Grabschrift auf den Hochfürstl. Sachsen-Weymarischen Obrist-Lieutenant und Amts-Hauptmann zu Dornburg, Herrn von Cummarting

[208] Den 17. Dec. 1737.


Mein Wandersmann!

Sieh diesen Stein und dieß Begräbniß an.

Hier ruht ein schöner Cavalier,

Der sich zu seiner Pracht und Zier

die Tugend auserlesen.

Er trug sie in und äuserlich,

man sah sie öffentlich

aus allen seinen Thun und Wesen.

Hier liegt ein Edelmann

der nebst dem Adel des Geblütes

den wahren, ächten Adel des Gemüthes

bewiesen, und stets dargethan.

Gerechtigkeit, Erbarmen, Güte, Liebe,

Treu, Wahrheit, Redlichkeit,

die Höflichkeit und die Bescheidenheit,

nicht einen Augenblick aus seiner Seele bliebe.

Er hat durch seine Sitten

und Gaben, Wandel, Geist und Kunst

sich Gottes und der Menschen Gunst,

erworben, und ihr Herz bestritten.

Es hat ihn jedermann geliebt:

Drum ist auch jedes Herz ob seinen Tod betrübt.

Er war noch jung; doch nur an Jahren;

Allein an Tugend und an Weisheit alt,

Durch Reisen und Verstand hat er gar viel erfahren.

Er war zu allen munter und geschickt;

nur zu den Lastern nicht:

die hat er zeitig unterdrückt.[208]

Hier schläft ein kluger Cavalier,

der eine Kron und Zier

der Ritterschaft gewesen war.

Er hatte viel Verstand

ihm war die Welt durch Bücher und durch Sprachen

ganz wohl bekant.

Viel Sprachen sprach er zierlich rein und klar.

Ein grosser Staatsmann schlummert hier,

der auf der Fürsten Ansehn hielte,

und stets auf ihre Ehre zielte.

Hier ruht ein Held

der zwar noch nicht Gelegenheit gefunden,

daß er sich in dem Feld

dem Feind entgegen hätt' gestellt,

und ihn bekämpft und überwunden;

doch hat er desto mehr

die Welt, sein Fleisch und Blut und auch das Höllen-Heer

benebst den Fürsten dieser Welt

bestritten und bekriegt,

und herrlich, schön und groß besiegt.

Ein frommer Held schläft unter diesem Stein

er machte sich nicht mit der Welt gemein.

Er suchete und fande seine Lust an Gott,

und wandelte nach seinem Willen und Gebot.

Drum hat ihn auch der Herr besonders angesehen,

er gab ihm heimlich zuverstehen

und offenbarte ihm, daß wenn er aus diesen Leiden

und Wanderschaft der Welt solt scheiden.

Er wußte seine Todes-Nacht gewiß.

Daher es denn auch kam,

Daß er sein Testament und alles fertig machte

und sich mit Christi Leib und Blut bedachte,[209]

Und vor und an dem letzen Lebens-Tag

gesund und ohne Klag

von allen Menschen Abschied nahm.

Er schlief darauf ohn alle Quaal und Todes-Pein

mit Singen und mit Beten ein.

Der Geist ist dort bey Gott, der Leib schläfft

hier in dieser Erde,

bis ihn der Heyland auferwecken werde.

Sein Name aber wird im Seegen bey uns bleiben.

Wer dieses liest, der sage mit dem Bileam;

Es fahre meine Seele

auch so aus ihrer Höhle,

und sterb des Todes dieses Frommen

und Gerechten:

Mein Ende sey wie dieses Christen Ende.[210]

Quelle:
Sidonia Hedwig Zäunemann: Poetische Rosen in Knospen, Erfurt 1738, S. 208-211.
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