Novemberabend

[61] Novemberabend kühlt und feuchtet.

Die Ferne stirbt in Dämmerduft.

Mit mattem Blinzeln nur durchleuchtet

Ein Stern die nebeltrübe Luft.


Gedämpfte Glockenlaute beben

Weich summend über Stoppelfeld.

Aus Wiesenniederungen heben

Sich dunkle Massen in die Welt.


Ein alter Pflüger mit dem Pferde

Zieht müde heim; die Pfeife glimmt.

Vom Schäferhund umtummelt, schwimmt

Mit Blöken dorfwärts eine Herde.


Mit qualmigdunkler Röte säumt

Der Himmel sich. Großleuchtend taucht

Der Mond empor ... Die Landschaft träumt/

Von Ruhesehnsucht überhaucht.

Quelle:
Bruno Wille: Der heilige Hain. Jena 1908, S. 61-62.
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