zank und Lärm die Urheberin bin: aber der Schritt ist einmal geschehn: ja, Heinrich, so sehr ich dich liebe, sollt ich ihn noch tun, ich bedächte mich. Ein entlaufnes Mädchen und ein lüderliches werden gar leicht miteinander verwechselt – und dann! so schüchtern wie ein gescheuchtes Reh herumzuirren, immer fürchten, daß man gehascht wird, zwischen Schimpf und Mißhandlung eingesperrt – Gott weiß es, ein trauriges Leben! – O Heinrich! Heinrich! weinen sollten wir, nicht lachen: ich schien mir nur glücklich, weil ich nicht an unser Unglück dachte.

Herrmann. Du schienst dir's nur? Du bist's! Aber ich – ich werd es nie.

Ulrike. Warum nicht? – Leidest du Not? Heinrich, sprich! Du Verzagter, so härme dich doch nicht! Ich habe Geld, Geld in Menge, Geld, ich weiß nicht wohin damit! ich will dich kleiden, will deine Taschen füllen, will herzlich gern Pelz und alle Kleider verkaufen, wenn dir's nicht genug ist: sprich! und der Jude soll gleich da sein: nur ängstige mich nicht und sage, daß du unglücklich bist!

Herrmann. Ulrike, ich bin glücklich bei dir, mit dir, durch dich: aber in meinem Herze faßt auch dies Glück keine Wurzel. Nimm ihm so viele Leidenschaften, die es zusammenpressen, daß mir der Atem vergeht, die Begierde, die mich immer vorwärts zieht, die mich an die Zukunft fesselt und die Gegenwart nicht fühlen läßt! dann erst machst du mich fähig, glücklich zu sein.

Ulrike. Sage mir nur, woher dir die unselige Laune kömmt! Du warst sonst so munter: ich wette, du bist bei dem Doktor Nimmersatt – oder wie dein Doktor in Dresden hieß – so ängstlich geworden. Was bekümmert dich die Zukunft? Wir können ja kaum mit der Gegenwart zurechtekommen. Mache nicht, daß ich auch zum Murrkater werde! hernach[362] ist's gar mit uns aus. Wir haben so nicht viel Freude zuzusetzen.

Herrmann. Aber sage mir nur, Ulrike, wo ich die Freude hernehmen soll! Ein elender Kaufmannsbursch, vom Morgen bis zum Abend dem Befehle und Zwange unterworfen, zu widrigen, langweiligen, schlechten Verrichtungen genötigt, der es kaum wagen kann, dich zu lieben, sobald er bedenkt, was er ist – ein Unglücklicher, dem nichts auf der Welt gelingt, ohne Beruf, ohne Stand, ohne Ehre, ein Verachteter, Herabgesetzter, ein Irrläufer, der seine Bestimmung sucht und sie nie finden kann –, solch ein Kind des Unglücks soll sich freuen? Wie kann das Roß springen, wenn es im Karren ziehen muß?

Ulrike. Warte, armer Heinrich! warte, ich will dich ausspannen. Sage deinem Kaufmann noch heute, daß du nicht länger sein Junge sein willst. Ich habe jährlich zweihundert Taler, alle Bedürfnisse frei und bekomme Geschenke über Geschenke: die zweihundert Taler sind dein, ganz dein: miete dir eine Wohnung, lebe für dich! Freunde und Patrone will ich durch unser Haus schon für dich finden; und dann ist uns beiden geholfen: was sollen wir weiter? – Du armer, lieber Kaufmannsjunge! wie bist du denn in das Leben geraten, da du keinen Gefallen daran findest? Warum bist du so mißtrauisch gewesen und nicht gleich, wie du gingst und stundst, nach Berlin gekommen, als ich dir schrieb?

Herrmann. Als du mir schriebst? – Nicht eine Zeile von deiner Hand hab ich empfangen.

Ulrike. So ist doch wahrhaftig dein Doktor des Hängens wert. Vierzehn Tage nach meiner Ankunft in Berlin hab ich dir mit dieser meiner rechten Hand geschrieben, daß du nach Berlin kommen sollst, und dir ein Haus angezeigt, wo wir uns finden wollten. Gut, daß ich damals meine itzige Station noch nicht hatte! Den Brief hat der unselige Doktor aufgefangen und der Oberstin zugeschickt –

Herrmann. Zuverlässig! denn Schwinger berichtete mir, daß die Oberstin deinen Aufenthalt ausgekundschaftet habe –

[363] Ulrike. Und Tante Sapperment hat den aufgefangenen Brief an die Tante Gräfin geschickt –

Herrmann. Und der Oberstin Brief ist in die Hände des Grafen geraten, das schrieb mir Schwinger –

Ulrike. Und nun hat der Graf mein Porträtchen hergeschickt, um mich aufsuchen zu lassen –

Herrmann. Und nun hat sich jemand gefunden, der dem Porträt ähnlich sieht –

Ulrike. Und diesen Jemand wird man statt meiner dem Grafen schicken. – Das ist die ganze Geschichte Wort für Wort, als wenn ich ihr zugesehn hätte.

Herrmann. Gewiß, das ist sie! – O der Freude, daß uns das Glück so wohlwill!

Ulrike. Überglücklich sind wir! – Bedenke nur, was das für eine Lust sein muß, wenn sie denken, sie haben Ulriken im Garne und – pah! da kömmt ein Jüngferchen heraus, das sowenig ihre Ulrike ist wie der Karpfen, den wir heute gegessen haben!

Herrmann. O welche köstliche Szene! Ich muß lachen, wenn gleich der Kopf darauf stünde. –

Sie lachten auch beide so herzhaft und priesen den glücklichen Zufall mit so vieler Fröhlichkeit, daß sie den Bedienten nicht kommen hörten, als er mit dem Tischzeuge anlangte, um zu decken. Sobald sie ihn gewahr wurden, nahmen sie wieder die Miene des Zwangs und der Fremdheit an.

Ulrike. Herr Vetter, Sie werden mir die Ehre erzeigen und heute bei mir speisen.

Herrmann. Wenn Sie erlauben, Mamsell, werde ich die Ehre haben, Ihnen Gesellschaft zu leisten. –

Man schwieg; der Bediente deckte, ging: und nun laute Freude und inniges Gelächter über die komplimentarische Betrügerei!

Ulrike. Ich habe dir deinen Namen den ganzen Weg über gestohlen: um des Diebstahls willen verklagst du mich wohl nicht? – Ich kriege ja doch den Namen einmal: was schadet's, ein paar Jahre früher, als er mir von Gott und Rechts wegen zukömmt?

[364] Herrmann. Ich möchte, daß er dir schon itzt vor aller Welt zukäme! – Aber warum ein paar Jahre früher? Nunmehr können wir die Entfernung unsers Glücks nur nach Wochen berechnen.

Ulrike. Du hast recht, Heinrich. Was das für eine alberne Rechnung war, die ich machte! Du hast recht: was will uns denn nun hindern? – Der Graf kriegt ehester Tage eine Ulrike: wenn's auch gleich nicht die Rechte ist, was liegt denn daran? Er mag sie dafür behalten und ihr alle seine Gnade und seinen Zwang schenken. – Nun sind wir ja alle befriedigt: er hat eine Ulrike und ich meinen Heinrich. – O du allerliebster Kaufmannsjunge! wir sind glücklich wie die Engel!

Herrmann. Glücklich, daß mein Herz vor Wonne schmelzen möchte! –

Der Bediente unterbrach abermals ihre Freude: er brachte die Suppe.

Ulrike. Wollen der Herr Vetter die Gewogenheit haben, Platz zu nehmen?

Herrmann. Ich werde das Vergnügen haben, Ihnen gegenüberzusitzen. –

In diesem Tone mußten sie sich während der Suppe erhalten, weil sie der Bediente nicht verließ. Das war eine drückende Last: Ulrike machte ihm also weis, daß seine Gegenwart anderswo nötig wäre und daß er deswegen das ganze übrige Essen zugleich aufsetzen sollte: das alte, faule Geschöpf ließ sich so etwas mit Freuden überreden und folgte ihrem Rate. Nun sahen sie sich sicher und frei: aber ihre Herzen waren zu überströmend voll, daß sie noch lange schwiegen und viel zu reden glaubten, weil sie innerlich mit sich selbst sprachen. Bei Ulriken löste sich zuerst die Zunge.

»Es ist mir schon lange eingefallen«, fing sie an, »ob mich nicht die Frau verraten haben möchte, die mich von Leipzig nach Dessau brachte. Vergeblich hab ich zwei Tage in Leipzig auf dich gewartet: hast du mein Billett vor meiner Abreise von Dresden nicht empfangen?«

Herrmann. Empfangen, aber unglücklicherweise durchaus verwischt! Nachgeflogen wär ich dir; aber das fatale Blatt sagte[365] mir alles, nur den Ort nicht, wohin ich sollte. – Wie konntest du so ein Wagestück unternehmen?

Ulrike. Es hat mich Überwindung genug gekostet. Man schrieb mir, meine Mutter wäre schon unterwegs, um mich ins Stift abzuholen: einen so nahen Besuch konnt ich unmöglich abwarten: ich ersah mir die Gelegenheit und wischte fort. Ich hatte mir schon lange vorher vorgenommen, wenn die Saiten zu hoch gespannt würden, nach Berlin zu gehn und mich als Kammermädchen zu vermieten. Tante Sapperment hat eine alte Landkarte von Obersachsen, auf Leinwand geklebt und noch vom seligen Herrn Gemahle angekauft: itzt wird sie zuweilen statt des Strohtellers unter die Schüsseln gelegt: auf dem alten berußten Blatte suchte ich mir den Weg nach Berlin zusammen. Eine Kappe über den Kopf, ein Reisebündelchen am Arme, in Saloppe und Negligé wanderte ich zum Tore hinaus: meine Tante war zum Souper gebeten, Hans Pump ausgegangen, die Köchin in ihrer Kammer: es ging mir alles nach Wunsche. In der Vorstadt treffe ich einen Bauerwagen, der vor einem Wirtshause hält. – »Willst du denn noch so spät nach Hause, Gürge?« fragte ein Mensch, der vermutlich der Hausknecht oder gar der Wirt sein mochte, und trank dem Bauer einen Krug zu. – »Ja«, antwortete Gürge, »es ist aber heint verzweifelt dunkel.« – »Narr! du wirst dich doch wohl nicht fürchten?« fing jener wie der an. »Bis Wilsdruf ist's ja nicht aus der Welt.« – Die Nachricht war mir gar sehr gelegen: da der Wirt gute Nacht gesagt hatte, ging ich leise zu dem Bauer hin und bot ihm einen guten Abend. – »Gürge, willst du mich mit nach Wilsdruf nehmen? Ich gebe dir einen Gulden.« – Gürge lachte und wunderte sich, daß ich ihn so genau kannte. – »Wer ist Sie denn?« fragte er. – Eine Pfarrerstochter aus Meißen: ich will eine gute Freundin besuchen. – »Ist Sie denn schwer?« fragte der drollichte Schäker und hub mich in die Höhe. »Ach! daß mich das Schäfchen bisse! Das ist ja eine Feder: Sie wird mir die Pferde nicht lahm machen« – und mit diesen Worten warf er mich so leicht wie ein Bündel Stroh in den Wagen hinein, machte mir einen Sitz und gute Nacht Dresden![366] Mir klopfte mein Herz, daß ich dachte, die Schnürbrust würd es nicht halten können. Im Tore raffte ich mich, so gut es sich tun ließ, zusammen, zog die Kappe tief über das Gesicht, daß man nicht viel sehen konnte, ob man mir gleich ins Gesicht leuchtete: ich antwortete richtig auf alle Fragen, und kam mit meiner Erdichtung durch. Heinrich, wie froh ward ich, da wir außer dem Schlage waren! Die Furcht saß zwar hinter und vor mir und auf allen Seiten, und mein armes Herz pochte wie eine Uhr. Jeden Augenblick dachte ich: itzt wird man mich zu Hause vermissen! itzt wird man mir nachschicken! Das beste war, daß die Oberstin den Abend vor zwölf nicht nach Hause kam und mich vermutlich im Bette glaubte: demungeachtet war mir nicht wohl dabei zumute. Ich ermahnte und bat den Bauer inständigst, hurtig zu fahren: allein er meinte, wir hätten ja nichts zu versäumen, zündete sich ein Pfeifchen an und kam zu mir in den Wagen. Wie ward mir nun vollends bange! die Stricke, woran er die Pferde lenkte, band er sich an den Fuß und beliebte, sich und mir die Zeit mit einer galanten Schäkerei zu vertreiben: er schlang seine plumpen Arme um meinen Leib –

»Der Bauerkerl!« unterbrach sie Herrmann erhitzt.

Ulrike. Ja, ja, lieber Heinrich! der Bauerkerl! wenn du eifersüchtig werden willst, warte nur: es wird bessere Gelegenheit dazu kommen. Sieh, du Eifersüchtiger! so schlang er die plumpen Arme um mich, wie ich dich itzt umfasse. –

»Ha, ha, ha«, fing er lachend an, »daß dich alle Rotkehlchen! Sie ist ja so dünne wie mein kleiner Finger. Sie nehm ich in die Hand und trag Sie bis nach Leipzig und Merseburg. Wie könnt Sie denn nun so dünne sein? es ist ja gar nichts an Ihr.« – Als er vollends meine Hand ergriff, brach er in lautes Lachen aus und wälzte sich vor spottender Verwunderung. – »Ach, daß du mir nicht aus der Haut hüpfst!« rief er. »Das Patschchen wäre mir, mein Seel! kaum ein Bissen zum Morgenbrote. Daß dich alle Nachtmützen! was das für Fingerchen sind! Es ist, hol mich der Six! als wenn einem vier Regenwürmer in der Pfote lägen.« – Daß er nichts an[367] mir nach seinem Geschmacke fand, war mir sehr angenehm: aber zum Unglücke zog er bei dem heftigen Ausdrucke seines Erstaunens den Strick mit dem Fuße bald hierhin, bald dorthin, und die Pferde wurden wider seinen Willen eine Anhöhe hinaufgelenkt, daß sich der Wagen schon zu legen anfing: ich schrie, und der Tölpel lachte aus allen Kräften. Endlich verstummte sein Spaß: er legte sich, so lang er war, neben mir hin und schnarchte, daß die Toten hätten erwachen mögen. Bei mir war an keinen Schlaf zu denken: immer stellte sich mir meine Entlaufung als etwas Schimpfliches, etwas Strafbares vor, immer deuchte mir, als ob mich jemand vom Wagen risse: meine Angst drängte mich so gewaltig, daß ich mehr als einmal herabspringen und zu Fuße nach Dresden zurückgehn wollte. Die Dunkelheit, die Gefahr des Umwerfens – denn der Wagen hing bald auf diese, bald auf jene Seite –, meine innerliche Beklemmung! – O Heinrich! das war eine schreckliche Nacht! Dunkle und lichte Wolken hingen über mir wie große Riesen mit flammenden Schwertern, die auf mich herabzustürzen und mich für meine Unbesonnenheit zu strafen drohten. Gegen Mitternacht fing der Wind an zu pfeifen und zu brausen, und die großen, dicken Wolken liefen wie große, ungeheure Elefanten und Löwen und Trampeltiere über den Mond weg: bald sah die ganze Gegend im schnellabwechselnden Mondscheine wie ein Kirchhof aus, voller Gräber und weißer Leichensteine: bald bildete ich mir ein, daß die Pferde in einen großen Teich hineinstolperten: ich schrie und weckte meinen Gürgen auf, der mich schnarchend versicherte, es wäre weißer Sand. Etlichemal erschrak ich bis zur Todesangst: ein schwarzer, langer Mann lehnte am Wege dort: die Pferde gingen gerade auf ihn los; ich wollte sie immer weglenken. Das ist ein Räuber, ein Mörder! dachte ich: die faulen Pferde gingen sogar langsamer, da wir ihm nahe kamen, als wenn sie's mit ihm abgeredet hätten, damit er mich desto besser auf den Kopf schlagen könnte. Der Wagen war noch einige Schritte von ihm, so schoß plötzlich eine schwarze Figur dicht an mir vorbei über den Wagen weg: ich bebte und[368] konnte nicht schreien, als wenn mich der Mörder schon bei der Kehle gepackt hätte. Nach einigen ähnlichen Auftritten kam ich dahinter, daß meine Mörder Bäume und die schwarzen Figuren, die über den Wagen dahinliefen, Schatten von Wolken waren, die der Wind über den Mond jagte. Oft schien die ganze Gegend ringsherum von Menschen zu wimmeln: sie hüpften, sie sprangen, sie tanzten, manche schwarz, manche weiß: die weißen fletschten die Zähne, und zuletzt wurden es in meinen Augen leibhaftige Totengerippe: ich hörte die Knochen klappern, wenn sie im Tanze aneinanderstießen: sie kamen immer näher, immer näher: die Zähne klapperten mir vor Furcht wie den Toten die Knochen; und dabei fuhren die langen Schatten immer unter ihnen durch wie schwarze Teufel, die sie wegführten. Deine, des Onkels, der Tante Stimme hab ich unaufhörlich im Winde gehört: Tante Sapperment fluchte, und du riefst mir nach: »Warte, warte Ulrike!«, ich hörte dich keuchen, dich auf den Wagen springen: ich erwachte und erkannte meine Vorstellungen für Traum oder Wind.

Ein neues Unglück! Mein Bauer wachte auf und versicherte, als er sich umsah, daß seine Pferde den Weg verfehlt hätten: er ging einen Fleck voraus, um gewissere Nachricht einzuziehn, und brachte keine bessere zurück, als daß wir auf einem falschen Wege wären. Dafür wurden dann die armen Tiere trefflich ausgescholten, aber nicht bestraft: es war nichts zu tun, als gerade bis zu einem Dorfe fortzufahren. Es geschah: wir langten nach einer beschwerlichen Fahrt über Stock und Stein in einem Dorfe an und erfuhren vom Nachtwächter, daß unser Umweg nicht weniger als zwo Stunden betrug. Mein Gürge lachte von Herzen über den Eselsstreich, wie er es selbst nannte, und beteuerte seinen Gaulen, daß sie's nicht dümmer hätten machen können, wenn sie gleich Esel wären. Demungeachtet bekamen sie ein kleines Futter, und erst am Morgen trafen wir in dem Städtchen ein: hier erfuhr ich, daß mein Gürge der Knecht eines dortigen Bürgers war; denn er bat sich meinen Gulden aus und brachte mich zu Fuß in ein Wirtshaus, damit es sein[369] Herr nicht gewahr würde, daß er sich nebenher mit seinen Pferden etwas verdient habe. – »Hol mich der Six! er zieht mir's am Lohne ab« – sprach er und empfahl mich der Wirtin zu guter Pflege.

Sonst hielt ich's immer für eine leichte Kunst, in die Welt hineinzulaufen: aber wie schwer fand ich sie itzt! Die Wirtin meinte es außerordentlich gut mit mir und bereitete mir das köstlichste Frühstück, das sie aufbringen konnte; aber, aber! jeder Tropfen wurde mir Galle, jeder Bissen ekelhaft: alles Geschirr war reinlich, aber war's nicht genug für mich. Ich hatte mich auf dem offnen Wagen die Nacht hindurch erkältet, war wie zerschlagen am ganzen Leibe, spürte Mattigkeit und Hitze in mir und bat mir deswegen ein Bette aus, auf welches ich mich warf, ohne Frühstück noch Nachsetzung zu achten. Die gute Frau sah mich immer bedenklich an und tat Ausruf über Ausruf wegen meiner Blässe. Schlaflosigkeit, Wind, Herumschütteln des Wagens und Erkältung hatten mich wirklich so bleich gemacht, daß ich vor mir selbst erschrak, als ich in den Spiegel sah. ›Was soll das werden?‹ dachte ich. ›Erst eine Nacht, und schon so mitgenommen! Aber was hilft's? Soll der Vogel von selbst wieder in den Käfig fliegen, wenn er einmal heraus ist? – Nein! ich muß nach Berlin oder unterwegs umkommen.‹ – Ich war an der Stubentür einen Postbericht gewahr worden und las darinne, daß eine Post nach Leipzig den nämlichen Tag von Dresden abging: ich erkundigte mich näher bei der Wirtin darnach. – »Ja, meine Scharmante«, sagte sie, »diesen Nachmittag kömmt sie hier an« – und zu gleicher Zeit erbot sie sich, alles für mich zu besorgen.

Ich hatte nicht lange auf dem Bette zugebracht, als die Frau zu mir leise herankam und mich fragte, ob ich schlief. Sie tat allerhand seltsame Fragen an mich, die ich äußerst kurz oder gar nicht beantwortete, sie fühlte mir an den Puls, an die Backen, an das Herz, an die Füße und schüttelte jedesmal mit dem Kopfe, und jedes Kopfschütteln wurde mit einem tiefgeseufzten »Ei! ei!« begleitet. Der Ton und die Fragen verdrossen mich, und ich fragte, was sie hätte. – »Ach, meine[370] Scharmante!« fing sie an, »ich habe ein Anliegen: Sie werden mir meine Vorwitzigkeit zugute halten; ich habe ein Anliegen.« – »Was denn?« – »Sie sind von Dresden?« – Ich wußte nicht, ob ich Ja oder Nein antworten sollte. »Ich komme daher«, sprach ich. – »Legen Sie mir doch meine Vorwitzigkeit ja nicht übel aus, meine Scharmante! Sie sehn mir sehr blaß aus, überaus blaß.« – »Darf man denn nicht blaß aussehn, wenn man von Dresden kömmt?« fragte ich etwas empfindlich. – »Ei! ei! Ja! ja!« – Das war die ganze Antwort. Ich versicherte sie, daß sie mich böse machen würde, wenn sie ihr Anliegen nicht geradeheraus sagte. – »Um Gottes und aller Welt willen nicht, meine Scharmante!« rief sie, »böse müssen Sie nicht werden: das könnte Ihnen gar leicht Schaden tun. Haben Sie denn etwa, da Sie von Dresden kommen – aber Sie müssen meine Vorwitzigkeit ja nicht übel deuten –, haben Sie denn etwa so etwas aufgeladen?« -»Was meint Sie damit?« – »Sie sind doch noch Jungfer, daß ich Ihnen nicht etwa Unrecht tue: oder haben Sie schon einen Mann?« – »Nein!« antwortete ich, ohne sie recht zu verstehn. Endlich tat sie eine so deutliche Frage an mich, die ich schlechterdings verstehen mußte und die mich so entsetzlich aufbrachte, daß ich sie gehn hieß und ihr unwillig den Rücken zukehrte. Die Frage der Frau erlaubte mir nicht, ein Auge zuzutun, so müde ich war: ich ärgerte und härmte mich über den schrecklichen Verdacht und stellte mir die Nachreden vor, die ich mir in Dresden zugezogen haben würde, und was für gefährliche Mutmaßungen ich noch in Zukunft erregen könnte. Ich weinte vor Schmerz und Kummer, verbarg das Gesicht in dem Kopfkissen vor Scham, ich konnte vor Beklemmung kaum atmen: ich fühlte einen wirklichen Fieberschauer. – ›O Gott!‹ dachte ich, ›wenn du vor Krankheit hierbleiben müßtest! man fände dich! holte dich zurück und sperrte dich wie eine Gefangne auf immer in ein Stift ein! oder zwänge dich, einen Pinsel zum Manne zu nehmen, damit du nicht wieder entlaufen könntest!‹ – Die Vorstellung war mir so fürchterlich, daß ich aufstund und in der Stube auf und nieder ging und immer davonlaufen[371] wollte, als wenn ich meiner Angst dadurch entlaufen könnte. –

»Arme Ulrike!« sprach Herrmann vor Mitleid. »Wie gern hätt ich deine Angst für dich tragen wollen.« –

Ulrike. Indem ich so herumirrte, kam die Wirtin mit einer Flasche Branntewein und zwei Gläsern, schenkte ein und reichte mir das Glas. – »Meine Scharmante!« fing sie an, »Sie waren vorhin auf meine Vorwitzigkeit böse: kommen Sie, wir wollen den Groll zusammen vertrinken.« – Ich wollte nicht, aber ich mußte einen Schluck tun: die Magd brachte Backwerk, und ich entschloß mich zum zweiten Schlucke, weil mir der erste merkliche Dienste getan hatte. Sie lobte die Güte ihres Tranks und erzählte, wieviel Wunderkuren sie schon damit verrichtet hätte, trank dabei so reichlich, als wenn sie sich von Grund aus kurieren wollte, und kam allmählich auf die Heiratsgeschichte ihres verstorbnen bucklichten Mannes. Sie wurde so aufgeräumt, und ihre Erzählung war so lustig, daß ich meine ganze Angst darüber vergaß: die dicke Frau fing an zu tanzen vor Aufgeräumtheit und sang sich mit einem klaren, pfeifenden Stimmchen dazu: der Anblick war komisch, um in Todesnöten darüber zu lachen. Ich mußte sie bitten, mich zu verlassen; denn das Lachen und das starke Getränke machten mich so schläfrig, daß ich den Kopf nicht aufrecht halten konnte. Ich legte mich und schlief glücklich ein. – Bei Tische aß ich mit einem Appetite, als wenn ich bei dem Onkel zu Tafel wäre: die Frau Wirtin erzählte mir ihre Ehe mit dem bucklichten Manne – lauter drollichtes Zeug! Mir war so wohl, daß ich mich munter und fröhlich des Nachmittags auf die Post setzte: meine Gesellschaft –

Eben kam ihr Fräulein vom Essen zurück, und man mußte die Erzählung abbrechen und wieder fremd tun. Überdies war es schon sehr spät, und Ulrike bat, daß sich der Vetter morgen gegen Abend wieder zu ihr bemühen möchte, um ihre Antwort auf den überbrachten Brief abzuholen. Er empfahl sich sehr höflich und ging.[372]

Quelle:
Johann Karl Wezel: Hermann und Ulrike. Leipzig 1980, S. 349-373.
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