Kadettenhaus

[255] Kadettenhaus (Kriegs-, Militär- oder Offizierschule), eine staatliche Erziehungsanstalt für junge Leute, welche zu Offizieren herangebildet und, in Alumnaten abgeschlossen, in den militärischen Geist eingeführt werden sollen. In mehrjährigen Kursen erhalten sie neben den nötigen Schulkenntnissen durch Reit-, Turn- und Schwimmübungen sowie militärische Exerzitien die körperliche Vorbereitung für ihren künftigen Beruf.

Alle Militärstaaten, wie Frankreich, Oesterreich, Preußen u.s.w., besitzen seit Schaffung der stehenden Heere solche Anstalten; besonders der letztgenannte Staat hat viele neue Anstalten dieser Art erbaut. – Die bauliche Anlage, aus vielen, zum Teil zusammenhängenden Einzelgebäuden bestehend, umschließt weite Höfe und Uebungsplätze und besteht aus folgenden Teilen (s. die Figur): 1 mehrere dreistockige Wohngebäude für 100–200 Kadetten mit Wohn- und Arbeitszimmern für je 10 Knaben und angrenzenden Zimmern für die Lehrer in den beiden unteren Stockwerken, im obersten die zugehörigen Schlafsäle; 2. Schulgebäude mit den Lehrsälen, den Betsälen und dem Speisesaal; 3. Verwaltungsgebäude mit Küche u.s.w.; 4. Wohnung des Kommandeurs; 5. Wohngebäude für Offiziere und Lehrer; 6. Speiseanstalt für dieselben; 7. Krankenhaus; 8. Wasch- und Badehaus mit Desinfektionsanstalt; 9. Turn-, Reit- und Schwimmanstalt; 10. Stallungen mit Zugehör; 11. Dienerwohnungen.


Literatur: [1] Klasen, Ludw., Grundrißvorbilder, Leipzig 1883, Abschn. 12. – [2] Handbuch der Architektur, Darmstadt 1887, 4. Teil, 7. Halbbd.

Weinbrenner.

Lageplan der Hauptkadettenanstalt zu Groß-Lichterfelde.
Lageplan der Hauptkadettenanstalt zu Groß-Lichterfelde.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 255.
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