Kunstflug [2]

[464] Kunstflug, umfaßt alle Arten des Erhebens und Verbleibens in der Luft ohne natürliche Mittel und ohne Verwendung des Auftriebes leichter Gase, also das Schweben der Drachen (s. Drache), die Fallverzögerung der Fallschirme (s. Fallschirm), das Gleiten der Gleitflugzeuge (s. Gleitflug und Gleitflugapparate) und den Motorflug (s. Flugzeug).

Die Natur erreicht eine Fortbewegung ihrer Organismen in der Luft einerseits durch außerordentliche Kleinheit derselben (Bakterien) oder durch geringe Vergrößerung des Gewichts und außerordentliche Vergrößerung der Oberfläche (Samen) oder durch Anordnung besonderer unbeweglicher Flächen (Ahornsamen, Zanonia macrocarpa-Samen) oder durch bewegliche Flügel[464] (Tierflug). Insekten erzeugen ihren Auftrieb durch außerordentlich schnelle Flügelbewegung, Vögel durch kräftige Flügelschläge unter geschickter Ausnutzung der äußeren Wind- und Erdkräfte. Alle von der Natur gehobenen Massen sind klein im Vergleich zu den beim Kunstflug zu hebenden, weil das Eigengewicht der Menschen auch entsprechend große Apparate verlangt. Daher ist die Muskelkraft des Menschen nicht ausreichend, ihn zu tragen, vielmehr muß noch eine Zusatzkraft hinzukommen, die durch den Motor erzeugt wird, wenn ein dauerndes Verbleiben in der Luft und kein langsames Herniedergleiten beabsichtigt ist.


Literatur: Moedebeck, Taschenbuch s. Flugtechniker u. Luftschiffer, Berlin 1911.

Béjeuhr.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 9 Stuttgart, Leipzig 1914., S. 464-465.
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