Biographie

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (Kupferstich)
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (Kupferstich)

1700

26. Mai: Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf wird in Dresden geboren.


1710–1716

Durch die pietistische Großmutter Henriette Catharina von Gersdorf geprägt, und durch die Erziehung an Franckes Pädagogium in Halle, liest Zinzendorf bereits früh die Bibel in den Ursprachen sowie theologische Schriften Speners, Franckes, Luthers und der Orthodoxie.


1716–1719

Er studiert in Wittenberg standesgemäß Jura.


1719

Bildungsreisen in die Niederlande und nach Paris. Dort lernt er die verschiedenen Formen des Katholizismus, besonders den Jansenismus, kennen. Als Mitglied der Gemeinde am Grafenhof Reuß-Ebersdorf er fährt er die Relativität konfessioneller Schranken und lernt die Mystik Johann Arndts in der Nachfolge Jacob Böhmes kennen.


1721

Zinzendorf wird zum Hof- und Justizrat in Dresden ernannt und sucht als solcher die Idee einer Gemeinschaft der Kinder Gottes zu verwirklichen und durch den Druck der sehr umstrittenen »Ebersdorfer Bibel« (1727) zu unterstützen. In deren Anhang schlägt der Erweckungstheologe Johann Andreas Rothe etwa 3000 Korrekturen des Luthertextes vor. Besonders wichtig für die Verwirklichung der »philadelphischen« Idee ist die Ansiedlung von Exulanten.


1722

Zinzendorf gestattet den Exulanten, auf seinem privaten Gut Hutberg/Oberlausitz eine Kolonie zu gründen.

»Die letzten Stunden unsres Herrn und Heilands auf dieser Erde« (Wittenberg).

Zinzendorf verfaßt im Lauf seines Lebens ein umfangreiches schriftstellerisches Werk, mehr als 100, vor allem moraltheologische, katechetische, liturgische und erbauliche Schriften sowie über 2000 Kirchenlieder, die ab 1722 in verschiedenen Liedersammlungen und -büchern erscheinen.


1725

»Die letzten Reden unsres Herrn und Heilandes vor seinem Kreuzestode, das 14.–17. Capitel Johannis an sich haltend« (Wittenberg).

»Sammlung geistlicher und lieblicher Lieder« (Löbau).


1727

13. August: Aus der Kolonie auf Zinzendorfs Anwesen geht die Brüdergemeine Herrnhut als »ecclesiola« innerhalb der lutherischen Kirche hervor. Sie wird zu einem neuen Zentrum des Pietismus, durch eine strenge innere Ordnung gegliedert, tolerant gegenüber radikalen Strömungen und erfüllt vom missionarischen Eifer, der darauf zielt, die Gemeinschaft der wahren Kinder Gottes zu erstreiten und das Evangelium auch unter den Heiden zu bezeugen.


1728

Zinzendorf selbst reist als Missionar zu den westindischen Inseln und den Indianern Nordamerikas. Seine Mission dort ist erfolgreicher als die Verbindung, die er zu anderen philadelphischen Gemeinden in Berleburg (Berleburger Bibel seit 1726) und Schwarzenau knüpft.


1736

Auf kurfürstliche Anordnung wird er des Landes Sachsen verwiesen. In der Folge mietet Zinzendorf das Schloß Marienborn und erwirbt das Gelände am »Haag«, wo eine weitere philadelphische Kolonie als selbständiges Kirchenwesen entsteht. Durch das Amt des Generalältesten ist Herrnhaag mit den anderen Ortsgemeinden verbunden.


1741

In der hiermit begründeten »Theokratie« gilt die Lospraxis: in allen Fragen des täglichen Lebens entscheidet Christus durch das Los.


1747

Zinzendorfs Verbannung aus Sachsen wird aufgehoben.


1749

Herrnhut als Augsburgischer Konfessionsverwandter ist anerkannt worden.


1750

Die Brüder der Gemeinde fühlen sich in unmittelbarer Verbindung mit Christus und verlieren in der Folge den Kontakt zur Wirklichkeit. Ihr Schwärmertum findet durch den Landesverweis der Herrnhaager Gemeinde sein Ende.


1756

Zinzendorfs erste Ehefrau, Gräfin Erdmuthe Dorothea von Reuß-Ebersdorf, stirbt. Sie hat sein Lebenswerk maßgeblich mitgestaltet und ebenfalls Lieder gedichtet.


1757

Zinzendorf heiratet die Äbtissin Anna Nitschmann, die auch Chorpflegerin der ledigen Schwestern in Herrnhut wird.


1760

9. Mai: Zinzendorf stirbt in Herrnhut; seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof der Brüdergemeine.


Buchempfehlung

Angelus Silesius

Cherubinischer Wandersmann

Cherubinischer Wandersmann

Nach dem Vorbild von Abraham von Franckenberg und Daniel Czepko schreibt Angelus Silesius seine berühmten Epigramme, die er unter dem Titel »Cherubinischer Wandersmann« zusammenfasst und 1657 veröffentlicht. Das Unsagbare, den mystischen Weg zu Gott, in Worte zu fassen, ist das Anliegen seiner antithetisch pointierten Alexandriner Dichtung. »Ich bin so groß als Gott, er ist als ich so klein. Er kann nicht über mich, ich unter ihm nicht sein.«

242 Seiten, 11.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon