20. auftritt.

[152] DIE NEGERIN klagt sich.

O wee uns armen negerin!

Es will uns allen duch zerrin,[152]

Grün, brun, rot, weiß, schwartz, gel und blaw,

Goldtfarb, rosinrot, eselgraw,

Zwilch, linen, wullen und sattin

Geet als an narrenkappen hin.

Thünd gmach! So wöllen wir hyn lauffen

Ins duchmans hauß, mer dücher kauffen.

Darnach wend wir euch alle kleyden

Inn zwilch, barchat, sammat seyden,

Yedem ein kappen an sein hals.

Dann wir keyn duch mer hand dißmals.

DIE MAGT klagt.

Die kappen seind all hynweg gangen,

Und hab noch keyn drinckgelt empfangen.

Das thut mir auß der massen zorn,

Das ich so wol hab an die orn

Die schellen gnegdt an dise kappen,

Und seind so unverstanden lappen,

Das sye mir keyn drinckgelt geben.

S vergißt mir nit in all meim leben.

DER ALT NARR.

Seind so vil narren inn der welt,

So rewt mich erst mein gutes gelt,

Das ich so unutz on bin worden.

Ich glaub nit, das ein grösser orden

Dann diser yetz sey auff der erden.

Erst will ich wider frölich werden,

Das ich so schöne narren han.

Ey, wie wol stond in d kappen an!

Man möcht sye hubscher malen nit.

Hebt an einander, singend mit,

Gond hubschlich rumb, das ir nit fallen!

Welcher am basten undr euch allen

Kan springen, singen, rumbher gon,

Will ich zuckrerbßen gen zu lon.

DER NARRENGIESSER klagt.

Ich hett mein lebtag glaubet nye,

Das so vil narren weren hye.

Ich gschweig erst, wann man fragen wolt,[153]

Ein yeden narren bsuchen solt,

Man wurd ir zwar noch finden vil.

Darumb ich nymmer bleiben wil.

Mein kunst und handtwerck gilt hye nit,

Weils ein tag so vil narren git

Und dannocht nummen oben hin.

Knecht, rust dich! Wir wend legen in.

Hye ist keyn gwinnen noch beleiben;

Die narren wöllen uns verdreiben.

Wir wöllen zien inn ander stett,

Da man nit so vil narren hett.

DER KNECHT antwort.

Meyster, im ist, wie ir gsagt hand.

Ich hett gwett, wo im gantzen land

Also vil narren hetten gwond,

Als nummen inn dem zirckel stond.

Darumb so ists wol halb umbsunst

Hye unser handtwerck und die kunst.

Ich förcht, wann wir keyn anders leren,

Wir mögen uns mit dem nit neren.

Dann wo wir kummen inn ein statt,

Da man die sach erfaren hatt,

Wie man die narren sol erkennen,

On gelt so ziehen wir von dennen,

Und das wir lang ersparet hand,

Müend wir verzeren inn dem land.

Ich rhiet, das wir uns niderliessen.

Welcher wolt lon ein narren giessen,

Der sucht uns, da wir gsessen wern.

DER MEYSTER.

Zwar, Fritz, ich wil dir volgen gern.

Ich bitt dich drumb, leg nur bald ein,

Das wir nit lang hye dörffen sein!

Mich durst, so kummen wir zum wein. –

Ir narren, nempt also zu danck

Des spils außgang und sein anfanck!

Wo wir ein narren gdroffen hetten,

Den wend wir darfur han gebetten,[154]

Das ers uns nit fur ubel hab,

Auch keyn verdruß wöll nemen drab.

Dann es nyeman zu leyd beschicht,

Alleyn umb kurtzweil zugericht.

Dieweil doch yetz und all faßnacht

Die narren wöllen han den bracht,

Hand wir uns auch nit saumen wöllen

Und unsern narren furher stellen.

Doch wöllen wir zu fördrist an

Ein ersam herschafft betten han,

Das sye uns solchs verargen nit,

Ein löblich burgerschafft auch mit,

Frawen, junckfrawen desgeleich

Inn einer summa, arm und reich,

Das sye an uns nit zurnen wellen,

Alleyn der faßnacht das zustellen.

So wend wir auff ein ander zeit,

Wanns gott will und es sich begeit,

Etwas witzigers fahen an.

Mit urlaub scheyden wir hyndan.

DER ALT NARR.

Ir narren, gond hyn unnd sein zuchtig

Und hand gut sorg, seind nit unrichtig,

Lugend, foch keynr keyn unflot an!

Er muß sunst zwar den ritten han.

Drumb lond die andren narren z friden!

Es stond ir zwar noch vil doniden;

Wann ir sye sychtig weren worden,

Sye weren auch im narrenorden.

Aber ir sond sye lassen ston

Und ewers pfads stracks fur euch gon.

Desgleichen will ich sye auch betten,

Das sye uns sicher ab lond dretten

Und unser keym thüen keyn leydt.

Will ich umb yedn inn sunderheyt

Verdienen, wo ich anderst kan;

Do sol mich keyner sparen an.

Ich danck euch auch mit höchstem fleiß,[155]

Das ir hye unser narrenweiß

Also fleissig zu hand gesehen,

Welchs doch nyman zu leyd ist gschehen.

Drumb wir reich, arm, weib und auch mann

Zum höchsten wend gebetten han,

Das syes zum besten wöllen wenden,

Wie wirs hand gspylt an allen enden,

Unds fur ein faßnachtküchly nemmen.

Gott wolt, wir kämen wider zemmen

Von yetz zu faßnacht uber jar!

Gott wöll, das diser wunsch werd war,

Der hab euch all inn seiner acht!

Ich wunsch euch alln ein gute nacht.

Quelle:
Georg Wickram: Werke. Band 5, Tübingen 1903, S. 152-156.
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