Krankenhaus

[674] Krankenhaus, Heilanstalt, vulgo Spital, Gebäude der öffentlichen Wohltätigkeit zur Aufnahme, Pflege und Heilung von Kranken; einzelne größere Anstalten dienen auch zur Schulung und Heranbildung von Aerzten und Pflegepersonal. Hervorgegangen aus den mittelalterlichen Hospitälern (s.d.) gliedern sich die Krankenhäuser der Neuzeit in 1. allgemeine Krankenhäuser für innere (medizinische) und äußere (chirurgische) Krankheiten; 2. Absonderungshäuser für ansteckende Krankheiten, als Blattern, Cholera, Fleck- und Gelbfieber, Pest, welche unbedingte Trennung fordern, sodann für Diphtherie, Scharlach, Masern, Rose und Keuchhusten, Darmtyphus und Ruhr, über welche die Ansichten geteilt sind; 3. Kinderkrankenhäuser; 4. Entbindungsanstalten; 5. Irrenanstalten (s.d.); 6. Militärlazarette; 7. Hochschulkliniken zur Ausbildung der Studierenden.

Mit einer solchen Gliederung in Anstalten für spezielle Zwecke konnten die Anforderungen der Gesundheitslehre in streng systematischer Weise festgelegt werden, welche darin gipfeln, daß für die Krankenräume die Beschaffung von möglichst viel Luft, größte Staubfreiheit und Reinhaltung anzustreben sei. Es wird daher verlangt 1. an Luftraum für ein Bett von Erwachsenen 40–50 cbm, für Kinder 25 cbm; 2. möglichste Trennung der Betten oder Beschränkung der Bettenzahl, d.h. für einen Saal höchstens 20–30 Betten; 3. geregelte Lufterneuerung und zwar stündlich die doppelte Menge des Luftraums, mindestens 70 cbm pro Bett; 4. Vermeidung stehender Luftschichten; 5. eine freie, gesunde Lage der Anstalt, entfernt von dem Straßengewühl, am Wasser oder von Bäumen umgeben.

Ungenügender Luftraum haftet fast allen Krankenhäusern der vergangenen Jahrhunderte als Mangel an. Nur wenige Ausnahmen zeigen in eigenartiger Weise Krankensäle zu langen und breiten, sich kreuzenden Hallen ausgebildet, wie z.B. das Ospedale maggiore zu Mailand mit 3000 Betten, gegründet 1456. Die mittelalterlichen Krankenhäuser waren klosterähnliche Anlagen mit Kreuzgängen und Kirchen; spätere weltliche Anstalten sind geschlossene Gebäudegruppen, welche einen oder mehrere Höfe umschließen und meist in engen Straßen eingekeilt liegen. Als eine besonders ungünstige Anlage sei das Hôtel Dieu in Paris angeführt, das bis vor zwei Jahrhunderten das einzige Krankenhaus der großen Stadt während eines Zeitraums von 1000 Jahren geblieben war und zuletzt, mit 5000 Kranken belegt, einem Brande zum Opfer fiel, bei welchem ein großer Teil der Kranken mitverbrannte. Das große Unglück hatte zur Folge, daß von nun an eine Aenderung in der Bauweise angestrebt wurde, ungefähr gleichzeitig mit Anregungen, welche von dem Menschenfreund John Howard (gestorben 1790) ausgingen. Der nächste Schritt zur Besserung war, die geschlossenen Höfe aufzugeben, welche dem Zwecke des Gebäudes nur schädlich entgegenwirkten, und zur Bildung von offenen Rechtecken überzugehen, so daß ein Mittelbau und zwei Flügel entstehen, welche drei Seiten eines Hofes umschließen. Die Verbindung der einzelnen Krankenzimmer u.s.w. erfolgt durch lange Gänge, welche an den Innenseiten[674] hinführen. Es ist dies das Flurgang- oder Korridorsystem, welches den Vorteil der leichteren Ueberwachung und eines bequemeren, wohlfeileren Betriebs bietet, so daß es für Anstalten für 30–120 Betten mit geringen Mitteln am heften dient, ein Faktor, der in vielen Fällen auch heute noch schwer ins Gewicht fällt. Andre Grundrißformen hierbei sind die Linienform, Kreuz- und H-Form (Fig. 13). Immerhin aber fehlt es bei diesem System noch an einer genügenden Zuführung von frischer Luft, was nur beseitigt werden kann durch die Auflösung der zusammenhängenden oder Massengebäude in viele getrennte Einzelbauten, welche in einem oder mehreren Stockwerken die von Luft umspielten Krankenzimmer mit den nötigen Nebenräumen enthalten und unter sich durch offene oder geschlossene Gänge verbunden, sind. Dieses Pavillon- oder Blocksystem, das zwar einzeln schon in England zu Mitte des 18. Jahrhunderts zur Anwendung gekommen war (Hospital zu Stonehouse bei Plymouth), führte erst 100 Jahre später durch die Erbauung des Hôpital de Lariboissière (Fig. 4) in Paris (1852) zu einer bahnbrechenden Gestaltung, die von nun an eine vielfache Nachahmung und weitgehende Entwicklung fand. Diese wurde jedoch erst veranlaßt und mächtig gefördert durch die reichen Erfahrungen, welche mit den im nordamerikanischen Bürgerkriege 1862 und den darauffolgenden großen deutschen Kriegen verwendeten Barackenbauten der Kriegslazarette gemacht wurden. Diese letzteren, welche in kürzester Zeit für viele Hunderte von Verwundeten und Kranken zu erstellen waren, bestanden in leichten einstöckigen zerlegbaren Gebäuden (s. Bd. 4, S. 314) mit je einem großen Saale zu 30 Betten und den nötigen Nebenräumen, in bestimmten Entfernungen angereiht an einen durchgehenden Verbindungsgang. Um den Fußboden des Saals um etwa 1,5 m über die Erde zu erhöhen, war der Bau frei auf Pfeilern oder Pfählen errichtet und somit der Krankenraum an allen Seiten von frischer Luft umgeben. Ost wurden auch die Seitenwände mit weiten Oeffnungen versehen, um die denkbar größte Luftzuführung zu erreichen. Die Ergebnisse der Heilung in diesen leicht erstellten und luftigen Bauten waren überraschend günstig und die Sterblichkeit bedeutend geringer als in den bestehenden mehrstöckigen und geschlossenen Krankenhäusern, welche während des Krieges gar oft zu Herden ansteckender Krankheiten sich ausbildeten. – Wenn auch für den Sommer sehr geeignet, konnten diese Baracken aber für den Winter eines rauhen Klimas nicht als ausreichend erscheinen Man hat deshalb, um die erkannten Vorzüge zu verwerten, es versucht, nach diesem Systeme, aber in dauerhaften Baustoffen, zunächst einzelne Vergrößerungsbauten bestehender Anstalten, besonders Absonderungshäuser für ansteckende Krankheiten zu errichten, und ging dann mehr und mehr dazu über, ganze Anlagen nach diesem Baracken-Blocksystem aufzuführen. So entstanden die großen städtischen Krankenhäuser in Friedrichshain (1873) [7] und [22], S. 434, und am Urban (1894) [19], [22], S. 442, sowie das allgemeine Krankenhaus zu Eppendorf bei Hamburg [19] (1885–1890), welche als neueste mustergültige Anlagen zu bezeichnen sind. Der einzige Nachteil derselben dürfte in der großen Weitläufigkeit zu suchen sein, welche die Verwaltung verteuert und erschwert. In England, wo am frühesten und auf das eifrigste nach Verbesserung der Krankenhäuser gestrebt wurde [3], [15], [16], haben noch folgende andre Bausysteme Eingang gefunden:

a) Das Cottagesystem, nach welchem für kleine Landorte und Fabrikanlagen auf dem Lande Gebäude in kleinsten Verhältnissen erstellt werden, welche zwei Krankenzimmer zu 4–6 Betten mit den Nebenräumen, Küchen und Verwaltung u.s.w. sowie Operationszimmer enthalten. Deren Vorzug liegt in der rasch gebotenen Hilfe und einer weitgehenden Absonderung der Kranken [7]. Beispiel: Fig. 5, Cottage-Hospital zu Redhill, London.

b) Die Rundsäle, Circular Wards, eine Erfindung des englischen Obersten Clarke, dessen System verschiedene Vorzüge nachgerühmt werden in bezug auf günstige Verhältnisse des Innenraums, Verteilung des Sonnenlichts und des Windes, Mangel an Ecken, großer Mittelraum für Uebersichtlichkeit u.a.m. Beispiel: The Miller Memorial Hospital, Greenwich [21]. Größte Anwendung beim städtischen Krankenhaus in Antwerpen mit 800 Betten.[675]

Die durch die Grundsätze der Gesundheitslehre bedingte, weitausgedehnte Anlage erfordert einen freien, am bellen hochgelegenen Platz außerhalb der Stadt, mit einer Umgebung von Gärten und öffentlichen Spaziergängen. Der freie Luftraum sei, wenn tunlich, auf 150 cbm pro Bett berechnet, die gesamte Größe des Krankenhauses aber so bemessen, daß auf je 1000 Einwohner des Bezirks 2,5 Betten kommen. Die Kranken sind nach Geschlechtern zu trennen, wovon die eine Hälfte den Männern, die andre den Frauen und Kindern zuzuweisen sind.

Hiervon entfallen auf 100 Betten:


Krankenhaus

Die Gesamtanlage ist so zu ordnen, daß beim Eingang in der Mittelachse das Verwaltungsgebäude mit den Beamtenwohnungen, Betsaal u.s.w., dahinter in geeigneter Entfernung die Küchen- und Wirtschaftsgebäude liegen. Zur Rechten und Linken in Entfernungen von mindestens 20 m liegen normal zur Achse die einzelnen Krankenblöcke, wobei für die leichteren und inneren Kranken zwei- und mehrstöckige, für die chirurgischen und ansteckenden Kranken einstöckige Bauten zu errichten sind.

Das Krankenzimmer ist in Form und Größe nach dem Bausystem, nach der Zahl der Kranken, nach der Krankheitsform und dem Geschlechte zu bestimmen:

a) beim Flurgangsystem mit nur einer Fensterseite 4–6 Betten, höchstens 10 bis 12 Betten;

b) beim Blocksystem mit zwei Fensterlangseiten 20 bis 28 Betten; außerdem Zimmer für Einzelpflege für 1 bis 4 Kranke. An Flächenraum pro Bett 7,5–10 qm; Höhe des Raumes 4,5 m, somit Luftraum pro Bett 35 bis 40,0 cbm, der bei ansteckenden Kranken auf 60–70 cbm zu steigern ist. Die Stellung der Betten ist bei einer Fensterseite parallel zur Fensterwand; im allgemeinen quer zur Längsachse. Hierbei sei der Mittelgang 3,0–3,5 m breit, zwischen den Betten 0,75–1,20 m, am Kopfende 0,50 m Abstand.

Die Fensterfläche soll mindestens 1,5 qm pro Bett betragen, was bei einer Fensterreihe schwer zu erreichen ist, bei zweiseitiger Beleuchtung aber auf 2,5 qm festgesetzt wird. Die Lage nach der Himmelsrichtung ist so zu bestimmen, daß die Lang- oder Fensterseite des Krankenzimmers mindestens einmal von den Sonnenstrahlen getroffen wird. Für Abhaltung zu grellen Lichts ist durch Schattenläden zu sorgen. Wände und Decken sollen waschbaren hellen Anstrich erhalten. Der Fußboden soll dicht und undurchlässig sein; eichene Riemen, Terrazzo oder Linoleum bieten die meisten Vorzüge.

Für Abführung der verdorbenen und Zuführung frischer, gesunder, im Winter vorgewärmter Luft ist durch künstliche Lüftung (s.d.) Sorge zu tragen. Dies kann in Verbindung mit der Heizung des Raumes, ob Lokal- oder Zentralanlage, erreicht werden. Für erstere dienen die Dauerbrenner (s. Heizung geschlossener Räume), welche, wenn tunlich, von außen heizbar sein sollten; für letztere sind die neuesten Systeme der Dampf- und Wasserheizungen sehr geeignet. Als neueste Methode ist seit zehn Jahren in dem städtischen Krankenhaus zu Eppendorf der Grundgedanke der altrömischen Heizungsweise im Gebrauch: die Erwärmung des Fußbodens und damit des ganzen Raumes durch unterirdische Heizkanäle. Der Erfolg ist ein ausgezeichneter.

Die Ausstattung des Raumes besteht in eisernen Bettstellen nebst Zubehör, Nachttischen, Ausgüssen und Waschtischen mit Kalt- und Warmwasserzufluß.

Die Nebenräume, welche vom Krankenzimmer direkt zugänglich sein sollen, lind: a) Wärterzimmer; b) Tee- und Verbandküche; c) Abort; d) Baderaum; e) Aufwaschraum; f) Tageraum zum Aufenthalt der Halbgenesenen, nach Süden gelegen, im Sommer als offene Veranda ausgebildet. – Die Gänge sollen hell und gut lüftbar sein, 2,3–3,0 m breit, an geeigneten Stellen mit Windfangtüren versehen. Sie sollen stets eine Fensterseite haben, nicht[676] in der Mitte zwischen Krankenzimmern liegen. – Die Treppen sind ebenfalls breit und hell, mit bequemer Steigung und geraden Läufen, und etwa 2 m breiten Ruheplätzen anzuordnen; Geländer oder Handleisten zu beiden Seiten. Die Stufen sind aus Stein zu erstellen und mit Linoleum zu belegen, um den Schall zu dämpfen. Sehr nützlich ist ein Aufzug für Personen oder für Lauen.

Die Verwaltungsräume werden je nach der Größe der Anstalt sich verschieden gestalten; bei kleinen: für einen Arzt, für Vorstand oder Vorsteherin, für einen Hausdiener und das Wärter- und Küchenpersonal. In größeren Anstalten kommen hinzu: Sprech- und Untersuchungszimmer für den Arzt und Assistenzarzt, für die Apotheke, Sitzungszimmer sowie mehrere Wohnungen.

Die Küchen- und Wirtschaftsräume sind in besonderen Gebäuden und bequemer zentraler Lage anzuordnen; bei großen Anstalten wird mit Vorteil ein Dampfbetrieb und abgesondertes Kesselhaus einzurichten sein. Ebenso ist die Desinfektion von Betten, Kleidern, Wäsche u. dergl. durch Dampf zu bewirken.

Das Leichenhaus soll tunlichst entfernt und in versteckter Lage, auch mit besonderer Ausfahrt errichtet werden. Es enthalte Räume zum Aufbahren von Leichen, zur Ueberwachung von Scheintoten, zur gerichtlichen Aufnahme; ein Sargmagazin im Kellergeschoß. Im Hauptgeschoß eine Kapelle, einen Sezierraum, einen Waschraum und Wärterzimmer.

Das ganze Gelände ist durch eine Mauer oder Gitter zu umschließen. Die einzelnen Eingänge sind durch Pförtner zu überwachen. Die Verbindungswege sind nachts ausreichend zu beleuchten. Besondere Beachtung verdient eine rationelle Entwässerung der Gebäude und des Geländes, wobei Sorge für Abhaltung von Uebertragung ansteckender Stoffe auf die Umgebung zu tragen ist.

Verwandte Anlagen mit abweichender Ausbildung sind:

1. Kinderkrankenhäuser, bei welchen sowohl der Belegraum wie auch die Art der Pflege eine verschiedene Anordnung verlangt. Die ansteckenden Kinderkrankheiten, wie Diphtherie, Scharlach, Keuchhusten u.s.w., erfordern strengste Trennung in kleinere Abteilungen, die bei großen Anstalten zu getrennten Gebäuden führen. Beispiele [13] und [23], S. 162 ff.

2. Militärlazarette, in welchen disziplinäre Gründe der Anwendung von großen Krankensälen entgegenstehen; eine Trennung nach Geschlechtern fällt hier hinweg, dagegen sind Räume für Arrestanten, Geisteskranke u.s.w. vorzusehen. (Literatur: Allgemeine Grundlätze für den Neubau von Friedenslazaretten, Berlin 1878). [11], [14], [22], S. 274.

3. Hochschulkliniken sind meist mit den städtischen Krankenhäusern verbunden und zeigen eine Aenderung in der Anordnung des Verwaltungsgebäudes dadurch, daß in denselben die[677] zu Lehrzwecken dienenden Sammlungen von Präparaten, Vortrags- und Operationssäle mit amphitheatralisch angeordneten Auditorien, ferner die Poliklinik mit großen Wartezimmern u. dergl. Platz finden.

Der Operationsraum in chirurgischen Abteilungen erfordert sehr reichliche Zuführung von Seiten- und Oberlicht. Wände und Fußboden sind besonders undurchlässig und gut waschbar herzustellen; letzterer mit Gefälle und Ablauf. – Zur Ausstattung ist nötig: a) eiserner Operationstisch auf Rollen und mit Glasunterlage; b) Wandbrunnen mit mehreren Kippbecken, Kalt- und Warmwasserhähnen und Brause; c) Sterilisierapparat für Wasser und Verbandzeug; d) Instrumentenschrank; e) Wandschäfte und verstellbare Tische mit Glasplatten für Instrumente. Außerdem sind Nebenzimmer nötig für den Aufenthalt der Kranken mit Ruhebetten und Wandbecken.

4. Entbindungsanstalten, welche meist in größeren Städten zu Lehrzwecken für Aerzte und Hebammen errichtet werden. Wegen des sehr ansteckenden Kindbettfiebers früher nach dem Zellensystem erbaut, bilden dieselben heute Absonderungshäuser wie bei den übrigen ansteckenden Krankheiten; nur enthalten sie neben mehreren Krankenzimmern zu 6–10 Betten einen Entbindungssaal mit Teeküche, Abort und Bädern und Zimmer für Hebammen.

5. Diakonissen-, St. Vincentiushäuser, Krankenheime vom Roten Kreuz u.s.w. sind Erziehungshäuser für Krankenpflegerinnen; zu welchem Zwecke auch Kranke der verschiedensten Art, jedoch ansteckende nicht, aufgenommen werden.

Das Pflegepersonal ist in den verschiedenen Ländern je nach Religion, Sitte u.s.w. sehr verschieden organisiert. In den katholischen Ländern haben die hierfür gestifteten geistlichen Orden die Pflege in Händen. In den protestantischen Ländern oder solchen gemischter Konfession wie Deutschland sind neben genannten Ordensleuten auch evangelische Krankenschwestern tätig, welche in besonderen Anstalten, den Diakonissenhäusern, leben und herangebildet werden. Außerdem bestehen auch weltliche Pflegeanstalten, welche durch Wohltätigkeitsvereine, vaterländische Frauenvereine, Vereine vom Roten Kreuz u.s.w. errichtet worden sind zu dem Zwecke, für die Krankenpflege im Kriege und in Privathäusern ein geschultes, zuverlässiges Personal heranzuziehen.

6. Genesungshäuser haben den Zweck, die aus den allgemeinen Krankenhäusern entlassenen, aber noch nicht hinreichend gekräftigten Kranken aufzunehmen und ihnen hier auf einige Wochen den Genuß guter Kost und frischer, gesunder Luft zu verschaffen, bevor sie in ihre eignen Wohnungen zurückkehren. – In England schon länger entstanden (bereits 1885 5000 Betten), kommen sie auch in Deutschland rasch auf, seit durch das Gesetz der Krankenversicherung die Gemeinden dazu geführt werden, ihre überfüllten Krankenhäuser möglichst zu entlasten. Für einfache Verhältnisse können frei und gesund gelegene Wohnhäuser dienlich sein. Große Anstalten sollten nicht über 100–200 Genesende aufnehmen. Die Schlafräume müssen groß und luftig sein (ca. 10 qm pro Bett), Badeeinrichtung im Hause vorhanden und weite Gelände mit Baumreihen die Umgebung bilden (Fig. 7 und 8). Verwandt hiermit sind die Ferienkolonien für Kinder am Meer oder im Gebirge.

Die Baukosten eines Krankenhauses stellen sich nach der Anzahl der Betten und der inneren Austattung sehr verschieden. Sie betragen: für das städtische Krankenhaus in Friedrichshain, Berlin, pro Bett 7440 ℳ. Für das Krankenhaus in Eppendorf-Hamburg pro Bett 3900 ℳ. Dasselbe in Antwerpen, Rundsäle, pro Bett 6140 ℳ. Für einfache Anlagen pro Bett 2000–2500 ℳ.


Literatur: [1] Römer, Gebäude für Heil- und Pflegezwecke, Baukunde des Architekten, Berlin 1884, Bd. 2, S. 387 ff. – [2] Klasen, Ludw., Grundrißvorbilder, Abt. 4, S. 314 ff. – [3] Oppert, Die Einrichtung von Krankenhäusern, Berlin 1859. – [4] Ders., Das Hospital Lariboissière in Paris, Försters Allgem. Bauztg., Wien 1858, S. 95 ff. – [5] Stein, Die Diakonissenanstalt Bethanien, Berlin 1848. – [6] Plage, Studien über Krankenhäuser, Berlin 1874. – [7] Gropius u. Schmieden, Das allgem. Krankenhaus in Friedrichshain, Berlin 1876. – [8] Dies., Der Evakuationspavillon des Krankenhauses Bethanien, Berlin 1873. – [9] Epe, Das Barackenlazarett der Charité in Berlin. – [10] Epe, Das Augusta-Hospital in Berlin 1873. – [11] Weltzien, v., Das zweite Garnisonslazarett für Berlin bei Tempelhof, Berlin 1879. – [12] Gruber, Neue Krankenhäuser, Wien 1880. – [13] Weyer, Das Oppenheimsche Kinderkrankenhaus, Köln 1884. – [14] Börner, Die Hygieneausstellung in Berlin 1883. – [15] Currey, The Thomas-Hospital London, builded 1865 u. 1871. – [16] Galton, The Herbert-Hospital Greenwich, builded 1866. – [17] Burdett, Cottage-Hospitals, London, Churchill 1880; im Zentralblatt der Bauverwaltung Berlin folgende Werke: [18] Böttger, Kochs Institut für Infektionskranke, Berlin 1891, S. 201 ff. – [19] Ders., Ueber neuere Krankenhausanlagen, 1894, S. 389 ff. – [20] Weinbrenner, Ludwig-Wilhelm-Krankenheim Karlsruhe, 1893, S. 27 ff. – [21] Mühlke, Krankenhäuser mit kreisförmigen Sälen, 1866, S. 168 ff. – [22] Berlin und seine Bauten, Berlin 1896. – [23] Frankfurt a.M. und seine Bauten, 1886. – [24] Dresdener Bauten, 1878. – [25] Straßburg i. E. und seine Bauten, 1894.

Weinbrenner.

Fig. 1–3.
Fig. 1–3.
Fig. 4.
Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 5.
Fig. 6.
Fig. 6.
Fig. 7., Fig. 7a.
Fig. 7., Fig. 7a.
Fig. 8., Fig. 8a.
Fig. 8., Fig. 8a.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 674-678.
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