Sechste Szene

[35] Die Vorigen, Grumio; später Baptista, Lucentio, Bianca, Hortensio und dessen neuvermählte Frau; zum Schluß Chor von Gästen, Petruchio.


GRUMIO.

O Herr, drei Wagen fahren eben vor,

Baptista glaub ich ist's mit seinen Freunden!

PETRUCHIO.

Empfangt sie gut und führt sie hier herein,

Dann rüstet ein Bankett! Da sind sie schon.


Grumio ab. Baptista, Bianca, Lucentio, Hortensio und dessen neuvermählte Frau treten auf.


BAPTISTA.

Als ihr so eilgen Abschied jüngst genommen von uns

Da kamen bald in Sorge wir, ob euch auch nichts passiert!

Wir sind nun hier, es zu erfragen!

PETRUCHIO.

Herzlich seid willkommen, mein Käthchen, grüße sie!

BAPTISTA.

Laßt uns vergessen, was neulich uns entzweit,

Geschah ja manches noch indessen,

Denn, Käthchen, höre nur die Neuigkeit!


Lucentio und Bianca vorführend.


Hier, diese beiden sind ein Paar geworden!

Er ist kein Philolog, doch log er viel,

Lucentio heißt er, trieb mit uns sein Spiel,

So, daß ich anfangs schier ihn wollte morden,

Doch schickt ich endlich mich in alles;

Und Hochzeit war das Ende dieses Falles.


Hortensio und dessen Frau vorführend.


Auch dieser Mann ist gänzlich jetzt zufrieden,

Da ihm das Glück solch schönes Weib beschieden.

Mit ihr vereint hat Bianca er vergessen.

Nicht wahr? Recht viel geschah doch unterdessen.

KATHARINE.

Wie freu ich mich, euch zu begrüßen!

O liebe Schwester, werte Herrn!

Wir haben letzthin scheiden müssen,

Drum seh ich jetzt euch doppelt gern![35]

BIANCA.

Und bist du glücklich?

Ach, du siehst so blaß,

Ernstlich bekümmert war ich schon um dich,

Sehnst dich nach Freiheit wohl ohn Unterlaß?

KATHARINE.

Ich fühle glücklich und zufrieden mich!

BIANCA erstaunt und lauter, so daß die andern aufmerksam werden.

Ich bin verwundert, sag mir, ist es wahr?

Wo ist dein Trotz, dein Hochmut nur geblieben?

KATHARINE mit Wärme, während sie von allen beobachtet wird.

Noch mehr als das brächt ich zum Opfer dar,

Ihm, den ich muß von ganzem Herzen lieben, von ganzem Herzen!

BIANCA, HORTENSIOS FRAU, LUCENTIO, HORTENSIO, BAPTISTA.

Ich muß nur staunen, kann sie kaum erkennen,

Die einst so trotzig, jetzt wie Engel weich.

KATHARINE.

O, wie sie staunen! Kaum mich noch erkennen,

Wie glücklich bin ich nun durch dich, o wie reich!

PETRUCHIO.

Seh, wie sie staunen kaum dich noch erkennen,

Weil du so lieb bist, und wie Engel weich.

GRUMIO tritt ein.

Herr, eure Gäste nahn!

PETRUCHIO.

Sie sind willkommen, ein heitrer Abend kröne unser Glück!


Gäste, Herren und Damen treten auf als Chor. Diener verteilen gefüllte Weingläser. Alle gruppieren sich um Katharine und Petruchio.


PETRUCHIO.

Jetzt in trautem Freundeskreise, an der teuren Gattin Brust,

Schalle laut die frohe Weise, unsres Glückes, unsrer Lust!

CHOR.

Stimmet an die frohe Weise mit der Freude Jubel laut

Zu des edlen Paares Preise, das ein Haus sich neu erbaut!

PETRUCHIO.

Schenket ein vom Saft der Reben,

Füllt die Becher bis zum Rand,

Denn mein Käthchen soll hoch leben,

Meines Glückes Unterpfand!

CHOR.

Katharine sie soll leben,

Preist sie laut durchs weite Land.

KATHARINE.

Wie mir alle Glieder beben,

Teurer Mann, der Preis ist dein!

Du schufst mir ein neues Leben,

Dir nur muß ich dankbar sein!

CHOR.

Schenket ein vom Saft der Reben,

Füllt die Becher bis zum Rand!

Jedes edle Weib soll leben,

Selig, wer solch Kleinod fand!

Ende
[36]

Quelle:
Hermann Goetz: Der Widerspenstigen Zähmung, frei bearbeitet von Joseph Viktor Widmann, Zürich, Wien, München [ca. 1925], S. 35-37.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Prévost d'Exiles, Antoine-François

Manon Lescaut

Manon Lescaut

Der junge Chevalier des Grieux schlägt die vom Vater eingefädelte Karriere als Malteserritter aus und flüchtet mit Manon Lescaut, deren Eltern sie in ein Kloster verbannt hatten, kurzerhand nach Paris. Das junge Paar lebt von Luft und Liebe bis Manon Gefallen an einem anderen findet. Grieux kehrt reumütig in die Obhut seiner Eltern zurück und nimmt das Studium der Theologie auf. Bis er Manon wiedertrifft, ihr verzeiht, und erneut mit ihr durchbrennt. Geldsorgen und Manons Lebenswandel lassen Grieux zum Falschspieler werden, er wird verhaftet, Manon wieder untreu. Schließlich landen beide in Amerika und bauen sich ein neues Leben auf. Bis Manon... »Liebe! Liebe! wirst du es denn nie lernen, mit der Vernunft zusammenzugehen?« schüttelt der Polizist den Kopf, als er Grieux festnimmt und beschreibt damit das zentrale Motiv des berühmten Romans von Antoine François Prévost d'Exiles.

142 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon