Hobeln, Hobelmaschine

[372] Hobeln, Hobelmaschine. Die bei den Metallhobelmaschinen angewandte Umsteuerung mit offenem und geschränktem Riemen und Riemenverschieber hat besonders bei den größeren Maschinen sehr erhebliche Kraftverluste.

Man suchte die Nachteile der Riemenverschiebung durch die Anordnung einer elektromagnetischen Kupplung zu vermeiden, die man vielfach in Anwendung findet. Durch die Anwendung leichter Riemenscheiben aus Aluminium (zur Verminderung der Größe der umzusteuernden Massen) versuchte man gleichfalls die mit der Riemenverschiebung verbundenen Nachteile zu vermindern; durch ihre Verwendung wurde der für die Umsteuerung erforderliche Kraftbedarf um 25% herabgesetzt und die Leistungsfähigkeit der Maschinen um 15% gesteigert. An Stelle breiter Riemen verwandte man ferner zwei schmale, die sich rascher und leichter verschieben lassen, da sie nur die Hälfte des Wegs zurückzulegen haben.

Dem Erfordernis einer Anzahl von verschiedenen Schnittgeschwindigkeiten kam man durch die Anordnung von Riemen- oder Zahnräderstufenvorgelege oder bei elektrischem Einzelantrieb durch die Anwendung von Stufenmotoren mit einer Abstufung der Umdrehungszahl von 1 : 2 und 1 : 3 gerecht werden. Bei großen Hobelmaschinen führt sich indessen mehr und mehr der regulierbare Reversiermotor ein (vgl. die Figur), dessen Anwendung eine erhebliche Kraftersparnis, Rückgewinnung der Massenenergie vor dem Umsteuern, keinen Riemenverschleiß, Wegfall des Geräuschs bei der Umsteuerung, beliebige veränderliche Schnittgeschwindigkeit, konstante Rücklaufgeschwindigkeit, Unabhängigkeit in der Aufstellung als Vorteile aufweist. Der Antrieb erfolgt entweder durch direkt umsteuerbaren und regulierbaren Gleichstrommotor oder durch normalen Gleichstrommotor mittels Umformer in Leonard-Schaltung oder durch direkt umsteuerbaren Drehstrommotor [1].

Der Ausnützung der beim Schnellschnittstahl möglichen Schnittgeschwindigkeit standen die beim Auftreffen des Hobelstahls auf das Arbeitsstück und dessen schädliche Rückwirkung auf die Haltbarkeit der Maschine und des Werkzeugs entgegen. Powell hat nun eine Tischhobelmaschine (D.R.P. a.) konstruiert, bei der die Tischgeschwindigkeit beim Ein- und Austritt des Stahls nur 9 m/Min, beträgt. Der Stahl schneidet also ohne wesentlichen Stoß an. Nach dem Anschneiden wird die Tischgeschwindigkeit auf 36 m/Min, erhöht und dieser Schnellgang bis kurz vor Austritt des Stahles beibehalten. Gegen Ende des Hubs wird die Tischgeschwindigkeit wieder auf 9 m/Min, vermindert, wodurch eine zu plötzliche Enthaltung des Stahls und ein Abbröckeln der Schnittkante vermieden wird. Die Leistungsfähigkeit der Powellschen Tischhobelmaschine wird dadurch eine erheblich größere als die der gewöhnlichen Tischhobelmaschinen [2], [3].


Literatur: [1] Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1910, S. 195. – [2] Schütte, Alfr. H., Blätter für den Betrieb, 1913, S. 133 f. – [3] Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1913, S. 1478.

A. Widmaier.

Hobeln, Hobelmaschine
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 9 Stuttgart, Leipzig 1914., S. 372.
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